Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1920-10-12 · Heft 71 (12.10.1920) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 71 (12.10.1920)
Date
1920-10-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2651273-2652228-2652295--13461-2671188
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

ךיד■ ך—» ץ-י- ך, ■ 'tei '_■$ Ö״’״ "״ «^ÄSMSSfcfc''' '*'־*TI‘‘**8 <«l.kti« und V«UZ w. 15, S8a.«u*. M׳- J. K״d,״»t W« Ol.n.t.f und Frrit«{. BMuj.pr«״• bei d.r k.prri.no» ״““ rt־” P.it.ral״• v,«rtel|il״lith 12,50 M. in D«ut»cM«ud. _Au.l«od״«bo״ni■ n.nU we.dnr 1. •i.1 Wil״״״jr dor Undur b«r״l״.״L Hummer 71 8 Berlin, 12. X. 1920 I . .. Min■ —1r־־~ A1uel<!ea«Vcr w alt auf;; Verlag Alwin Locwenthal, Berlin W. 15, Sächsische Str. 8. Telrphim: Amt UbUnd 845 und 841',. A11al(>I>P>'l* <ü' d'« .1cbcn»**D»ltru• Nun1>tr«ill«*»tl• Ü/)« «.. l'umüienunseigcn cnil 20 % AutscliUn־. An*״i*«B«cbtaB; Uifrnuuir and l*relt«f aacfcmltUf» 4 ukir. ־!־*Icsuoo: Amt UlU״r״l *45 und -'in. f>.>«(11׳•«; •וו 11 לוי״• Kt.nvil. Für Or1t-׳f״i׳i! -'Vir■•. KonW Nr. 158 030. r.ir T>d.rrhn»!nv«nM. l’Mt<p»r>r»'»•'■»«‘‘ 1 »•!. 14.001• Nr'. )56 ÖjÖ. Re.irM1rmn-'1l>1S S«<׳־>U» und Mitlworb n«r*1׳ndl»r. 30. ThIsehr! 5681 XXV. Jahrs- Der ZlouUroa. or.trebt für tlw {fidl.die Volk dto Die Aktion für den Grundfonds (Keren liajessod)! hT. jliiir rr11'11i'ii'"l111T;»n1r1i,1r—iiirnrM-nrnii- £נ״afluag «Ine*■ SffentllcSi-reeMIIeh gesteuerten HcLnast&tte to Palästina. ,,Eosetci- Pro!;ruvom“ r I Du׳ Aktion für den G r u n d f o 11 d s hat bereits kräftig eingesetzt. I>ie Erk'imtms, daß die Not- Wendigkeit des Augenblicks ein sofortiges Eingrellen lier gesamten jüdischen Welt erfordert, hat sich überall rasch verbreitet. Zunächst gilt es vor allem, in den eigenen Reihen zu werben. Während in London die letzten Vorbereitungen zur eudgültigen Konstituierung des Fonds getroffen werden, die seine Form, seine Organe, die Verwendung seiner (leider im einzelnen und die Ueberwachung seiner Anlagen regeln, sind die Landesverbünde bereits überall in Aktion getreten. Die Nachrichten, die aus Palästina kommen, zeigen dali wir nicht warten können, bis die letzte Feile an die formelle Ausgestaltung des Fonds ge!eg־t ist. Denn Wie auch der Plan der praktischen Tätigkeil der Organisation nusfallen möge, ob der Eine dies und der Andere das an ihm zu verbessern hat, vs ist zweifellos, dali beim Beginn des S i v d 1 u n g s w e r k e s der Organisation a u II e r ge w ö h n 1 ich große Mittel zur V e r f ii g u 11 g ge s t e 111 w e rd e n muss e 11. Wir wissen aus der Siedlungs- und Kolonisationsgeschichte aller Völker, daß zum wirtschaftlichen Aufbau eines Landes und Altnculand ist auch Palästina - ungewöhnliche Mitte) notwendig sind, deren Verzinsung nicht in der Art eines privatkapitalistischen Unternehmens vermittelst sofort zu erwartender Dividemlenziftern möglich ist, die aber doch im Laufe der Zeit einen nationalen Ertrag .ibwerfen, der zum Teil sich auch in unmittelbaren (h'lderträgen äußert. Nach dem Referat von Julius Simon auf der Londoner Konferenz hat der Aufbaufouds im einzelnen folgende Aufgaben: ln erster Linie handelt es sich um lauf e n d e Ausg a bc 11, die mit besonderer Dringlichkeit auftreteu: Einwandcrcrfiirsorge, Ban von Baracken und Unterkunftsstiitten, erste Verpflegung und Arbeitsbcschaf. fimg, medizinische Hilfe, Ausgaben, wie sie bei jeder geregelten Einwanderung zu tragen sind. Darüber hinaus weiteix: dringende soziale Leistungen, vor allem Bekämpfung von Arbcitslosigkeit, Krankheiten, Einrichtung sozialer Versicherungen, Unterstützung der Spitäler, der Siiuglingsfür. sorge usw. Ausgaben, wie sie jedes moderne Volk zu machen hat, die bei allen Kulturstaaten im Jaliresbudget große und wachsende Summen erfordern. Bei diesen Ausgaben rechnen die Kulturstaaten nicht auf unmittelbare Wiedereinbrin- .',׳img. Auch das jüdische Volk wird neben den eigenen Leistungen des palästinensischen Staats, wesen;־, solche Ausgaben laufend zu fragen haben, und sie werden später als Teile des ordentlichen Budgets sowohl im Etat der Zionistischen Orgauisation wie in dem des palästinensischen Staates erscheinen. Im Augenblick handelt es sich darum, diese Ausgaben, für die eine geregelte Deckung noch nicht besteht, durch eine einmalige außerordentliche Leistung zu bestreiten. Sie gerade sind besonders dringend, alle Nachrichten aus Palästina bezeugen es, und der erste Strom der einfließenden Gelder wird für sic verwandt werden müssen. Doch darüber hinaus hat der Aufbaufouds die Aufgabe, die Mi ttcl für die großen dauernden Anlagen zu schaffen, die zum großen Teil kaum 'vutiger brennend sind als jene laufenden Ausgaben, bei ihnen handelt es sich im Sinne des Etats- Wesens um ״außerordentliche Ausgaben“ im cigenthielten Stiniie, die von allen Staaten int Wege ״außerordentlicher Einnahmen“ gedeckt zu werden pflegen. Bestehende Staaten bedienen sich hierzu des Mittels der Anleihe, und so wird auch das ueuerstandene palästinensische Gemeinwesen; vorsm'hen, sich eine Anleihe zu verschaffen. Als Teil tes britischen Stantenbundes wird es dabei auf Erin r , .ne״ dürfen, wobei ihm zugute kommt, daß bekanntermaßen wichtige Glieder der Hochfinanz der Entwicklung Palästinas besonders! freundlich gegenüberstellen, indessen, für unsere speziellen Zwecke der j üd i seh en Besiedlung und -1• £5 » en ^•u'*ur ^ann dies nicht genügen. Das jüdische Volk selbst muß auf dem Wege einer einmaligen großen Leistung seiner Leitung die Mittel geben, um die erstrebten Ziele wirklich durch/״- führen. Die Ausgaben dieser Art teilen sich mm wiederum in zwei Gruppen: sogenannte nationale Anlagen einerseits, geschäftlich verwerlhare Anlagen andererseits, lypische Beispiele der ersten Art sind die Schulen lind die Krankenhäuser. Jede Volksgemeinschaft trägt Sorge für Anlagen dieser Art, und mau kann das dafür!ungegebene Geld nicht einmal als vciloien auseben. Der• große Nationalökonom Friedrich List hat gelehrt, daß solche Anlagen, wenn sie auch nicht unmittelbar Produktionsmittel darstellen, doch Produktitkrüftc schaffen, entfalten, erhalten und somit selbst darstellen. Geschäftlich verw e r tb are Anlagen endlich sind solche, bei denen auf Rückfluß des Kapitals oder Verzinsung in absehbarer Zeit zu rechnen ist, Anlagen, die zwar auch von Privaten unternommen werden können, die jedoch der Staat oder das Volk selbst in die Hand nehmen, um ihre Durchführung unter allen Umständen sicherzustellen oder um hei ihrer Durchfiihrung öffentliche und nationale Interessen־ zu wahren. Hierin gehört Kredithergabe für den Bau von Häusern, für die Eilt- und Bewässerung und sonstige Urbarmachung des Grund und Bodens, für die Errichtung von Parzelliertmgsbaiiken, Hypothekenbanken, Sicdlungsgeseilschaften, für die Förderimg neu aufkommender Industrien usw. Ein we. sentlicher Teil des Aufbaufouds soll Anlagen dieser Art reserviert bleiben, und ein Oberster Wirtschaftsrat, zusammengesetzt aus hervorragenden jüdischen Finanzleuten, soll diesen Teil der Anlagen besonders überwachen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die aus solchen Anlagen zurückflielienden Erträge zu einer mäßigen Verzinsung der für den Grundfonds hergcgebeiien Gelder verwandt werden. Angesichts der beginnenden Aktion für den Grundfonds dürfte es gut sein, sich diese Dinge wieder ins Gedächtnis zurückzurufen. Die Aktion selbst bat inzwischen eingesetzt. Die Berliner Vertreterversammlung hat in zwei ein. gebenden Sitzungen die nötigen Vorbereitungen getroffen. Am 10. Oktober fand eine Besprechung Dr. Hantkcs mit den schlesischen Gruppen in Breslau statt, am gleichen Tage eine solche Julius Bergers in H a n 11 over mit Vertretern mitteldeutscher Gruppen. Audi die Tagung des Gruppen, verbandes im besetzten Gebiet in K ü 111, zu der die Herren Roscnblütli und Lichtlieirn erschienen waren, befaßte sich mit der beginnenden Aktion. Am 17. Oktober findet die Tagung des Gruppenverbandes für Bayern und Württemberg in Nitritberg statt, auf der Kurt Ülunicnfekl zugegen sein wird. Vom 24. Oktober bis 7, November finden in Verbindung mit dem Gruppenverbandstag des r e c 111 s r 11 e i n i s c h - w e s t f ä 1 i s c h e u Bezirksverbandes Besprechungen in den größeren Gruppen von Rechtsrheinland und Westfalen in Gegenwart Kurt Bluiuenfelds statt. In Frankfurt a. M. wird voraussichtlich in kurzer Zeit Dr, Hantke Besprecluutgen abhalten, ln kurzem werden auch Besprecht! ngen des Berliner Büros für Zentralenropa mit den mitteleuropäischen Landesverbänden stattfinden. Es ist zu erwarte״, daß gleich die ersten Besprechungen zeigen werden, daß das jüdische Volk, und zwar zunächst vor allem die zionistischen Kreise selbst, die Bedeutung der Stunde nicht verkennen. Alles, was bisher in dieser Beziehung bekannt wird, läßt daraufhin schließen. E. M. Die Judenaustreibung aas Oberschlesien Paris, 5. Oktober. (Jewish Corr. Bur.) Der Präsident der Jüdischen Delegationen, Nahum S o. kol 0 w, konferierte mit dem Chef der französischen Mission im Plebiszitgebicte von Oberschlesien wegen der Ausweisung der nach Schicsien aus dem Osten flüchtenden Juden, unter denen sich auch Palästina-Wanderer befinden. Herr Le Rond versprach, in Hinkunft ähnliche Vorkommnisse zu vermeiden. England und die Zionisten In der neuesten Nummer der Zeitschrift ״Im Deutscheu Reich־‘ vcroifciitlicht Professor Hermann Strack, der bekannte christliche Theologe, einen Aufsatz ״Zur Verständigung zwischen deutschen Christen und dcutsehen Juden“, in dem er sieh auch über die Haltung der deutschen Zionisten äußert. Strack meint, ela! durch die cnglandfreimdliche Haltung 41er zionistischen Partei in Deutschland der Antisemitismus Nahrung erhalten hat. Er skizziert die־ Tendenz der englischen Judenpolitik, die durch ihr besonderes Raffinement di׳ Juden gewonnen und sich seihst die Herrschaft über Palästina gesichert habe. Dem, gegenüber habe die deutsche Politik in bezug auf die Judenfrage schwere Unterlassungssünden auf sich geladen. An dieser Auffassung ist nur das eine auifalk'iul, daß Professor Strack offenbar die Geschicklichkeit Lug- Lands anerkennt, aber gleichzeitig .aus dem Bedauern, daß die deutsche Politik in diesem Punkt unterlegen ist, eine Herabsetzung der englischen Erfolge versucht, indem er die englische Politik als besonders eigennützig verdämmt Mit viel mehr Verständnis hat diese Frage jüngst der gewesene Minister August Müller behandelt, der daraus die einzig mögliche Konsequenz zog, daß Ueiitsehland seine Judenpolit.k ändern müsse. Man Ix׳- _ urteilt politische Anschauungen nach nioralisclx’ii oder nach utilitaristischen Gesichtspunkten. Tut man das letztere, so verwirkt man damit das Recht, die Politik des Gegners aut ihre moralischen Motive zu unter- Stichen. Leider ist die deutsche jtr.leupolitik bisher weder moralisch noch zweckmäßig gewesen; sie gehört in jenes Gebiet, das Hellmuth von Gvrlach jüngst die ״Erbdummlieit“ genannt hat. Es ist sehr wohl verständlich, wenn unter solchen Umstanden die Sympathien des allwcltlichcu Judentums sich England und nicht Deutschland /״gewandt haben. Auf diese Fehler* haftigkeit und Unrichtigkeit der deutschen Judenpoütik, auf die politische Schädlichkeit des deutschen Amisernitisnnis gerade im Sinne einer weitblickenden internationalen Weltpolitik haben die Zionisten in Deutschland wiederholt hingewiesen. Sie haben damit Deutschl.'uiil einen besseren Dienst erwiesen als die professkineben Lobpreise!• der nationalen Eitelkeit. Wenn dagegen die großherzige weitblickende Politik Englands, die übrigens gerade in letzter Zeit wieder durch die l!uabhängigkeitserkläruiig Aegyptens sich gezeigt hat, auch von den deutschen Zionisten freimütig anerkannt wurde, so ist das nur die selbstverständliche Reaktion auf das Verständnis, das England für das Wesen des Judcnproblems bekundet hat. Durch striche Anerkennung wird in keiner Weise die Loyalität gegenüber Deutschland verletzt. Es sei denn, daß mail heute noch initiier in dem bedauerlichen Irrtum steckt, chauvinistische Atislaiidshet/e für ״Patriotismus“ zu halten. Während des Krieges wäre es besser gewesen, wenn die deutsche Oeffentlichkeit von der Politik der Feinde ein richtiges Bild gehabt hatte, statt des von der *riiiziehen Darstellung verzerrten; vollends aber 111 der heutigen Situation Deutschlands ist es unverständlich; daß jede ehrliche Beziehung ztt einem der ehemals feindliehen Staaten als eine Art Verrat;ungefaßt wird. Diese Haltung trägt dazu bei, daß im Ausland 110c!» immer das schärfste Mißtrauen gegen Deutschland herrscht und daß man die in Deutschland noch immer Lmatigebenden nationalistisch-chauvinistischen Kreise nach wie vor für die wahren Repräsentanten des deutschen Volkes 11:ilt, mit denen man keine Beziehungen anknüpfen kann. Auf diese Gefahr haben auch verständige Deut seih; schon wiederholt aufmerksam gemacht, erst jungst wieder Professor Foerster in der ״Vossischcn Zeitung“, in ileut Artikel .,Vor dem Abgrund“. Wir glauben, daß die deutschen Juden ihrem Vaterland einen schlechten Dienst erweisen, wenn sic auch in das Horn der alldeutschnationalistischen Kreise stoßen, wenn sie ihre Aufgabe darin schon, gegen England zu heizen. Leider scheint der ״Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ eine solche Politik zu machen. Der Zentralverein ist England feindlich, weil England dem Ziotiisimts freundlich ist Ob er damit den deutschen Interessen nützt, die ihm ja obenan stehen, ist aiißeroidentlieh fraglich. Es ist 1m heutigen Augenblick der Weltgeschichte, wo alle Rettung mir von einer fa'iindsdtaftliehen Verständigung der Völker erhofft werden kann; aufs Schärfste zu verurteilen, wenn immer wieder die alten Gegensätze hervorgokehrt werden, oder wenn man dem deutschen Volk einredet, daß es eine Verletzung des Patriotismus sei, wenn z. B. die Zionisten auf gute Beziehungen zu England Wert legen. In diesen Zus,־mimenhang gehört auch ein Artikel des führenden Zentral vereiusmitgheds Dr. Ludwig Holl ander in den K. C.-BI.ittern, Holländer betont wieder die Eigennützigkeit der englischen Palästiuapolitik, die nur dem englischen Vorteil diene, und fährt fort: ״Lx-ider muß festgestellt werden, daß begeisterte und aufrichtige Zionisten sich in dieser Frage den klaren Blick haben trüben lassen, wobei aUcrdlt£s auch

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.