Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXV (1920)
- Issue
- Heft 79 (9.11.1920)
- Date
- 1920-11-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Dar Zlonlarau* erstrebt fßr da« jOdlcche Voll( dl® Ecitaffa!»•? einer SlfcatHeli-rceSitlldi gealdbertaa Hclmntatte 1» Palfiathuu ,Baseler Programm“ Konstituierung des Keren hajessod Jabotinsky im Direktorium Die Konstituierung des Hauptbüros des Keren hajessod in London ist soeben erfolgt Es ist beschlossen worden, die Legalisierung des Keren hajessod sofort in die Wege zu leiten. Ein EHrektoriuni ist bis zum nächsten Zionistischen Kongrell eingesetzt worden. Die Herren Dr. B. Feiwel, W. J a b o t i risk y ,, I. Naiditsch und H. Zlaropolsky wurden zu Direktoren ernannt. Die Exekutive der Zionistischen Organisation• ist durch einen Vertrauensmann im Direktorium vertreten. Als solcher fungiert Herr Julius Simon. Sekretär des Dirt'ktoriums ist Herr Leo II e r r m a 11 n. Das Hauptbüro für Organisation utul Propaganda befindet sich in 75, tireat Russell Street, London, W. C. 1. Seine Telegrammadresse ist: Kcrjcssod London. Seine Leitung hat Herr J a b o t i n s k y über* nominell. Für die Arbeit des Keren hajessod jn den verschiedenen Landen! Zentraleuropas ist in Berlin eine besondere Abteilung unter der Leitung der Herren Julius Berger, Kurt Bin men fei d und Dr. Arthur Hantke errichtet worden. Der letztere wurde rum Vorsitzenden gewählt. Der amerikanisch-jüdische Kongreß für die Juden im Osten Neu York, 20. Oktober. (Jcwish Corr. Bür.) Die von der Exekutive des jüdischen Kongresses einberufene außerordentliche Tagung sämtlicher jüdischen Organisationen der Vereinigten ,Staaten hat am 20, Oktober ihre Beratungen über die zu ergreifenden Maßnahmen für die Aeudcrung der jüdischen Lage in Polen begonnen. Rabbi Dr. Stephen Wise verlas ein Schreiben des polnischen Botschafters Fürst Lubomirski in Washington, in welchem die jüdischen Vorsteher zu einer Konferenz in die polnische Gesandt sch» ft eingeladen werden, um über die jüdischen Fragen in Polen Besprechungen zu pflegen. Nach einer' lebhaften Diskttssion wurde beschlossen, der Einladung Folge zu kästen und eine Abordnung nach Washington zu entsenden, die dein polnischen Gesandten die Forderungen der amerikanischen Juden heit nach Gewährleistung der Rechte für di« polnische. Judcnheit unterbreiten soll. Diese Abordnung hat die gleichen Forderungen dem Amerikanischen Staatsdepartement zu überreichen. Hierauf wurde ein Bericht über Verfolgungen der J u d e n i n Ungarn verlesen, dem die Annahme einer scharfen Protestresolution gegen die Greucltaten in Ungarn folgte, mit dem Beschluß, die amerikanische Regierung »1 einer Intervention bei der ungarisehen Regierung nachdrücldichst attfzu fordern. Die Tagung lut »wohl in der jüdischen als auch m der niditjüdischcn Presse Amerikas nachhaltigen Eindruck liervorgerufcn. I>io New Yorker Zeitungen veröffentlichen ausführlidten Berichte und unter streichen die Berechtigung der von dieser Tagung aufgestellten Fordern»- gen. Mitteilung an die Leser Infolge des Berliner Elektrizitätssireikc* mulJte «ine Reihe von Nachrichten und Beiträgen zurückgestellt werden. Die Redaktion, Kolportage Am 27. Mai. veranstaltete che Ortsgruppe Lübeck des Deutschvölkischen Schutz■ und 1 rutzbundes eine große öffentliche Versammlung, in der Prof. Dr. Hof meist er-Lübeck einen Vortrag hielt, der sichim wesentlichen mit dem bcrüchtigten Pamphlet beschäftigte, das der ehemalige Hauptmann Müller von Hauset! unter dem Pseudonym ״Gottfried zur Beek“ liernusgegeben hat und das unter dem Titel ״Die Gebei m nisse der Weisen von Zion“ eine traurige Berühmtheit erlangt hat. ln der folgenden Aussprache machte sich starker Widerspruch geltend, und ein Redner erklärte klipp und klar, die ״Weisen“ seien eine Fälschung. Die Ortsgruppe Lübeck des Schutz- und Trutzbundes eriieß daraufhin eine Bekanntmachung in den Tages- Zeitungen, daß sie demjenigen eintausend Mark zahle׳, der den einwandfreien Beweis erbringt, daß es sich bei den ״Weisen von Zion“ um eine literarische Fälschung handelt. Die Schutz- und Trutzbündler dürften ihr großzügiges Preisausschreiben heute bereits bereuen. Sie befinden sich in der unangenehmen Lage, ihre tausend Mark gegen den Schriftsteller Otto F r i e - rieh verteidigen zu müssen, der den Anspruch erhebt, in seiner Broschüre ״Die Weisen von Zion, das Buch der Fälschungen“*) den verlangten Beweis erbracht zu haben. Dieser An- Spruch wird von der Gegenseite — selbstverstiindlieh ־ bestritten, und so wird demnächst das Gerieht darüber zu befinden haben, ob Friedrichs Beweisführung hinreicht, um die Schutz- und Trutzbündlcr neben dem Schaden auch noch den Spott tragen zu lassen. Es ist möglich, daß aus irgend einem formalen Grunde die Zahlung des ausgesetzten Preises juristisch nicht erzwungen werden kann. Eins aber steht fest: auf den 32 Seiten, die Friedrich zu seinem Beweis genügten, werden die ״Weisen von Zion“ so gründlich erledigt, daß es den Antisemiten schwer sein dürfte, mit dieser Scharteke noch sehr viel Unheil anzurichten. Das ist uni so erfreuliehet־, als der Verfasser weder Jude ist, noch' auch nur als ״Philosemit“ angesprochen sein will. Und da er überdies die Gabe besitzt, seinen Stoff interessanter zu gliedern und in leicbtfaßlicher, eindringlicher Art darzustellen, so ist seine Broschüre eine der wenigen Schriften gegen den Antisemilis- 11ms, die auch von unserem Standpunkt aus empfehlenswert erscheinen und deren Verbreitung höchst wünschenswert ist. Friedrich führt vor allem an einer Reihe von etwa einem Dutzend Text-Gegenüberstellungen den sinnenfälligen Beweis, daß einer der wesentlichsSen Teile aus den ״Weisen“, die ״Schrift des Rabbiners über die Gojim“, verblüffende Aehnlich- Reit hat mit dem Kapitel ״Auf dem Judenfriedhof in Prag“ aus dem Roman ״Biarritz“, der 1S6S in Berlin erschien und den konservativen Schriftsteller und preußischen Miuisterialbeamten Qoedsche zum Verfasser hat. Die öcbereiiistimmung zwischen dem, was in den ״Weisen“ der Rabbiner ״über die Gojim“ sagt, und was Goedsche seine Juden auf dem Prager Friedhof reden läßt, ist derartig weitgehend, daß ein Ableugnungsversuch wohl auch von antisemitischer Seite nicht gemacht werden dürfte. Damit ist aber der vom Schutzbund geforderte Bew'eis bereit!; vollkommen erbracht. Denn daß der erste Zionistenkongreß im Jahre 1S97 fast wortwörtlich die gleichen Aussprüche erlebt haben soll, die 1865 nicht etwa von Juden geäußert worden sind, sondern von einem antisemitischen Skribenten seinen Romanfigurcn in den Mund gelegt wurden, das zu glauben, darf doch wohl keinem normalen Menschen zugenuitet werden. Und gehen sowohl die angebliche Rede des Rabbiners wie die Romaiiszene auf ein noch älteres, bisher noch nicht gefundenes Dokument zurück, so wird die Sache um so grotesker, je älter dieses Dokument ist. Damit sind die ״Weisen“ als das entlarvt, als was jeder ver- *) Erschienen im Verlag vx>n Frdr, Meyer & Co., Lübeck, Johanniwtr. 46. ■ nünftige Mensch sic von Anfang an eingeschätzt hat: als ein plumper Schwindel! Daß man diesen SeilwindeI benutzt hat, um eine antisemitische Agitation zu entfachen, wie sie niedriger und verlogener in Deutschland noch nie betrieben worden ist, haben wir insbesondere währeiid der Wahlpropaganda erlebt. In dieser Agitation hat eine kleine Schrift mehrfach eine Rolle gespielt, die den Titel trägt: ״Die siegreiche Weltan schauung (Neo-Macchiavcllismus) und wir Juden*).“ Der Verfasser verbirgt sich unter dein Pseudonym Dr. Si e g f r i cd Pc n 111 n - T1111. (Lies: l ulpenthai.) Sic ist so geschrieben, als ob in ihr ein Jude seine Freude über den Ausgang des Welt- Krieges ausspreche, der im wirtschaftlichen lind kulturellen Ruin aller europäischen Völker die Grundlage der ״jüdischen Weltherrschaft“ sicht. Man muß also den Eindruck erhalten, daß hier ein jüdischer Zeitgenosse sich geäußert habe, dessen Gedanken sich ganz in der Richtung derer der angeblichen ״Weisen“ bewegen. Ja, die antisemitische Presse Hat die Offenherzigkeiten des ״Juden Pentha-Tull“ geradezu als einen Beweis für die Echtheit der ״Weisen von Zion“ angesprachen. Nun war nicht schwer zu erkennen, daß es sich bei der Schrift des Pentha-Tull um eine Art literarischer Spitzelarbeit handelt, um einen ganz niederträchtigen Betrug, der hoffentlich strafrechtlich verfolgt werden kann. Es war daher an sich keine besondere Ucberraschung, als vor einigen Tagen das ״Berliner Tageblatt“ niitteilen konnte, daß der Verfasser keineswegs Jude sei, vielmehr ״Arier“, deutschvölkisch und antisemitisch: der Berliner Baurat, Architekt und Schriftsteller Hans Schliepmann. An sich wäre es ziemlich gleich, wer den Lumpenstreich verübt hat. Aber es kommt ein Umstand hinzu, der die ganze Angelegenheit in einem besonderen Licht erscheinen läßt. A111 31. August brachte die ״Deutsche Zeitung“, das Organ des Herrn Heinrich WuHe,\u1ter der Uebcrschrift: ״Stürzet die Götzen“ einen langen Aufsatz über Pentha-Tull, in dem beispielsweise folgende Stellen zu lesen sind: ״Mail .sieht, mit welch satanischer Bosheit und welchem Zynismus sich dieser Jude des jüdischen Erfolges rühmt.“ . . ״Wen überläuft hier kein kalter Schauer angesichts des Abgrundes, der sich vor uns auftut. Wer wagt ferner noch, von der Unchristlichkcit und Gefährlichkeit des Antisemitismus zu sprechen.“ Wohlgemerkt: der ״satanisch boshafte, zynische Jude“ ist niemand als der Antisemit Scliliepm a n n. Und dreht man das Blatt der ״Deutschen Zeitung“, auf dem das geschrieben steht, tim, so liest man auf der anderen Seite, auf demselben Papier, im selben Druckgang gedruckt und von derselben Redaktion redigiert folgendes־ ״W;»s das Leben e 1 füll t“ Roman in fünf Büchern von Hans Sc 111 i e p m a n 11. Die Antisemiten haben Pech mit ihren ״Romanschriftstellern, ihren Goedsche und Schliepmann! Nicht wahr: die ״Deutsche Zeitung“ hat Grund, auf jeder Seite zehnmal über die ״Judenpresse“ herzuziehen? Und endlich: ״Wer wagt es ferner noch, von der Unchrist lichkcit und Gefährlichkeit des A n t i se m i t i smus zu sprechen?“ C.L.K Gedenkfeier für die Balfour-Deklaration London, 6. Novemher.' (Jcwish Corr.-Bur.) Die Jjtdenheit der Hauptstadt sowie der anderen Städte Englands hatte große Vorbereitungen getroffen, um den 2. November, den Jahrestag der Balfour-Deklaration, feierlich zu begehen. Aus Warschau und aus dein, gesamten Polen treffen Nachrichten über die für große Feierlichkeiten getroffenen Anstalten ein. *) Verlegt bet Ferd. Schreiber* Nacht, in and Hartenstein im Erzgebirge. Leipzig