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Jüdische Rundschau · 1920-07-27 · Heft 50 (27.7.1920) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 50 (27.7.1920)
Date
1920-07-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 402 gehaltenen Vortraßc5) betont werden muH: ״Was wir brauchen und sollen, ist gleichzeitige Arbeit in der besonderen konfessionellen und in der mterkonfcssioncltcn Fürsorgetätigkeit.“ Sicher ist — ich habe es schon betont ilic Leistung sozialer Arbeit schlechthin uml in jeder Form überaus wünschenswert. Allein cs ist ei« Zeichen innerer Unfreiheit, wenn mau die Mit• arbeit in der jüdischen Wohlfahrtspflege nicht zu fordern wagt, ohne die ״gleichzeitige“ Arbeit in der allgcmeinen Wohlfahrtspflege zu• verlangen. Wese innere Unfreiheit, dieses Fehlen der Erkenntnis, dall die jiidisclic Sozialarbcit die ureigenste Angelegenheit der Juden ist, beeinflußt ganz von selbst die Art der Arbeit. Wenn ich doch vor das Tribunal dieses Delegiertentages z.. B. den Ton stelle« könnte, der vielfach in den sogenannten ״Diirehreisekoinmissioncii“ gegenüber unsern Brüdern aus dem Osten angeschlagen wird! Deshalb »null i» der jüdischen Wohlfahrtspflege das Ziel unserer Arbeit vor allem sein, sie mit jüdischem tleiste zu durdidringen; das bedeutet in erster Reihe, dali die soziale Arbeit überall mul jederzeit bewußt um der jüdischen Menschen willen geleistet werden muH, dali sie in der Ucber/etigung geleistet werden muli: jüdisch empfindende jüdische Menschen sind in erster Reihe berufen und geeignet, die Not jüdischer Menschen zu lindern, und diese Aufgabe gellt allen anderen Aufgaben vor. Maid) bat einmal die Forderung aufgostcllt, dali tinscTC Arbeit sieb zur üblichen jüdischen Wohltätigheit verhalten müsse, wie das zionistische Kolnnisationssystem io Palästina zum System der Philanthropie. Das ist in der Tat das Entscheidende: die jüdische Wohlfahrtspflege darf nicht von dem Gedanken beherrscht sein, dall man anderen Gutes tun wolle uml hicihei — nach dem Satz ״eliarity begins at honie“ — zweckmiillig hei der Familie beginne und dann zu den ״Glaubensgenossen“ übergehe. Sondern selbst die unbedeutendste Fi'irsorgcarbeit, selbst den geringfügigsten Liebesdienst muli die Ueberzeugung adeln, dali alle sozia'e Arbeit um der Gesamtheit, um des Volkes willen notwendig ist, als dessen Teil der Helfer selbst sich fühlt. Das ist nicht etwa, wie cs auf den ersten Blick scheinen könnte, blol) von theoretischer Bedeutung, sondern Richtung der Arbeit entscheidend beeinflussen. Insbesondere wird der Gesichtspunkt der Erhaltung und Verbesserung der Rasse ein Leitstern sein, den der jüdische Sozialarheiter nie aus den Augen verlieren darf, Ich komme mm zu den p r a k t i s e 11 or g a n i s a torischen Zielen, die wir in der jüdischen Wohlfahrtspflege verfolge« müssen. Sie hängen eng zusammcu mit der von uns deutschen Zionisten erstrebten Umwandlung der jüdischen Gemeinden zu Volksgemeinden, die sich zu Trägern des ganzen jüdischen Lebens entwickeln müssen. Der Spielraum, der der ״freien Uebestütigkeit“ belassen ist, verringert sich auch in der allgemeinen Wohlfahrtspflege ständig; zum mindestcu wial sie in immer stärkerem Malle der Kontrolle der öffentlichen Organe umerstellt, bei der grollen Verantwortung, die die gesamte jüdische Wohlfahrtspflege schon deshalb trägt, weil es amtliche Träger jiidisdier Sozialpolitik überhaupt nicht gibt, ist hier die Verzettelung und Zersplitterung in zahlreiche Vereine und Vereiucheu - die vielfach noch nach veralteten Notabeinmctiiodtn geleitet werden — noch viel unerträglicher. Grundsätzlich muli die demokratisch auf der Mitarbeit aller Qememdcmitglicder aufgebaute Volksgemeinde die Verantwortung für die gesamte soziale Arbeit ihres Bezirks üjrernchmcii; für den gröberen Bezirk tritt an ihre Stelle der ilm umfassende Volksgcnrcindcn v e r band, letzten Linie-* die schleunigst zu schaffende Gesaintorganisation der deutschen Juden. Die Wohlfahrtspflege der Gemeinden und Gemeindeverbände darf auch von der allgemeinen Wohlfahrtspflege nicht als private, sondern ausschliclilich als öffentliche Wohlfahrtspflege behandelt werden. Und die «och verbleibende private jüdische Wohlfahrtspflege muß dann der Kontrolle der Gemeinden unterstellt w erden, B.s diese Entwickelung vollzogen ist, wird noch geraume Zeit vergeben. Bis dahin werde« wir Zionisten uns begnügen müssen, den angedeuteten Gedankengängon Stuck für Stück und Schritt für Schritt Eingang in die jüdische Wohlfahrtspflege zu verschaffen oder — ■ soweit sie in ihr bereits um Anerkennung ringen — das Uusrige dazu beizutragen, dali sie sich durchsetzen. Daneben werden wir, gerade solange wie wir mit unsere« Anschauungen «och in der Minderheit sind, auf eigene zionistische oder zionistisch orientierte soziale Maßnahmen (wie z. B. die Arbeitsverinittelung durch das .Arbeitsamt) nicht verzichten können. Daß solche Institutionen den Prüfstein für die Richtigkeit unserer Anschauungen und für die Berechtigung unserer Reformwünsche bilden, dali sic deshalb unbedingt den Höchstanforderungen entsprechen müssen, die man in sozialer und in jüdischer Hinsicht stellen kann, brauche ich nicht erst des näheren auseinanderzusetzen. Ganz allgemein aber genügt es selbstverständlich nicht, wenn wir Zionisten Forderungen aufstellcn und eigene soziale Arbeiten einlciten. Sondern eine Umgestaltung der jüdischen Sozialarbeit in eine soziale Vol.ksarbcit kann mir erhofft werden, ■wenn wir Zionisten uns zu lebendiger Mitarbeit an aller judticheu So/inlarbcit entschließen. Grundsätzlich dürfen wir hierbei keinen Zweig der Wohlfahrtspflege ausnehmen. Andererseits ist es aber begreiflich und in keiner Weise zu beanstanden, wenn gerade wir Nationalgesinnten unser Interesse in erster Reihe deu.bevölkeru« gspoli tisch wichtigen, mehr sozialpolitischen Arbeiten zuwenden,-also beispielsweise gegenüber der Fürsorge für Sieche die Jugendpfl^gcurbeit bevorzugen. %. Schließlich noch ein kurzes Wort darüber, wie die soziale Arbeit der deutschen Zionisten,zu organisiezen sein wird. Diese Aufgabe wird in den einzetnen Städten grundsätzlich den Ortsgruppen zufallen müssen, die ja die natürlichen Mittelpunkte aller zionistischen Arbeit sind. Vor allem müssen überall da, wo hilfsbedürftige Ostjuden leben oder hinkommen, Fürsorgestellen eingerichtet werden, die sich zu- Ollcndorf a. a. 0״ S. 52. *) Oscar Epstein In der Zeitschrift Jahrgang I, S. 102. ״Der Jude‘ J ußDiatma ründüchsd Ni 50 gleich auch die Arbeitsbeschaffung zur Aufgabe machen müssen, ln allen Ortsgruppen!null die Kinderhilf Sektion mit nlleu Kräften mitcrsüifzt werden. Im übrige« ist die geeignetste Organisation« 1' o rm für dir Verteilung der sozialen Arbeit unter die Zionisten vielleicht die der Arbeitsgemeinschaft; sie hat alle sozial besonders interessierten Zionisten des lk'- zirks zu umfassen und jedem, einzelnen die Erfüllung einer bestimmten Aufgabe zuzuweisen; daß sich in Berlin jetzt eine. Arbeitsgemeinschaft auf ähnlicher Grundlage gebildet hat, habe ich schon erwähnt. Die Aus* bildung zur sozialen Arbeit wird, soweit irgend möglieb, in besondere« Kursen erfolgen müssen,. Besonders geeignet für eine derartige Ausbildung wird das zionistische Dienstjahr der Studenten sein. — Sachliehe Auskünfte über alle Fragen der jüdischen Wohlfahrtspflege erteilt die Z e n t r a I w o 111 f a. h r t s - stelle der 11 e 111 s c 11 e« Juden, der die großen jüdischen Wolilfahrtsorganisntioucn augehören tmd_ in deren maßgebenden Körperschaften auch die Zionistisehe Vereinigung für Deutschland vertreten ist. Eine besonder« bedeutsame Aufgabe fällt bei der Organisierung unserer sozialen Arbeit dem G c s c 11 ä f t s f ü 11 r e nd e 11 Ausschuß zu. Er kann sich nicht darauf beschränken, <1011 Ortsgruppe« und Gesinnungsgenossen Auskünfte und Ratschläge in bezug auf die soziale Arbeit zu erteilen. Sondern er muß allenllialbcn zur Aufnahme der sozialen Arbeit nur egen; er wird die Arbeitsformen zu he* cinflusscn und Tür tunlichste Einheitlichkeit in den Ideen und in ihrer Durchführung Sorge zu tragen haben. So werden wir erwarten dürfen, daß der Geschäftsführende Ausschuß, hnficiülieh schon im Laute der n.'iehsten Zeit, das System unsere r sozialen Arheit entwickelt, das uns bis jetzt noch fehlt. E. Die soziale Volksarbeit ist eine G c - g e 11 wa r t s nrbeit, die' der Zukunft des jiidisclien Volkes dient. Die ihr gestellten Aufgaben sind Z u k 11 n f t s aufgaben, die zu einem guten Teil schon in der Gegenwart erfüllt werden können. Wird sie in dem Umfange und in der Riehtimg geleistet, die ich kurz zu skizzieren versucht habe, so verwirklicht sich in aller Stille 1! 1d Selbstverständlichkeil, was bei theoretischen Erörterungen von so vielen als bekämpfenswert und unmöglich hingestellt wird: ein gut Stück jüdischer A 111 o 11 o m i e, F.s liegen Anzeichen dafür vor, daß die N i e I! t jiidcn 111 Deutschland die Entwicklung begrüßen, die sieb liier aubalmt. Namentlich findet der Gedanke, daß die Fürsorge für die Ostjuden ausschließlich Sache der von den deutschen Juden geschaffenen Hilfsorganisationen ist, volles Verständnis gerade auch bei den staatlichen Stellen. Dem Arbeiterfürsorgeamt sind weitgehende Befugnissc und Verpflichtungen übertragen worden; der letzte Ministerialerlaß, der der Ostjudenfrage gewidmet ist’), bezeichnet ausdrücklich die Heranziehung der jüdischen Hilfsorganisationen ״zur Lösung der sögenannten Ostjudeiürage“ als z w e ck 111 ä ß i g; und seine Erwartung, daß diese Organisationen ״in völlig unparteiischer Weise die Interessen ihrer Pflegebefohlenen gegenüber denen des Staatsganzen abwägeu" werden, wird nicht getäuscht werden, ln ganz ähnlicher Weise haben die für die Arbeitsbeschaffung zuständigen Reichsbchürden und zum Teil auch die Stellen, denen die Woluumgsfürsorgc obliegt, sich auf den Standpunkt gestellt, daß gerade auch dem Interesse der Allgemeinheit am meisten gedient ist, wenn die Fürsorge für die Ostjudcn durch Stellen und durch Menschen ausgeübt wiru, die mit derr äußeren Verhältnissen und der seelischen Verfassung der Ostjudeii besonders vertraut sind. Von uns wird es abhängen, wie weit die soziale. Volksarbeit uns zu einem jüdischen Eigenleben im üolus verhütt. Italienischer Brief Der Kongreß der Jüdischen׳ Gemeinden. — Vatikan und Zionismus. (Von unserem italienischen 111. b.-Korrespondente״.) Ro m , den 14. Juli 1<)20. Am 15. uml lü, Juni hat in Rom der allgemeine Kongreß der jüdischen Gemeinden stattgefiuidcn; gerade dieser Tage wurde der ״Verband der Jüdischen Gemeinde“ durch das königliche Dekret als offizielle Vertretung des italienischen Judentums ancr* kaunt. Dies gab dem Kongreß eine besondere Ikulcatung, die noch dadurch verstärkt wurde, daß das italienisehe Judentum augenblicklich durch die Tätigkeit der zionistischen Gemeinde in Florenz und durch ihre durchaus ungerechtfertigte Auflösung aufgcrüttelt und, man kan« sagen, in zwei Lager geteilt ist. Die Stellungnahme der italienischen Gemeinden den zionistischen Erneue* rungsversuchcn gegenüber aufzuklären, das sollte die eigentliche Aufgabe des Kongresses sein. Dem zirriickiielenden Ausschüsse kann man eigentlieh hinsichtlich seiner allgemeinen jüdischen Politik nach außen keine besonderen Vorwürfe machen. Wenn man die verschiedenen Denkschriften, die der Friedenskoufe• reu/ von den /innigen mul von »lern Komitee der jii* disclien Delegationen vorgelegt wurden, durchsieht, so wird man ausnahmslos auch die Unterschrift des italienisehen Gemcindeaiissehusses finden, was um so bemerkenswerter ist, als die italienischen Juden somit die einzige westjüdisehe Gruppe sind, die in ihrer Gesamtheit die jüdisch-nationalen Forderungen unterstützt hat. Die Sache bekommt aber ein etwas anderes Aussehen, wenn man die diesbezügliche Tätigkeit des Ausschusses in Italien seihst betrachtet. Man findet da sehr stark den Wunsch, die Zionisten in den Hintergrund zu schieben und aller jüdischen Arbeit ein möglichst farbloses Aussehe» zu geben und sie jedenfalls vor der christlichen Oeffcntliclikeit zu verbergen. Die Sympathie für die jüdKcli-natiouale Bewegung wird somit eine Art von ״Exportware“, die für den inneren Gebrauch sich nicht eignet. Derselbe Dualismus hat sich auf dem Kongreß offe«* bart. Es wäre« 37 Gemeinden vertreten, darunter zum *4 Erlaß des preußischen Ministers des Innern vom 1. Juni 1920 — IV b 3095. - erste« Male diejenigen der neuerworbenen Provinz״ Die Zionisten stellten selbstverständlich eine Minderheit dar, schon deshalb, weil in den meisten Gemeinden die letzte» Wahlen vor 5—S Jahren stättgefunden haben Nachdem die Formalitäten und die lokalen Fragen ,-r. ledigt wurden, und nachdem der Versuch gemacht worden war, die Mandate einiger Zionisten anzufeehten, kam man zur llanptsache: der Horentiiiischen Frage Die Mehrheit wollte Entschluß. Von der Vcrgang e 11 h ei t wi rd nicht gesprochen! Man schrei, tet also vorwärts, und der florcntinische Delegierte entwickelte i« einer schönen Rede einen großaiigelegtcn Plan der ücnieimlecrneueruiig, ganz im zionistisch«! Sinne. Und die anti/ioiiistische Mehrheit findet in ״ז(!ן Mitte keinen Redner, der klar und deutlich den ant!. zionistischen Standpunkt auscinandcrsetzte. Man «aha Zuflucht zu Gemeinplätze«. Die Zeit ist noch nicht gekommen, wir sind nicht reif genug; man /(״ auch die Balfoursclie Deklaration hinzu, die angefy bestimmte Grenzen, welche man nicht überschreit!, möchte, für die Judcupolitik i« Westeuropa stellt, txni die ganz konkreten Vorschläge der Zionisten wurde, aus diesem Grunde ahgelelmt. Es wurde dagegen eine allgemein gehaltene Resolution angenommen, die fricdeiistellen könnte, wenn sie wirklich vom Erneue• nmgsgeist getragen würde; in diesem Falle aber /iemlieh wertlos ist. Sic lautet: ״Der Kongreß beschließt, daß die Tätigkeit des Verbandes und der einzelnen Gemeinden, in Uebcrcinstimmuiig mit neuen Verhältnissen des jüdische!» Lebens, darauf gerichtet sein soll, in Schulen und in allen Gemeindeinstitutionen eine voüständige Erneuerung vor/ubercitcn und auszuführen, die geeignet wäre, das Bewußtsein der italienischen Juden in Einklang mit diesen neuen Verhältnissen zu bringen.׳' Die Wahlen ergaben vier Zionisten unter den I I Mitgliedern des Ausschusses, darunter den Vorsitzenden der zionistische» Föderation, Rechtsanwalt Felicc Ravcmia und das Mitglied des aufgelösten florentinischcn Gemeinderates, Redakteur der zionistischen Wochenschritt ״Israel“ Rechtsanwalt Alfonso Pacifici (Jas bete noir der ״gut gesinnten“ Juden). Die Tatsache, daß Ra vv 11 na die größte Stimmenzahl bekommen hat (was nicht auf seinen Zionismus, sondern auf seine Personlichkeit zuriiekzufültfe» ist)., und somit zum Präsidenteil des Ausschusses ernannt wurde, hat den bisherigen Präsidenten und den Vizipräsidenten veranlaßt, aus drin Ausschüsse aiis/utretcn. Der allgemeine Eindruck von diesem Kongresse m also der, dali die Zionisten, wenn sie auch in der Minderheit sind, doch die einzige tatkräftige Gruppe im jüdischitalienischen Leben darstcllen. Fast unmerklich beugt sich das italienische Judentum immer mehr dem zionistischen Einfluß, welchen seine offiziellen Ver• treter noch zu umgehen suchen. aber dem gegenüber auch sie nicht mehr den Mut haben, einen offene» Kampf eiimigehen. Der nationale Gedanke wird in Italien schon deshalb immer mehr Anhänger werbe«, als ihm von anderer Seite kein ernster ideeller Widerstand geleistet 'werden kann. Während die größte italienische Zeitung ״Corner« della Sera“ mit einem Aufsätze von Sen »tur t: rance >>■ co Ruffin i ihre wärmste, fast enthusiastische Sympathic für die zionistische Sache bekundet, und während einer der Führer der italienischen Sozialisten, Ahgeord. Claudio Trcves in der Zeitung ״II Resto del Carlino“ zwar die jetzige ״englisch-imperialistische‘' Ein- Stellung des Zionismus aufs schärfte mißbilligt, aber aus seiner llcwunderisng der Bewegung selbst keinen 111111 macht, nimmt die katholische Presse immer deutlicher eine feindliche Stellung dem Zionismus gegenüber ein. Wie bekannt, wurde Sir Herbert Samuel vom Papst umi vom Kardinal Ca spar i empfangen. Von der Audienz selbst wurde nichts verlautet, hingegen waren die Kommentare der katholischen Presse (״Corrierv d’italia“, ״Osservatore Romano“, ״Tempo“*) ganz eindeutig; nach ihnen zu urteilen, hat Sir Samuel, wenn sein Zweck wirklich der war, den Papst friedlicher dem Zionismus gegenüber zu stimmen, diesen Zweck ent• schieden verfehlt. Der rein religiöse Charakter des Judentums, die arabische Mehrheit in Palästina, sogar ״die geistige Erbschaft der Kreuzz.tiglcr“ werden als Gründe der päpstliche» Unzufriedenheit angegeben Ganz nebenbei werden aber Andeutungen gemacht die viel richtiger die a׳n:izin11istischc Politik der vatik.ini• sehen Kreise erklären. Es säui, außer der fast instinktiv gewordene» , jahrhundertelang gezüchteten Abneigung gegen alles Jüdische, die besonderen Sympathien, wclelir der Vatikan für Pole» mul Frankreich, mit dem dir Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen in du nächsten Zukunft erwartet wird, liegt. Die katholische Fresse bat cs sich andererseits in letzter Zeit zur Pflicht gemacht, ganz besonders gegen den ״englischen Im• perialismus“ zu kämpfen, wobei die Motive kaum rein ideelle sein dürfte». Das wichtigste Moment der vatikanische» Abneigung ist wohl aber die Angst, den päpst■ liehen Einfluß in! Orient durch Erstarkung des jüdischen Palästina vermindert zu seilen, wie auch die angebliche« Gefahren und Schwierigkeiten, die den zahlreichen kirch• liehe» Institutionen in Erez-Israel daraus erwachse״ können. Obwohl es wohl richtig ist, daß der Finfhib «kr vatikanische» Kreise, auf die italienische Oelfeniliclikcii kein übermäßig großer ist, bleibt trotzdem der I Icilfcr Stuhl immer noch ei» Faktor, der nicht außer acht f«׳ lassen sei» dürfte, um so mehr, als sein Einfluß 'm europäischen Osten und in Kleinasien viel bedeutender ist, als in Italic» selbst. Diesen Einfluß, was wenigstens das Verhindern unserer palästinensischen Pläne anhf־ trifft, zu bekämpfen, sollte wohl eine der Aufgaben dcr zionistischen ״äuileren Politik“ sein. Die Aufnahme aber׳ die von der katholischen Presse Sir Samuel zuteil wurde, bestätigt die schon öfters ausgesprochen»־ ') ln der ״Wiener Morgcnzcitnng“ vom 4. Juli wurde ei» Telegramm aus London abgednickt, demzufolge ״ I empo" behauptet hat, Sir Samiief ist es gelange׳‘• die Befürchtungen des .Papstes zu zerstören. Der K0,n־ mentar von ״Tempo“ war des gerade entgegengesetzten Inhaltes — Sir Samuel hätte beim Papste nichts er־ reicht. Dieser Kommentar ist deshalb wichtig,' *ץ »Tempo“ vom Vatikan inspiziert wird, er ist aber kei* offizielles Blatt, und darf sich deshalb etwas freier ס*" nehmen. r sj r 8 V_ r L c t \ I Km V ■ad i*8r<

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