Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXV (1920)
- Issue
- Heft 84 (26.11.1920)
- Date
- 1920-11-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Kislcw 5681 Der ZlonloBBöB erstrebt für das pclfsctics Voll JXääKiÄj:.;׳ ciaor C£Te1»tI5c31־r«cMIich gedebertea IJeicastStte In PalSotlaa. Antizionismus um jeden Preis Das ,.Berliner Tageblatt“ vom 23. November (Morgen-Ausgabe) 'veröffentlicht ■eine Zuschrift, ilricn Veröffentlichung vom ״Zeiitralv01 ein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens‘* im Ansdtlull an die Veröffentlichung über ״Die Lage in Palästina“ in Nr, 502 Oes ״B, T,“ erbeten worden ist. Es wird darin behauptet, dall ״im Gegensatz zu tlcn meist aus zionistischen Kreisen stammende« Nachrichten" über eine Konsolidiert!;!״ der Verhält« nisse und das ungestörte E'invernelnnen zwischen Mohammedanern, Christen und Juden die dem Zeittralverciu zugegangenen Nachrichten von ״absolut zuverlässiger Seite‘•' weniger hüffiuingsvull lauten, dall die Kuh« nur durch die starke britische Garnison gewährleistet sei und sich Christen wie Mobammedatier der Regierung des jüdischen Oberkomtnissars widersetzen. Diese Darstellung ist ,sachlich v ü llig unwahr. Sie erklärt sich■ nur durch die l'eiulen/, das Vertraue!! in die Pakistinasaelie zu erschüttern .und zeugt von einem derartig niedrigen Hatl der Einsender gegen das Werk des Aufbattes der jüdischen Heimstätte, daß der Zentralverein gut daran tun wird, unverzüglich sich dazu zu äußern, da wir nicht annehmen können, daß er in seiner Mehrheit eine derartige Veroffcntlielumg zu decken bereit ist. Wie uns in letzter Stunde vom Büro des Zontralvereins mitgcteilt wirel, geht die Binsendnng nicht von seinem Büro aüs und ist ohne Wissen iUn Vorstandes erfolgt, dessen Intentionen sie nicht entspricht. Es scheint sielt also um eine Mystifikation zu handeln. Das Büro des Zentral-!ercins wird dem ״B. T.“ eine Erklärung dieses Inhaltes zusenden. Eine Liste der jüdischen Kolonien Die zionistische Kommission in Jerusalem hat soeben «me revidierte liste jüdischer Siedlungen in Palästina lier.'iusgegebeii. Während in dem im Jahre 1Ü11 erschieneuen zionistischen Taschenbuch im ganzen :10 solche Siedliiiigeii angegeben werden, enthält 'die neue Liste •1(1 indische ■Sieulimgsstellen. , Die Liste umfaßt nicht nur die eigentlichen Kolonien, .sonder« auch die Kwuzoth (kooperativen Arbeitersiedlungen). Scch/elin solcher < irnppen arbeiten z. 11, auf dem linden, welcher Eigentum des Jüdischen Nation;ilfomls ist. Wir lassen hier, die I is(e folgen : . r Athlit, Ajcleil! Hasehndim׳ (Ajclcth), llalfuuria, I'.ath-Schkmto, llecrja, Ben Schemen, Hccr-Tobija (Kasti- ו!׳.,), Heer Jacob, Holl! Gau, Bdhania, H’ne Jeliuda (in fransjordania), ilordj, Caruiel, Deganin, Dilb (Kieja), Lu U,1tnm, Ln Hai (Klar Malui), Ein Zettim, Ekron, Da» Schmuel, (jedera, Ham«!rn, H.rrtuf (Artuf),!ledern (Gliedern), Hcii/iba (Chefziba), tlittiu, Hulda, J.nvne (Jeiiuiin), Jessml Hamaalali (jesodj, Karknr, Kalendiah, Klar (iiladi, Kfar Saba, Kfar Tabo (Mcscba), Klar Hrta ■Kineret!!, Malinaim (Madiaiiajün), Maioeli, Mereliawia Merom, Metullah, Migdal (MctscUdcl), Mikweh Israel (Mikwe), Milhami'.i, Misehmar Hajarrlen, Mi/pah, Mot/ali, Nachlatli Jelmda, Neß-Zioiiah (Wad-El-Clianin), l'ek'in, Peiael! Tikwnl!, ’!*oriab, Ra ■nah (Sarona), Rcho- Ivotll, Riscl! )11 Le Zion, Rosch-Piuah, Ruliamia, Scdsehera, Scliefeja, (Sehevia), Sclumi, Tantura, Tel Adas, Fel Hai, /.ichion Jakob (?.ichroii). * ־s; l ־.״; , Keren hajessoA-Kornitce für England, Im Anschluß an die kürzlich(.' Konferenz der zioui- -tischen und niehtziMiistischcn jüdischen Körperschaften Englands, Welche in einem gemeinsamen Bekenntnis zum Keren hajessod endigte, wurde ein provisori י c lie s Komitee gebildet, welches die Aufnahme!•inet allgemeine!! Arbeit in England beschloß, Line < nglisch-jüdiscbc Konferenz soll am 5, Dezember in W a!)ehester eröffnet werden, zu der alle angesehenen jüdischen Organisationen Englands eingeladcn werden ■adieu. In den grolle reu Städten sollen Versaminhmgeu •!!׳gehalten werden, in; denen Jabotinsky sprechen wird •Vucl! die Versammlung des L r i e n d I y S,0c i c t v Gouncil beschloß, sieb ganz in den Dienst der Keren hajessoil-Arbeit zu , stellen. Fenier ,trat das von der Konferenz , der Synagtigeugemeinjlen gewählte Komitee zusammen'und bescldoll, die Keren hajessod-Arbeit z.u fördern,. Es. wurde beschlossen, einen Synagogen-Councii zu, bilden, bestehend aus zwei Vertretern jeder Gemeinde um diy Arbeit für de» Keren,,liajcssod zu fönlern■ tun die üemeinden in 'den Dienst der zionistischen Be uegung zu stellen. 'Die Expediltou der zionistische״ Leitung:, he: sti'l.eiul aus rleu Herren jnliu-. Kim.m, de Lünne, dem Vertreter der »inerikanisQhcu Föderation, Robert Szold und dem ersten Sekretär der Exekutive, Di-. Sonne, weilt »miniuehr schon einige Wochen in. Palästina. Die Expedition hat die Aufgäbe, die zionistische Verwaltung׳ im Lande zu inspizieren und zu kontrollieren, die Zweckmäßigkeit der einzelnen Institutionen und der Arbeitsmelhodcn des Wand hazirim nacliztiprüfcii. Die jüdische Bevölkerung hat der Kommission eine herzliche Aufnahme bereitet und erhofft von ihrer '1 ätigkeit ein gewisses Reformwerk, Maßnahmen zur Beendigung der wirtschaftlichen Krise und die Initiative zu netter Arbeit, die Eröffnung.neuer Möglichkeiten. Der Vorwurf, der seitens des Jisclmb der Leitung gemacht wird, gipfelt ja darin, daß der Leitung der Mangel an Verständnis für das Erfordernis der Kontimiiiät der Arbeit im Lande vorgeworfen wird, Der Jisclmb hat es der Leitung sclir verübelt, daß sie, um der ״Schwierigkeiten Herr zu weiden, keinen anderen Ausweg wußte, als die Herausgabe eines Befehles zur Einstellung der Immigration. Denn in Palästina fühlt man es, daß das schwach pulsierende Leben eines ständigen Blutzustromes bedarf, und daß die Einwanderung arbeitsfähiger, kräftiger Elemente nicht einen Augenblick anssetzeu darf, ohne das Gespenst der Stagnation wieder heraufzubeschwören. Es ist wahr, daß die Aufnahmefähigkeit des Landes unter den heutigen Verhältnissen nicht unbegrenzt ist, und daß vor allem eine .Auswahl unter den Einwauderern getroffen werden soll. Aber gerade in bezug auf diese Auswahl und die damit im Zusammenliange stehende Vorbereitung ist von der Leitung wenig Positives geschaffen worden, und die Initiative der an der Einwanderung am stärksten interessierten Gruppen, vor allem der Chaluzim selbst, mußte sieh erst mit Mühe gegen die offizivilen Tendenzen durchsetzen. Nur dadurch, und nur durch die unkontrollierbare Information ist cs möglich geworden, daß die Krisengcrüchte übermäßig aufgebauscht worden sind. Die große Menge äußerlich und innerlich ungeeigneter Einwanderer, die dem Laude wieder den Rücken kehrte, hat depri mieiend und demoralisierend gewirkt. Bei genauer Prüfung der Sachlage kann man feststcllen, daß Palästina auch heute schon für eine entsprechend ausgewählte Einwanderung aufnalimsfähig ist. Es ist!,licht wahr, daß cs keine Arbeit gibt. Es gibt eine Menge von Arbeiten, die die Regierung• zu vergeben hat, und es ist charakteristisch, daß während von offizieller Seite immer von Arbeitslosigkeit gesprochen, wurde es den Arbeiter- Organisationen gelungen ist, direkt von der Re gieruug Chausseebauten zu erhalten, die genossenschaftlidi ausgeführt werden. Diese Straßenbauten bei Haifa und bei Tiberias waren die wichtigsten Aufnahmereservoirs für die neuen Einwanderer, und wenn jetzt die Regenzeit die Wcitcrführung dieser Arbeiten verhindern sollte, so werden zweifellos neue Wege gefunden werden, denn die palästinen siseb.e Regierung erweist sich als außerordentlich entgegenkommend. Ein dringendes Erfordernis ist die Schaffung eines Kreditinstitutes, das die lieber, nähme solcher Arbeiten erleichtert. Die Kommission der Leitung wird an Ort und Stelle sicherlich viel genauer Gelegenheit haben, sich über alle, diese Möglichkeiten zu orientieren, als es, in ihrem Lon, doner Exil der!*all gewesen ist,' Die Zionistische Organisation wird dann in der Lage sein, Arbeiten dieser Art in weit größerem Umfange zu übernehmen als bisher, oder wenigstens Arbeit zu vermitte ln. Allerdings ist es klar, daß solche Aushilfe» nur Palliativmittel sind, und daß die wichtigste Aufgabe der Kommission die sein wird, einen maß• gebenden, groß angelegten Plan für die Besiedlung aufzustelleii. ln erster Linie steht hier die i.r.ui wirtschaftliche Arbeit. Weizmann hat in seiner letzte« Rede eröffnet, daß die Organisation eine Million Dunam Rcgicnmgsl.Tnd übernommen hat Die Besiedlung und Bewirtschaftung dieser ujkI anderer Ländereien ist die Hauptaufgabe der niiehsten Zeit, die einen ungeheuren Aufwand von Arbeit ייי״■ י® ן—׳׳״:» r? n W f XV. Jahr ,Bmeler Pfoffraium״ bedarf. Das Kernproblem, das sieh liier auf werfe» wird, ist die Frage der jüdischen Arbeit, die noch immer nicht genügend beachtet wird. Bei alk!» ITinni, die in der letzten Zeit in der Oeffentliclikeit diskutiert wurden, winde dem Problem der jiidischeu Arbeit relativ wenig Aufmerksamkeit geschenkt, und doch ist gerade dies das Um und Auf unserer ganzen Aufgabe; Wenn es nicht gelingt,־• jüdische Arbeitskräfte für die Bewirtschaftung dieser Mäclicii heranztiziehe» und sie aümählich dort seßhaft zu machen, dann wird dieses Land auch durch die Ucbertragung seitens der englischen Regierung nicht jüdisch geworden sein. Um aber jüdische, Arbeit zu ermöglichen, bedarf es der Schaffung neuer Wirtschaftsformen, die der psychologischen Eigenart der jüdischen Massen angepaßt sind. Die lamlwirtseLaft’icheu Kooperativen haben sich bisher bereits au mehreren Punkte,! des Landes hewährt, das System wird jedoch verbessert und ausgebaut Werde» müssen, und dabei wird nni den Umstand Rücksicht.’ zu neliniea sein, daß die landwirtschaftliche Arbeit bei dem heutigen Zu« stand unseres Volkes zum Teil auch l.chrzwcckeu diene« muß, Dieses Werk wird viel Geld koste» und vielleicht keine Zinsen tragen. Aber es ist eben die'unerläßliche Grundsteinlegung• einer jüdischen• Wirtschaft. ׳,׳.••' ־ Ebenso werden die großen öffentlichen Arbeite»' in einen planmäßigen Zusammenhang gebracht werden müsse».' Die Hafenbaute:), die Elektrizitäts« anlage naeh dem in letzter Zeit virl besprochene»■ Projekt des Ingenieurs .Ruthenberg, Aufforstung l«nd Sanierung, sowie viele• andere Arbeiten werden eine große Zahl jüdischer Arbeiter'beschäftige״, doch muß auch hier rechtzeitig vorgesorgt werden, daß die Immigration den Anforderungen dieser Unternehmungen genügt. Bei I )mehiüirung dieser Arbeit und bei entsprechender Vorsorge wird d.ri» and! die Privatinitiative auf dem Gebiet der Iju dustrie erfolgreich arbeiten köm!.!!. Die wichtigste Arbeit, die die Organisation im Augenblick zu leisten hätte, wäre die im Eimernehmen mit dem Wand leumi zu unternehmende i n ne rc Organisierung der Wirtschaft. Denn unter den heutigen Verhältnissen, bei der wilden Anarchie der palästinensischen Wirtschaft wird das Geldr das von der Organisation oder anderswoher in das Land kommt, fast völlig unfruchtbar, da es nicht in der nationalen Wirtschaft bleibt, sondern sehr schnell wieder in nichtjüdische Hände fließt. Die Beamten, die Arbeiter, die Lehrer usw., kurz allb aus öffentliche» Mitteln bezahltea Funktionäre; decken ihre Lebensbedürfnisse /um Teil hei den Arabern, zum Teil aus importierten Waren. So' bleiben die zionistischen Gelder für die Wirtschaft des Landes fast völlig unproduktiv. Eine weitere Folge ist auch die maßlose Teuerung sämtlicher Lebensmittel. Die neue Leitung wurde unter der Acgidc der umfassenden praktischen Aufbauarbeit in Pa- Uistina gewählt. Ihre jetzige Reise wird ihr Gelegenkeil zu großzügigem Eingreifen geben. Darum knüpft die zionistische Oeffentliclikeit an diese Reise große Hoffnungen und erwartet, daß bald Wege gefunden werden, die aus dem heutigen Zirket berat!sfiihrcn. R. w. Gegen die Teuerung, h* •״Maare/“ veröffentlicht' lehosclnia Superski eine Artikelserie über den Kampf gegen die Teuerung der Lebensmittel. Superski, der jüngst aus Rußland; nach Palästina kam, lut während des Krieges in Rußland an der Organisation der Wir!« schalt miigearheitet und war unter Kercnski einer der Leiter des Wirtschaftsdepartements in Kursk. Er seit lag« eine Art von Zwangsbcwirtsehaflung der wichtigste!* Lebensmittel vor, welche durch vier Syndikate geführt werden soll. Erstens ein Syndikat für'.Mehl und Brot e.n zweites für Fleisch, Fische und Eier, ein drittel für Milch, Butter, Käse und üemiise und ein viertes für Heiz- und Hcleuchtimgsmaterial. Der Verfasser niachr genaue Vorschläge über die Art der Organisation ״lu» a!e Tmaii/jcrung dieser wirtschaftlichen Instrumente, welch« <lurch «nie /entralisrisch« Bewirtschaftung und Verteilung, durch Ausschaltung des Zwischenhandels und durch entsprechende Uolv.-rcinkunft mit der Re״ien!tur die Verbilligung der Lebensmittel •bewirken• sollen. Dil Organisation *hahe 1!«r Wand komii in <iie Hand zu nehmen, der in Form einer Anleihe das notwendige \nfnngskapiUil beschaffen muß.