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Jüdische Rundschau · 1920-11-30 · Heft 85 (30.11.1920) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 85 (30.11.1920)
Date
1920-11-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
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B'fifc»tiSc!i-rcc!1tlIch geateberttn HeiaaitHtt« In Pftlfistina«!*Baseler ProjpransDi^ Die Bekämpfung der Pogrome 1 Unsere ökonomische Arbeit . Zusammengehen aller Parteien des russischen Judentums Eine ,,Jüdische Gesellschaft für den Völkerbund“ Aus Paris wird vom 23. November gemeldet: Das Komitee der jüdischen Delegationen in. Paris rief eine Konfei euz der in Paris weilenden jüdischen Vertreter ans Rußland zusammen, uni über die Präge zu Iveratcn, wie weit eine Zusammenarbeit der verschiedenen Gruppen der russischen Judensehaft im Auslände zum Zwecke der 15 e k ä m p 1111! g 11 e r Pogrome und denen Verhütung in der Zukuiift möglich sei. An der Koniereriz, die unter dein Vorsitz Sokolows stattfand, nahmen folgende Herren teil: Leo Motz ki n, W i n a w e r, Sliosberg, Rabi 11 owitsch, Efroikin, Dr. Pasmauik, Hin des, Blanc kund andere. Sokolow und Mot/kin vertraten den Standpunkt, daß die Bekämpfung der Pogrome eine unabhängige nationale Aufgabe zu sein hat, die weder mit andere« politischen Agitationen zu vennengen sei, noch in irgend einer Weise von der jeweiligen Richtung in Rußland und den dortigen Ereignissen abhängig sein dürfte. Im Sinne dieser Ausführungen wurde auch die vorgeschLagene Resolution angenommen. Ferner wurde beschlossen, eine j ü - di sehe Gesellschaft für den Völkerbund zu begründen. Gleichzeitig wurde ein Komitce eingesetzt, welches demnächst eine Konferenz sämtiiclier öffentlich tätigen russischen Juden einberufen wird. (J.C. B.) Die Frage des Mandates Wie das Londoner J.C. B. meldet, faßte die ,,Parlamentarische Gruppe für palästinensische Angekgcithcitcii‘*, die gelegentlich der Vorgänge vor der Entscheidung in San Rcino unter dem Vorsitz Lord Robert ■ Cccils begründet winde, auf einer im englischen Unterliause abgelialtcnen Sitzung nachstehende Resolution: Die britische Regierung wird aufgefordea, in die Bestimmungen des Mandats über Palästina die endgültige Anerkennung der histarischon Bande, welche das jüdische Volk mit Palästina verknüpfen, des Status der Zionistischen Organisation und der Politik der Entwi klung Palästinas zu einer autonomen Gem 0 i 11 s c I! a f t (self-govcrning Commonwealth) aufzu nehmen. Ferner wird die britische Regierung aufgefonle! l, mit der französischen Regierung die «öligen Abmachungen bezüglich des An- Schlusses des Jordantales und besonders des Untcriaufcs des Jartnuk an Palästina zu treffen, da sonst der wirtschaftliche Wiederaubau Palästinas beeinträchtigt, ja gefährdet erscheint. Antizionisnuis um jeden Preis I Ps ״Bert. Tageblatt“ (Abendaiis^abr v. 23. Nos.) veröffentlicht nachstehende Notiz (s. vorige Nr. der ״J. Rdscli..*׳ * :(״ ״Der ZentraJvere-ii! deutscher י Staatsbürger jüdisdieii Glaubens bittet uns um die Feststellung, daß die 111 der heutigen Morgenausgabe veröffentlichte Zuschrill über ״Die l.aife in Palästina“ nicht von ihm selbst ausgeht, sondern den ״Mitteilungen des Bimdes der Asienkümpfer“ entnommen ist“ Diese Berichtigung ist sehr unklar. Es Kt daraus melit zu ersehen, von weit! die Zuschritt eigentlich ״aus- «eht“, und wer das Zitat den ״Mitteilungen des Baudes der Asieiikämpfer“ entnommen bzw. dem ״ß. T.“ z•!gesandt hat. Die jüdische Oeffentlichkeit hat ein Interesse daran, daß unbedingt aufgeklärt wird, wie ein derartig unliebsamer Irrtum Vorkommen konnte, wer der Schuldige ist und wie dei־ Zentralerem diese mysteriöse u*d kompromittierende Angelegenheit beurteilt. Wir selbst •wollen uns des definitiven Urteils enthalten, bis die erwartete ,u nm iß verständliche Aeußerung des Zentralver- «,ms Torfkgt. ' Von Dr. Arthur Ruppin, Jerusalem. Referat, gehalten in der Sitzung des Waad leunii. Wenn der Waad leumi einen Einfluß an der Entwicklung ,Palästinas haben will, muß er sich der wichtigsten Arbeit zuwenden - der ökonomischen. Die Einwanderung der Juden nach Palästina bis vor vierzig Jahren geschah aus religiösen Gründen. Nicht um in Palästina besser zu leben, sind sie dorthin gewandert. Sie kamen nach Palästina, trotzdem ,sic dort infolge der primitiven Wirtschaft, der türkischen Willkür und der Unsicherheit ein viel ärmeres und schlimmeres Leben zu führen gezwungen ■waren, als in dem Lande, aus dem sie stammten. •Die Palästina-Wanderer wollten hier keine Geschäfte maeheri, sondern ein heiliges Leben führen. Sie vertrauten mit Recht darauf, daß sie ihre in der Diaspora glücklicher lebenden Brüder unterstützen werden. Und so blieb Palästina immer vom Auslände abhängig. Diese Abhängigkeit übertrug ■sich auch auf den neuen jiscliuv, der ebenfalls nicht autarkt sein konnte. Der neue Jisciunv, auch der!städtische, ernährt sielt direkt oder indirekt von den!Kolonien, und die meisten Kolonien haben, wie bekannt,!nie aufgehört, vom ausländischen Kapital abhängig 501 sein. Palästina hatte immer eine passive Bilanz. Eine Zeit lang, kurz vor Kriegsausbrueli, als mehrere wohlhabende Juden nach Palästina auswanderten, erhob sich der Jischuw zu einer gewissen ökonomischen Höhe, und es schien, als ob er Ln der nächsten Zukunft auf jede auswärtige Hilfe würde verzichten können. Der Krieg aber mit allen seinen Folgen, zu denen auch der ökonomische Zusammenbruch des östlichen Judentrans zu zählen Kt, s.-hletidmie Palästina uit. Jahrzehnte zurück. Gegenwärtig befinden wir uns in einer schwereu Krise infolge des Versiegens der auswärtigen Geldquellen. Zwar gelaugt jetzt durch die Ziouistisclie und sonstige im Lande arbeitenden Grganisatiouen mehr Geld nach Palästina als zuvor. Aber diese Steigerung wiegt weder den ganzliehen Mangel an Privatkapitalien» die vor dem Kriege ins Land strömten, noch die erschreckende Teuerung aller Lebens- und Bedarfsmittel auf. Es unterliegt keinem Zweifel, daß wir weit größere Summen brauchen, wenn wir von dem Gefrierpunkt wegkommen und das Land wirklich aufbauen wollen. Als Beispiel kann Aegypten dienen, das ebenfalls seit der englischen Besetzung vor vierzig Jahren nicht durch eigenes, sondern nur durch fremdes Kapital seinen gegenwärtigen Ökonornischen Stand erreichen konnte. Und nicht nur Aegypten allein, sondern alle Länder, die in den letzten hundert Jahren eine ökonomische Blüte erreicht haben, konnten dies nur durch Kapitalien, die ihnen reichere Länder zur Verfügung gestellt haben. Der Unterschied zu ungünste» Palästinas besteht nun darin, daß jene Länder das Kapital nur zu produktiven Zwecken importiert haben, während Palästina das angeführte Kapital zu in größten Teil unproduktiv ausgegeben hat. Auel! für uns wäre es viel vorteilhafter, wenn wir wie jene Länder nur produktive Kredite verlangen könnten. Wenn wir aber vorläufig auf die auswärtigen Wohltätigkeitszuschiisse noch nicht verzichten können, so muß der Waad leumi sich doch darum bemühen, daß sich Palästina immer mehr a,11 den öffentlichen Ausgaben des Landes beteiligt, so daß der größte Teil der von außen konnneiKlen Kapitalien zu produktiven Zwecken wird au *genutzt werden können. Wenn ich davon gesprochen habe, daß man Kapitalien für produktive Zwecke bekommen muß, wollte ich damit nicht sagen, daß der Waad leumi die Organisation des ökonomischen Lebens übernehmen sollte, beziehungsweise große Industrie- Unternehmungen ins Leben rufen sollte, ־— das wird von •seiten der Regierung oder privater Leute geschehcn. 1 Der Waad leumi muß nur für die Ökonomischen Bedürfnisse der breiten Volksmassen sorgen und für ihre Befriedigung die passenden Wege finden. Er muß die Initiative ergreifen zur Gründung der nötigen Institutionen, und von ihm muß der Einfluß auf das Publikum und auf die Regierung ausgeübt werden. Aber die Institutionen selbst müssen durch das Publikum geschaffen werden Diese Aufgaben sind sehr mannigfaltig. Ich will liier mir die wichtigsten erwähnen und nur diejenigen, die auf hinreichender Erfahrung m anderen, entwickelteren Ländern beruhen. Wir brauchen nicht auf neuen und unsicheren Wegen herumzulasteu, sondern das in anderen Länder!» Erprobte in Palästina ein/ufiilireii. Die Juden weiden in Palästina die Bahnbrecher und Wegweiser sein und für die übrige Bevölkerung als aneiferndes Beispiel dienen. Sofort können folgeude Arbeiten ausgefülirt werden: 1. die Verbilligung der Lebensmittel durch Konsumgenosseuschäften, 2. die Krediterleichterung durch Leih- und Spargenossenschaften, 3. die Errichtung von billigen und hygienischen Wohnungen, 1. die Lrleichtenmg und Verbesserung dev Produktion. AU das kann durch die Gründung von entsprechenden Gesellschaften erfüllt werden, die als juristisd e Grundlage das palästinensische Geseßschaftsrecht haben werden, das in den nächsten Tagen von der Regierung publiziert weiden wird. Ich will gleich betonen, (laß ich nicht glaube, daß all diese Sachen bei unserer Armut durch inländisches Kapital allein gemacht werden können. Ich hin aber ebenso sicher, daß sie nie auf gesunder Grundlage aufmbauen sind, wenn wir 11ns nur auf auswärtiges Kapital verlassen. Es muß immer eine gemeinsame Arbeit sein zwischen Palästina und der Diaspora. Palästina wird die Initiative geben und das Aufangskapital, das Ausland die Fachleute und den Kredit. Ich denke mir die Sache folgendermaßen: 1. Konsumgenossenschaften müssen in jeden» Ort des Landes gegi ündet werden, wo eine nicht allzu kleine Einwohnerzahl vorhanden ist. Es wird nicht schwer sein, hierfür 5000 Mitglieder zu bekommen, von denen ein jedes einen Anteil im Betrage von zwei Pfund übernimmt. Da aber diese 10000 Pfund nicht ausreichca werden, um Ware in großen Mengen aus erster Hand zu bekommen, muß außerdem eine Gesellschaft gegründet werden mit einen! Kapital von 25 000 Pfund, die aus erster Hand alle für die lokalen Konsumvereine nötigen Waren erwerben wird. An diesem Kapital werden die lokalen Konsumgenossenschaften mit 5000 Pfund beteiligt sein, während die anderen 20 000 Pfund im Auslände als Obligationen oder als Vorzugsüktien verteilt werden. Die Koiisuingenosscnschäften werden im Anfsichtsrat dieser Gesellschaft vertreten sein und das Recht haben, für ihren Gewinn die Obligationen bzvv. die Vorzugsaktien vom Auslände abzukaufen. Auf diese Weise werden alle /Aktien allmählich in ihre Hände übergehen. Der Waad leumi wird durch mündliche und schriftliche Propaganda das Publikum auf die Wichtigkeit der üenossenschaftsbcwegung auftnerksam machen und die ausländischen Juden zur ßeteiligung-an der großen Gesellschaft unregen. Die Verwirklichung dieses Planes kann meines Erachtens unschwer sofort in Angriff genommen werden, und die Erfolge werden siel! i!1 der allernächsten Zeit zeigen. 11. Die Krediterleichterung für Minderbemittelte kann durch die Gründung von Spar - und Dar- I c h e!1 s g e nossense h a f t c n im ganzen Lande erreicht werden, wie sie schon an einzelnen Orten bestehen. Solche Gesellschaften werden unserer Bank keine Konkurrenz, bieten, da sie für ein Publikum bestimmt sind, das infolge der Geringftigigkeit seiner Kreditbedürfnisse für unsere Bank als Kunde gar nicht itt Betracht kommt. Dagegen können solche Gesellschaften überall dort gegründet werden, wo keine Bankfilialen bestehen und auf diese Weise die Depositengelder dem aligemeinen Kreditmarkt Zufuhren, während sie jetzt unnützervveise versteckt bleiben. Das Kapital dieser Spar- und Darlehensgenosscnschaftcn bestellt aus. Mitgliedsbeitragen und Spargeldern. Es ist anzunehmen, daß solche Leihgenossenschaften in der ersten Zeit auf das Mißtrauen des Publikums stoße״ werden. Es^ wird also eine Zeit vergehen, bis die kleinen Sparer sich daran gewöhnen werden, k i

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