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Jüdische Rundschau · 1920-07-16 · Heft 47 (16.7.1920) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 47 (16.7.1920)
Date
1920-07-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nummer 47 | Berlin, 16 VII. 1020 _____ Dcr Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Hctmstfttte in PalüsUna. ״Baseler Programm■‘» 3^י־־^ Vorbemerkung. 1 ־וסל beschränkte, Raum der ״RumUeliau•', den /u erweitern wir nicht in der Lage ■ hui, zwingt uns, mit der Berichterstattung über den lickgiertentag zunächst aiiszusetzcu, um auch mir das Wichligste aus den Berichten über die Jahreskoufereiiz veröffentlichen zu können. Wir glauben im Sinne unserer l.eser zu handeln, wenn wir gegenüber den so sehr wichtigen Londoner Verhandlungen die• Berichte über die Tagung der eigenen Lniidesorg misition ztiriiekstelleu, zumal die < >nsgruppc!1 durch ihre I);•legierten im wesentliehen tmterrieiitet •ein dürftet!. Sobald als tnöglieh werden wir dann die Berichterstattung über den!'׳elegierteniag zu linde führe» Die S cli r i f 11 e i t u n g. Eröffnungssitzung 7. Juli vormittags 1 versuche, I Icrzls Werk zu verkleinern und bekritteln, feststellen dürfe, daß der gesehmälite politische •1Zionismus Her/ls mm in die Wirklichkeit umgesetzt werde von denen, die ihn bekämpft haben. Was sind wir denn, wenn wir nicht eine politische Organisation sind? ... Unsere erste I‘flicht;st es, in die neue Situation liineiu/uwaeliscii, volksmäßig zu denken. Die hpocue, in der wir unseren (iegnern eine Bewegung von Phantasten; waren, ist vorüber. Wenn wir uns an die Auffassung gewöhnen, ,•l alt wir hier die Sprecher mul vereinigten Vci'treier eines lebendigen Volkes sind, werden wir die geistige Plattform gewinnen, auf der wir unserer I Verantwortung gerecht werden können. Vorwar.s! Das j Schicksal hat ■es gewollt, dab wir die Schöpfer des neuen Israels sein sollen! Di׳. Klee erstattet hierauf den Bericht des L.gitimations-Koiiiitees, \yp bringe.1 ihn an anderer Siehe. Sodann folgten die Referate von Dr. Julius Sim o n mul 3.' a i d i t s c h Die Jahreskoufereiiz wurde mit Rücksicht darauf, dall So ko low in Spa weilte, wo gewisse mit dein Palastin,■!-,Mandat verbundene Prägen verhandelt werden, und infolge verspäteten ldntreffens der I)elegierten aus Osteuropa erst am 7. Juli eröffnet■ Die Begrülhuigsansprache hielt auf llehr'äisch Nachum Sokolow, Dann folgte die Rede W e i z m :1 1111 s. Beide Ansprachen hringen wir uaehstehend im Wortlaut. llicranf ergrifi Ussisehkin das Wort. Lr hraehie der Versammlung die (irulie Prez-Israels. Die, welche schon m! Lande seien, warteten jetzt auf Juden;ms allen Tei’cn der Well, die kommen sollen, tun ihnen zu helfen. Redner spricht von den Unruhen in Lrez-Israel, die Versammlung erhebt sieh zu Einen der in den Kämpfen (nfal'eiien, Redner fährt fort: ״All diese Prcignisse gestatteten mH nicht, an praktische Arbeit zu ,/ent •u. '111׳,׳.;s׳•,: hahen wie misere Aufgabe im Rrdiin.'ii des Möglichen gefordert mul insbesondere auf kulturellem und erziehet isoheiu (iebiet ist manches geleistet worden. \'or 1ms liegt die Aufgabe, Prez-Israel politisch, vvirtschaftlich und kulturell zu entwickeln. Wir dürfen in den nächsten zwöit Jahren nicht weniger als eine halbe Million Menschen nach Ercz-lsracl bringen. 1111 ersten lall.• m. se:1 es 3'M’O » eia. Wir in Prez-Isr,:e1 werden ihnen den Weg h;ihnen. Um uns das zu ermöglichen, nuili man imh für das erste Jahr vier Millionen Pfund gehen. Wir erwarten von der Jahreskoufereiiz, 41:115 sie diese Mittel unter allen Umständen zur Verfügung stellt. Die Juden I rez-lsraels sind mit vorbildlichem Beispiel‘ vorangegangen, 101)000 Pfund sind dort während der Geulahwoche gespendet worden. Ir zweifeln niehi, dall das jüdische Volk uns die 11.malische und materielle Hilfe gehen wird, deren wir!'■,׳diufe:1. Ich hin in der Lage, der dafür bestimmten Kommission eine genaue Darlegung unserer Bedürfnisse erben,!'er Becher, der nach der jüdischen Legende < lotle-. Thron steht, mji die Tränen Israels zu samnein, ist voll. Die Zeit ist gekommen, da wir in 4ias I and unserer Väter heimkehren sollen.“ Dr. Bodenheim er, der Vorsitzende des Permam n/aiissehtisscs, teilt mit, daß zum Präsidenten der I ngiing Justice B r a n d e i s bestimmt worden ist. Nordan hi I hrenpräsident der Konferenz, unter den Vizeniasidenten beiindet sieh U s s i s c h k 1 11, Die Versamm- Ring summt dem durch lauten Beifall zu. Eine Rede Balfours London, 12, Juli. Anläßlich der Jahreskoufereiiz fand ein imposantes zionistisches Massenmeeting statt, auf dem als erster Redner Bai tour das Wort ergriff, von den Anwesenden mit stürmischen Ovationen begrüßt. Pr gab seiner ITeudc darüber Ausdruck, daß das jiu.ische Volk wieder in die l äge kommen werde, auf eigener Heimstätte als wichtiger Kultiirt'aktor seine Mission zu erfüllen. England habe sein Wort gehalten mm werde es auch weiterhin hallen, mm liege es am jüdischen Volke selbst, die Aufgäbe, nach der es sich seit Jahrhunderten sehnt, jetzt, nachdem sie ihm übertragen ist, so zu lösen, daß daraus dem Judentum das langersehnte (iliick erwachse und gleichzeitig auch für die übrigen Bewohner des Landes wirtschaftlicher taut kultmTcr Aufschwung erblühe. P.s sprachen noch Lortl Crcwv, Lord Robert Ce eil, Major Or m tshy-Ci or e , die 'iroßrabbiner von L.ngiaml, Dr. J, H. Hertz, Weizmnnn, Sokolow. Ussisehkin, Nntdati tm.t James de R o t h s c h i I d. Sokolows Eröffnungsrede Sokolow־ cröftucte, von lautem Beifall begrüßt, die Tagung mit folgender hebräischer Ansprache: (iochrte Vertreter der Zionistischen Organisation! Delegierte der Jnhrcskonferenz! Im Aufträge des Actions-Cumites begrüße ich Euch bei der Jahreskonferonz. Freudig heißen wir Euch als unsere Cienossen in der Arbeit willkommen. Lange hat die kimimermul sorgenerfüllte Nacht unserer Trennung gedauert, (sott sei Dank ist die Nacht vorbei; die Wege von Land zu Land und von Herz zu Herz sind wieder offen, und heute kommen wir von neuem zusammen, brüderlich vereint unter!lern friedlichen und gloreiehen Haimer Zions, Justiee Brandeis übernimmt das Präsidium mit einer Ansprache, in der er folgendes ansführt: Der große Augenblick fiir das jüdische Volk ist gekommen.0:(| ״ Konferenz soll die Mittel und Wege ausfindig inaehen, ihn besten-, zu nutzen, Mit San Reim» ist 71as Werk I Icrzls zum Abschluß gelangt. Unsere Aufgabe i-t die der \ erw ukliehung des Aufbans, der Piau zu ihm nuili von uns aufgestellt werden. Der Aushau der Organisation, die Wahl der rechten Männer und die Aufbringung der erforderlichen gewaltigen Mittel sind die Aufgaben d r nächsten Zeit. Die Aufgabe ist schwer, aber sie kann mul muß gelöst werden. Die Zeit zum Handel!! ist di es uart mclit länger geträumt werden. Dicnstbereiischalt Aufopferung muß nm Sachkenntnis vereinigt wer- "•'11 " 1 •״ J l'11 *י r J 1141 e 111 u ß e i ״ e n Teil ti ״ - 1,״ c7 1 Bürde 1 ragen wollen. Die Zeit!hängt, 111 wir unser Werk! N י ״' D •44 ׳ erinnert an die fiirelibaren Jahre seil Bll I, St'iimu- Israels nur klagen durfte. 111 den '״ Vd',°" alHT hat sie es wieder gelernt, z.1 jubeln. '!1:. ) XK' Entscheidung von Sau Remo nicht im ■,rnhltek das l.aml den luden wieder, so doch die ,r a!/־'"' Lam,c• l>1cjst; Konferenz ist nicht der ״Jii* 1"1־'.* י Kongieß“, der nötig wäre, aber unter den ge<Tenwarügen Verhältnissen nicht cinheriifeii werde» kann, oner sie vertritt dennoch das jüdische Volk, die nrgamverte nationaljiidisehe ücsamtheit. Sie kommt in• ihrem ' .harakter den! Kongreß am nächste•״, den möglichst bald emziiberuteii ihre vornehmste Pflicht ist. Nord.tu spiicht dann, während .die Versaniinluiig -ich erhebt, zum Cjedenkcn H e r z l s. Er war die große proph«tische Natur, der zuerst das Wort vom Juden- Staat“ in die Welt gerufen habe. Es gereiche NorJiau zur größten Befriedigung, daß er in einer Zeit, in der man Noch sind che Verhältnisse nicht völlig normal Der Weg vom. Krieg zum Eriedenszustand kann im schrittweise gegangen werden. Wir hoffen in naht• Zukunft einen richtigen Zionistenkongreß eiiibcrufen z! können. Für den Augenblick aber scheint die Abhai tung einer Jahreskoufereiiz. das höchste zu sein, wa von den durch unsere Statuten vorgeschricbenen Forntei ׳״'Nr den gegebenen Verhältnissen zu erreichen isi Seihst in dieser beschränkten Form ist diese Maliiiahm nur durch die Prieichterungen möglich geworden, di 1ms die Behörden dieses Landes freundlich gewähr haben, und durch die Opferfreudigkeit in unseren eigene Reihen. Wir kennen die Schwierigkeiten, die viele vo Ihnen zu überwinden hatten, bevor sie diesen Saal bc treten konnten; aber was sind Hindernisse für Menschei ehe für ein großes Ideal begeistert sind? ln unsere zionistischen Ausdruckswvise pflegte man die Jahre! konferenz. als den ״kleinen Kongreß“ zu bezeichne! Formell mag dieser Ausdruck richtig sein, aber i Wirklichkeit und in Anwendung auf diese Konferen •wäre er gleichbedeutend mit einer Unterschätzung ihr! wirklichen Bedeutung, ihrer großen Aufgaben und 1k Erwartungen des jüdischen Volkes. Die Bedeutung dieser Konferenz liegt schon in der bloßen Tatsache ihrer Abhaltung. Si e b!• z. e i c h net die R ü c k k e h r 41 er z i o n i s t i - sehen Organisation zu ihrer r e g e l m ä ß i - g e n (i e s c h ä f t s f ii h r 11 n g. Der Krieg erzwang eine Art von Moratorium, welches für die Dauer dieser Zeit!laz.11 zwang, die Ergebnisse früherer Wahlen, Man- 41ate und• Verpflichtungen bcizubchalten, ohne daß es möglich gewesen wäre, die durch die Statuten vorgeschriebene Rechenschaft abzulcgcn. Es wäre müßig, irgend jemand 1 tir diesen Zustand \1!antwortlich zu machen. Alle iiuerualioiialcn Organisationen waren genötigt, sich dieser höheren (k'walt an/11passcn1: einige davon stellten ihre Tätigkeit ein, andere reduzierten s.e auf ein Minimum, keine einzige aber war imstande, Neuwahlen und dergleichen diirehziiführeu. 1 )111 oh die (iewalt!1er Tatsachen und in Erwägung der höheren Interessen unserer Bewegung waren wir genötigt, gewisse Schritte zu unternehmen, die nicht aufgesrhoben werden konnten und von deren Urgelmis die ganze Zukunft unserer Bewegung abhiii;:.־ Nach Beendigung 11er abnormalen Zustände haben wir Ihnen die Prgebivissc der geleisteten Arbeit vorzulegen. 'Diese grolle Versammlung wird sich mit Tatsachen und Problemen ztt beschäftigen habet*.. wie sie in. der (iesehichtc 41er Zionistischen Organisation früher nicht dagewescu sind. London als Konfc renzort Der zweite wichtige Faktor dieser Versammlung ist der Ort, an dein sie stattfindet. Wir sind in der Hauptstadt (iroli-Britanniens versammelt. Fs \st nicht das erstemal, daß wir liier ziisammeiiUeten. Vor Zwanzig Jahren eröffnete unser unvergeßlicher Theodor Herz! den zionistische» Kongreß in dieser Stadt. Lr zeigte, welch klare Vorstellung von der Zukunft des Zionismus er hatte. Nun stehen wir hier, im Mittelpuiikt des Zionismus, an der Schw elle seiner Verwirkiichuug, aber der wichtigste (jesiehtspunkt für diese Konferenz ist der Zeitpunkt, zu dem sie stattfindel. Sie folgt umnitlelhar auf die Konferenz von San Remo. Meine Damen und Herren, 1‘al.iMiua ist sich selbst tmu Israel wiedergegehen, und wir hauen unseren Platz unter den Nationen 11er Welt wiedererohert. In einer Welt, in welcher Nation nach Nation ihr Recht etkiimptt, gemäß ihrem natürlichen (!harakter als eine Familie zu ersehe *neu, deren Bedeutung über bloße politisch!• Kombinationen hinausgelit, und zu einem Zen- 1 •nnki, wo die 1 an.lkarte ilei Welt in Anweiuiuug dieses großen (muidsal/cs umgebildet worden ist, konnte nichts einfacher, nichts natürlicher und unverineidl'cher erscheinen, als!las Recht des jüdische» Volkes auf seine nationale Heimstätte■ in Palästina. Nichts destoweiliger haue der moralische• Sieg des Zionismus niemals geahnt, oder geträumt werde» können. 2>U l Jahre sind vergangen, seit wir das Land unserer Ahnen verloren haben. Tausendmal haben wir erklärt,!Saß wir, nbgcsehen von unseren moralische» und geistigen Besitztüiiicm, das entbehren, was aus einzelnen Menschen ehre Nation macht und sie instand setzt, ihr eigenes Tand /u errichten. All dies ist 11:111 zu Ende, und wir hoffen für immer. D:es ist ein großer Sieg einer edlen und gerechten Sache. Fs ist ein großes geschichtliches Ereignis, daß eine so lang unterdrückte Nation endlich ihren Platz ״!ul ihren Namen unter den (iemeiiischaften der Welt gefunden hat. Wir danken (iott, 11er uns instand gesetzt hat, Zeugen des großen Ereignisses der Wiedererrichtung lies jüdische» nationalen Heimes zu worden. Wir sind autrichtig verbunden für die Sympathie und Unterstützung Frankreichs. Die große französische Nation hat vor langer Zeit der Sache der Judeneuiauzipatioii unermcliliehe Dienste geleistet. ־Jetzt haben die uns wiederholt von der französischen Regiennig gegebenen Ver- Sicherungen ihrer Hilfe einen wichtigen Fortselnitt erinoglicht, nämlich die Anerkennung einer jüdischen Nationahtät und ihres historischen Rechtes aut Palästina, vv 1r ehre» und schätzen desgleichen die Regierung und uas Volk der Vereinigten Staaten von Amerika, die ei» isehutzwal! des Rechtes und der (»crechtigkoit gewesen sind und die Verteidigung!!es Schwachen gegen ™ Starken übernommen haben, um der 1111s gewährten Hilfe willen. Und wir gedenken in Dankbarkeit und » ^1!41 יer moralischen Unterstützung Italiens und der Anerkennung der B a I f o 11 r s c 11 e n Deklaration durch fast alle anderen Regierungen und Völker. Und nicht mir Regierungen, sondern auch die große Orgnnisation der Arbeiter, die Vertretung 41er produktiven Klassen, die für Recht und (ierethtigkeit eintreten, hat uns ihre Hilfe gewährt. Wir wollen bei dieser feierlichen (ielegenhcit allen, die uns geholten haben, unseren herzlichen Dank aussprechen. Aber unsere politische» Erfolge sind ebenso sehr der zu verdanken, die es m den. letzten schweren Zeit bewahrt hat. Ja, diese Zejten waren besonders -ehw vor allem für unsere alten Märtyrer. Unsere Massen Osteuropa lernten den Tod in all seiner Schreck!״ kett kenne». Es ist genügend, wenn man an die 1 vvahigcn Metzeleien in der Ukraine erinnert, Fm du Abschlachtung ganzer Ciemciiuk'11 kann der llium selbst und alle Barmherzigkeit der Engel keine Mildern 1״!ir ucm £1־>;"״s zeigt so deutlich wie dieser d schrei «liehen Kucktall des menschlichen Charakters ursprüngliche Rohheit und Kannibalismus \K V , Ciefuhl der Rache ist uns fremd [!,1 ׳',״,A, r 1 dächtnis bleibt unseren Märterern' sirlmr i vÜ1a' HS ,( Grüben• ,־re,g'ßg»

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