Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXV (1920)
- Issue
- Heft 76 (29.10.1920)
- Date
- 1920-10-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2651273-2652228-2652300--13504-2671236- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
*3 C־-י •> C V נ: K«UkU» .«1 V«ri.f W. 15, SiA.UA« Slf. 0. Er־rf.oi.t M« Dl.naUr o»ä Fr.lt>(. B־»«j»pr«i» W <1•׳ u.d P«.uLur. .t«Ul|SKrl(A 12,50 51 I» D«t«.W«d _A״.l...i..b־.*•• M.BU ward•■ I. d« Wihroo( d«r ein1.lt״>• Land« Berlin, 29. X. Nainmer A יו x <? 1 <? c s1־Vcr«»l tu»; ■ Varia*• Alwin Locweatbal, Berlin \7,15, Sacliimche Str. 8. *“ Tnl.pbo.: U'alnnd 645 wmd &<6, A&B*lffeDP1 •1■ «jr i‘> »1י1ן.ו!«מ--זס»ג1מ NnnnnreilUiMU• 1UA M* Fe^iliaae®ae!|®a »U *0 $4 An#ncL!*j, Aaxeisresiicbiofi• 1>»ז2מ*0מיי t׳reU»g־ Bftckn<Uff• 4 Ulur. \ *1״ c,! I *C״־“ | / \ i 1 j 1 i \ \ f! 1 1 \ \ 1 1 / / ' 1 v i ח \;1 / \ \ דד. / י üat . 1 <׳ SSMSÄB» .' \ י •/ 01־ --*i י־, - a״" » «וו MMM Telephon: Amt ÜKU«d »4צ «tnd 646. l\Mt«ch*«J1:*>׳»nt* J fteili» Nr, 11 y}\ Kur 01י״ erreich: P«sUp»rk»<1״Q*mi W1«■, Koni• Nr, 156 0->0. Pur T«ci1e<^)#*low&kel. Prag. Koni♦ Nr. 156 0״Ö, Red*kti0»»*ch!*1i 5«ant*f und Mttwooh B«06raitU*. 17. Cheschwan 5681 1 XXV. Jahrg. _ 1 .__- Dw zioniatxm* erstrebt ff&r das Jüdische Volk die Ocbaffcin; ©taer BflentUci-reeiiillch gesldhcrten Helmsttttte In PnllstJna»!lancier Programm*4 Appell an den Völkerbund Auch die englischen Juden fordern von ihrer Regierung die Intervention in Polen und Ungarn Der Völkerbundsrat wird in Brüssel über die Frage der Ostjuden verhandeln London, 21. Oktober. (Jcwish Corr. Bur.) In der jüngsten Sitzung des Board of Deputics, der Sir Stuart Samuel präsidierte, wurde der Bericht des Joint Foreign Committee über die zugunsten der polnischen Juden unternommenen Schritte verlesen. Unter den Dokumenten befindet sielt ein Schreiben vom englischen Ministerium! des Auswärtigen, das von Lord Ciirzon gezeichnet ist und wie folgt lautet: ,,Gemäß dem Minoritätenschuttsertrag mit Polen, kraft dessen die nationalen Minderheiten unter den Schutz des Völkerbundes gestellt wurden, ist es ratsamer, jegliche Bescliwerden über die Behandlung dtr Juden in Pole# unmittelbar an das (ieneralsekretariat des Völkerbunde( zu richten “ Da das Präsidium des Board of Deputies sich in Ausführung der Ratschläge von Lord Gurzon überzeugen konnte, daß vorläufig beim Völkerbundrat eine beson* dere Institution zum Schutze der Minoritätenverträge aichtbe steht, hat das Bord of Deputies beschlossen, sich durch das• Joint Foreign Committee an den Rat des Völkerbundes!mit entsprechenden Vorschlägen wegen Schaffung einer derartigen Institution zu wendet». Bis dahin soll jedoch dem britischen Außenamt nahe• jjelrgt werden, die Verletzungen der in den Fricdeusver• träten gewährleisteten Rechte der polnischen Juden im Rahmen des britisciien Auswärtigen Amtes zu behände!■. Dies wurde auch durch Votspreclieti Lucle» Wolfs im NorddepuitemciU des Außenamtes erreicht. In der weiteren Berichterstattung wurde, hervorgehoben, daß die Aktion des Joint Foreign Committee zum Schutze der Juden in Ungarn vorläufig den Erfolg erzielte, daß das britische Auswärtige Amt das gesamte gegen Ungarn gesammelte Bewcisinatcrial dem britischen High Cointnissioncr in Budapest mit' dem Ersuchen um Informationen und Einleitung von Erhebungen zugcschjckt hat. Schließlich berichtete der Sekretär des Board of Deputies, daß das Joint Foreign Committee beim Völkerbund dringend vorstellig geworden ist wegen Einleitung einer Aktion zur Ucberwacliuitg der Minderlieitsvcrträßo, worauf dem Generalsekretär des Völkerbundes über sein Ersuchen ein genau ausgearbeitetes Projekt vorge* legt wurde. Das /Gut Foreign Committee wurde ver* ständigt, daß seine Vorschläge dem Vorsitzenden Leon Bourgeois unterbreitet wurden, und auf der in den nächsten Tagen in Brüssel abzuhaltcnden ersten Session!!es Völkerbundes zur Verhandlung gelangen werden. Das Joint Foreign Committee ist eine vom Board of Deputies, dem Ausschuß sämtlicher englisch-jüdischer Körperschaften, gemeinsam! mit der ״Anglo Jcwish Assodation“ eingesetzte Sonderkommission für die Fragen der politischen Lage des Judentums der vers'driedenen Länder. Das Komitee arbeitet auch mit dem Komitee der jüdischen Delegationen bei der Friedenskonferenz zusammen. Der Weltgerichtshof in der ״Frankfurter Zeitung“•) berichtet Walter i c h ü c k i n g über das Projekt zu einem W e 11 g e - richtshof, das zurzeit den Völkerbund! beschäftigt. Bcr Entwurf, dem eine Konferenz in wertvollster Weise ',)!gearbeitet hat, die im Februar IÖ19 von der Schweiz 1״kJ de« skandinavischen Ländern einberufen wurde, ist ,1»rch eine internationale juristische Kommission, im direkten Aufträge des Völkerbundsrates fcrtiggcstcUt worden. Nach Schücking enthält er ״eine so radikal-!wzifistische Lösung der einschlägigen Probleme, wie 5ie bisher kaum von den Führern des völkerrechtlichen Fortschrittes für möglich gehalten worden ist.“ Diesem ״WcKgerichtsliof“ soll aadt dem Entwurf >hc Entsiclicidiung zu stehen in allen Fällen, ln denen es “»ich handelt: ף Erstes MorgenWatt, Dienstag■, 26. Okt. 5. um die Auslegung eines Vertrages, . 2 irgend einen Punkt des Völkerrechtes, 3' das Bestellen irgend einer Tatsache, die, wem sie vorhanden wäre, eine Verletzung eurer intemationalcn Verpflichtung darstcllcn wurde, 4. die Natur oder die Ausdehnung einer Wiedergutniacluing, die für eine internationale Verpflichtung geschuldet wird, 5. die Auslegung eines Spruches des UertCmshofes selbst. Damit würde ein solcher Wcltgcrichtshof auch zuständig sein für die Klagen, die das jüdische Volk gegen seine Peiniger im Osten unablässig erhebt Die ״Frankfurter Zeitung“ meldet: ״Der Entwurf für die Errichtung des Volkeriniudgerichtshofes stellt jetzt vor dem in Brüssel tagenden Völkerbundsrat zur Beratung. Ein offizieller Bericht über die Sitzungen liegt noch nicht vor. Aber nach Zeiturigsiiicldungcn ist anzundunen, daß der Rat das Projekt in bezug auf die Ernennung der Richter und die Zus t ä 11 d igk ei t des Gerichts abzuäiidern gedenkt. Dis*• kutiert wurde auch die Frage, ob ein Staat ohne seine Zustimmung vor den Gerichtshof gestellt werden kann. Wenn die Abänderungen genau bekannt sind, wird sich ungefähr ermessen lassen, welches Schicksal den Entwurf vor der Völkerbundsversammlung in Genf erwartet.“ Neue Deklarationen über die nationale Autonomie der Juden Anläßlich der Pariser Anwesenheit der Delegation des litauischen Sejm, bestehend aus den Herren: Pfarrer J. Staugaitis, Vicc-Präsideut des Sejms (Vertreter der christlich-demokratischen Fraktion), l>r. M. Solo w c i t s c hi k, Minister für jüdische Angele-, geulieiten, M. Slezcvicius, (Vertreter der volkssozialistischen Fraktion), Prof. V. Cz er in sk.s (Vertretcr der sozialdemokratischen Fraktion), hat das Komitee der jüdischen Delegationen die Herren zu einer gemeinsamen Besprechung und zugleich auch zur Skgrüßung des litauischen Staates, welcher die jüdische i Vollberechtigung zu verwirklichen beabsichtigt, eilige- , laden. Die Besprechung fand am 2t). Oktober 1920 statt und wurde durch eine Begrüßung des Vorsitzenden des Komitees der jüdischen IX-lcgationen eingcleitet, der die Sympathien des Komitees für den Staat, der die Pariser Deklaration vom 5, August 1010 unterschrieben hat, ausdrückte. Der Vorsitzende der litauischen Delegation dankte im Namen des litauischen Sejms dem Komitee und sprach die Versicherung aus, daß diu jüdische Vollbencdhtiguiig in Litauen verwirklicht werden, und daß es eine jüdische Frage in Litauen nicht gelien wird. Daraufhin berichtete das Mitglied des Komitees der jüdischen Delegationen und Präsident des jüdischen Nationalstes in Litauen, S. Roscubaum, daii er soeben zwei offizielle Erklärungen mit Bezug auf die Pariser Deklaration vom 5. August 1010 erhalten hat und zwar eine vom litauischen Minister des AeufJem, Dr. Purickis, eine andere von den in der litauischen Delegation beteiligten Führern der drei größten litauischen Parteien. Die beiden Briefe haben den Willen der Regierung und der Sejmiraktionen /um Ausdruck gebracht, die Prinzipien der Pariser Deklaration in der in Ausarbeitung begriffenen litauischen Konstitution zu verwirklichen. In der darauffolgenden Aussprache wurde zum Ausdruck gebracht, daß die Gewährung der jüdischen Vollberechtig״«# und der Autonomie in Litauen, welche ohne Druck und aus eigener Initiative der litauischen Staatsmänner erfolgt sei, einen Markstein in der Cieschichte beider Völker bilde. Es sei ein historisches Verdienst der Führer des litauischen Volkes, daß sie cs rechtzeitig verstanden haben, daß freundschaftliche Beziehungen zwischen dem Majoritätsvolk und dem Minoritätsvolk nur in dem Falle gesichert sind, wenn jedem Volke die Möglichkeit vöüigvr nationaler Entwicklung gewährleistet werde. Die litauischen Vertreter erklärten, daß in Litauen zwischen Juden und Litauern immer die besten Bczichungen bestanden haben, und daß die Deklarationen und rechtlichen Formulierungen nichts anderes als ein Ausdruck dieser Beziehungen seien. Sie versicherten; daß sie im Sejm die Sanktionierung der in Paris zugesagten Rechte vertreten werden. Die gegenseitige Aussprache ließ keinen Zweifel mehr aufkomincn, daß Litauen die Minderheitsrechte in der Tat durchführe« werde. Andererseits wurde klar zum Ausdruck gebracht, daß die Zusicherung der jüdischen VoIIbercclitigung ■und deren Verwirklichung dem lltiuikdren Volke die Sympathien und Unterstützung der gesamten Judenheit sichern kann. Die Verantwortlichen (Dieser Aufsatz war geschrieben, ehe die nebenstehenden Meldungen aus London ringetroffen waren.) Es ist ein unsäglich trauriges Geschäft, Woche für Woche das Bild des ״p e r m a n e n t c n Pogroms“ im Osten zeichnen?.u müssen. Traurig nicht nur um dessenwillen, was dieses Bild darstellt. Trauriger vielleicht noch, weil der Chronist in steigendem Maße das Gefühl der Hoffnungslosigkeit bei seiner Arbeit empfindet. Wir stumpfen ab. Wir gewöhnen uns an das pogromistische Zeitalter. Es bedarf schon besonderer Sensationen, um uns zu erregen; die landläufige Bestialität des Dutzendpogroms reicht nicht mehr dazu hin, uns aus verzweifelnder Resignation zu einem Schrei, geschweige denn zu einer Tat aufzustören. Wie sollte cs auch anders sein? Die Nachrichten, die von den Schlachtfeldern in das Hinterland drangen, haben ja audi so schnell, so gründlieh aufgehört, Dolmetscher des Schreckens an den Fronten zu sein. Eifrige Monate Krieg, und die Zahl der Toten, Verwundeten, Gefangenen und Vermißten wurden notiert wie der Kurs der Börsenpapiere. Und war es draußen anders? Wie war alles in uns aufgewühlt, als zum erstenmal neben uns 'ein Mensch vom blindwütenden Eisen zerrissen wurde und seinen Schmerz liinausschrie. Wie schnell sind wir stumpf geworden, haben wir es gelernt, hinter LeicUenbergen Schutz für das eigene Leben zu suchen. Also geschieht uns nur, was immer geschah und vielleicht immer geschehen wird? Also ist der ״permanente Pogrom“ ein Elcmentarcreignis der geschichtlichen Entwicklung, herbeigezwungen von einer Urgewalt, der gegenüber nur jene Würde ziemt, die das Unvermeidliche wortlos trägt, ohne unnützen Protest, ohne sinnlose Auflehnung? Es ist soweit mit uns gekommen, daß viele von uns diese Anschauung" aus tiefstem Herzen bejahen. Daß Menschen, die vor Jahren mit einem Uebcrmaß leidenschaftlicher Empörung und schier besinnungslosem Tatendranges an diese Dinge 11erantraten, heute am liebsten keine Nachrichten aus dem Osten mehr lesen oder hören wollen, weil ihnen die Pein des Wissens unerträglich scheint gegenüber der Unmöglichkeit des Helfcns. Daß man als Publizist am liebsten trocken und suchlieh Nachricht an Nachricht reiht,' weil es keine Redewendung, kein kennzeichnendes Wort, keine!» Arisdruck der Empörung mehr gibt, der nicht zu oft schon gebraucht worden wäre.! Und doch wissen wir alle; das ist falsch, und wir sollten uns dagegen wehren mit dem Rest der Auflelmungskraft, die uns geblieben ist! Das seit Jahr und 'lag wütende Judenmorden im Osten - - das eine beängstigende Tendenz hat, auf den Westen über/ugneifen , ist kein Elementarercignis, das keine menschliche Gewalt zu heinmen vermöchte. Solche Gewalten gibt es. Es gibt V e r an t w o r 11 i cli e! Die Männer und die Mächte, die den Krieg gewonnen haben und d;E <das Recht des Siegers für sieh in Anspruch nehmen, die Welt nach ihrem Willen umzugestalten, sind verantwortlich für das, was in dieser von ihnen beherrschten Welt geschieht. An ihre Verantwortung sie täglich und stündlich zu erinnern, ist Recht und Pflicht für solche, denen die neugestaltete Welt nicht einmal im Frieden Sicherheit am Leib und Leben garantiert. Unsere Brüder in Amerika haben einer! Schritt getan, der an sich, ganz abgesehen vom niogliehen Erfolg oder Mißerfolg, befreiend wirkt. Der jüdische Kongreß in Amerika hat der Regierung der Vereinigten Staaten, zu Händen des Präsideuten Wilson, eine Darstellung der Verhältnissc im Osten, insbcsoaidere in!*ölen, überreicht. Wilson hat darauf mit einem Brief geantwortet, der sehr viel ebenso schöne wie unverbindliche Redewendungen enthält, aber nicht eui einziges verpflichtendes Wbrt, geschweige dam ein Bekenntnis zu der Verpflichtung, den Einfluß der mächtigsten Republik der Welt dafür einzusetzen daß die Metzeleien im Osten aufhören, *