Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXV (1920)
- Issue
- Heft 65-66 (20.9.1920)
- Date
- 1920-09-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 508 jUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 65/66! I hi U® י* I Die Spaltung der Poale-Zion Ein Aufruf der ״Rechten“. Wir erhalten vom Wiener Vcrhandsbüro der rediten Fraktion der ״Ponte-Zion“ das von dieser Gruppe nach der SiKiltun« erlassene Manifest, dessen wichtigste Teile wir nachstehend wiedergehen. Bemerkenswert ist darin besonders die Schilderung der Entwicklung einzelner linker (irtipiwi», die unter dein Eiutyrh millverstamlener, auf die jüdischen Verhältnisse nicht anwendbarer Schla:;Worte immer weiter vom Judentum sich entfernen und schlielllich direkt assimilatorisch wirken. Diesem Pnozeß will die neue Fraktion •enlgcgetvmheitcn und damit der Entfremdung der soriidistisdu'i» Arbeiterschaft vom Judentum. und , von der zionistischen Aufgalx׳ Vorbeugen, |>as Manifest ist an die Poale-Zkm aller Linder gerichtet. ״Zwei Wochen lang haben wir auf unserer fünften Weltkoiifere״/ alle Kräfte angestrengt, um die Einheit des Weltverhamles Poale-Zion zu erhalten. Es ist je• doch nicht gelungen, die Krise /u vermeiden. Der Welt• verband ist gespalten. Die Auseinandersetzungen auf der ,Konferenz, und die Verhandlungen zwischen den ,IX-legationen und Fraktionen haben bewiesen, daß bei der gegenwärtigen Lage die Weltkonfercnz in einer Reihe grundlegender Fragen wie Ix• treffs der Internationale und der Beteiligung an der zionistischen Weltorganisation ־ nicht frei beschließen kann. Jede Abstimmung in solchen Fragen müßte große Teile der Weltbewegung vergo• waltigen und die Arbeit mehrerer Parteien unfrucU‘• har machen. Es wurde klar, daß es unmöglich ist, die Arbeit des Verbandes auf den alten organisatorischen Grundlagen weiter/ufülirer. Die Vertreter der Parteien von Palästina, Amerika, England und Argentinien, unterstützt von Genossen anderer Linder, machten deshalb in der Sitzung vom 8. August den Vorschlag, daß die Konferenz zuerst <110 Frage behandle, wie der Weltverband auf derartigen neuen Grundlagen reorganisiert werden konnte, welche die Parteien in allen Arbcitszweigen verbinden sollten, in welchen sie wirklich voreinigt sind, wogegen alle strittigen Fragen aus der Kompeten/ des Weltvcrbandes ausgeschaltet ,werden sollten. Dieser Vorschlag der Parteien, die bisher die gesamte Arbeit des Weltvcrbandes auf ihren Schultern trugen, der auch von allen Vertretern des Verbandsbiiros unterstützt wurde, fand nicht die Zustimmung der Gegenseite. Die Absicht, die Weltkonferenz, durch Majorisierung zu sprengen, gewann ,die Oberhand. Unter diesen Umständen enthielten sich die Delegierten aus Palästina, Amerika, Argentinien, England, ferner Teile der Delegationen aus Polen, Ostgalizien, Deutschösterreich, und der Bukowina, sowie die Vertreter des Verbamlshüros I7ü Stimmen gegen 178 — der Ab- Stimmung in der Frage der Internationale. Die Resolution der kleineren Hälfte der Konferenz wurde hierauf als angenommen erklärt. Die Fortsetzung der Konferenz erschien unter diesen Umständen zwecklos und die Gefertigten haben selbständig die Arbeiten der Weltkonfercnz zu Ende geführt und die ausführenden Organe des Weltvcrbandes Poale-Zion eingesetzt. Diejenigen, die es abgelehnt haben, einen Ausweg durch parteigenössische Verbandhingen zu suchen, tragen die Verantwortung für die Spaltung der Weltbewegung. Die Gründe dieser Krise liegen jedoch tiefer und die Genossen in allen Ländern müssen sie klar erkennen.. Genossen! Man Ward Euch einzureden versuchen, daß es sich hier bloß um einen Gegensatz zwischen ״rechts** und ,,links“ handelt, um eine Art Wiederholung der Vorgänge in den sozialistischen Parteien anderer Völker. Genossen, Poale-Zion! Schenket dieser Verleumdung keinen Glauben! Was uns scheidet, sind nicht Meinungsycrschicdcnhcitcn in Fragen der sozialistischen Theorie und Praxis - derartige Mcinungsvcrschicdcnliehen gibt es in allen Parteien auf beiden Seiten. U 11 s scheiden vor allem die Probleme des jüdischen A rb ei tc riebe n s, die Probleme Palästinas, die Auffassung des Poale-Zio- 11 i s m u s. Seit dem Bestände der Poale-Zion-Ikwegung mußten ■wir nicht bloß einmal sehen, wie einzelne Zweige unsercs lebenden Baumes verdorrten. Parteien, die sich ״Zionisten-Sozialistcn“, ״Jüdische Sozialisten“ nannten, und die auf unseren Idealen basierten, blichen bei ihren Namen und bei ihrer organisierten Form und verloren nach und nach ihren revolutionären poalczionistischen Inhalt. Dieser Zerstörungsprozeß ist nunmehr auch in unsere organisierten Reihen ei!!gedrungen. Zuerst nimmt er die Form der Untätigkeit in bezug auf den Aufbau des jüdischen ArbeitsZentrums in Palästina an. Große Parteien in den Ländern der größten Auswanderungsnot sind unfähig, etwas Reales tür die Organisierung der Arheiterwandcrung nach Palästina, für die Erziehung sozialistischer Arbeiter-Pioniere zu tun und haben vollständig den lebendigen Kontakt ■mit der palästinensischen Wirklichkeit verloren. Diese Tendenz, kam. zunächst in der Gegnerschaft zum Zionisten-Kongreß zum Ausdruck, bald gelangte sic bis zur Gleichgültigkeit gegenüber dein Zionismus überhaupt, hie und da sogar zur Gegnerschaft gegen Palästina, Hand in Hand mit dieser Passivität in bezug auf Palästina gehen die liquidatorischen Tendenzen aut allen Gebieten des jüdischen Lebens. Dieselben Elemente, die sieh durch ihre Untätigkeit für Palästina auszcicluicn, sind auch unfähig geworden, für die nationale Autonomie in den Diaspora-Lindem zu kätflpten. Aus einer falschen Auffassung der Diktatur des Proletariats und ohne mit den realen Bedingungen der jüdischen Wirklichkeit in den verschiedenen Ländern zu rechnen, gelangen sie zu einer negativen Stellung in bezug auf die demokratischen Anstalten der jüdischcn Selbstverwaltung überhaupt. Man beginnt mit der Gleichgültigkeit zu den demokratischen jüdischen Gemeinden und man gelangt schließlich zur Ablehnung selbst der jüdischen Arbeiter-Autonomie. Anstatt unsere revolutionären sozialistisch schöpferischen Kräfte in den Aufbau des jüdische» Lebens Hinein zutragen, will man die Po a 1 e - Z io 11 Be w c g un g außerhalb des jüdischen Lebens stellen, sowohl in Palästina, als auch in den Gohis-Linderii. Anstatt den Kampf gegen die jüdische Bourgeoisie aut ihren eigenen Positionen zu führen, liefert man ihr die Interessen der großen jüdischen Volksniassen ohne jeden Kampf aus. Anstatt die Uebernnhme der sozialistischen Führung des jüdischen Lebens zu erstreben, ignoriert man die brennendsten Volksbedürfnisse. Man hängt an politischen Schlagworten, die jedes realen Inhalts bar sind. Von dieser Politik nationaler Passivität und Isolierung ist nur noch ein Schritt zur nationalen Liquidation und von dieser zur offenen Assimilation. Dieser Liquiriieruiigspro/eß hat nicht überall die gleiche Stufe erreicht. Aber ernste Anzeichen haben sieil in der letzten Zeit in einer Reihe unserer Parteien gezeigt. Gegen diese Tendenzen haben wir auf der Weltk'uiiferemz gekämpft. Hier liegt der Grund da־ Spaltung.!Aus den Ruinen des Weltkrieges und in den Stürmen der Weltrevolutiou dringt zu uns der Ruf des jüdischen Proletariates und der deklassierten jüdischen Massen nach produktiver' Arbeit, nach ׳wirtschaftlicher, sozialer und nationaler Wiedergeburt. Wir .wollen, daß der Umbau des jüdischen Lebens in allen Ländern auf neuen Grundlagen der Arbeit und die Errichtung einer jüdischen sozialistischen Gesellschaft in Palästina zur direkten und zentralen Aufgabe (unserer Bewegung werde. Die jüdische Bourgeoisie, in deren Händen gegenwärtig die Leitung der /.ionistisehen Kolonisationsarbeil liegt, schmiedet kapitalistische Pläne und will Palästina in ein Nest der Ausbeutung und der Klassenherrsdiaft verwandeln. Wir wollen ihr unser Aufbau- Programm des sozialistischen Schaffens entgegenstellen und rufen die jüdische Arbeiterschaft zum entschiedenen Kampfe gegen alle kapitalistischen Tendenzen in und außerhalb der zionistischen Weltorganisation. Wir wollen für die Interessen der jüdischen Arbeiterschaft kämpfen, in allen Organen der jüdischen demokratischen Selbstverwaltung. Auf allen Fronten wollen wir den Kampf 1k׳s jüdischen Sozialismus führen, — im Zionisten-Kongreß, 1111 jüdischen Welt-Kongreß, int jüdiselten Arbeiter-Weltkongreß. Und überall wollen wir die jüdische Arbeiterschaft organisieren und erziehen, damit sie fähig werde, die Führung des gesamten Volkslebens zu übernehmen. Gezeichnet ist das Manifest von: M. Brown, J. Zar, U. Zuckermami, Amerika; L. Qiasanowitsdi, Argentinien; D. Ben-Gurion, N. Goldberg, Sch. Hefter, B. Katznelson, S. Rubaschow, J. Tabenkin, Palästina; J. Pomeranz, J. Traub, England; M. Jarhlum, Bukowina; M. Singer^ Deutschöstcrrcich; A. S. Juris, Polen; J. Bcnzcvi, S. Kapluiisky, B. Locker, Vcrhandsbüro. Die Herberge des Verbandes der Ostjnden in der Wiesenstraße Vom Verband der Ostjudert wird uns geschrieben: I» der jüdischen Oeffentlichkeit Berlins wurde mit Recht immer wieder Klage darüber erhoben, daß die Zustande in den Herbergen, in denen mittellose jüdische Emigranten bisher untergcbracht werden mußten, unlialtbar wären. Man nahin mit voller Berechtigung daran Anstoß, daß diese Herbergen hygienisch nicht einwand־ frei waren, daß sie von Ungeziefer geradezu strotzten: und daß sehr I läufig Diebstähle in »luten vorkamen, die de!» Leuten das Letzte nahmen, was sic besaßen. Nach sehr langwierigen Verhandlungen mit der jiidischcn Gemeinde, in deren Verlauf alle möglichen Projekte ventiliert wurden, ist es uns nun gelungen, eine auch weitgehenden Anforderungen genügende Unterhriiigungsmögliclikcit für unsere Emigranten in dem bisherigen Asvi des städtischen Asyl-Vereins in der Wicsenstr. 58/50 zu schaffen. Dieses wurde vor zirka zwei Monaten aus Mangel an Betriebsmitteln geschlossen und konnte nun mehr von uns in Verbindung mit der iüdischcn Gemeinde auf ein Jahr zur Verwendung für unsere Zwecke in Verwaltung genommen werden. Das Asyl, das im Jahre ISO!» von Paul Singer erbaut worden ist, Fielet Raum für insgesamt 700 Männer und 1(X) Frauen. Die einzelnen Säle sina sehr groß, luftig, mit Oberlicht versehen' und bereits vollständig betriebsfähig eingerichtet. (Notwendig gewordene Reparatur,arbeiten wurden von der jüdischen Genossenschaft Omanuth ausgeführt.) In jedem Saal befinden sich drei große Heizkörper, die eine ausreichende Erwärmung für den Winter ermöglichen. Außerdem ist in jedem Raum ein Hydrant, der die gründliche Reinigung an jedem Morgen gewährleistet. Die iieuaiikominendcn Leute werden zunächst in einer Sammelhallc untergcbracht lind von dort nach dem Ausklcidcrnmn geführt, wo sie sich ihrer Sachen zu entledigen haben. Von dort gehen sie in den ״Waschsanl, bzw. in die Baderäume, die von 108 Personen gleichzeitig benutzt werden können. Während sich die Leute so einer gründlichen körperlichen Reinigung unterziehen, werden ihre Kleidungsstücke desinfiziert, auch die Bettdecken, Matratzen usw. können in den vorhandenem Desinfektioivsanlagen täglich keimfrei gemacht werden. Zwischen den beiden Flügeln, die die Schlafsiile enthalten, befindet sich eine große Speisehalle, die auch als Aufenthaitsraum, in dein Vorträge usw. geboten, werden können benutzbar ist. Ein ständiger ärztlicher Dienst, oer an jedem Morgen abgchaltcn werden wird, bürgt dafür, daß für das leibliche Wohl der Hcrberginsassen aufs beste gesorgt wird. Genau die gleichen Einrichtungen sind in dem vollkommen getrennt liegenden Frauenasyl vorhanden. Das ganze Gebäude liegt vollständig abgeschlossen in einem großen Garten. Der volle Betrieb wird spätestens am 1. Oktober aufgenommen werden können. Wir haben durch die Uebcrnahme dieser Herberge endlich die Möglichkeit,' für den Winter emo durchaus ausreichende und allen Anforderungen entsprechende Unlerbriiigungsmöglichkcit zu gewähren, die den bisherigen Zuständen endgültig ein Ende macht. Wir bedürfen jedoch des weitgehendsten Verständnisses und der großzügigsten Unterstützung aller der Kreise, die an unserer Arbeit interessiert sind, um dieselbe so durchführen zu können, wie es im Interesse der Emigranten und damit unseres Volksganzen hegt, A. M. Das Eisenbahnwesen Palästinas Die Berliner Zweigstelle der Jüdisdi-Paläsiir». Rehe- und Transportgesellschaft m. b. H. gibt uns folgende Nachrichten: Das Eisenbahnwesen Palästinas, das während der Kriegszeit außerordentlich unter Mangel von rollendem Material, Feuerung und Bedienung zu leiden gehabt hatte, geht jetzt rasch einer Erholung entgegen, dank der .äußerst tatkräftigen Unterstützung durch die englischen Behörden. Bereits im vorigen Jahre wurden durch Vermittelung des ״Hannel-Hazair“ in Ll-Katara drei Monate lang 150 ostjüdisciie Arbeiter in allen Betriebszweigen ausg duldet und waren so der Stamm für das Personal in den verschiedenen palästinensischen Eisenbal1nlx־trk׳bs- Werkstätten. Außerdem wurde mit Hilfe eines in Aegvpteil zusaminengestelltcii ״Egvptinn Lalxmr Corps“, das 18 (XM) Araber stark war, ui einer Frist von drei bis vier Monaten die gesamte I ledseliäs-Balin mit ihren Nebenstrecken, d, 11. zusammen zirka 1WX) km Gleise von einer Schmalspur von 1050 mm auf die ägyptische Normalspur von IMO mm umgebaut, so daß atigeublüek• lieh außer der 20 km langen Strecke Jafta-Lmld samtliehe Bahnen in Palästina und im Ost-Jorelanlandv normatspurig sind, was für den Güter- und Personenverkehr von außerordentlicher Bedeutung ist. Vom 18. Oktober 1 <>20 werden die Eisenbahnen Palästinas, die auch jetzt noch der Militärbehörde mit der Hauptdircktion in Haifa unterstellen, der Zivilverwaltung ülx׳rgeben werden. Bald darauf wird auch die obenerwähnte Strecke Jaffa-Ludd von der bisherigen Schmalspur von 000 mm auf die ägyptische Normalspur gebracht w erden, so daß auch hier ein durchgehender Verkehr wieder stattfinden kann. Für den Verkehr mit Aegypten wird Raffa als Zoll- und Paßstation eingerichtet. ״Bisher war die Verwaltung der palästinensischen Eisenbahn dein Oberst Holmes anvertraut gewesen, der in dieser B«. Ziehung in Südafrika große Erfahrungen gesammelt tut. Für die nächste Zeit, die ein Uebergang von der englisehen in die jüdische Verwaltung darstellt, wäre es zu wünschen, daß auch Oberst Hohnes seine Lri.ihrungen und Kenntnisse in den Dienst unserer Sache stellt, da gerade die Verwaltung und der Betrieb von Kolonialbahnen, gegenüber dem europäischen und nordamerikanischen Eisenbahnverkehr wesentliche einheitliche Züge aufweist, deren Kenntnis erst durch mehrjährige Praxis erworben werden kann und ist es zu bedauern, daß wir in unseren eigenen Reihen wenig Leute haben, die diese Erfahrung besitzen. Jüdisches Arbeitsamt Das Jüdische Arbeitsamt, Berlin, Monbijouplatz 1, übernimmt Arbeiten für Adressenschreiber. Das Jüdische Arbeitsamt, Berlin, Monbijouplatz l, vermittelt Teppichklopfer und häusliche Hilfsarbeiter. Das Jüdische Arbeitsamt und der Jüdische Frauen■׳ bund hat einen Bahnhofsdienst eingerichtet, der die Aufgabe hat, allen durchreisenden und ankommenden üstjuilen init Rat und erster Hilfe zur Seite zu stehen, ihnen die erste Verpflegung zu geben, für ihre Unterkunft zu sorgen, und sie an die bestehenden Hilfsorganisationen zu weisen. Es konnte bisher nur airf dem Schlesischen und dem Stettiner Bahnhof der Dienst .ungeübt werden. Da cs aber sehr notwendig ist, auch die anderen Bahnhöfe zu erfassen, bedürfen wir einer größeren Anzahl Helfer und Helferinnen. Wir bitten alle, die Interesse an dieser Sache haben, ihre Adressen im Jüdischen Arbeitsamt, Berlin, Monbijouplatz. 1, Norden 2133, abzugeben. Plan zur Gründung einer jüdischen Haushai tungsschulc. Es ist uns die Möglichkeit gegeben, eine jüdische Haushaltungsschule in Berlin cinzurichten, die durch praktischen und theoretischen Unterricht in einhalb- und einjährigen Kursen jüdische Mädchen dazu fällig machen soll, ihren eigenen Haushalt gut zu führen und einem fremden Haushalt vorzusteben. Der Unterricht in allen hauswirtschaftlicben Arbeiten, Ausbessern, Nahen und einfachem Schneidern, koscherer Küche uiul den Grundlagen der Kinderpflege, soll unter Leitung einer ge- [»rüfteii Hauslialtungslehrerin, täglich, ,ausschließlich Sonnabends, von 8 bis 5 Uhr, Sonntags von $ bis >72 Uhr stattfüvden. Das Schulgeld soll 80 M. nionatlieh betragen. Wir halten eine jüd. Haushaltungsscliule für eine unbedingte Notwendigkeit, da wir unsere jüdischen Mädchen wieder dazu erziehen müssen, Freude an der Arbeit im Hause zu haben und den Wert der 1 lausarlxit zu erkennen. Wir glauben, daß an dem ungesunden Zuström in die ■kaufmännischen Berufe, nicht nur die falsche geistige Einstellung, sondern auch der Mangel an geeigneten Institutionen für die hauswirtschaftliche Ausbildung Schuld ist. Da die Schule nur dann eröffnet werden kann, wenn eine genügende Schülerinnenzahl (mindestens 15 bis '20) sich meldet, so bitten wir aUe diejenigen, die dafür Interesse haben, sich unverzüglich an uns zu wenden. Für die Eröffnung ist der 1. November 1920 in Aussicht genommen. Weib!. Benrfsberatimgsstellc des Jüdischen Arbeitsamtes. (Monbijouplatz. 1.) Vakante Elcvenstcllen. Das jüdische Lchrgut Markenhof, l*ost und Station Kirchgartcn bei1 rre!־ bürg, stellt sofort eine beschränkte Anzahl von Eleven und Elevinnen ein. Leistung eines Erziclumgsbeitrages von 300 M. monatlich durch Eitern oder Organisationen erforderlich. Ausführliche Bewerbungen mit Lebenslauf, Zeugnissen über Schulbildung und praktische Tätigkeit, Gesundheitsattest wollen cingcsandt werden an Inspektor Seligmann, jüdisches Lehrgut Markenhof. Ein jüdischer Kongreß in GroßrumSnicn. Die jüdisch-nationalen. Kreise Rumäniens sind bemüht, einet» jüdischen Kongreß Groß-Rumänicns einzuberufen, der alle vier Landesteile umfassen saE: Alt-Rumänien, Transsylvanicn, Bessarabicn und die Bukowina.