Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1920-10-08 · Heft 70 (8.10.1920) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 70 (8.10.1920)
Date
1920-10-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2651273-2652228-2652294--13450-2671176
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

/*״A ן r.~־ \ : ץ"*־־ ך״-׳—£ ץ*,,׳1״«״«! ר/ \/ ־ auaaHMa■(! ־^.״w »ן•־׳ *.מי* •יר <f ,. T2u *1׳-a־״ tt«Uk.Li*a und Vrrl*a W. 15, SnduUch#. Sw. B. Eraüicitit jcdfo um) Freitag, 5Wj.ug*pr«i* b<5> dur F.xpccliiiut) und «)<*0 P#stämi*?D viert«ijäbrli*h 1?,50 M. in Deutschland, AunUodmhonne* manta warden it» der Währnng der eintctiten Länder Wrt'dmcl. XX3B*aSP '־TS«JS«l.Ü A n % c! 5r cu-Vcr v/ a 11 * מ u Nummer 70 Berlin, 8. X. 1920 Verla״ Alwin Locwcnlhal, Berlin W. 15, Sächsische Str. 8. * Telephon ' Amt Uhlami £45 und R-tfn A0£*lfe»iPi״־‘J■ f“f di# «1«U1v..׳>־aP.»lB*n״ ji.&ü M., Fenjilienatixcigra utit 2ü "y Auf*>sJdag■. AB*«')y*!nacblwÜ: Dienstag׳ rmd t*»ei1«7 naehmlttas:* * Ub»• 1 J‘.V״p*'r &i"~ ,m1 * ,Mi'SÄÄSS^•“ ־ ־־־. ־ 0■< ־** - ־snr "־ י TcIepUon: Amt IHlUntl (*״.״ ».1 ל••־. - Nr, v! ״, ij. Tür Oimme'.rhl PoiOpMVnmd» Nr. l5t1ü"«C. J׳ür T(-W1»»lowtl1al Nr. ’..V, MO. R*,i*tt!n»»«׳r1I'1li S > C ( ' י *'■ 'di f *”י•׳ י* י״ P0su!i9<־-.Vfc<׳®־B# 1 Berlin .. ' n, Konto 1 ^•י,( 11ח»ח־»״יי«11זטון*1י«?• Kont• 1»Uf und Mittwoch berbmiiUj Thlschrl 5681 XXV. Jshrj». Baseler Froeramm Der ZIonlsn.it. erstrebt fßr das jfidlsche Volk die Schaffung einer Cf:c»1tllcfc.rccfttHd> gerfdiertea Hclxzx&Ültte ln Palusllna• Ir 1 Zur Eröffnung der Assefafcli lianiwcharim Atu 7, Oktober soll in Palästina die erste Delegi erteil Versammlung tles palästinensischen Judentums eröffnet werden, Dieser Tag bringt die lirfiillttni* eines lang gehegten Wunsches aller domokratiselien Kreise des Jiscluib. Gleich nach Kriegsende tauchte der Gedanke einer politischen Organisientiig' des Jiscluib durch eine gewählte legitimierte Vertretung auf. Die Idee hatte mit vielen Hindernissen zu kämpfen, nahm aber initiier deuttichere Formen an und endete schließlich■ in dem l'lan der Einberufung der ״Griindungsvcrsaninihing“ (״Knessia mejassedet“) des palästinensischen ludentums. Dieser Name, der gleichbedeutend mit ״Konstituante“ ist, hat später Bedenken erregt, weil die Versammlung ihrer Natur nach gar nicht befugt ist, über die .staatsrechtliche Form Palästin,■1s Beschlüsse /u fassen; sie ist lediglich die Vertretung eines Bruchteils der Bevölkerung, keineswegs also ein palästinensisches Parlament, Nachdem um vielen Seiten der Gedanke selbst ahgegriffen worden war, kam cs später innerhalb des provisorischen Exekutivkomitees (Waad hasuinui), das zur Einberufung der Versammlung■ und zur vorläufigen Führung der Geschäfte eingesetzt warden war, zu einer Einigung, wonach die Verstimmhing nicht unter dem Namen ״Konstituante“, sondern unter dem bescheidener klingenden Namen ״Dekgieilenversammhmg“ (Assefath lianiwcharim) einberufen werden sollte. Die vom Waad hasmani ausgearbeitete Wahlordnung, die sich den demokratiselien Wahlordnungen der Welt anpaßt«, stieß aber auf den Widerstand der Orthodoxen, welche die Frteiluug des Wahlrechts an die Frauen als eine das jüdische Gesetz verletzende Maßregel bezeichneten. Als Weizmani! und Ussischkin im Herbst 10ID nach Palästina kamgn, haben sie nach laugen Verhandlungen mit allen Parteien sieh veraiilaßt gesehen, die Aufschiebung der Wahlen zu verfügen. Erst im April d. J. sind die Wahlen durchgct'ührt worden, gerade in jener Zeit, wo durch die arabischen antizioiiistisclien Dcmonstrahonen die Stimmung des Jiscliuh sehr erregt war. Aber der Zusammentritt der Versammlung wurde damals nach von der militärischen Okkupationsbehörde verboten. Erst nach dem Amtsantritt I lerlicrt Samuels wurde die Bewilligung erteilt und nunmehr ist die Versammlung definitiv cinhcrufen worden. Die Delegicrteiiversainmlung ist die erste politische Lebcnsäulkrung des palästinensischen Judentums. Zum ersten Male werden gewählte Vertreter aller Schichten der jüdischen Bcvölkcriing Palästinas gemeinsam •die brennenden Fragen der Gegenwart und Zukunft Palästinas erörtern Die Versammlung bat zwar keinerlei gesetzgebenden Befugnisse, sie ist jedoch von großer moralischer Bedeutung, da zweifellos ■das ganze palästinensische Judentum sich ihren Beschlüssen wird fügen müssen. Die Frage ist, ob die Versammhmg ihren Aufgaben gerecht werden wird. Dem palästinensischen Judentum sind jetzt ganz positive Aufgaben gestellt. Die Assefath haniwehaiiiu muß in der kurzen Zeit ihrer Tagung die wichtigsten Probleme nicht nur prüfen und saclilieh erörtern, sondern sie muß auch Richtlinien für die weitere Arbeit ausgeben und fachkundige Ausschlisse zur Beratung und Durchführung der ein- /.einen Angelegenheiten einsetzen. Sie muß der Gefahr entgehen, der z. B. die Londoner Jahreskonferenz erlegen ist, durch übermäßige Beschäftigung mit Demonstrationen und Organisationspolitik ihre sachliche Leistungsfähigkeit herabzuiniudcrn. Die große Lust an politischen Debatten, bei denen nicht ',״'״ur c'״ klares Ziel besteht, war stets eine hellwache des Jiscluib. Die besonders von den demokratischen Parteien stets als schwerer Schaden empfundeite Unmündigkeit des Jischub, seine völlige Abhängigkeit von außerhalb des Landes befindichen Faktoren kann nur dadurch beseitigt werden, daß der Jischub den Emst und den deutlichen Wille״ zeigt, sich auf eigene Füße » rtcMcn urnl j s׳ch nicht darauf verläßt, die brennenden Lebensi fragen des Landes durch Beschwörung des deus ex mndima aus London oder New York losen zu wollen. Die Situation ist gerade im gegenwärtigen Augenblick eine ungeheuer schwierige. Die wirtschnftliclie Krise in Palästina nimmt an Umfang zu, die Einschränkung des zionistischen Budgets bedroht viele Personen mit Arbeitslosigkeit. _ Es wäre aber ungerecht, wenn das palästinensische Judentum sieh darauf beschränken würde, gegen die Einschränkung des Budgets zu protestieren und seine finanziellen Bedürfnisse und Forderungen zu formulieren. Vielmehr muß gerade die palästineusisclie Verfreterversaiimihmg vor allem jenen Momenten ihre Aufmerksamkeit zuwenden, die im l.amle selbst zur Stagnation und zur Verschärfung der Krise geführt haben. Die palästinensische Vertrctervcrsammliuig wird an der Tatsache nicht vorübergehen können, daß mit Rücksicht auf die hohe Valuta Palästinas und die privatwirtschaftliche Unrcntabilität der ersten Erscliließtuigsarbeiten die Erfovdernisse des Landes den heute vorhandenen Geldmittel» ganz inkommensurabel sind. Es müssen daher Wege gefunden werden, um die Bedürfnisse herab/ummdern, sowohl im öffentlichen als auch im privaten Leben auf allen Seiten nach Möglichkeit zu sparen, die Kosten der Lebenshaltung zu verbilligen, allen Luxus und alle überflüssige Verschwondung aus/usclialtcn und zu bekämpfen. Die Art der Lebensführung, die in einigen besitzenden Schichten des Landes gerade durch die Hoch- Wertigkeit des eigenen Geldes eingerissen ist, der Einfluß des amerikanischen Dollars, der mit den amerikanischen Beamten nach Palästina kam, die dem armen Lande gar nicht angemessenen, aus den reichen anglo-amerikanischen Ländern übertrageiieu Lehensgewohnheiten führen allmählich .zu einem Zustand wirtschaftlicher Demoralisation, der sein Acquivalent auf der andern Seite in dem dauernden Rechnen mit fremden Unterstützungen findet. Die Delcgiertcnversainnilung wird alle iiir zur Verfügimg stellenden moralischen Mittel ergreifen müssen, um das Bewußtsein der Judenheit Palästinas für die ungeheure Verantwortung zu erwecken, die auf ihm liegt. Auch die materielle Frage und mit ihr die Frage der Erweiterung der zionistischen Arbeit ist zum großen Teil ein Erziehuiigsproblem. Nur wenn jeder einzelne Jude Palästinas darüber aufgeklärt wird, wie seine persönliche Lebensführung auf das Schicksal des Jiscliub zurückwirkt, nur wenn pinc moralische Autorität der Assefath lianiwcharim ׳da ist, kann'eine Besserung erhofft werden. Gleichzeitig aber muß die Delcgierfenversaiumhmg die Initiative für wirtschaftliehe Organisationen ergreifen, die eine Verbilligung des Konsums zur Folge haben. Sie muß vor allem den Fragen der Förderung der Produktion ihr Augenmerk zuwenden und die Schaffung von Arbeitsgelegenheiten für die neuen Einwanderer anregen, Institutionen zur Aufnahme und Hebraisierung der Einwanderer gründen, das Volks, bildungswesen organisieren. Auf allen Gebieten des wirtschaftlichen und kulturellen Lebens kann die Versammlung auf diese Weise, auch ohne eine staatsrechtliche Funktion ztt haben, einen ungeheuren Nutzen bringen. Sie genießt ihre Autorität als die erste gewählte Vertretcrvcrsammhing des palästinensischen Judentums, der erste Schritt zur jüdischen Autonomie. Als solche ist sie auch politisch von Wert, wenn sie die Mündig, keit des palästinensischen Judentums erweist Die zionistische Ocffentlichkeit der Diaspora blickt mit großen Erwartungen nach Jerusalem und begrüßt die erste Assefath Jianiwcharim zu gedeihlicher Artleit. Weizmann geht nach Amerika Wie das Londoner Jcwish Gorr. Bur. meldet, hat der Präsident der Zionistischen Weltorganisation’ Profosor Wcrnna״״, Mi״c Absid«, M”hTa Listina zu reisen, vorläufig aufgegeben und begibt sich demnächst in zionistischen Angelegenheiten nach Amerika. (Eine offizielle Bestätigung dieser Meldung ist bisher nicht erfolgt. Anm. d. Red.) Judcnausweisungen aus Ungarn Das offizielle״ ׳Ungarische 'lel.-Korr.-Buro•‘ meldet am 2־. Oktober: Mit Zustimmung des Ministerrates hat der Minister des Innern auf Grund des Artikels V des Gesetzes vom Jahre PHD eine Verordnung über die Ausweisung der seit 1014 ei!1 g e w a ndcrtcii J u d e n erlassen. Von den Bestimmungen der Verordnung werden alle ausgenommen, die im amtlichen Aufträge eines auswärtigen Staates oder in wichtigen Privatangelegaiiieiten nachweisbar für kurze Zeit nach Ungarn gekommen sind. Die Ausnahmen beziehen sich jedoch nicht auf die g a 1 i z i s c h e n und russischen Juden. Die jiidisch-polfiischcn Ausgleichs- Verhandlungen Warschau, jtl. September. Die Politische Telegraphen-Agentur gibt folgenden offiziellen Bericht über die am 25. September wieder aufgcnommeiicn jüdischpolnischen Ausgleichsverhandlungeil: Sonnabend, de* 23. September, fand im Präsidium des Ministerr.ites unter dem Vorsitz des Vizepremiers Das/, y 11 s k i eine Konferenz mit den Verbittern aller jüdischen Parteiriditungeii statt, die sich mit der Frage der I: r 11 e u e rti n r d e r p o 111 i s c 11 - j ü d i s c h e n B c r a 11111 g e 11 befaßte, die unter Anteilnahme der Vertreter aller polnischen Sejmparteien und der jüdischen Bevölkerung in den Monaten Juni und Juli dieses j;ihres begönne!) hatten und daraufhin gerichtet gewesen waren, Mittel zu finden, um die Beziehungen zwischen der polnischen und jüdischen Gesellschaft zu bessern. Vi/epremior Da s zy 11 s k i bemerkte, es sei der Leitgedanke der Regierung, es dazu zu bringen, daß auf beiden Seiten die Notwendigkeit eines fuedlichei» Zusammeiilebensf das sich auf die bürgerliche Gleich- Berechtigung stützt, erfaßt werde. Die Sdiritte. welch* von der Regierung getan werdet! müssen, um diese PI ine zu verwirklichen, werden getan werden. Der Krieg, der schon das siebente Jahr’ dauert und die Konzentration aller Kräfte des Staates auf ein Ziel, die Verteidigung der staatlichen Existenz, erfordert, hat einen abnormalen Ausnahmezustand geschaffen, der die Befreiung von den Leidenschaften, welche für die ruhige, konsequente Arbeit zur Verbesserung der beiderseitigen Beziehungen notwendig ist, erschwert. Nach dem Friedciissdihif) wird diese Arbeit — nach der Meinung des Vizepremiers Daszynski — leicht sein. Auf jüdischer Seite wurde übereinstimmend gehend gemacht (an der Beratung nahmen, wie ״Der Tag“ berichtet, außer Dts/ynski und dem Vi/cmmister Wroblewski teil; die jüdischen Deputierten Gr imbau 111. Farbstein und 1fr. Schippe«, ferner die Herren Ehjalni Kirschbraun tiiid P r i,11 / k i, dann die Assiinilantcn Abgeordneter tXi a 111 a 11 d und l-öweu stein, sowie Richter Kasimir Sterling. Anm. d. Red.), daß, noch ehe in die Betrachtung der kulturellen und organisatorischen Probleme, welche auf die Lage der Juden und ihre Organisation in polen bezug haben, cingegaugen werden könne, die erstickcpdc Atmosphäre beseitigt w e r d e 11 müsse, welche in den letzten Wochen geschaffen wurde und welche ohne Rücksicht auf die unzweit'elhalt loyale Haltung der jüdischen Gesamtheit während des Krieges zu dem unerhört verleumderischen Vorwurf gegen die jüdische Bevölkerung geführt hat, daß sie angeblich ein feindseliges Verhalten gegen den polnischen Staat eimiclniie, das beinahe ait Hochverrat grenze. Die Resultate dieser A n w ii r f c haben sich hereits in überaus tragischer W eise in der Lage der Juden in den von der feindlichen Okkupation befreiten Gebieten gehend gemacht. In seiner Schlußrede antwortete Vizepremier Daszynski, daß in Uebereinstiinmiing mit dem Wunsche aller Anwesenden in Kürze allgemeine polnisch-jüdische Beratungen beginnen werden. * Durch den vorliegenden Bericht werden allerdings die Besorgnisse wegen der Lage der Juden in Polen nicht beseitigt. Die polnische Regierung wird mehr tun müssen, um zu beweisen, daß es ihr ernstlich um eine Beruhigung zu tun ist. I>ie jüdischen Abgeordneten habe״ bei Begum der neuen Session des Sejm eine Reihe ausführlicher Interpellationen wegen der letzten Iogrome überreicht. Die Regierung bat bisher keine Genugtuung gegeben und eui netter Rurs der Judcnpoliiik ,st nicht festzustellen. Auf jüdischer Seite war der Wrstandigungswille vom ersten Tag an ehrlich; je langer die Lerf״״^'C a'!7SV"‘w111'״ * L'tzer gewähren lassen,' germger wird die Hoffnung auf Besserung.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.