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Jüdische Rundschau · 1920-10-01 · Heft 67-68 (1.10.1920) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 67-68 (1.10.1920)
Date
1920-10-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 5!4 Nr. 67/58 JUEDISCH E RUNDSCHAU יי Der amerikanische Zionismus Palästina Einberufung der Asscfath haniwcharlm auf den 7. Oktober Der Wand liasinani 1hat in seiner letzten Sitzung• beschlossen,׳daß die im April gewählte Delegierten- Versammlung der palästinensischen Juden (Assefath haniweharim) Donnerstag, den 25. Tisehri 5(181 (7. (>ktober) am Abend eröffnet werden soll. Die (ieschiiftsordmuiR der Versammlung soll analog der Geschäftsordnung kler Zionistenkongrosse gehandhabt werden. Als Tagesordnung macht der Waad liasinani folgenden Vorschlag: Erste Sitzung: Eröffnung, Begrüßung, Wahl des Präsidiums und der Kommissionen: Pcrmancuzkomniission, Legitimafionsansselitiß, Kommission für die Fragen des Jisduibs, das Verhältnis zwischen Zionistischer Organisation und Jisduib, für die Fragen der Arbeit und Einwandenmg, Zweite Sitzung: Gesetz der Asscfath haniweharim, Referat und IX'bntte. Dritte Sitzung: Referat über die innere Organisation des Jischubs und die Aufgabe der Assefath haniwchariin, ihre Dauer und den Umfang und Inhalt ihrer Arbeit und ihres Budgets. Vierte Sitzung: Der Jiscliub und die Zionistische Organisation. Fünfte Sitzung: Oie Einwanderung und die Frage der Arbeit. Sechste Sitzung: Wahl in den nationalen Ausschuß (״Wand leiimi“), Wahl der Vertreter des Jisdnibs im Waad Ha/irim und den zentralen Institutionen. Siebente Sitzung: Verschiedenes, Schlußsitzung. Ferner wurde beschlossen, daß ein Bericht über die Tätigkeit des Waad liasinani ausgearbeitet, in Druck gelegt und der nächsten Sitzung des Waad hasmani vorgclcgt werden soll, der dann darüber entscheiden wird, ob der Bericht der Assefath haniweharim vorzulcgen ist. Jedenfalls soll in der Assefath haniweharim keine Debatte über den Berieht stattfinden. Das ״Advisory Council“ Sir Herbert Samuel hat ein beratendes Komitee (,,Advisory Council“) von *zehn Mitgliedern ernannt. Davon sind sieben Christen und Mohantedatier und drei Juden. Die drei Juden sind Dawid J eil in, Kalwarisky und Ben Zwi. Die Sprachenverordnung Die Palästinensische Regierung veröffentlicht am 8, September eine Verordnung bezüglich der offizielten Sprachen in Palästina, Punkt 1 der Verordnung lautet: Englisch, Arabisch und Hebräisch sind als offizielle Sprachen in Palästina anerkannt. 2. Alle Verlautbarungen der Regierung werden in den erwähnten Sprachen veröffentlicht. Zu• Schriften an jede Abteilung der Regierungsbehörde können in einer der drei Sprachen abgefaßt sein. Die aus den Acmtern der Regierung audnufemlen Schriftstücke werden in der dem jeweiligen Sachverhalt entsprechenden Sprache abgefallt. Der dritte Punkt betrifft den Sprachengebraucb bei Telegrammaufgabe, Der vierte Punkt bestimmt, daß alle Ankündigungen der Eisenhahnen und Straßen in den drei Sprachen erfolgen. Der fünfte und sechste Punkt betrifft den Spradicngcbrauch bei den Provin/ialbeliördai und bestimmt, daß in jenen Gebieten, in welchen eine entsprechende Anzahl Juden wohnt, auch die hebräische Sprache im Amtsverkehr zugelassen wird. Welche Orte oder Bezirke zu diesem sogenannten ״Dreisprachen* gebiet“ gehören, wird jeweilig vom Qberkomimissür festgesetzt, 3a Diesen Sprachenerlaß des Oberkoni imssars feiert Dr. Josef Klausner im Leitartikel des ״Haare/.*‘ vom 10. September als ein historisches Ereignis, welches dem Beschluß von San Remo gleichzustellen sei. Die offizielle Anerkennung der hebräischen Sprache als einer gesprochenen Landessprache ist die Krönung einer jahrzehntel» nge» mühseligen und schmerzhaften Anstrengung des Volkes, das seine Sprache zum Leben wiedererweckt bat. Die Immigration Telegramme aus Jerusalem. Bei der Zionistischen Organisation in London trafen folgende Telegramme aus Jerusalem ein: 22, August: Die Immigration nimmt zu. Wir haben Arbeit und Unterkunft zu beschaffen. Sind bemüht, Arbeitslosigkeit zu beheben. Baracken für 500!.eine sind bereits bestellt. Benötigen sofort ein Zu• sat/lmdget für Eaiidnrheil für 51X1 Ghahi/im, Immigrationsbiiro ist erste Sorge. Wir hoffen, daß äußerste Anstrengung gemacht wird, jene Summen aufzubringen, Gez. Zionist Commission Jerusalem. 31. August: Die ״Carolina“ aus Triest hat 475 Chaluzim gelandet. Eine ähnliche Zahl wird an Bord der ״Gorinthia“ ankommen. Ueber 600 Palästina- Flüchtlinge aus Korsika repatriiert. Erwarten in Bei■ ruth Erlaubnis für Palästina. Gez, Zionist Commission, 31. August: Ersuchen die zionistische Exckulive, alle Organisationen von dem drohenden U 11• glück zu verständigen und die jüdischen Kräfte zu sammeln, um der Krise Herr zu werden. Die Suspcn* dierung der Immigration im jetzigen Mo* ment wäre unheilvoll. Gez. Waad hasmani. Brandcis’ Rückkehr Die ״Convention“ in! November Am 20. August ist Louis Brandcis auf der ״Zeelaml“ aus l.omhm in New York cingctroffon.^ Zei- Uuigsrepoi'tern gegenüber erklärte er, er sei mit dem festen Entschluß zurückgekonmieii, das Aeulkrste zu tu», um das jüdische Land in nächster Zukunft auf zu* haue». Er sei sicher, daß das jüdische Volk a» dieser Arbeit mit gau/cr Seele uml aller Kraft mitwirken wird. Aut dir. Frage, weshalb er gegen Ussisehkins Wahl ,gewesen sei, erklärte Jacob de Haas statt Brandeis, daß tJssischkin nicht der richtige Mann am richtigen Platze gewesen sei. Brandeis erklärte noch, daß es keinen Unterschied zwischen amerikanischen und europäische» Zionisten gäbe, Zionisten sind überall Zioniste», alle meinen nur das Beste und alle haben nur ein Ziel, die jüdische Heimstätte in Palästina. Bald nach seiner Ankunft wurden bei Nathan Strauß zwei Sitzungen der Exekutive der amerika* nischcn zionistischen Organisation abgchalten und heschlossen, die J a 11 r e s k o n f e r e n z f ü r d e n M on a t November bald nach Durchführung der Präsidentenwähl, cmztibc rufen. Hauptlhema der Sitzungen waren die erstatteten Berichte über die Londoner Konferenz. Brandcis gab einen ausführlichen Bericht über die Anträge und die Rolle, die die amerikanische Delegation in London gespielt habe. Neben Brandeis berichteten noch Louis Lipsky und de Haas. Ein Appell von Justfee Brandcis In einer Sitzung der Exekutive der amerikanischen Zionistischen Organisation am 20׳. August erstattete Justice Brandeis Bericht über die Jahreskonferenz in London. Brandeis ging vom Standpunkt aus, daß es sich als notwendig erwiesen habe, den Wiederaufbau Palästinas in die Hände von Männern zu legen, die Er• fahrung in groß angelegte״ praktischen Unternehmungen besitzen. Dieses habe sich als notwendig erwiesen, .(־rstens damit die Arbeit richtig gemacht werde und zweitens, uin das Vertrauen der jüdischen Gesamtheit zu gewinnen, die die erforderlichen Kapitalien für den Wiederaufbau von Palästina herzugeben hat. In diesem Punkte wären die europäischen Führer der Zionisten mit ihm völlig ׳einverstanden gewesen. Nach genauer Prüfung der Wege und der Möglichkeiten, die Organisation den neuen Bedingungen anzupassen, kam man zu dem bekannten Man, der später als der ״Brand eis- Plan“ bezeichnet wurde und zwar, daß die Konferenz eine aus drei Personen bestehende Exekutive wählen solle, die ihrerseits eine Reihe von Personen, nicht durchaus aus der Mitte der alten Zionisten, in die Exekutive bestimmen sollen, um den Palästina-Aufbauplan praktisch durelrzufübren. Nach einer Reihe von Verbandiiingen stellte cs sich heraus, daß die Idee, daß diejenigen Personen, denen die Wiedernufbauarbeit auferlegt werden soll, in die Exekutive cintreten und die volle Verantwortung übernehmen sollten, sich nicht durchführen ließ. Anstatt dessen entstand der ״Oe kononii sehe Rat“ (Economic Council), der weder die Macht noch die Verantwortung des Exekutiv-Komites Wie das lettische Informationsbüro mitteilt, hat die lettische Regierung als Repressalie gegen Litauen 20 000 litauische Staatsangehörige, Hauptsächlich Juden, ausgewiesen. Alle müssen binnen 24 Stunden die Grenzen Lettlands verlassen. Dein ״B, T.“ wird ans Riga berichtet: Das der Regierung nahestehende Lettenblatt ״Latwiias Sargs“, wegen seiner deutschfreundlichen Haltung bekannt, hetzt neuerdings gegen die jüdische B e v ö l k e r 1111 g IjCttlaiuts. Das Blatt schreibt, es sei Regierungspflicht, die Habsucht der Juden durch entsprechende Gesetze eiii/.uschränken und sie einer besonderen Staatskontrolle zu unterstellen. Die lettische Presse müsse eine besondere Rubrik; ״Juden in Lctt-!and“ einführen und ihre Beobachtungen über das Verhalten der Juden regelmäßig niitieilcn. Das Blatt schlägt die Veranstaltung einer Enquete über die Judenfrage vor, deren Ergebnisse von der Regierung der Konstituante vorzulcgen wären, damit diese energische Schritte gegen die israelitische Bevölkerung unternehmen könnte. Die Wiener Partamentsw&hlen Zu den Wahlen in die österreichische National- Versammlung hat die jikhsclinationnlc Partei in s ii in t - liehen Wiener W a h 1k r e i s c n folgende Kandi* d,•lienliste aufgcsfellt: Abgeordneter Robert Stricker, Staatsbahnrat, Anitta Müller, Private, Adolf B ö 11111, Fabrikant, Gemeinderat Dr. L. PI פ sch k es, Rechtsanwalt, Erna P a t a k , Private, * Kart B111 in c, Obmann des Verbandes jüdischer Handelsangcstellter, Emanuel Kaufmann, Baumeister, Gemeinderat Dr. ‘ Jakob Ehrlich, Rechtsanwalt Die gleiche Liste , wurde auch als Rei ch sli ste angemeldet. I» seinen weiterem Ausführungen sprach Justice Brandcis die volle Hoffnung aus, daß die ncucrwählte Exekutive gemeinsam mit dem Oekonomischen Rat 1k*• deutende Wiederaufbanarlx-ile» unternehmen werde. 11! seiner Rede betonte Bramleis, daß so etwas wie separate Interessen der amerikanischen Zionisten nicht existiere. Die Interessen des amerikanischen Zionisten seien dieseihen wie die des Zionismus auf der ganzen Welt, Das jüdische Volk habe jetzt die Aufgabe, die Mittel für das große Werk zu schaffen. D e 1> g r ö ß f e ״ Teil der notwendigen Fonds w׳ird Amerika aufzubringen 11 a be 11. Justice Brandcis schloß seine Ausführungen mit dem warmen Appell an die amerikanischen Zionisten, ihre Energie zu verdoppeln und mit ganzem Herzen an den Wiederaufbau det nationalen Heimstätte für das jüdische .Volk in Palästina zu gehen. ׳ Das ״Jüdische Volk‘, das Organ der amerikanischen Zionistischen Organisation, begrüßt in der Nummer vom 3. September Justice Bramleis’ Appell und bemerkt hierzu: ״Justice Brandcis hat hiermit auf die Hauptsache hin• gewiesen. Der Zusammenstoß der Richtungen, Meiuungen und Forderungen auf der Jahrcskonfereuz hatte seine unangenehmen Seiten. Die dadurch entstandenen Eindrücke waren verschiedenartig und die Meinungen hierüber sind geteilt. Bleiben jedoch wird das Positive, das aus der Konferenz hervorgegangen ist: eine reorganisierte autoritative Leitung mit einigen neuen Kräften und ein größeres Klarwerden betreffs der bevorstehenden Aufgaben." ״Die. Verdopplung der Energien, die Anspannung aller Kräfte zur Beschaffung der Mittel für die riesige Arbeit in Palästina — das muß jetzt die Losung der zionistischen Oeffentliclikeit werden. - Das Land ist jetzt offen und die Arbeiten dulden keinen Aufschub; sie können aber nicht durch geführt werden ohne Geld, und zwar viel Geld.“ Zum Schluß weist das Blatt auf die Tatsache hin, daß das amerikanische Judentum die Pflicht habe, den größten Teil der notwendigen Gelder aufzubringen und ermahnt die jüdischen Massen Amerikas, unverzüglich an die Arbeit zu gehen, Separatistische Tendenzen Auf einer am 20. August abgehaltenen Sonderkonteren/ des Ordens ״Bnci Zion“ wurde mit W1 gegen 39 Stimmen beschlossen, daß der Orden sich von der aUgemeinen zionisrisehen Organisation in Amerika tos sagt und eine besondere, selbständige Föderation bildet, um deren Anerkennung das A.C in London angegangen werden wird. Demission Stephan Wise’s Der Vizepräsident der amerikanisch-zionistisdicn Organisation, Rabbi Stefan Wise, hat, einer Meldunß des ״Jewish Clironide“ zufolge, auf sein Amt verzichtet. Der Grund zu diesem Schritt ist die Tatsacbe. daß er nicht zuin Mitglied des Großen A. C. gewählt wurde, und daß er auch nicht mit der Politik einverstanden ist, die• Brandcis und de Haas bei der zionistischen Jahreskonferenz betrieben haben Wiederaufnahme der polnisch-jüdischen Verhandlungen Warschau, 21. September. (W. P.G.) Die polnisch-jüdischen Konferenzen, die infolge der Kricgscrcignisse unterbrochen worden sind, sollen demnächst wieder aufgenommen werden. Es handelt sich um eine dauernde Regelung der polnisch-jüdischen Beziehungen. Verhandlungen in London. Lo n d o 11, 23. September. (Jewisli Corr. Bur.) Eine vom Maler Pilichowski geführte Abordnung der Union of Polish jews in Great Britai», hat mit dem polnischen Charge li’Al'taires, Cischanowski in Lot»■ don die Lage der Juden in Polen eingehend besprochen. Von beiden Seiten wurden die überaus verschärfteil polnisch-jüdischen Beziehungen freimütig diskutiert und die gegenseitigen Ansichten über die Verbesserung dieser Lage ausgctauscht. Die Aussprache fand damit ihren Abschluß, daß Cischanowski zuversichtlich versprach, den Antrag der Abordnung auf unverzügliche Herbeiführung einer direkten Verständigung zwischen den christlichen und jüdischen Einwohnern Polens aufs wärmste bei seiner Regierung in Warschau zu unterstützen und dessen ehcbaldigc Durchführung zu urgicrcn. Der neue Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde Bei der Wahl des Vorstandes der Derlincr jüdischen Gemeinde wurde» zu Lienieindciutcsten folgende Herren gewählt: Dr. Ster», Badt, Wolff, Blankenburg, Kirschstein, die dem Gcmeindcvorstand bereits angchört haben; ivcugewählt wurde» die Herren Bruno Galewski und Direktor Karcski; zu Aeltesten-SteUvertretern vvurden gewählt die Herren Karl Fuchs, Dr. Aron Sandler und Professor Toby Colui. Durch diese Wald sind zum erstenmal Z ioniste» in den Berliner GemeindcVorstand eingetrete» und zwar die Herren Direktor Kareski 1und Dr. Aron Sandler, welche als Vertreter der Jüdischen Volkspartei auf Grund des Proporzes gewählt wurden. besitzt. Judenaustreibung aus Lettland

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