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Jüdische Rundschau · 1920-07-13 · Heft 46 (13.7.1920) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 46 (13.7.1920)
Date
1920-07-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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' U4J <4 C ) \ KdAtioa uud Verlag W. 15! Säcl^lsdre Sir. 8. Erariicint ]«11‘•1ל DiemUg und FreiUg. Bfxugsprei» k«i dar Expedition und **';a?mKlmKmn *Uf\elj«t.fKA 10 &. in Deutschland, Au«.UmU*1*oan•• B»nU w«rd«n in der WüKrung der einzelnen l-nndet־ berc< me . Nummer 46 Berlin, 13. VII. 1020 A 11 x, c i;! e a - V c r v/ n I t u 11 g, Verlag Alwin Loewentlial, Berlin W. 15, Sächsische Str. 8. Ttlephon: Amt Uhland 815 und 848. A n c •ij?« 13pr «I a für die •[(!boagfipeOen• Not>p«*mllr-*11״• Ü.&Ö M., Aß1cl‘jcn»cl.lu ß; DUatla^ u»d Freitag: »RcU*niU*£* 4 Uhr. X23EI B£: V J ־ ’*iw - עש3.+־ . T»l<:;>t,״n: Ami UliUnd 5« und Mh. l’o»ljU1«׳<ltl1״ Nr. 17 3 ij. Für Oolorrfic.'il Po»l11p»rka«.eo*rat w Nr. 156nnö. Für T«rhrd:..!־.w»k«l: P01Up«1k.r«׳B»mt I Nr, 1S6 0M. Krrt.klioBUrfilaS Sonnt«* und M!U * v«״pp *ז vk < 27. Thammus 5£>CÜ a: Br», Konto «?, Konto h neditnUss:• XXV. Jahrg. Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volit dio Schaffung elaer Cffcntada-rcchtlldi gcsicSicrton HcImatSite in Palästina. ״Basel;er Programm.“ Jerusalem und London ״Unter ilcjii Donner der Schiffsffcschüfzc und Küstenbatterien ist am 2. Juni der High Commissioner für Palästina, tlto Right Hommrahlc Sir Herbert Samuel, m Jaffa gelandet.•‘ Von der Stunde seiner Ankunft datiert für das I and eine neue Epoche, von der wir erwarten dürfen, dal) sie sieh nicht nur staatsrechtlich von der vorliergegangencii unterscheiden wird. Mit dem Augenblick, in dem der Obcrkommisrsa!׳ sein Amt antrat, hat für Erc/ Israel jenes peinvolle Provisorium aufgehört, unter dem" das Land so außerordentlich gelitten fi.it. Die ominösen Buchstaben O. E. T. A,’) stellen nicht mehr au allen seinen Pforten, schwellen nicht mehr als drückender Alb über allem Tim und Lassen. Erez Israel ist nicht mehr ״beset/.tos Gebiet", steht nicht mehr unter Kriegsrechl. Sein Schicksal ist nicht mehr in die H.uiii einer Militärverwaltung gelegt, die mit dem typischen N'ichtverstehcn aller militärischen Kreise jeder nicht ganz, an der Oberfläche liegenden Frage gegenüber im starren Autoritiitspriu/.ip die letzte po- ,!tische Weisheit sah und psychologische Probleme durch ״Dienstbcfehl“ zu lösen stets bereit war. Der militarische Pomp, der hei der Ankunft Sir Herbert Sa- 111 11 e 1 s entfaltet wurde, war das äußere Kennzeichen dafür, daß in Erez. Israel das Militär, dein bisher aus-׳ schließlich die Verwaltung unterstellt war, nunmehr von dieser seiner nur in Kriegszeiteil möglichen Rolle zuriiektritt und sich im Rahmen seiner eigentlichen Auf- ״ahe der Instanz uutcrorduct, als deren verantwortlichcs I hupt Sir Herbert S a in u c I die Regierung 1 l־c nioiiinu'ii hat: der n e u c n Zivi, v e r w a 1111 n g! Wir brauchen hier nach allem, was Erez. Israel in den letzten Zeiten erlebt hat, nur mit wenigen Worten darauf liin/uw eisen, wie sehr der gesamte Jiselniw diese Rückkehr zu stabilen, friedlichen Verhältnissen als eine wirkliche Belieitmg empfinden muß. Wir haben darüber hcricU'et, wie gering der Eindruck der Be- M'liliisse von San Reim» iirsprüiiglidi auf das Judentum in linv. Israel geblieben ist, das noch ganz im Bann der Bluttat \on leriisaleni stand und im tiefsten Herzen Mißtrauen hegte gegen alle ״Erklärungen•• und ״Dcklarationell" die von irgendwelchen Stellen außerhalb des Landes abgegeben wurden. Man vergleiche damit die Berichte über die (ieiilali-Ecierii in den Städten Erez Israels, die wir auf diesen Seiten veröffentlichen. Der 11!nerschied «11 der Stimmung, das schnelle IJeberwindeit der Apathie mul der geistigen Erschöpfung ist zu erklaren durch die Tatsache, daß nunmehr im Lande -elhst Gaianticn dafür gegeben sind, daß die alte Devise dis Jiscluiws: ״Arbeiten mul nicht verzweifeln!“ heute sich wandeln darf in ״Arbeiten und hoffen!“ Der wunderbare Schwung, mit dem Erez. Israel auf die außen׳ Aeialerung seiner Lage reagiert hat, die bis zur Lntiinf’ennig gesteigerte Bereitschaft, mit der dort luian/icll( <)|)ft׳1׳ von allen gebracht werden, ist ein u1un1;;l1dn1׳■ (iradmesser für die außerordentliche Beiivunmg, dir der Jischuw der Aemlenmg der politi- F ilm Situati, m im Lande heimißt. Wir können uns hierin mit Erez. Israel nur eins Hililt״. Auch wir sehen in der Person des jüdischen (1!u 1 kommissai.י eine so starke Garantie für die Ver- "irklidiuiig dessen, was von der Balfourdeklaration bis zum Tage vmi Sau Rcmo dem jüdischen Volke in der feierlichsten lind bindendsten Form versprochen worden!st, daß wir nichts zu nennen wüßten, was im Augen- Huk uns größere Sicherheit zu bieten vermöchte. Wer den Bericht über die Palästinadebattc im enghwiien Oberhaus gelesen hat, auf die wir noch ausführlich /iiriickkotnmcn werden, der weiß, daß die Liiicnmirig Herbert Samuels z.uin Obe’rkommissar in Palästina nicht nur auf die Gegnerschaft der Ara her 11׳ rechnen hatte, sondern daß die englische Regierung eine Opposition seitens gewissen Lords er- "arten imißie, die ihre Bedenken gegen die englische Onvntpoliuk im allgemeinen und gegen die Regelung ‘er Palastinafrage im besonderen zum Ausdruck ge- Oadu haben. Wenn trotzdem die englische Regierung ns obersten Beamten einen Mann nach Palästina scndcL ‘^׳r so sehr als Vertreter des jüdisch-nationalen Ge- י •tiikens betrachtet werden darf, wie Herbert Samuel, ganz ™ schweigen von seiner Stellungnahme zur jü- ,1K’k'11 Irnilitkin, - so ist damit durch eine in ihren ".1י" M'hr schwerwiegende Tat der Beweis erbracht "'►nie11 ,״,■iß England von seinem Standpunkt nicht ab- ״ewuhen• ist und daß, wie Herbert Samuel cs s'gle, die ״Rekonstruktion“ der jüdischen Heimstätte der Verwirklichung entgegengeht. Die überragende Bedeutung der Ernennung Herßert Samuels muß denen gegenüber besonders bctont werden, die aus Einzelheiten der Oberhausdebaltc um• andere Deutung der englischen Politik hcrauszulescn sieh bemühen. Es sind dort zweifellos Dinge gesagt worden, die der Aufklärung bedürfen. Wir meinen hier- *) Occwpied Etinemy Territories Administration. Der Beginn der Jalireskonferenz Eins besosdere Konferenz für Palästina-Anfgabcn — Die jüdische Kolonisations ־Gesellschaft Sit großer Feierlichkeit wurde am 7. Joti In Anwesenheit von 230 Delegierten aus den verschiedenen Ländern die zionistische Jahreskonferenz in London eröffnet. Zam Ehren- Präsidenten der Konferenz wurde Dr. Max N o r d a u gewählt, Präsident ist Louis Brand eis, Vizepräsident Ingenieur M. Ussischkin. Nachdem Nahum Sokolow die Konferenz mit einer hebräischen Ansprache eröffnet hatte, nahm Wcizmann das Wort zu einer programmatisclicn Erklärung. Er führte aus. daß der Beschloß von San Rcmo das überraschendste und überwältigendste Ereignis der jüdischen Geschichte ist. Besonderer Dank gebühre Lord Balfoar dafür, daß er die jüdischen Rechte geschirmt habe. Die Grenzen Palästinas sind noch nicht endgültig bestimmt, die Lösung der Grcmfragc wird in den Verhandlungen mit Frankreich erfolgen. Wcizmann gab der Hoffnung auf befriedigende Lösung der Gremfrage Ausdruck, deren baldiges Ergebnis von der ganzen Welt erwartet wird. Alle anderen auf Palästina bezüglichen Probleme soll, wie Wcizmann ausführt, die zionistische Organisation im Wege einer zionistischen Konferenz für Palästina- Arbeiten regeln. Welzmann befaßte sich dann mit der Notwendigkeit der Neugestaltung der zionistischen Orga? nisation und der Sicherstellung der finanziellen Mittel für den Aufbau Palästinas. Er kündigte die Errichtung einer, jüdischen Kolonisationsge Seilschaft anwodurch jedoch die Privatinitiative nicht ausgeschlossen werden soll. Die Zahl der Einwanderer in Palästina ver anschlagte Wcizmann für das erste Jahr auf etwa 50 000. Er betonte die Notwendigkeit einer freundschaftlichen Zu sammenarbeit mit den Arabern, gedachte dann der Opfer der Ausschreitungen in Jerusalem und appellierte unter an* haltendem lebhaftem Beifall seitens der Konferenz an die Verwaltung Palästinas, daß das jüdische Regiment int Lande belassen werde, und daß Jabotinsky und die übrigen im Zusammenhänge mit den Jerusalemer Vorfällen verhafteten Juden auf freien Fuß gesetzt werden. Die mit sehr großem Beifall aafgeuommenen Ausführungen schloß Welzmann damit, daß er alle Juden der ganzen Welt zur gemeinsamen Arbeit aufrief. Hierauf ergriff Ussischkin das Wort. Er fordert vier Millionen Pfrnd für die Einwanderung von wenigstens 30000 Juden im'ersten Jahre. Er gab der Konferenz unter anderem bekannt, daß der neuernannte Oberkommissar Herbert Samuel erklärt habe, weder er noch die anderen in der Verwaltung Palästinas wirkenden Juden würden am Samstag arbeiten. mit insbesondere Auslassungen des Lortl Curzon'zur Frage des Bodeiienverbs. In dem Bericht der ״Times“, den wir in letzter Nummer veröffentlichten, kam das nicht völlig zum Ausdruck. Nach anderer Quelle hat Cur/on folgendes gesagt: ״Es war ein anderer Punkt, über den ich gefragt worden bin. Niclitjüdische Grundbesitzer werden nicht enteignet oder gezwungen werden, ihren Besitz zugunsten der Juden lier/iigelu'ii. Di״ Administration wird sich das Recht Vorbehalten, die natürlichen Hilt's1|ucllcn des Landes unter solchen Bedingungen zu entwickeln, die ihr am besten erscheinen werden. Es wird jüd i s e h e r U!11 e r n c h in u 11 g s 1 u s t ü b erlass c tt bleiben, s i c 1t auf dem offenen Markt und zu gleichen Bedingungen mit n i c h t j ü d i sehen Käufern s o1c he Ländereien zu erw erhen, die unbebaut, aber beba u u 11 g s - fähig sind. Für die Entwicklung dieser Ländereien wird es den Käufern überlassen bleiben, sich ihre eigenen Arbeitskräfte zu sichern, und nur wenn die Regierung Cirimd zu der Vermutung hat, daß organisierte Anstrengungen gemacht werden sollten, um die Errichtung eines jüdischen nationalen Heimes zu verhindern, könnte die Ergreifung besonderer Maßnahmen für notwendig erachtet werden, um dieses zu sichern.“ . Wenn diese Lesart der Worte C'urzons autlientisch ist, so bestände in der Tat in einer der grundlegeiuistcn Fragen des Aufbatis eine sch wer wiege nde Divergenz, zwischen der Auffassung 11er englischen Regierung und der unseren. Aclmlidi könnte cs in der Frage der Einwanderung liegen, wenn Rede- Wendungen, wie die, daß ״Masseneinwamiertmg irgendwelcher Art" und Zuwanderung ״unbotmäßiger" Eiemente verboten sein wird, Auslegungen erfahren dürfen, wie sie von amizionistischer Seite ihnen gegeben werden. Wir sprechen das bereits heute aus, glauben uns aber jeder weiteren Aetißcrung enthalten zu sollen, bis wir uns über Wortlaut und Sinn der Rede Gur/ons zuverlässig informiert haben. Im übrigen aber, und das muß mit allem Nachdruck gesagt werden, sind die zionistischen Er- Wartungen bisher in nichts enttäuscht worden und konnten es nicht werden, da von uns immer nur das erwartet worden ist, was unter einigermaßen günstigen Verhältnissen erwartet werden konnte, und weil wir stets hdoiil haben, daß die entscheidende» Dinge nicht voll anderen, sondern von uns aus zu schaffen seien. Aus diesem Grunde wird auch nicht in Erfüllung gehen, was im Oberhaus gesagt wurde, daß nämlich Herbert Samuel in einem halben Jahre bei den Juden reichlich so unbeliebt sein werde, wie heute bei den Arabern. Wir glauben das nicht, denn wir erwarten auch von Herbert Samuel nur das Mögliche und sind uns der Grenzen dessen bewußt. Wir wissen, daß der Manu, den Kanonensalut und Ehrenkompagnien empfangen, nicht als Vertreter des jüdischen Volkes, sondern als Repräsentant des britischen Reiches eingezogen ist und erkennen die Schwierigkeit seiner Aufgäbe viel zu klar, also daß wir von ihm Dinge erwarten könnten, die im Widerspruch zur Natur dieser Aufgabe stehen. Wir wissen, daß ein unbeugsames Gercchtigkeitsgefühl, das weder durch Sympathie noch durch Antisympathie beeinflußt wird," die hervorragendste Eigenschaft des ersten Mannes im Lande *ein muß. Wir wissen, daß wir Herbert Samuel nicht einfach als ״unseren" Mann reklamieren können und gerade w e i I wir als Menschen und Juden alles Vertrauen zu ihm haben, werden wir unter allen Umständen seine Stellung zu respektieren wissen, die ihn über die Parteien stellt. Wir erwarten also;uch von Herbert Samuel nur ilas, was wir von jeher von außen nur erwarten konnten: das Schaffen von Möglichkeiten. Das Werk der Ver« irklichung ist und bleibt Sache des j u di sch cu Volkes, von der ihm weder Kleine^ noch Großes abgenommen werden kann Von diesem Gefühl hoffen wir unsere .Abgesandten durchdrungen, die in diesen Tagen in London die Fragen des Aufbaues beraten. Wie den leider sehr spärlichen Berichten über den bisherigen Verlaut der Jahreskonfereuz zu entnehmen ist, will man die fachlichen Fragen des Aufbaus einer besonderen Palästina-Konferenz zuweisen. Es bliebe dann als gegenwärtiges Hauptthema die grundlegende Frage der Aufbringung der Mittel. Das scheint uns Aon symptomatischer Bedeutung. Was wir an Hoffnungen oder Befürchtungen auch hegen: entscheidend ist die Antwort, die wir selbst auf die Frage unseres Könnens gegeben werden. Möglich'- keiten, die nicht oder noch nicht da sind, können von uns herbeigezwtnigeii werden. Verpaßte Möglichkeiten aber sind verlorene Schlachten. B e r e i t s ei n i s t a 11 e s! C.Z. K. Erez-Israel Ein anderes Stimmungsbild als das trübe, welches wir in Nr. 44 der ״Jüdischen Rundschau“ brachten, gibt ein Brief, den dk• ״Selbstwehr“ in Prag veröffentlicht. Es zeigt, wie befreiend der Beschluß von San Remo auf die jüdischen Mensehen in Ercz-lsrael gewirkt hat und berichtet von einer geradezu beispiellosen Opferbereitschaft, die den Zionisten im Gallith ein ansporiiendes Vorbild sein sollte liebe Freunde! lunnlainpe im Zimmer, eben hat eine Gesellschaft 'יי '20 Menschen uns verlassen und cs drangt midi. Ett zu sagen, wie glücklich man in Erez-lsrael sein kar Ich weiß nicht, oh cs mir gelingen wird, Euch die Menschen zu schildern, die eben da waren, Euch ein׳ Begriff davon zu geben, was das beißt, palästincnsisc' Arbeiter — wieviel Sorgen und Verantwortungen 11 Streitigkeiten und doch wieder, wie viel Glück d Arbeit, wie viel Freude der Hingebung, wie viel ״ro elementare Lustigkeit in diesen Menschen offenbar vc< den kann. Welche wunderbare Menschen haben v kennen gelernt! Erst jetzt fühle ich, wie reich u in all unserer Not und Armut sind! Und welche E tachhcit, welche Schlichtheit, welche Dumpfheit dies Menschen 1 So lernte ich heute vormittag de״ Führer 11 hiesigen Poale-Zion, Jabnieli, dessen Aufsätze über d Hebräische ihr im ״Juden“ vielleicht gelesen lial kennen; dieser Mensch, in seiner ganzen Sclilichthc hat jetzt eine ungemein schwierige Aufgabe auf si genommen: Er hat sich zum Mund der stumm sozusagen stummen Jemeniten gemacht und vertritt ih Fordeningen gegenüber der zkmistisd.cn 03 ei tl e ke.t, der ziomst,sehen Regierung hier, die eben» köttsi I i I i k

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