Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXV (1920)
- Issue
- Heft 86 (3.12.1920)
- Date
- 1920-12-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2651273-2652228-2652309--13591-2671332- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
"y. C.3 er 3 I £*<UkÜ*«1 &4 V«rl*f W. 15. Such־4־K',h« Su, fc. E*p.J.r.in\!״*>־׳» Dienste׳,׳ «ad FfeiUg. i’nxnjrsprc!* b«i der b>f«s4״il־üa ttr.-d 4»:u r*>Umt'rB vi*rU!iadirHch t2,Sü M, in DcutsilJauH, A»1if*n,i.v,*bo1me• «1«nU1 w«rd«m »r 4»r ’WÜbruf’if def •inrelri«!■» iFiudor bemiirel. Naramer 86 Berlin, 3. Xll. 1920 frf1 J A n teige u » V e r v.־ u 11 u s» g , Verlag Alwin' Locvmithai, Berlin W, 15, Sächsische Sfcr.8. ‘ Telephon: Amt Ubbmi 845 and 846. Anlv 1 di» *icWn«rf׳־׳k״׳H<fn• V/>U M., F*miliev1»nsai2en 4 M. pro Zeile. A u SEC I יי׳• n £ €t*l a i : Di«ro»<a* «'»»** Fr<־ii«j n«rWUA»j * 4 Ul*r. *st®Ka . . - - n■ T*let9ni!1: Äml Uo'and dm and .*Uh. PiftlUohecfcta«*«.• : lUtU* Nr, 17 V>1. Fii» Oostrrnich: P®#tBparkn<1ae1j/׳mt Wir׳!», Kont• Nr. 156030. f u* T1cheriro«lo«r»k«l. P«»l1p«rka״n1n»tnt P»*$. Koat» Nr. 156 030. '?*Hi fcGo*»\eh*«ft S*n0t»y xxm* M>Hw»dh itrflhm'.Hi! 22 Kfslew 5681 SXV. Jahrs Dar ZlanlMan• •r strebt für da• fu*I!t<cJU« V©!h die Otlittflöiajj einer Ef'f©ntSeS!־recMlldj jgedlcherttB IlelantBtte Im PalSattaa. ,^aiwlcr PresrranaiB׳ Keren hajessod Die Grundlagen. In den ,,Ersten Voraussetzungen“ ist gesagt worden: sich /um Keren hajessod ins richtige Vor• ad!ms setzen, heißt, sich als Bürger oder wenigstens als Mitbürger des künftigen Gemeinwesens in Paliistina fiililen. Mit dieser Auffassung koiinnen wir geraden Weges /u den Grundlagen des Keren hajessod. Bin geordnetes Gemeinwesen arbeite! mit -einem eigenen Kapital und den Beiträgen, die die Bürger in Form verschiedener Steuern und Abgaben an den Staat uhftihrcn. Das eigene Kapital sind Bestände au Edelmetallen und Werten, staatliche Betriebe wie Eisenbahnen, Forstwirtschaft! Bergwerke oder Anstalten des Staates, für deren Beniit/uiig (irbüliren zu entrichten sind. Sind Staatliehe Bedürfnisse /u befriedigen, die aus dem Eigenvermögen, aus den Einkünften von Betrieben des Staates oder aus den Stoucrlcistuiigcn nicht gedeckt weiden können, so schlifft sich der Staat, gestützt auf seinen Besitz au Werten oder auf die Steuerkralt seiner Bürger, neue Mittel durch Anleihen. Wir beginnen den Aufbau unseres Gemein- Wesens ohne alle diese Voraussetzungen. Unser Gemein wesen im Status nasceudi - das ist der ictzige Jischuw besitzt kein Vermögen, keine Anstalten, seine Steuerkralt, soweit sic nicht von der übergeordneten Mimdatarregienuig in Anspruch genommen wird, ist als Eaktor besser nicht in \nscldng 11׳ bringen. Unser Aufgabenum! Ausgabenkreis .!her ist 1.0 groll und vielfach sogar kompli/ierter ds der eines norntaleu Kleinstaates. Denn obwohl die Maudntariuacht eigentlich die Tätig- .eiten übernimmt, die man als staatliche bezeichnen kann, bleibt ein noch viel beträchtlicheres Arbeits-;irogramm übrig. Es betrifft die jüdisch-nationale Heimstätte, deren Errichtung die Mimdalannacln begünstigt, die aber wir schaffen müssen. Würden wir die Stelle, die den Aufbau zu finanzieren hat, unser Eiiiauzmiiiistcrium* nennen, so wäre es eines, 1 las nur über eine Seite eines Eiuan/systems verfügt: die I.!ehersieht über die notwendigen Auf- Wendungen die andere Seite, Kapital und Einkünfte, sind erst zu schaffen. Für diese zweite "'eite des Eiuan/systems ist der Keren hajessod berufen, Aber das ist noch nicht alles. Die Wirt schaff eines Gemeinwesens, die staut-!!che Wirtschaft, stützt sich auf einen Organismus, der sieh /usainmenset/t aus der ökonomischen Bea lehsamkeit aller Volksgenossen auf die Volksw 1 r t s c 11 a f t. Ackerbau, (iewerhe, Industrie, Handel und freie Berufe wirken miteinander und :!einander, und aus ihrem Gedeihen schöpft das 1 lemeinwesen die Mittel, die zu seiner Aufrechterhaltung nötig sind. Des Staates Aufgabe ist cs, durch Verstärkung der technischen Hilfsmittel, durch die sogenannten öffentlichen Werke, durch \11sbau iles Verkehrs- und Transportwesens, durch j Erschließung von Wasser- und Lichtquellen, durch . -anitärc und erzieherische Maßnahmen, die Volks- I Wirtschaft zu stärken und zu heben. In Erez-Jsrael sind kaum erst die Rudimente 3 einer Volkswirtschaft vorhanden, ein wenig Acker; ■ bau, Handel und Gewerbe, noch fast keine 111־ 1 dustric. Der Kercu hajessod ist es, der die Stelle ■j les zentralen Organs zu übernehmen, der den Auf* ‘ t nau einer normalen Volkswirtschaft in die 1 Wege zu leiten hat. jl| Und auch diese Aufgabe ist mir unter 3j!schwelenden Bedingungen z.u lösen. Nicht nur!sie politische Notwendigkeit, die uns das Ziel weist, ׳.bald als möglich eine Majorität im Lande zu bilden, in eben solchem Maße die wirtschaftliche Notwendigkeit drängt uns dazu, eine Einwanderung stoßen Stiles durch/.ufiihren. Je länger die Ein- "anderuug dauert, das heißt, auf einen je längeren Zeit 1;hihi sie sieh ausdehnt (und je geringer die '■'uotr der Einwanderer ist, um so langwieriger und 1 1;״vollkommener ist die Volkswirtschaft, die sicli I ,ushiklct. um so unvorteilhafter werden die öfient- 1'dien Einrichtungen, die der Volkswirtschaft unentbehrlich sind. Jeder versteht, daß gemeinwirt- 'diafßiehe Betriebe, sei es eine Eisenbahn, sei es '׳nie Lieht/entrale, um st) ergibiger werden, eine f£r den Schekel! 1 Gesinnungsgenossen! Laut Beschluß der Exekutive der Zionistischen Organisation soll der diesjährige Schekclabaatz (SCSI) vom bevorstehenden Chanukahfcste ab seinen Anfang nehmen.. Wir richten daher an alle unsere Gesinnungsgenossen die Aufforderung, unverzüglich an die Einleitung der großen Schckclkampagtus zu schreiten. Wir fordern eine Million Schckolim! Mit diesem Ruf gehen wir an die Massen. Eine Million Juden als Stärkung unserer Reihen, als die Avantgarde unserer nationalen Wiedergeburtsidee. Alle unsere Gesinnungsgenossen und Mitarbeiter werden, wir sind dessen sicher, die Bedeutung ihrer Aufgabe verstehen und vom tiefen Wunsche beseelt sein, unsere diesjährige Schekclkampagne zu einem großen politischen und finanziellen Erfolg für den Zionismus zu gestalten. Der Schekel war stets das Symbol unseres organi* sierten Volkswillens, Jetzt bildet er die reale Grundläge der Organisation und ist der Träger unseres Befreiungswerkes. Die Notwendigkeit, vor der ganzen Welt den Beweis der Stärke und Größe der Zionistischen Organisation zu liefern, war noch niemals so dringend wie im gegenwärtigen Moment. Gesinnungsgenossen! Sorget dafür, daß unser Schekelruf beim jüdischen Volke cineu würdigen Anklang findet! London, Kislew 5681/November 1920.' Die Exekutive der Zionistischen Organisation Der (icscli.äftsfülin Ausschuß der Z. V. f. D. richte! an alle Ortsgru die Aufforderung, in den C 11 a 11 u k a 111 a g e n . der g ruße» Schekela k t io 11 zu hv ginne., ine neuen Sehckc-Mirks sind bereits unterwegs. Der Ile trag eines Schekels für Deutschland wurde mit II) \t. festgesetzt. Die Aktion soll sofort mit aller Kraft einsetzen, denn von der An- /alii der aufgebrachten Schekel hängt in Hinkynft die Stellung des deutschen Landesverbandes in der (iesanu- Organisation ab. je größere Bevölkerungs/ahl auf der ander en Seite steht. Grundlegung der Wirtschaft des Ge- 111 e i 11 wt sens, Grundlegung-der Volkswirt - schaff, Grundlegung für eine steigende Bcvölkerung, das ist Keren hajessod. Und Grundlegung in des Wortes cigentliebster Bedeutung ist der Keren hajessod, weil er mit der gesteigerten Bevölkerung eine gesteigerte S e ß 11 a f 111t a c 11 u n g erstrebt. Soviel Menschen als möglich, soviel Boden unter den Füßen als möglich. Der alte Satz, daß die Kraft eines Geiiiemweseiis auf dem Bauer ruht, gilt für Erez- Israel doppelt, weil jeder Bauer ein Stück itatiouale Heimstätte repräsentiert. Darum hat der Keren hajessod mit Recht trotz des Besteliens und einer hoffentlich noch erfolgreicheren Arbeit des jüdischen Nationalfonds den Bodenerwerb und die Urbarmachung von Boden z.u einem betrachtliehen Teile mit in seinen Aufgabenkreis gezogen, Keren hajessod ist auch: Erlösung, des Ho d e 11 s. So stellt sich für jeden, der als potentieller Burger oder Mitbürger an den Keren hajessod 11eraiitritt, der so zum Keren hajessod beisteuert, daß sein Beitrag nicht eine gute Gabe, sondern b ii r ge r liehe Bf licht ist, jede Verwendung der Mittel des Keren hajessod in den geschlossenen Kreis eines Systems nationaler Wirtschaft. Und darum ist jede Verwendung produktiv•. Die Baracke, die mau für den Einwanderer baut, der Unterhalt, den man ihm gibt, bis er zur Arbeitsstätte kommt, die Erziehung, die man den Kindern zuteil werden liißl, sanitäre Maßnahmen, die die Gesundheit der Bevölkerung heben, alles Ausgaben, die dem ersten Blick als ״fonds perdus“ erscheinen, weil sie keine Erträge in klingender Münze abwerfen sind von unserem national-wirtschaftlichen Standpunkt aus nicht weniger produktiv als Eisenbahnen, die einen sichtbaren Gewinn bringen. Denn sie schaffen un* entbehrliche Elemente einer gesunden Volkswirtschaft: steigende Bevölkerung, Vermehrung der Energien, Erhöhung der Leistungsfähigkeit und begründen damit die Basis für die künftige Steuerkraft des Gemeinwesens. Audi die nationalen Instit»te: Sei,ulen, Hospitäler, Laboratorien, Museen scheinen auf den ersten Blick in Stein kstgeiegte Kapitalien zu sein. Aber nicht sowohl ihr materieller Wert ist es, der einen Vermögensbestaridteil des Gemeinwesens nusmacht, als vielmehr der allgemeine Nutzen, der von ihnen ausgebt, mag es sich auch um Imponderabilien handeln, die sich der Messung entziehen, mag es auch Jahr und Tag dauern, ehe die Ergiebigkeit sieh in greifbare Münze tmtsef/l. Darum bedeutet Keren hajessod für uns: Pro- , d u k t i v i t ä t. Und so klärt sieh fur uns das Wesen des Keren hajessod. Wer im Gefühl seiner Zusammengehörigkeit mit der jüdisch-nationalen Heimstätte /um Keren hajessod beitrügt, übernimmt damit zmilidist die Pflicht eines Bürgers, der Steuer zahlt für das, was das Gemeinwesen ihm gibt'an Ordnung, au Sicherheit der persönlichen Freiheit und Bctätiguiigsmöglichkeit, an Beihilfe für seine Wirtschaftliehe und soziale Existenz. Wer seinen Beitrag fiir den Keren hajessod leistet, hilft aber auch dem Gemeinwesen allmählich Worte aii/usainmeln, ein Vc rmogcu des Gemein- Wesens zu begründen, das sich /u-aminc.!.setzt aus verschiedenen nationalen Institutionen, sozialen und sanitären Einrichtungen oder Gebäuden für offentliehe Zwecke ein Vermögen, das das Gemeinwesen •11 den Stand setzt, seine eigene־ ,,Staatswirtsehr:?:“ 11׳ :'Öhren und die Wirtschaft dir Bevölkerung, die ,,Volkswirtschaft", /u einer normalen Entfaltung zu bringen. Damit wird die Kredit- Basis für eir.e künftige nationale Anleihe geschaffen. Und darum ist im Beitrag zum Keren hajtsxod jetzt schon etwas von einer nationalen Anleihe enthalten, einer Anleihe freilich, deren Interessen nicht ׳tirückilieücn an den Beitragleisteiiden, sonderu an die Gesamtheit der künftigen Bevölkerung von Erez-Jsrael, Und auch diese Verzinsung ist nicht eine in einem bestimmten Prozentsatz, es ist eine Fiucl.tbarmachung von Aufwendungen, die sich in einem allgemeinen Aufschwung unter stets verbesserten ökonomischen und sozialen Bedingungen äußert. Aber es ist noch ein drittes Element im Beitrag zum Keren hajessod: insoweit das potentielle Gemeinwesen durch den Keren hajessod bereits selbst als Unternehmer auftritt, etwa Eisenbahnen baut, Hafeiiaulagen errichtet, oder Hypothekenbanken, oder Versickerungsinstitute begiüiidet, Unternehmungen also, die auf der Grundlage der regulären wirtschaftlichen Betriebe ruhen, wird der Reitragleistendc zum Keren hajessod ein Teilhaher an diesen Unternehmungen, mit vollem Aurecht an ihren Ergebnissen zu partizipieren. Ist in der Steuer und in dem, was wir vorhin als eine Art ,,Anleihe‘‘ be.'vichneten, die Bürgerpflicht voiansgeuonimen, so ist es hier das Bürger ree 111: die Möglichkeit, sieh mit einem Einsätze seines Vermögens an Handel und Wandel zu beteiligen. 111 harmonischer Weise verbinden sich so 1111 Keren hajessod, sich stützend und sich ergänzend, seelische Voraussetzungen eine ״Lebensanschaumig" sub specie eines geschichtlichen Augen- Blicks und materielle Grundlagen als die vernünftige Form, aus Lebensanschauung Lebenswirk- Jichkeit zu mache״. Was in den Resolutionen der Jahrejikonferettz gesagt ist, ist für den, der cs versteht, ein ganzes System. Jeder Salz gibt Aiue- 'gütigen, sei es zum Sittengesetz, der neuen jüdischen Nation, sei es zur Erkenntnis über den Wirtschaftlieben und soziale״ Aufbau unseres Gemeinwesens. Richtig gelesen, richtig gefühlt und verstanden, sind diese Resolutionen etwas wie die״Convenaiits", die Grundgesetze, auf die die Mitglieder ueugehiideter staatlicher Gemeinschaften ihren Eid geleistet haben. Der Keren hajessod ist unser erstes Staatsgrundgesetz. Berthold Feiwei.