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Jüdische Rundschau · 1920-11-02 · Heft 77 (2.11.1920) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 77 (2.11.1920)
Date
1920-11-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XI. 1920 Der ZtonUma• *rstrebl fßr da■ JScItadi® Volk «110 ScIirKiki!: elae» Sffeatllek-gccklUth gcaldicrtea Helmatlitte ln Palästina. XXV. Jtilirg.!,Baseler l״rog1ra*»m** Erez• Israel Vertretung der Exekutive in Erez*lsraei Die Exekutive hat beschlossen, eine Abordnung nach Palästina zu sOnden, welche die Arbeit der Zionistischen Organisation und ihrer Institutionen auf die ihr in der nächsten Zeit erwachsenden Aufgaben einstclleu soll. Die Abordnung besteht aus den Herren: Julius Simon, Nehcmia de Li eine, Robert Szold und wird Ende dieses Monats nach Erez-IsracI ahreisen. Sic wird begleitet von den Herren: Dr. Sonne, Sekretär der Exekutive, und P. Singer, Finanzsekretär. Asscfath haniwcliarlin Wcffcre Bcschlflssse Dienstag, den 12. Oktober, um 2 Ulir nachts, ist 1«e Asscfath haiiiwcliariiii geschlossen worden. Es vurden aufier 11011 hercils initgeteillcii felgende Resolutionen angenommen: 1. Die erste Asscfath lvaniwcharim beschließt, daß der gesamte Jisciiuw in Palästina sich der zionistischen Weltanschauung in allen, den Aufbau betreffenden Fragen unterwirft. 2. Die Zionistische Organisation soll den Jisciiuw durch Vertreter zur Mitarbeit in allen Zweigen der Verwaltung heranziehen. 3. Die Asscfath beauftragt den Waad Lcomi (Nationalrat), von Rabbinern und geschulten Jueisten ein jüdisches Recht ausarbeiten zu lassen und es der zweiten Session der Asscfath haniwcharim vorzulcgcn. 4. Der Waad Lcomi wählt die Vertreter des Jischuw in die Exekutive und in den Waad Hadienlich 5. Die Asscfath betrachtet die Existenz der iiidisdicn Legionen als eine nationale Forderung und verpflichtet den Waad Lcomi, für ihre Auficchteihaltutig und das Gedeihen der Legionen zu sorgen. Das Billiget des Wand Lcomi ist für die nächsten sechs Monate mit 500 •ß monatlich angenommen worden. In den Waad l.ooini sind folgende 30 Personen gewählt: krön Eisenberg, Josef Aaronowilseh, Elijahu Berlin, Blnmenfeld, M. Diezcngoff, Jabotinsky, Tabenkin, David iVilin, Dav. Kazenelson, L11]x>, Mcjuehas, Rabbiner Fischman, Rabbiner Alkizir, Ettinger, Ben Zvvi, Gtikin, Heft, Dr. Thon, Tvvcrsky, Bezalel Jaft'c, Dr. Levi, Meirowitsch, Rabbiner IJsicl, Fcldmami-Railler. Panisei, Kalwarisky, Schochat, Z.irum, Schiller, Spr.nzak. Sollten die Oillt nloxcu sie U am Waad Lcomi beteiligen wollen, so bleibt es' ihnen aiilicimgestellt, ihre Vertreter im Verhältnis von 1:10 zu der Zahl ihrer IXilegierten naclilräglidi zu wählen, Schlußreden wurden von dem Rabbiner Jacob Meir, Dssischkin, Sclmiarja Lcvin, Rabbiner Usicl, Leo Jaffe, Rabbiner Eiscltinan, Reines und David Vollin gehalten. Es wurden folgende Telegramme entsandt: 1. An die englische Regierung. Die erste Asscfath haniweharim der palästinensischen Juden in der Hauptstadt Jerusalem drückt der engüsclien Regierung ihren tielen Dank dafür ans, daii sie die historische Rolle der Errichtung einer nationalen Heimstatte für «las jüdische Volk in Palästina übernommen, hat. Wir sind überzeugt, dall unter dem bewährten Schutz Englands die Juden nach Palästina zurückkehren werden, und das Land zum Vorteil aller seiner Bewohner aufblühun wird. 2. A n d e r! O berkommissar. Die erste As efath haniwehatitu der palästinensischen Juden drückt Ew. Exzellenz ihren tiefen Dank aus für Ihr licbcnswürdiges Begrüßungsschreiben, das von allen Delcgierten mit großer Freude empfangen wurde. Die Asscfath lianiwcliurim hat den Grundstein zur Orgnnisieruiig des Jischuw in Palästina gelegt. Sie hat «inen Nationalrat gewählt, von dem wir Hoffen, daß er Ihnen bei der Durchführung der hohen Aufgabe behilflich sein wird, unser Ideal, den Ausbau unserer nationalen Heimstätte, zu verwirklichen und Frieden tm«| Brüderlichkeit zwischen allen Bewohnern zu stiften. 3. Eine K 11 ntl g c b 11 n g a n das arabische Volk. Di«* erste Asscfath Iianiwcharim der. Juden Palästinas sieht in einem friedlichen tmd brüderlichen Leben mit dem arabischen Volke eine unerläßliche Bedingung für den Erfolg unserer Arbeit auf dem Wege unserer nationalen Bestrebungen. Das jüdische um! arabische Volk, die der Rasse, Sprache und Kultur nach verwandt sind, werden ihre nationale Wiedergeburt und die Wiedergeburt des gesamten Orients nur durch gemeinsame Arbeit und gegenseitige Hilfe beschleunigen» Die Asscfath beauftragt den Waad Lcomi, im Geiste dieser Deklaration zu arbeiten. Ferner wurden Telegramme an die Leitung in Lcmdon und an die Zionistische, Organisation Amerikas!!esandt, —-— Die erste Sitzung des Waad Leorai An! Dienstag, den 12. Oktober vormittags, fand die erste Sitzung des Waad Lcomi statt. Die Sitzung war kurz, und der Waad Lcomi konnte sich noch nicht konstituieren. Es wurde nur eine Abordnung gewählt, die sich dem Oberkommissar Vorstehern sollte, um ihm über den Gang der Asscfath haiihvdiariin Bericht zu erstatten. Ebenfalls wird diese Kommission für die Ausarbeitung und Veröffentlichung des Protokolls der Sitzungen sorgen. Die erste konstituierende Sitzung des Waad Lcomi wird in zwei Wochen statttinden, worauf er sofort seine Arbeit aufndunen wird Ein Hirtenbrief des Patriarchen von Jerusalem Der katholische Patriarch von Jerusaleni hat sich nach einer Aussprache mit dem Oberkommissar Sir Herbert Samuel und einer Reise nach Rom günstig über die jüdische Einwanderung ausgesprechen. Der Hirtenbrief des Patriarchen besagt u, a,: ״Der Zionismus ist eine Ursache der Beunruhigung gewesen. Zugunsten aller Nichtjuden, oJ> katholisch oder nicht, haben wir den Oberkommissar interpcLiert. Seine Exzellenz empfing uns mit gebührendem Respekt und Höflichkeit und bestätigte uns, daß alle religiösen Interessen sic 11 e rge ste H t werden sollen. Diese Erklärungen, welche unzweifelhaft verwirklicht werden, sollten die 300 Millionen Katlwlikciv, von denen viele Untertanen Sr. Majestät des britis-chen Königs sind, beruhigen.“ Eisenbahnen Der Umbau der schmalspurigen Strecke Jaffa— Ludil ist, wie die ״Z. K.“ bemerkt, die erste verkehrstechnisch bedeutende Neuerung seit der Ankunft des High Cummissionars, deren Wichtigkeit für den gesamten Eisenbahnverkehr des Landes nicht hoch genug bewertet werden kann. Erst durch diesen Umbau ist das gesamte Sdiioueimctz Palästinas zu einer technischen und admiuistiativei: Einheit verschmolzen wurde«׳, und die bis- 11er notwendigen Umladungen eines jeden einzelne! von Jaffa kommenden Gütertransportes in Ludnd fallen nun endlich fort.■ Die hierdurch erzielten Zeit- und Kostenersparuisse sind bedeutend. Außerdem waren natürlich die* bisherigen schmalspurigen Strecken in bezug auf die Masscnhaftigkcit und Regelmäßigkeit lange nicht so leistungsfähig als die übrigen iiormalsp 11 rigen Strecke». Es gibt nunmehr in Palästina folgende Bahnlinien: Rata (Grenzstation) — Ludd 11 נ km, Der El-Ballah (südlieh Gaza) — Berseba 50 km, Ludd—Jerusalem 67 km, Ludd-Jaifa 19 km, Ludd-Haifa 100 km, Ifaifa-Der’a 161 km, Afulc—Nablus 77 km, Mass’udije--Tulkarn 19 km. Demnach beträgt die Länge des gesamten Schienemu'tzes Palästinas augenblicklich 606 km. Organisation des Fruchtexports ln Boston wurde, wie ״Jcwish Journal of Commerce“ meldet, die ״Ameiican Fruit Growers of Palestino, Ine.“ mit einem Kapital von 2 Millionen Dollars gegründet, welche in Palästina zwecks fachgemäßer Organisierung des, Fruelitexporls Backhäuser und Kühlanlagen zu schaffen beabsichtigt. Die Gesellschaft begründet zunächst .Filialen L11 New York und Jaffa und bcabsichtsgt, weitere Büros in London, Liverpool, Manehester und anderen Plätzen zu crrichtea Hebräisch als Amtssprache Die Fiage der Amtssprachen in Palästina ist bereits dahin gelöst worden, daß Hebräisch, Arabisch und Englisch als gleichberechtigte offizielle Sprachen zu betrachten sind. In Verbindung hiermit hat nun, wie die ״Zionistische, Korrespondenz" aus Jerusalem erfährt, Oberkommissur Herbert Samuel den britischen Staatsbeamten die Pilicht auferlegt, binnen sechs Monaten die Elemente der beiden Landessprachen (Hebräisch und Arabisch) zu beherrschen und im nächsten April ein amtliches Examen darüber abzukgen. Die Prüfungen in Hebräisch werden von der von den Zionisten gegründeten licbräisehen Sprachakademie (Waad Halasclmn) abgeitoininen, welche amtliche Anerkennung gefunden hat Die hebrüisch-urabischc Aufschrift tragen auch die Eisenbahn׳- fahrkarten, Statkmsschildcr usw. * Der Viehbestand Palästinas. Laut der letzten Zählung befinden sich £11 Palästina 262 00Ö Schafe (CO000 mehr als im vorigen Jahre271000 ,(־ Ziegen (60 000 weniger), 620. Ochsen, 9000 Kamele. Die Zahl wiia* bedeutend großer, wenn nicht die Teuerung des Futters und die starke Kälte des vorigen Winters aut die Viehzucht verheerend gewirkt hätte. Brandeis’ Memorandam Das Memorandum, welches Justice Brandcis der zionistischen Exekutive Amerikas vorgelcjgt hat, verdient in vielen Punkten eine eingehende Hetrachtung. Zun! ersten Male ist liier der Vcrsuch einer zusarnmenfassemlen Darstellung derjenigen Richtlinien der palästinensischen Aufbauarbeit gegeben, die bei der Londoner Jalireskonferenz als die aincrikanisdien bezeichnet worden sind, ohne daß sic in ihren konkreten Details genau erfaßbar gewesen wären. Das Memorandum ist nur an die amerikanische Föderation gerichtet, nicht an die Weltorganisation. Und obwohl die sensationellen Gerüchte über eine ״Sezession“ der Atneri* kaiier zweifellos einem oberflächlichen Urteil ent* springen — wie denn auch die offiziellen Aetißerungen der amerikanischen Parteipresse eine solche Auffassung strikt zuniekweisen -- so ist doch aus der Tatsache, daß Brandcis sein Memorandum keineswegs zur Grundlage eines Vorschlages der amerikanischen Föderation an die Weltorganisation, sondern direkt zur Grundlage eines Arbeits- Programms gemacht sehen will, der starke >Ville kenntlich, die Arbeit selbständig zu führen und auch eigene verantwortliche Organe zu schaffen. Der Weltorganisation wollen die Amerikaner nur soweit Unterstützung leihen, als ״sie dies für richtig halten“. Das ist unvereinbar mit der Parteidisziplin, Es muß daher mit allem Nachdruck die Ansicht ausgesprochen werden, daß ein solcher Plan, sollte er verwirklicht werden, ein schädliches Chaos unscrer ganzen Aufbauarbeit zur Folge hätte. Denn die Kolonisation Palästinas in allen ihren feclinisehen, wirtschaftlichen und kulturellen Einzelheiten ist ein unteilbares Ganze und kann nur von einer Stelle zentral geleitet werden. Es kann nicht mehrere gleich geordnete Regierungen geben, die dasselbe Kompetenz- und Betätigungsfeld 1 iahen. Es würden sich daraus Konflikte nicht nur formelier, sondern auch sachlicher Art ergehen, die eine völlige Anarchie erzeugen müßten. Wenn die Amerikaner der Ansicht sind, daß in der Verwaltung der zionistischen Weltorganisation eine Verbessenmg erforderlich ist, und daß sie selbst die Kontrolle über die von ihnen geschaffenen Fonds durch bestimmte Organe ausüben müssen, so können sie dies nur in der Form tun, daß sie ihren Platz in den Institutionen der Gesamtorganisation beanspruchen. Die Amerikaner haben in London iinbegreiflidicrwcise ahgelehm, diese Kontrolle und zugleich Verantwortung zu übernehmen, obwohl beinahe alle Gruppen angesichts der geschaffenen Situation geneigt waren, ihnen weitestgehende Rechte zuzubilligen. Keine Landesorganisation, und sei es auch• die amerikanische, kann selbständig in Palästina arbeiten. Schon das Beispiel der ״Hadtlassa“, die sich der Disziplin der zionistischen Verwaltung nicht fügen wollte, hat geleint, daß sulche Tendenzen zu ganz nutzlosen und bedauerlichen Konflikten fuhren müssen. Darum wäre cs verfehlt, das Brandeis'sehe Memorandum als eine interne Angelegenheit Amerikas zu betrachten: wir wollen es vielmehr so auffassen,' als ob es an die Gesamtorganisation gerichtet wäre, so daß auch wir daj Recht und die Pflicht der Diskussion haben Planes ist die Einsicht, daß die Urbannaclu des Landes und die Errichtung öffentlicher Aula! nur durch allgemeine Mittel erfolgen kann, die anderen Fällen der Staat beistelit, in unserem f vom Diaspora-Judentum aufgebracht wer« müssen. Wir müssen es ablehnen, diese Aufgabe ei der englischen Okkupationsmacht zu überlass da wir einerseits die Kontrolle über die Kon, sionen behalten wollen, andererseits England sei! Kredit nicht cinsetzen wird, und die Erträgni der palästinensischen Steuern unzureichend s werden. Brandcis spricht mit erfreulicher Freimii keit aus, daß die gemeinten Investitionen zmuic keineswegs Profit abwerfen werden, so daß a! mit einer Verzinsung nidht zu rechnen ist. E schrankenlose Bewegungsfreiheit für das Prf\ kapital würde hier großen Schaden stiften; -Bewältigung dieser Aufgaben bedarf es grüße Fonds, und Brandeis setzt in seinem Memorand

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