Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXV (1920)
- Issue
- Heft 53 (6.8.1920)
- Date
- 1920-08-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Für T<dtrd1*>10w>l«1; r0Jt.p.1ki««n»mt P׳»g. Konto St. iJf, CM 8ed.Vlio11Mr1»11& Sn.nt.s uod Mitlwod, r.*l+-«>ltajl. 22. Aw 5680 XXV. Jahrg. Der Zionismus erstrebt für das fudlctlie Volk die Ecliaffua״ einer öfrentlldb-rcclitlid» gesicherten IlcImstEtte In PalGatina. ,Baseler Programm. 1 I Zur Welthilfskonferenz ' i ן .1 Immer deutlicher zeijjt cs sich, daß die jtt-; disclicn Probleme einen itnnier stärker werdenden Avung auf alle Teile des Judentums ausiiheu, aas der Beigrenztheit durch territoriale mul staatliche Ireiutuug herauszutreten und die jüdische Welt als eine I: i 11 11 e i t zu begreifen, zu der die Teile sich bekennen müssen, wollen sie die Sicherung des eigenen Daseins durclifülireii. Wir haben diese Konsolidierung allweltliclier jüdischer Interessen zu- : nächst 1111 (k‘si111111ng.smäßig'e11 erlebt. Abgesehen um der zionistischen Weltorganisation, die sich als die Vertretung des jüdischen Volkes empfindet mul die Solidarität aller jüdischen Interessen und belange aus der prinzipiellen Einstellung zum natio- . ualeu üedatiken heraus bejaht, finden wir das Streben zur ״Weltorganisation“ sowohl beim äußersten! 1 echten wie beim linken Flügel eles Judentums. So vollzieht sich fast zwangsläufig eine interterritoriale : Zusammenfassung einzelner jüdischer Schichten und 1 naturgemäß gerade derjenigen, die in .irgendeiner j Form eine starke Anteilnahme an den jüdischen 1 Dinge» nehmen. Mit der ״Jüdischen W e 1111 i 1 f s ko n f e - 1e11z“, die am b. August in Karlsbad zusammengetreten’ist, beginnt eine neue Phase in diesem Kono ׳!uliemngsprozeß des (iesaintjudcutums. Hier imdet znnt erstenmal ein interterritorialer Zusammen- ‘-cliluß oder rloch der Auftakt zu einem solchen statt, der sich nicht gründet auf eine b e k e n 11111 i s - mäßige Zusammengehörigkeit, sondern auf Not- Wendigkeiten, die auf Wirts eil a f 11 i c 11 e Voraus- Setzungen zuriickl'iihreii. Es ist, um es mit einem Worte zu sagen, die jüdische Not, die in Karlshail Vertreter des Judentums aus allen Teilen der Weh in der Erkenntnis z.usaiunienfülirt, dnh es sieh lieuie bei diesem Problem nicht mehr um eine Addition territorialer oder gar lokaler Notstände handelt, sondern um einen wirtschaftlichen Zusummen bruch so gewaltiger Teile der tjidischen Well, daß auch die. Hilfe nicht mehr aufgebracht werde» kann auf dem bisher üblichen Wege einer wenn auch noch so großzügigen - - Philanthropie, sondern daß wir zu einer Art jüdischer (icm e i 11 w i r l s c 11 a f t gelangen müssen. Eine Form ökonomischer Solidarität ist »ölig, die den Ausgleich zwischen Hilfserfordernis und Hilfsbereitschuft in einer Weise licrbeh'itlirt, «ler «lie Prinzipicn einer von aller persönlichen Willkür befreiten, p r o «111 k 1 i v v 11 Volksliilfe zugrunde liegen müssen. l:s darf kaum erwartet werden, daß diese erste Wellhiltskonferenz mit ihrem für die kurze Frist schier iiher,reichen Programm zu einer ״Lösung“ des Problems der Judennot gelangen wird. Wir gehen sicher nicht fehl in der Annahme, daß wir es hier mit einer neuen Organisation zu tun Italien, die m regelmäßigen Zwischenräume» zusammentreten und Arbeit leisten wird: eine Art jüdisches Wirtseit a 11 s pariament. Hem scheint zu widersprechen, «laß es sieh mit eine Hilfsorganisation handelt, auf der, aller Voraussicht nach, zwei Klassen von I eilneltmern stich gegenüberstehen werden: die Hilfsbedürftigen und die Hilfsbereiten. Aber das hieße die Dinge in zwiefacher Hinsicht sehr oberflächlich •sehen. Einmal zeugt das Zustandekonimen der Konferenz dafür, daß die Uegenüberstellting von ()ebenden und Nehmenden von «len Teilnehmern selbst zuriickgevviesen werden dürfte. Es war gerade das Kennzeichen der alten Art׳ Hilfe zu leisten, daß sie eine Art ״Diktatur des ticbeiis“ ausübte und das Verfüguugsrecht iiher aufgebrachte Mittel dem zweifellos stets sehr guten Willen und der ebenso zweifellos oft sehr maiigelliaflen Erkenntnis einiger Organisationen oder gar einzelnen Persönlichkeiten vorbehielt. Die Teilnahme an der Weltliilfskonferenz bedeutet demgegenüber ein Bekenntnis zum Grundsatz, daß nur die Gesamtheit des Judentums in ihren gewählten Vertretern verantwortlich sein kann einerseits für die Aufbringung der erforderlichen Mittel, andererseits für ihre Verwendung. Wenn von mancher ־ Seite befürchtet wird, daß einzelne ganz große Organisationen mit besonders reichen Mitteln sich «lern Cirumlsntz nicht beugen werden, so muß man von der Einsicht der leitenden Persönlichkeilen ciAyaricn, daß sie solche Befürchtungen zunichte machen. In jedem Falle wird die Welt-!1 i 1 f s k «> n f e r e 11 z h i 11 r e i cli e n «1 e A u t o r i t ä t b e s i l z e 11, u m a 11 c 11 a 11f 11 i e größte dieser () r g a n i salion e n e 111 s c 11 «׳ i «1 e ״ ü e n E i n - l'luß au sz u üben. Die Demokratisierung des I lilisvverks, die Ausgestaltung und Vereinheitlichung größter 11ml kleinster ״Hilfsaktionen“ zu der groj ßen, umfassenden, produktivicrenden jüdischen Vol ks 11 i 1 f e muß das Ziel der Konferenz sein und sie wird dieses Ziel erreichen oder doeli entschei- «lende Schritte auf dem Wege zu ihm tun. Fines ihrer wichtigsten Ergebnisse wird es sein, daß sie die dokumentarischen und statistisehen Grundlagen für die aufzubauende jüdische ('icmeinwirtschaft erbringen wird. Die Berichte der Delegierten aus allen Teilen der Welt werden einen Ueberbück über die wirtschaftliche Lage des Ge* samtjudeiittuiis gestatten, wie er in dieser Vollstin- «ligkeit bisher nie möglich war. Zweifellos' wird dieses Bild äußerst düster sei», zweifellos wird die Erkenntnis der ganzen Schwere des Problems einen erschütternden Eindruck machen, — vielleicht einen verzweifelten. Aber andererseits wird nur diese ganze Erkenntnis dessen, was ist, in der jüdischen Welt jenes llebermaß an Ernst der Auflassung und Energie des Wollens anstüsen können, die nötig sein ' werden, soll die Welthilfskanferenz. nicht nur das Trümmerfeld des jüdischen wirtschaftlichen Lebens ergreifend schildern, sondern eineu Spatenstich zu seiner Kimmung und zu seinem Wiederaufbau tun.• Ls braucht nicht betont zu werden, welchen bcsoniiereu Anteil die Zionistische Organisation an den Arbeiten der Weltliilfskonferenz nimmt, di«( sehr wesentlich zionistischer Initiative ihr Emstehen «erdankt, die aber eine völlig autonome Organisation ist, auf «lei eil Bodi'11 sich Vertreter aller Schichten und Richtungen des gesamten Judentums begegnen werden. Es ist auch selbstverständlich, daß wir vom zionistischen Standpunkt aus Forderungen au die Konferenz zu stellen habe». Da ist zunächst der Grundsatz, daß alle Hilfe nicht provisorischer und unproduktiver, sondern dauernder und produktiver Natur sein soll, ein Prinzip, das gleichermaßen durch die Praxis gestützt wird, wie es vom volkserzieherischen Standpunkt aus wünschenswert erscheint. Dann aber wird auf der Konferenz mit großem Nachdruck darauf hinzuwej.v.11 sein, daß in der Eröffnung Erez- Israels für die jüdische Einwanderung wenn nicht die, so doch eine sehr erhebliche Hilfsmüglichkcit ge* geben ist, welcher der erstrebte Charakter «ler Dauerhaftigkeit und Produktivität in höchstem Maße eigen ist. Angesichts der Tatsache, «laß sowohl die Zionistische Organisation wie die Welt* liilfskoiiferenz vom jüdischen Volke außerordentliehe Mittel verlangen werden, muß mit größtem Nachdruck darauf liiugewirkt werden, daß man von der Chance ״E r e z -1 s r a e I“ den ergiebigsten Gebrauch macht, und «laß die Arbeiten der I lilfskoiifcreiiz. dementsprechend |>;»l:isti110zentriscl! orieutiert sind, Wie gesagt, wir betrachten diese WelUiilfskouferenz. als die erste einer Reihe von Beratungen, in denen die wirtschaftliche Solidarität «ler jüdischen Welt in ihrem bitteren Zwang der Gegenwart den Ausgangspunkt und in ihrer planmäßigen Ausgestaltung das Ziel darstellt. Es ist sehr schwer, schon jetzt etwas über die möglichen positiven Ergebnisse dieses ersten Versuches zu sagen. Ihre prinzipielle Bedeutung liegt darin, daß sie die Einheit des jüdischen Schicksals auch im Wirtschaftlichen anerkennt und in der Selbst* hilft des Volkes den Weg aus gemeinsamer Not zu gemeinsamem Aufbau sucht. C. Z. K. Unterzeichnung . des türkischen Friedensvertrages Parii, 4. August. Der türkische Friedensvertrag wurde heute unterzeichnet. Erez ■Israel Aus der Programmredc Herbert Samuels (J.l>. Z.) Bei der Verlesung «k r königliche» IV a- Schaft 111 Jerusalem Inch I lerüci l S n m u e 1 eine Programmmk׳, :ms «ler wir nachfolgende Lin/elheiieii ««iedergeben: Fr sei im Begriff, einen ״\«i « 1 s ,! r « - (. ou 11 c 1 1' zu ernennen, «lessen Zahl nicht gioß sein werde und «ler /um großen Teil aus Regierungdieamten uml tu Zivilmitgliedern aus den verschiede»««‘» BevolUuimirssehiehlen steil /iisiiinmeiisei/c» wenle. Dieser < '.״uiieil, «lei jeweils 111 kurzen Intervallen uiiter Samuels Vorsitz /us,immer,tritt, wird iiher «las Jnhaxbudget des Landes zu beraten haben. Die zivilen .Mitglieder weiden «las Recht haben, auch andere f ragen, die sie im Intel esse des Landes für nötig erachten, der Regierung zu unterbreiten. Bezüglich der heiligen Ul te ei klärte Samuel, daß die Liga der Nationen eine spezielle Kommis.-» m zur Regelung dieser Frage entsetzen werde. Die Schäftung eiltej־ nationalen Heimstätte für das jüilisihe Volk in Palästina werde zur Entwicklung «!es Landes viel beitragen. Der B o d e 11 v e r k a u t u 11 «1 a » «I e r e I. a 11 «I - «־ r w «׳ r h s T r!111 s a k t i o 11 e n , «I i e b i 1111 e n kur- /ein wieder v o r g c 11 <» m in « n wcrtlen «lürleii. werilen einer g e w i s s e 11 B e s c 111 a n k u 11 g unterliegen, um Spekulationen zu verhindern. Ei 11 duslKzüglkUei־ Erlaß wird «leimi.ieiist wröffentlieht werden. Mit der Vermessung des Landes!st begon- 11 e׳ n und in Verbindungliamii «viril ein 1. a 11 d g e r i c 111 s h «> f (l.-.iul si ttli im ii; coui l) eingeset/t. l> wertien Banken gegründet werden zur (iewähnuig lang- (lästiger Kiedite. Die Eisenbahnen werden dcnmädist «•<>» «ler Zivilverwaltiiiig übernommen und mit den Arheilen wird noch vor der Regenzeit begonnen ««erde». Di«1 schmalspurige E i s e n b a Int «11»׳ Jaffa nach Linkt «viril in eine iiormalsptuige umgvb.iut werden. E״ wird geplant, das Eisenbahnnetz, in «len verschiedenen f eilen des La!Utes ,mszudelluen. Das aufgestellte Programm für <iiUn!!klu Arbeiten umfasse: Die Anlegung und Vcrlicsscram; von Straßen, Entwicklung «1 e s leieg r a ין U e 11 - u 11 «I T e I e p ho 1! v «- r k e 11 r s, Ausit.1t/:unp «ler elektrische» Kraft, Errichtung eines Halens in Haifa, Entsumpfung tlcs Bodens und Aufforstung geeigneter I andsuiihe. Manche dieser Umentehmungc» seien sehr kostspielig, weshalb ni.m mit diesen Arbeiten v.arten müsse, bis größere finanzielle MögüiUkeiten geyduh'cii werden. Er hoffe, sobald der Status des Landes «׳migiiltig eiitsthieden sei, eine Anleihe 111fnehmen zu können, die zur Ausführung eines Teils des Programms reichen soll. Weitere Teile des Programms werde» «itirih Kräfte, die der Regierung nicht angehoreii, ausgefübrt werden. Das hygienische Ressort ««ird für die II.,billig der Volksgesu1uih.it sorgen und bes.mders «lie Mala!ta bekämpfen. Sobald sieh die Einkünfte des Landes steigern, 1«ärd «las Erziehiiiigsiiepartimii'itt «Las Erzielt.ingsweseu heilen. I's werden Anstalten getr.d'icn, «lie Stadt Jer 11 s;11 e m ‘zu verschönern, neue Stadtviertel und a tot ganz neue Stäifte erstehen zu fassen. Es werilen alle Anstrengungen gemailu werde», für Rciscmlc und I mristen S.dierluät mul Bequemlichkeit im ganzen Lande zu schaffe». Die Entwicklung lies Igindes werde es ermöglichen, eine größere Zahl von Einwohnern, als bis- 11er, •zu ernähren, aber die Entwicklung des Landes könne nicht ilureligetiihrt ««erden, ohne von außen neue Kraite hiii/u/u/iphcn. Die C'tren/en und Hafen Palästinas wer- «len «lern iiadtst für eine begrenzte E i n vv a n «I e - rung, die im Verhältnis zu «Km Arbeitsmögiiciikeiten mul der Wohmmgsgelegeiiheit stellt, g eö f f!! e t wenle». Bald nach Uebernahine der Eimvaiuk'nmgskontnßle durch die Regierung wird ein Erlaß über die Liu«vaudfn1ngs• BiHlinguiigei! veröffentlicht werden. Zum Schluß führte Si!■ Her Bert Sam.:«,I auv. In d,r lloffimiig, daß «lie.■ (ieliihle, «lie «־or drei Monaten zu «len unglücklichen Vorfällen in |er»s1lem gefühlt haben, sich beruhigt haben, iukI daß Aussicht auf eine bessere Harmonie unter den verscäiiedeiien ücvölki'ruiggstci'eu besteht, erteile er die Amnestie fiir alle diejenigen, ilic infolge jener Unruhen verurteilt ««urden, sowie' fiir alle p..'itischen tiefangeiicn in Palästina, «lie ihre ziiilcu mul politischen Rechte wieder erlangen. Die Amnestie umfaßt nicht jene zwei Männer, die unter Bürgschaft:־- leistuug aus der Untersuchungshaft entlassen wurden »nd geflohen sind, sowie jene zwei Individuen, «lie die Unruhen benutzt haben, um abscheuliche Veibrechen zu begehen. Samuel betonte, daß eine solche Amnestie mir dieses einemal gewährt werde, und «laß er die Wiederholung sokher Unruhen mit alle» ihm zu Gebote stehende» Mitteln verlundern werde. Herbert Samuels Mitarbeiter. Herbert Samuel hat bereits de» Stab seiner engeren Mitarbeiter zusammcngestellt, dem folgende Persönlichkeifen angchöreu: General Deedes (Inneres), Mr. N ncntwich (Gerichtswesen), Ronald Storrs (Verwaltung Bezirks), Captai« Io.«l Eduard llay (Militärisches), Mr. I. 1*. K. G!x»vcs (Prh'atsekretär von Samuel) und der Sekretär der Zionistischen Kommission m Jerusalem, Mr. M. Nu rock (zweiter Sekretär). Weitere Ernennungen werden demnächst bekanntgegeben werden.