Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXV (1920)
- Issue
- Heft 55 (13.8.1920)
- Date
- 1920-08-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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An&«igea»cbi1»&: Dienstag t4»Ä Freitag nacbmitUia 4 Ubf. n> c2־״n \ / \ ....־/ - י'.,... 2 ״' V ... .» e נ» c ״ « . יי * ־ •USA* 1 ■*•** ״ *ע ־ Telephon: Amt Uhlaod *HS und dli». l״o*t1cite1i.koMo J Herl.« Nr. 17 372. Für 0«tterr«t<fas P©*»״p*»l ***•״■ml Wi«, Junto Nr. 155 010. für T*rt>1-rf1»*!nw»k«l: l'״«’«p.rk.»,«n.ml I raf. Koni. Nr. 155 030. Redaktion״,!.US So.nl.ן und Ml Uw och n.rtimllU» 29. Äw 5630 XXV. Jahrs Der Zionismus erstrebt für das füdlache Volk die Schaffung einer Sffeatllcb-redhüich gesicherten Heimstätte in Palästina. ״Baseler Programm.“ CT3 «■״־־--־C ר" \ \ י V Id,. .Jb -Jl c~ ■. 9»״ ti. •1A J c. Die Eröffnungssitzung Am Donnerstag, den 5. August 1020, um > 211 Uhr vormittags wurde in den! großen Kurhaussajc in t Karlsbad die Wclthilfskonferenz eröffnet. Es waren ' über 80 Delegierte aus 28 Staaten anwesend. Wir; bringen die Liste der IX'legierten später. Erwähnt ו seien beute die Vertreter aus Deutschland: für I die Londoner Zionistische Exekutiv ist Herr; Rechtsanwalt I) r. Klee anwesend; die Hilfs- Institute der Zionistischen Vereinigung für Deutsch-; land vertreten die Herren; Rechtsanwalt Rosenblüth und Trictsch; den Hilfsverein Herr ür. 1 Bernhard Kahn, das Arbeiteriiirsor״camt Herr 1; Prof. Dr, S o h e r 1111 ei 111 und Herr F. M. Kauf- 1 i mann; für den Verband der Ostjuden die Herren; 1; Kraus und Halt recht. Den jüdischen Frauenbund i vertritt Frau Henriette May. Der Eröffnungssitzung; j wohnte auch ein zahlreiches Publikum als (iast hei, ) | das den grollen Saal bis auf das letzte Plätzchen füllte. j Die Konferenz eröffnete Herr Leu Motz, ki 11, der f! Vorsitzende des Organisationskomitees und Generalsekretär des Komitees der jüdischen Delegationen bei der Friedenskonferenz, im Namen des Organi-; satioitskoinitees. Er sprach seinen Dank aus au die; tsehcdio-slowakische Regierung, die nicht nur der Koni, fereiu gegenüber alle Sympathien bewiesen hat, sondern auch als erste die jüdische Nationalität anerkannt hat I und dankte auch der lokalen Stadtverwaltung für ihre; j Uastfrcundschaft. ,,Was wir wollen,“ sagte er, ,,ist nur : j der Anfang einer Organisation, ist nur der erste Schritt! zu einer Vereinheitlichung und programmatischen Be- < 1 antwortung der großen Aufgaben der Rekonstruktion : des jüdischen Wirtschaftslebens.“ Die eigenartige Not- 1 luge ries jüdischen Volkes erfordere einen Zusammen- , Schluß und eine Ucbcrsicht des ganzen 1 filfswerkes, Was l die amerikanischen Juden bisher geleistet haben, sei etwas j Orandioses, von dem noch spätere Cienerationeii be-; richten werden. Ohne die bisherigen Aktionen kritisieren; « zu wollet! müsse aber konstatiert «׳erden, das sie fast j ausschließlich nur dem Augenblicke gedient haben. Wahr-; j liaft Hilfe könne nur Aufbauarbeit sein. Das Werk geben-; der Brüder dürfe nicht dazu dienen, den Rücken der : Empfänger zu krümmen. ״Wir wollen, daß diese Hilfe! 1 überall nach bestimmten sozialen Grundsätzen durch- > geführt wird. Wir wollen, daß diejenigen, die a!1 der! Spitze des Hilfswerkes stehen sollen, in den I.,ändern 1 des 1 lilfswcrkcs von den betroffenen Juden selbst bej stimmt werden." Da das Komitee der Jüdischen lk'.e-; \ gationen eine Zusammenkunft der amerikanischen und; > europäisclten Vertreter des Hilfswerkes für eine der wichtigsfen Aufgaben hielt, habe es vor mehr als einem Jahre ' inmitten all seiner politischen Arbeit um die jüdischen! Minoritätsrechte den Gedanken einer jüdischen Weltliilfs- ן konierenz gefallt. Louis Marsltall, der damalige ’ Vorsitzende des Komitees und zugleich Vorsitzender des American Jewish Cottgress, drückte seine Sympathien da für aus,;!!,.•ן• Warbttrg, der Vorsitzende des Joint Distribution Cominittees, in dessen Gegenwart die Ver- 1 , troter der Landesorganisationen die Wclthilfskonferenz; für ein Lebensintercsse erklärten, behauptete, daß er; . zwar reges Interesse dafür habe, jedoch der Ansicht sei,! j daß derartige intertcrritoriclle Maßnahmen der Juden |; zu Mißverständnissen Anlaß geben könnten. Dennoch 1 erklärte er zum Schluß: ״Nun wohl, machen Sie die j Konferenz, die Amerikaner werden gewiß daran teil-; nehmen.“ Als dann das Komitee erfuhr, daß im Joint! keine Einheitlichkeit hinsichtlich der Teilnahme bestehe, ׳; habe es einen speziellen Abgesandten nach Amerika ge-;; schickt. Mit einer einzigen Stimme Majorii ‘ t ii t sei im Joint die Ablehnung erfolgt, I «ährend fast alle anderen Hilfsorgani- Nationen dem Rufe freudig gefolgt seien. Große Probleme stehen vor der Hilfskonfcreiiz. Aber; ‘be Grölte dürfe uns nicht absclirecken. ״Denn soviel; wird jeder aus unseren Verhandlungen lernen, daß, wenn i 1'3 ..*‘nc '*«düng gibt, diese nur in der Vereinigung aller 1 Kräfte besteht. Mit der Parole: ״Israel ist in Gefahr“ werden wir an alle jüdischen Türen pochen und alle jüdischen Herzen öffnen.“ j Besonderen Eindruck machen die stehend angehörten; Worte des Vorsitzende«, die er dem Andenken der bei > den Pogromen gefallenen jüdischen Opfern widmete. E« war ein heftiger Protest, der hier, wo sich zum ersten : Male Vertreter aller Länder zum Hilfswerke vereinigten,; an da« Gehör der gesamten Menschheit hinausdringen sollte. Angesichts des Martyriums, wie es das jüdische Volk noch nie erlebt hatte, fand dar Vorsitzende insbej sondere für die Hunderttausende von Opfern, die in der Ukraine hingeniordet und geschändet worden sind, ergreifende׳ Worte. Hierauf verlas der Sekretär ein Begrüß 11 ngst e 1 eg ra in tu des Präsidenten Ma s a r y k an die W el t h il k sfoii fc rc n z, worin er. sein Fernbleiben mit unaufschiebbaren StaaLsgeschäftcu cutschuldigte und den humanitären Bestrebungen der Konferenz vollen Erfolg wünschte. Es wurde beschlossen, ein Danktelegramm an den Präsidenten ab/u-,enden. Dann begrüßte Dr. Ludwig S i n e r, Präsident des Jüdischen Nationalrates für die Tscltecho-Slowakei, die Konferenz zuerst in tschechischer, dann in deutscher Sprache. Er betonte die Bedeutung der Tsehecho-Slowakei für die Emigration der Juden und hob hervor, daß die tschechoslowakische Regierung feierlieh die Gewissensfreiheit der Juden in bezug auf das nationale Bekenntnis proklamiert hat und wenn auch noch immer nicht die Administration vollständig von diesen Grundsätzen durchdrungen sei, so sei doch insbesondere die Person des Präsidenten M a 8 a r y k eine GewÄr dafür, daß die sittlichen Bestrebungen des jüdischen Volkes stets verstanden werden. Hierauf ergreift das Wort der Senior der llilfsarbeiten in Skandinavien, Herr Professor Simmottseit, aus Kopenhagen: ״Mit großer Freude begrüße ich diese Konferenz, denn ich hege nicht die Befürchtung, daß eine derartige intertcrritoViellc Versammlung den Antisemitismus wecken könne. Er ist schon erwacht! Das beweist uns die Notwendigkeit dieser Konferenz, die seinen Opfern Hilfe bringen soll. Ein gemeinsames Band muß uns umschlingen, ich möchte eine Parole ausgeben, die uns alle leiten solle und diese Parole heißt: ״Ich suche meine Brüder“. Ihc Juden in den nordischen Ländern leben in glücklicheren Verhältnissen, umso mehr danken sie es dem Manne, der an der Spitze dieses Staates steht, daß er einmal mit dem ganzen Gewicht seiner Persönlichkeit gegen die Ritualmordlüge zu Felde zog. (Lauter Beifall.) Wir danken dem Komitee der jüdischen Delegationen, daß es uns zusaminengerufen hat. Wir vermissen mit Schmerz jene großen Organisationen, die die Zeit noch nicht für reif gehalten haben, sich hier mit uns zu versammeln. Wir aber sind zusatrimengekommcn und wollen auch etwas ausrichten. Der Vorsitzende der russischen I lilfsgcmeiitschaft, Rechtsanwalt Sliosberg, begrüßt die Konferenz im Namen der gesamten russischen Judenhcit. ״Ich spreche hier im Namen aller Brüder in Rußlatul. Wir sind durch politische Umstünde zersplittert, aber in kultureller und nationaler Hinsicht sind wir noch immer eine Einheit. Gemeinsam haben wir alle Schmerzen durchgemacht, die uns beinahe vernichtet haben. Aber wir sind doch nicht untergegangen und haben uns unsere Einheit erhalten. Ich spreche hier im Namen der gesamten Judenhcit in Rußkmd und der Ukraine, nicht nur derjenigen, die leidet und verblutet, sondern im Geiste derer, die schon gestorben sind. Morituri te sahitant! könnte mau sagen. Das tote Geschlecht begrüßt diese Konferenz. Aber was noch schlimmer ist, mit vollem Recht kamt ich hier sagen, ich begrüße diese Konferenz im Namen derjenigen, die noch zu leiden haben werden, und die leider noch als Opfer fallen werden. Die noch zu sterben haben, auch sie begrüßen diese Konferenz. Wir begrünen diese Konferenz nicht nur, weil sie sich Mülte geben wird, Methoden aus/uarbeiten, wie die Hilfe für die leidende Judenhcit organisiert werden kann, ich begrüße diese Konferenz, weil sie ur.s Gelegenheit gibt, vor dem großen Forum der Oeffentlichkcit als Ankläger aufzutreten. Wir klagen die ganze Kultur an, daß sie das zugegeben hat, was in der Ukraine und in Rußland v o r g e g a n g 1:11 ist und jeden Tag vargeh t. Wir begrüßen die Möglichkeit, einmal sagen zu können: Kommt, ihr Leichtgläubigen, ihr politischen Narren, die denken, daß die Judenhcit durch geheime poetische Mittel die Welt 'beherrschen will. Diese Leiditplüubigen, welche romanhaften Werken und häßlichen phantastischcn Flugschriften Glauben schenken, sollen hier hören, was für ein ungeheures Verbrechen an der Menschheit vorgeht, wenn sie den Rasscnliaß und religiösen Fanatismus als Werkzeug des politischen und KLassenknmpfes gebraucht. Das jüdische Blut schreit um Gerechtigkeit. Ich sage nicht um Rache. Wir sind nie ein Volk der Rache gewesen, aber wir waren stets ein Volk des Selbstschutzes und der Sclbstwehr. Wir haben uns jahrtaaisende- Lang durchgeholfen durch die Kraft unseres nationalen Gefühles. Das ist unsere Waffe und liier in der Konferenz werden wir die Möglichkeit haben, der ganzen Welt zti beweisen, daß, obwohl wir mit blutendem Herzen hierher kommen, dieses jüdische Herz doch gesund ist, noch ganz regelmäßig schlägt. Wir weiden die Gerechtigkeit bekommen, nach der wir rufen, dadurch, daß die ganze Welt sehen wird, daß durch unser brüderliches Zusammenwirken die Einheit und Solidarität aller Juden sich durchsetzen wird. Mögen alle Völker hören mul sehen, mögen sie sich verneigen vor der Größe des jüdischen* Geistes, vor der Stärke des jüdischen Herzens. Wir wollen die Welt beichten, daß wir noch immer an die Gerechtigkeit glauben, und daß dieser Glaube uns aufrecht erhält in unseren größten Leiden. Möge diese Konferenz erfolgreich sein, dali wir zum Schluß sagen können: Israel lebt 1 und stellt fest! Der göttliche Funke, das Ideal der | Gerechtigkeit und der Ethik ist der Grund seiner Wiederaufersteluing!“ Hierauf ergreift Herr Alex Kahn aus New-York, der Vorsitzende des Peoplcs Relief Cominittees, das Wort. Cr spricht zuerst englisch und fährt daun jüdisch fort: ״Ich will Sie, meine Damen und Herren, im Namen des größten Teiles des amerikanischen Judentums begrüßen. Es sind nicht Vertreter aller unserer amerikanischen Juden gekommen. Aber ich will hoffen, daß bald die Zeit kommen wirit, da sie Delegierte aller amerikanischen Juden hören werden. Ich bin überzeugt, daß alle anwesenden Delegierten aus Amerika meinen Ausführungen zustimmen. Wir sind ohne fertige Pläne hergekommen. Wir sind hergekommen, mit von ihnen zu’ hören, was sie von «ns, den Amerikaner!^ wünschen, und wir wollen gemeinsam beraten. Ich möchte f(>l£,e־dcs betonen: Ni: 11.1b n d:c amerikanisch ׳n Juden die Intention gehabt, eine Zedoke zu geben, wir haben nur unsere Brüder unterstützt, und haben unserem Volke helfen und zur Seite stehen wollen. Wenn wir etwas schaffen wollen, müssen wir einig und gemeinsam die Arbeit leisten. Es ist schwer, in einer solchen Konferenz politische Fragen zu übergehen. Man hat das Bedürfnis, in einer Zeit, wo die Juden gemordet, verfolgt und gejagt werden, darüber öffentlich zu sprechen. Aber wir müssen diese Arbeit unseren politischen Organisationen überlassen und haben uns nur mit der praktischen H i I i s a r h e i t zu befassen. Ich weiß, diese Arbeit ist sehr schwer, wir müssen mit dem größten Eifer au sie herangehen. Die amerikanischen Juden werden zu euch stehen und werden dafür s o r gen, daß das jüdische Volk nicht untergeht. Hierauf erhält Ussischkin namens der Juden• schaft von Erez-Israel das Wort: ״Teuere Brüder, auf meiner Reise von der Londoner Jahreskonferenz nach Erez-Israel bin ich für einige Tage nach Karlsbad gekommen, um hier meine Brüder im Oa!u h nt begrüßen. Um ihnen die besten Wünsche von jenen Juden zu übci'bringen, die als Pioniere in Erez-Israel unsere Positionen stolz und tapfer verteidigen. Im Namen der Sohne Israels aus Palästina begrüße ich unsere Brüder in allen Landern des Galutb. Unsere Brüder in Erez-Israel und die Brüder i!11 Galullt sind eine Seele in einem Leibe. Wir in Palästina wissen, daß nur, wenn das Judentum des Galutb stark und kraftvoll sein wird, die Möglichkeit bestehen wird, eine starke Welle vom üalutli nach Erez-Israel zu leiten, lind, wenn Erez-Israel stark sein wird, dann wird es durch einen Strom von Geist und Licht das Galutb stärken. In unserem Laude haben wir Ruhe und geistige Befriedigung;, aber wir sind noch nicht de Mehrheit des Landes, und cs fehlt mts der Besitz des größten Teiles des Bodens. Hier im Galutb haben sie keine seelische Ruhe. Nur in Lrcz-isrnel werden sie diese Ruhe finden. Rabbiner Dr. Ziegler sprach gestern in der Synagoge vom traurigen Zustand der Juden in dem Galutlt, aber gerade in dieser Zeit denken wir an das Licht und den Sonnenschein, der von Erez-Israel ausgeht. Das gibt uns die nötige Kraft nun Leben. 111 der Zeit der Verzweiflung, des schweren Kampfes, zwischen Tag und Nacht, zwischen Licht und Finsternis. Ich will mit einer bekannten jüdischen Legende schließen. Vor dem Throne Gottes steht ein Becher, in dein sich alle jüdischen Tränen ansammeln. Wenn dieser Becher voll sein wird; dann wird die Erlösung <tn sein. Meine Herren, das Elend und die Schmerzen der Gegenwart, mit den hunderttausenden Geschlachteter und Gemordeter haben den Becher übervoll gemacht, und jetzt ist die Zeit gekommen, und wir können schon sa׳re־n: Kehret zurück in euer Land, Söhne, das Ende der Leiden ist gekommen.‘ I l I