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Jüdische Rundschau · 1920-09-03 · Heft 61 (3.9.1920) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 61 (3.9.1920)
Date
1920-09-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Für Tidfieciietilowöitei: Post.ip»rk«1־*ae*B1t Praf, Koni• Nr. 156 030. KedakÜcowhlcQ Sonntar w*<J Mittwoch p*<W»Hat. 20. Elul 5630 XXV. Juhrg. Oer Zionismus erstrebt für das j&di.icbe Volle die Scjaffnag׳ einer SffeatlMi-recMIIdi gesidietton Heimstätte in Palüstian. ״Rrscler Programm " An unsere Leser! Wir sehen uns genötigt, infolge der in den letzten Monaten enorm gestiegenen Druckkosten den Abonnementspreis für die ,,jüdische Rundschau“, vom 1. Oktober 1020 ab zu erhöhen. Derselbe beträgt von diesem Zeitpunkte ab für E i 111 e I a b 0 n n e n t e u in Deutschland 12,50 M. vierteljährlich. Für unsere Vereine im Sam melbczugc bei Bestellung von mindestens 10 Egernplaren 10 M. vierteljährlich. Für die Abonnenten in Deut sch- Oesterreich 40 Kr, in der Ts c 11 e c h 0 Slowakei 25 Kr״ in Polen 40 polnische Mark, in Amerika 3/4 Dollar, in Aegypten 2 sh, in Belgien 6 Frcs., in Bulgarien 15 Lewa, in Dänemark, Schweden, Norwegen 3 Kr., in England 2 sh, in Frankreich 6 Frcs, .in Holland 2 0 u I d c n , in Italien 5 l i r e, in Palästina 2 sh, in R u m fi 111 e n 20 Lei, in der Schweiz 4 Frcs, Jüdische Rundschau G. m. b. H., Verlag, Siichsische Str. 8. Kattowitz 111 Kattowitz hat die■ chauvinistische I letze die deutsche wie die׳ polnische nach ihrer Art Siege zn fcicru gewallt. Die politische Brunnen- Vergiftung, ehe infolge des Krieges zur Meisterschaft hcTaiigediehen ist, hat nach altbewährter Taktik die urteilslose Menge in die gefährlichsten Abenteuer gehetzt, ״rithrer•‘ haben die gröbsten und niedrigsten Instinkte der Masse aufgepcitschl, um aus dem sicheren Hinterhalte der Anonymität sic dann blind das ausführen zu lassen, was ihren nationalistischrn Zwecken dienen sollte. Den törichten Sport eines Nachmittags, mit den Triiuuucrteilchcti eines ״siegreich geschlagenen“ französischen Schi!- dcrhaiiscs /11 demonstrieren, hat die deutsche Bevülkentug von Kattowitz und weiter obersehlesiselier Bezirke mit einer Reihe von Toten bezahlt und mit dem offenen- Ausbruch einer polnischen Revolte, der nichts gelegener kommen konnte, als der Vorwand, den deutschnationalc Torheit ihr bot und die Stimmung, in welcher die interalliierten Militärbehörden durch die Ausschreitungen in Kattowitz und letzthin in Breslau geraten imilltcn. 13s hätte aber au dem genugsam bekannten Bild einer gewissen Art Politik in Deutschland der wesent 1 iclistc Zug gefehlt, wenn nicht die deutschnationale Heldentat zur Wahrung der Würde des Vaterlandes mit antisemitischen Exzessen begonnen und abgeschlossen!Witte, die sich nur graduell, nicht dein Wesen nach von ,,echten“ Pogromen unterschied. Wir haben über die merkwürdige Art berichtet, in der die Sicherheitswehr die ihr anvertraute Neutralität zu wahren glaubte, indem sie ״polnische Militärflüchtlinge“, auch solche, die seit Monaten Arbeit gefunden hatten, zwangsweise über die polnisrlu• (irenze brachte, aber nur, wenn es J 11 d e n waren! Sie konnte sich dabei formell auf einen Befehl de tranzösisebeii Generals B1 a 11 e 11 a rd berufen, der eine Ausweisung aller Ausländer, anordnete. Die Sicherheitswehr wußte aber mir eine Art Ausländer zu finden; Juden. Sie fand dabei die freudige Zustimmung des deutselinationalen Pöbels. ״Die Verhafteten wurden schwer mißhandelt das Volk schrie Hurra, wart mit Steinen nach ihnen und war sich bewulit, eine grolle Heldentat vollbracht zu haben.“ Jetzt befinden sieh die Aus gelieferten in Krakau und werden vor ein polnisehes Kriegsgericht gestellt, Unit wenn die Bolen, als deren I ieerespoliz.ei die Kattowitzer Sicherheitswehr fungiert hat, die Ausgelieferteu nicht erschießt, so darf die deutsche Polizei sieh rühmen, 'be polnische Front nach Kräften verstärkt zu haben, »ml das wenige Stunden bevor polnische Insurgenten deutschen Siclierlteitsmänncni die Schädel eilige- ,',‘hlageii 11,■iheu. Sein• treffend kennzeichnet die unglaubliche politiselu■ Borniertheit der deutschen Behörden in dieser Frage die obcrschlcsische ״Arbeiterpost“; ״Es muß .... betont werden, da 15 unter den Ahgcscliobenen sich einige Hundert befanden, die hier beschäftigt waren und richtige Ausweispapiere besaßen. Aber auch wenn das nicht der Fall gewesen wäre, dürften Militärflüditlingc nicht ausgeliefert werden. Wenn unter den Ahgcscliobenen sich auch Arbeitslose befanden und solche, die sich mit Schieberei beschiiftigten, so ist das nur die Schuld der deutschen Be- -hördcii, die nicht das mindeste Verständnis für soziale Probleme besitzen, . , , QQ 0/0 aller Militärfliichtlinge kamen nicht nach Deutschland, um hier zu verbleiben. . . . Der grollte Teil dev jüdischen Flüchtlinge, will ן nach B a I ä s t i 11 a emigrieren, die deutschen Behörden erteilen ihnen aber keine Durelireiseerkmbnis. Es ist geradezu lächerlich, wenn man von diesen Leuten finden, daß' sie sieh wegen ihrer Reisepapiere au das putuische Konsulat wenden. Damit zwingt man sie in C »bei Schlesien zu bleiben. . . . Die Ostjuden!rage zn losen, wäre die freie Durchwandern׳״״ durch Deutschlaml das geeignetste Mittel! Demi die Ostjudcn stieben nicht nach 1 )eiitselilaiul, sondern über Deutschland nach Palästina lind andern I.ändern, Nordmul Südameiika.“ Soviel gesunde Einsicht wird inan bei oitizirlleii Stellen vergeblich suchen, in Berlin so wenig wie in Kattowitz. Es ist ja auch viel leichter, Fragen dieser Art mit Hilfe einiger Lastautos, der üblichen Mißhandlungen und des berühmten ״Absehiebepriii/ips“ zu erledigen. Allerdings hat eine volle Woche nach den Kattowitzer Ereignissen tlas Auswärtige Amt nach langen Beratungen einen Beschluß gefallt, der an sich etwas Selhstverständlieltes aussprach: daß nämlich Kriegsgefangene und Militärflüchtlinge nicht au die heimische Militär- Behörde ausgeliefert werden dürfen. In diesem Sinne ist den Behörden auch Bescheid zugegangen, es fragt sieh nur, ob sie es für nötig halten werden, sieh daran zu kehren. Das I lienia ״Kattowitz“ bleibt aber noch nach einer anderen Seite hin zu erörtern. Kleine Flpisoden erleuchten oft blitzartig eine ganze Situation. Die Ereignisse, die sieh seit einer Reihe von Wochen in Kattowitz abgespielt haben, sind ein sehr instruktives Beispiel im Kleinen für eine Ent- Wicklung, die in größter Form jeden Tag über uns hereinbrecheu kam! und in absehbarer Zeit hereinl>reeben in 11 II. Anfang Juni kam eine (iruppe ״Sehomrim“, 20 Burschen und 2 Mädchen, nach Kattowitz, die über Wien nach Erez-Israci wollten. Sie fanden für einige Tage Aufnahme und ■Verpflegung im Blauwcill-Heim. Am nächsten Tage traf wieder eine größere Anzahl ein, - diesmal keine ״Schornrim", und von da au schwoll die Zahl der Zuwandernden in beängstigender Weise. Man war auf nichts vorbereitet. Es kam oft vor, daß ein Trupp verhungerter Flüchtlinge in den späten Abendstunden cintraf. Daun mußte die jüdische Jugend von Haus zu Hans gehen und Lebensmittel sammeln. Ein paar Blauwciß-Mädcl übernahmen das Kochen und arbeiteten wochenlang bis zur völligeu Erschöpfung, Auf den Schultern einiger ganz junger Menschen lastete die Verantwortung für alles, was zugunsten der Flüchtlinge geschah, sie allein haben alle Arbeit getan, die Gemeinde und die örtlichen Organisationen zeigten zwar besten Willen, waren aber völlig ratlos. Zur Unterbringung stand zunächst ein baufälligvr Schuppen zur Verfügung, der sehr schnell in solchem Malle iibcrbelcgt war, daß die neu Hinzukommenden im Freien nächtige״ mußten. Die Leute lagen zum grollen Teil buchstäblich in Pfützen, die einfachsten sanitären Vorrichtungen fehlten völlig, sobald ein paar Regentage eintraten, begaunen sofort die Erkrankungen. Einer ist am Typhus gestorben. Dann stellte der Besitzer der Mazzebiiekcrei seine Fabrikräuine zur Verfügung, so daß die inzwischen auf etwa 500 Köpfe angewächsern■ I lüchtliugssehar wenigstens ein trockenes Quartier hatte. Die f 1aßangelegenheit hatten zwei seit längerer Zeit in Kattowitz ansässige Ostjuden in die Pfand genommen. Da für die Reise nach Wien vier Vis״ notwendig waren, dauerte die Besorgung wochenlang und wurde noch erschwert durch Schwierigkeiten, die seitens der Tschechoslowakei gemacht winden. Inzwischen hatte sich die Ankmift der Flüchtlinge in der Stadt herumgesprochen und es entstand bereits damals eine antisemitische Stimmung. Im eigenen Interesse ,der Flüchtlinge mußte verhindert werden, daß sie sich in der Stadt zeigten und man versuchte, sie im Quartier zu halten, was nur schwer gelang. Die Verhältnisse wurden besser, als gelegentlieh des Dclegiertentages genauere Berichte über diese Zustände in Berlin erstattet wurden und das Arbeiterfürsorgeamt in Kattowitz eine Zweig•* steile errichtete. Ihr gelang es, verhältnismäßig vielen Flüchtlingen Arbeit zu verschaffen. Als dann die politische Entwicklung es gestattete, benutzte die deutsche Polizei die Gelegenheit, um die ganze Frage in der einfachsten, schnellsten und — dümmsten Weise aus der Welt zit schaffen Das sind die Tatsachen, die in dieser Ausfuhrlichkcit darztistcllen notwendig schien, um am Exempcl Kattowitz die Bedrohlichkeit der ganzen gegenwärtigen Situation zu zeigen. Was dort war, ist mir ein kleines Beispiel für Dinge, von denen wir alle wissen, daß sie mit der Unabwendbarkeit eines Elementarercignisses in absehbarer Zeit komme» werden. Es muß einmal und immer wieder gesagt werden: wir sind 11 n v o r b e reit e t. Vorbereitet sein heißt, sich nicht von *den F.reignissen überraschen lassen, sondern ihnen zuvorkommen. Es heißt voraussehen und voraushandeln. An Voraussicht mangelt es nicht so sehr, am Voraushaiuh’ln völlig. Wir erleben es, daß bereits jetzt eine Verhältnismäßig starke I)uichwandming von Ulialuzin! durch Deutschland stattfindet. Auel! für sie ist nichts vorbereitet, was geschieht, ist Selbsthilfe der im deutschen ״Waad ha’alijah“ vereinigten deutschen Chaluzorgauisationen. Kattowitz sei uns Mahnung und Warnung. Wir dürfen uns nicht von den Dingen überrumpeln lassen. London und Karlsbad haben gezeigt, daß es an Voraussicht, an Erkenntnis der Tatsachen nicht mangelt. Nun warten wir auf das Handeln. Und wissen, daß es nicht mehr lange auf sich warten lassen darf. C.Z. K. Parteinacliriclite! jestiee 11 r a!! d c i s Viat England am 20. August verlassen und ist nach Amerika zuniikgekelm. Mr. L a n d 111 a!1, Sekretär des Londoner Zionistisehen Büros, hat am 20. August London verlassen und ist - in spezieller Mission zur Regelung der!Tage der Emigration nach den Emigrations/cntren des Kontinents abgereist. Nach einem Telegramm des Abgesandten der Zinnistisclien Organisation, Israel Cohen aus Melbourne (Australien), wurden dort in zwei privaten Versammhingen 20 (MIO Pfund für den Palästina-Anfhnufomls gezeichnet, darunter <>000 Pfund für eine Kolonie, die den Namen ״Australia“ führen soll. General John Mo na sh hat das Protektorat über die Zionistische Orrganisatiou in Victoria übcruoiume!.. in Adelaide wurde ein zionistischer Verein gegründet, der 1000 Pfund aufgebracht hat. Der Gouverneur von N e 11 - S ü d w a I e s führte den Vorsitz in einer dortigen zionisüsrhen Dcmonstrations-Vers.tmmhmg. Eine Subskription für den Aufbaufomls ergab 11 0(iü Pfund. Im ganzen sind in Australien bis zum 22. August 44 000 Pfund aufgebracht worden. — Der bekannte Pianist Benno M o e s i e w i c I! stiftete em Stipendium von jährlich 50 Pfund für Musikstndie-' rende in Palästina. Am 1. und 2. August fand in Manchester unter dem V'orsitz von Ham Sacher die nennte Jahresver- Sammlung des ״Order of Ancient Maccabeans“ statt. Es wurde nach Entgegennahme des Berichtes eine Reso- Union aiigeiiommen, welche Wcizmanu und Sokol.nv Dank und Vertrauen ausspricht und der Uemigtuurnz über die Ernennung Herbest Samuels Ausdruck gibt, fierncr wurde beschlossen, *•in Stipendium für die he• brüische Universität Jerusalem zu gründen. Der Order besdiloll, nuclp weiterhin als unabhängige Körperschaft ein I eil der Zionistischen Organisation zu verbleiben. In die neue Exekutive wurde als Präsident J. M. bieff gewählt. Dem abtret enden Präsidenten Sacher wurden der Dank und die besten Wünsche für seine bevorstehende Abreise nach Paläsiina ausgesprochen. Aut Initiative des Zionistischen Zentralkomitees für Bulgarien wurde ein Spezialkurs für hebräische Lehrer in Philippopel gegründet. Die jabreskonferenz der ungarischen Zionistischen Organisation fand am 25. und 26. August in Budapest statt. Die Jahreskonferenz der slowakischen Zionisti- «chen Organisation ist für den 30. und 11. August nach Preßbitrg einbertifen. Am li. Juli wurde in Konstaminopel die Jahresvetsauuuuing der türkischen Zionistischen Föderation erotfnct. Es nahmen ungefähr 60 Delegierte teil. Die Konterenz dauerte eine Woche. Ein ausführlicher Bericht über die große Deinemstration in Albert Hall wird als Broschüre herausgegeben. ratiou sind 8000 Pfund für den Aufbaufonds üi Landetngegangen. ■ V0!1 M<>״tevidco (Uruguay) wird gemeldet, d eilte zionistische Deputation vom. britisenen Minis■ empfangen wurde und ihm eine Adresse überreich m der der englischen Regierung der Dank ausgesproeh

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