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Jüdische Rundschau · 1920-07-09 · Heft 45 (9.7.1920) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 45 (9.7.1920)
Date
1920-07-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Jftbrj Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die £Ä3fc3ser-•״••*־■ -־ --—-■- ■-■- -- - ״״— — Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. ״Baseler Programm.“ Unsere Jugend Gefahr: die erade dann J.aier IVwcgmig droht eine tödliche Ceher a Her ״ n g. Sie pflogt meist; t mzuUctcn, wenn gewisse;iiiHccc Erfolge <Icut Ciedanken der Bewegung vor der Allgemeinheit eine gewisse Geltung verschallt haben, wenn der Aufbau der < irgnnisatiun mehr oder minder vollendet ist, kur/, wenn die Idee aus dem Stadium des Kampfes in das der \ vrw irklieluing über/uge■heu beginnt. 111 diesem krin sehen Zeitpunkt pflegt sich /u erweisen, dali die Cic• neration, welche diesen Kampf geführt, diese Organisition gehaut, ilicse Erfolge gezeitigt hat, darüber alt geworden ist, daß sie das natürliche licdürfiüs empfindet, von jungen Menschen, in denen Geist von ihrem Geist teht, in ihrem Werk abgolöst zu werden. Wenn 11.11111 diese Jugend der Bewegung fehlt, wenn die Falmc nicht von jungen mul starken 1 landen übernommen wfrei, ist es mit der Bewegung vorbei. Und mögen alle ihre I:.1׳gra11u׳u Feuergeister bleiheu b׳,s an den lag ihres Fiuhs; einmal sterben sie und mit ihnen die Bewegung. Wer dm letzten I Velegiertentag der deutschen Z.ionisten 1'iUht 11:1t, konnte den Eindruck gewinnen, als bestünde für uns eher das entgegengesetzte l’rohlem. Die Jugend war auf dieser Tagung schau 1 ein zahlenmäßig sehr stark vertreten. Sie ״beherrschte“, wie inanriu• Acltere mit einem gewissen Mißbehagen nsisteiiti :11, die Situation. Sic ״terrorisierte", wie \mlere entrüstet klagten, den ganzen 1 k'legicilentag. Sie trug ihre Anschauungen mit viel Temperament vor, sie war sich der in ihren Händen befindlichen parlaineutarisdien Kampfmittel bewußt und machte von ihnen einen vielleicht etwas zu selbstbewußten Gebrauch. Die imlerc Seite empfindet die Art dieser Jugend zuweilen ,ds zu briisk um! unüberlegt, wirft ihr Phrascntmn und Woi'Urutikuhsmus vor, spricht von Anmaßung mul Unreife. Dali zwischen Aeltereu und Jungen im deutschen /loiiis.'.o.'s gewisse (iegeiis.il/X bestehen, ist eia Pro- Mein, dessen Diskussion in aller (X'ft'eutlichkeit von beiden Seiten als Notwendigkeit empfunden werden sollte. Wir sind den Klippen der Geheimtuerei und des Konveutikchis stets aus dem Wege gegangen. In dieser Frage ist Klarheit und Offenheit besonders notwendig, wäre es besonders gefährlich, wenn Miß- י ei stäiuliiN oder Ressentiment jene 1M1ilefinier.ha.re Stimmung des Mißtrauens schaffen dürften, die eine Verständig 1111!•׳ späterhin äußerst schwer, wenn nicht umnöglieh 111:11-111. Seien wir uns zunächst einig darüber, daß, so bed.mcdidi ein Streit zwischen Jung und Alt auch sein mag, für die Bewegung etwas überaus Ermutigendes, U •schwingendes darin liegen muß, daß eine streitbare Jugend via ist, die sich auch vor inneren Kämpfen nicht scheut. Wenn es hei uns Aeltere gehen sollte, denen die Vitalität unserer Jugend Unbehagen bereitet, so darf mau sie bitten, sieb andere ״Bewegungen“,;|u!11 s!!che ituierhalh der jüdischen Welt, anzusehen, deiien die l Iiiliequeuilielikeiteu solcher Auseinander- Setzungen erspart bleiben, weil sie keinen Nachwuchs haben, der ״unbequem“ werden könnte. Man darf muh daran erinnern, wie sehr gerade sie, die Ackeren, dis Schweigewicht unserer Propaganda auf die Ge- "Innung junger Menschen gelegt wissen wollten und ׳!.ui noch nachträglich der richtigen Erkenntnis Beifall zollen, die in so vortrefflicher Weise vier Bewegung die Zukunft sicherte. Ktir/iim, mau wird allem ״Aergernis“ das unsere Jugend scheinbar oder wirklich gegeben hat, die I retide ganz, einfach darüber gegcnüberstelien dürfen, '!,di diese Jugend da ist, daß sie unser ist, daß "ir eine zahlreiche, aktive, vom zionistischen Gedanken ganz, erfüllte Jugend besitzen! ן Und min: was ists zwischen unseren Aeltereu und unseren Jugen? Wie äußert sich der ewige, tiaturgegebene Antagonismus zwischen dem werdenden und dem gewordenen Menschen int Eeben unserer Organi- : Vx'iv ',״dlich verhüten wir, dal! Gegensätze, , ״> deren.Natürlichkeit schm die Möglichkeit des Aus- . «leielis eiugvselitnsscn liegt, sieh künstlich so vertiefen,; zu ou״• Gefahr werden? W as u: melier von der älteren Generatioirdcr jüngeren V»("u|t, isi Auslegung der ziouistisdien Forderung, j, 11111 Bru-bener Radikalismus, also ״Wort-Radika- 1'1׳mix * empfunden wird. Sk׳, die mit Recht vermeinten 'וי er ormiilimmg des Baseler I ’rogr.nnms einen jü- ,1"•'•heu Imperativ voll revolutionärer Kraft zu bejahen,־ ״«<*ne״ nicht so leicht verstehen, daß man das Streben 'jtch 41er ״rechtlich gesicherten 1 leimstaUe für das jü- ,״sehe Volk“ zu einer Pcrsönlichkeitsaufgahe gcsialteu ">usse, aus der sieh jene gruudstürzende Neueinstelltuig i »He n Fragen des Lebens, wie sie unsere Jugend | v«u sicli und anderen fordert, ergibt. Ganz, erfüllt 011' ן der Ehrlichkeit ihres zionistischen Wolfens, werden | sh! dessen iniR•, *laß es Muren, die int Berufsleben stellen w'd seinen Anforderungen gerecht werden müssen, nid» gegeben ist, den Radikalismus der Jugend zu bejahen. Aus der Lauterkeit ihres Wolfens und der Bedingtheit ihres Könnens erwächst der Konflikt. Nie protestieren dagegen, eiaß man das Maß des Könnens z.um Kiiterimn der Gesinnung macht, und daß ihr Zionismus der Jugend als eine Angelegenheit minderen Grades erscheint. No sind jene merkwürdigen Debatten zustatuie gekommen,, die sich um die Frage drehen, was ״noch nicht und was ״schon nicht mehr“ Zionismus sei. Der Jugend gegenüber, der ein Ueberschiit/cii des eigenen Wullens natürlich ist, muß mit allein Nachdruck betont werden, *laß sie kein Recht hat, die Ehrlichkeit und Intensität des zionistischen Wollen* derer zu hekritteln, die früher als sie und unter ganz, anderen, ungleich schwierigeren Voraussetzungen in die Bewegütig ciugetreten sind. Unsere jungen Menschen mögen sieh doch einmal recht klar dessen bewußt werden, daß sie als erste Generation den großen Vorteil genießen i m Zionismus atifzuwachen. Besonders gilt das für alle diejenigen, die in frühester Jugend eine zionistische Erzieht!iigsgemciuschaft gefunden haben. Sie hatten es leicht, von gewissen Hemmungen der älteren Generatioii als von Rudimenten einer ״überwundenen“ Epoche zu sprechen. Denn überwunden haben die Aelt ereil dieses Stadium der reinen Propaganda, selbst wenn der Einzelne seine Spuren noch trägt. Für die Jungen gab es da nichts zu ״überwinden“, ihr Zbnismus trägt, — dank der Arbeit der vuraufgegangeuen Generation, -׳ bereits in höherem Maße Merkmale des Selbstverständlichen und Natürlichen. Wenn diese unter relativ so günstigen Verhältnissen bereits im Zionismus aufgewadisene Jugend kein Verständnis juibringt für die Lage derjenigen, die erst z, u m Zionismus kommen mußten, so beweist sie damit einen bedauerlichen Mangel au historischem Blick. Unsere Jugend muß sich darüber klar sein, daß, wenn objektiv betrachtet ihre Daseins(,)rin einen Fortschritt in vier Richtung der Intensivierung des jüdischen Lebens bedeutet, dieser Fortschritt mir zum Teil ihre eigene Leistung ist, daß er eben auch im Zuge der Entwicklung lag. Sie hat das Glück, in jenem Zeitpunkt Trägerin der zionistischen Zukunft geworden zu seit!, in der dank der Arbeit der Alten die objektiven Möglichkeiten für eine Neugestaltung des Lebens durch die Jugend vorhanden sind. Wenn heute bei uns die hebräische Bewegung oder die lieriifstunsdiichtung wirkliehe Erfolge erzielen können, so darf nicht vergessen werden, daß die Voraussetzung hierfür das Vor- 11 a n d e n s c i n jener arbeitsfähigen und gutfundierten Organisation ist, welche die ältere Generation geschaffen 11 nt. Die Jugend darf dies ebensowenig vergessen, wie die Aelteren übersehen dürfen, daß ihre eigene Schöpfung n»r dann Sinn hat, wenn sie sich nicht als letzten Selbstzweck betrachtet, s o 11 *lern sich d e r Aufgabe b e w u ß t bleibt, der B c w e g u n g 7. u d i e 11 e n. Wir sehen in unserer Jugend die ״ewige Glückschance“ des jüdischen Volkes, aber das bedeutet zunächst nicht mehr als die Feststellung, daß im physisehen Regenerationsprozeß die Möglichkeit des Vorsdireilens in der Richtung auf das geistige Ziel gegeben ist. Die Jagend ist unsere Verheißung: ob sie auch Erfüllung bedeutet, muß sie in fast allem noch erst erweisen. Sie wird fordern, *lall 1n.au ihr dazu Zeit lasse, und man wird ihr Zeit dazu geben müssen. So unrecht die Jugend also mit ihrer verallgememdernden Kritik des zionistbchcri Wollen* der Aclteren hat*), so sehr ist sie befugt, sich die Ziele ihres nationalen Strcbcns nach Verwirklichung so hoch als irgend möglich zu stecken. Das ist nicht nur ihr Recht: *las ist ihre Pf licht! Und Pflicht der zionistischen Politik muß es stets bleiben, sielt immer auf die weiterfülirende, vorwärtsdrängende Forderung cinzuslclien und sich nicht mit dem Beharren auf Standpunkten zu begnügen, mit denen sich zu bescheiden Einzelne vielleicht *las Recht haben, die aber für die Bewegung unannehmbar sind, weil es für sie kein St eh eivbJcibcn geben darf! Hier gilt, was Blumen fehl zum׳ Ausdruck brachte, als er. in seinem Referat auf dem Delegiertentag sagte; ״Von vornherein sei zugegeben, «laß sehr viele Zionisten, vermutlich die große Mehrheit, den Anfivrdenutgen der Bewegung, die durch die eigene menschliche Tat das jüdische Leben und das jüdische Land zu gestalten hofft, nicht gerecht werden. Niemandern kann daraus ein Vorwurf gemacht werden, jeder von uns kann den Bedingungen des Lebens erliegen, und viele ausgezeichnete Menschen sehen allmählich ein, daß ihr Wille den Widerständen nicht gewachsen ist. Sie finden sich mit den Verhältnissen ab und begnügen sieh damit, helfend und fördernd der Organisation zu dienen. Moralische Forderungen muß man vor allem an sich seihst stellen und niemanden sei es als Schuld angerechnet, daß er nicht zur porsön* liehen Verwirklichung seiner zionistische» Idee gelangt. Soll nun aber die Zionistische Organis a t i o n auf *len T e i l z u g e s c 11 n 111 e u w e 1־ ׳ d e u\ d e r d och selbst« nt p 1 i 1> ״ e ״ m וי ß . 11;1 11 es verlorene zionistische• Chancen ‘ ״ sein e in Leben gibt, o *1 e r a u I den Teil, der dur'clt sein Leben die Bewegung sichtbar werden läßt? ich glaube, daß in der Tat alle zionistische Arbeit nur *len Sinn haben kann, nur darauf eingerichtet sein kann, den Kreis der Menschen zu stärken und zu vergrößern, die selbst *I e n A u f i> a u 11 e s jüdischen Lehens in Palästina und im Ualuth unternehmen wollen, ohne Rücksicht daran(, ob die Zeitstvoinung ihnen günstig ist, ob die Anforderungen der Umgebung es gestatten, und ob die vermeintlichen Gesetze riet׳ Entwicklung nicht andere Maßnahmen ei forderlich inaelten." Für die Bewegung ist der Radikalismus der Jugend eine L e b c » s 11 o t w e n d i g k e i t. Gerade in dieser Unbedingtlidt des Wollen* liegt das Verheißende, Line Jugend, die nicht das Letzte und Höchste will, wird nicht einmal zu Durchschnittsleistungen gelangen, üaru.» sollte grade die älteix• Generation es mit Freude he• grüßen, daß in unserer Jugend der Geist der Chainziutli lebt, der Geist der unbedingten Hingabe au die nationale Aufgabe unter Hintansetzung aller persönliehen Wünsche und Interessen. Freilich wird u tiscrr J ug e n d ihre C11 a 1 u /.i 111!1 erst 11 oc 11 erweisen müssen, in Europa kann man nur ein Cliahiz werden wollen, 111a« wird es nur in Erezisreal. Auch die C11 a 111 z i u 1 h u 11 s e rer Jugend ist erst eine VerheiBungt Haben wir einmal die prinzipielle Gruiideüistellung zum Problem unserer Jugend und ihres Radikalismus gt Wonnen, so braucht 1ms um die Losung der Frage nicht bange zu sein. Wenn wir erkennen, daß die Jugend das Recht und die Pflicht hat, die zionistische Forderung im Sinne einer Unterordnung ihres gesamten Lebens unter die nationalen Notwendigkeiten aufztifassen, so weiden wir nicht auf dm Gedanken kommen, etwas geringeres als dieses ihr zuui Ziel setzen zu wollen, ihr Streben nach den Maßstäben früherer Zeit zu normalisiercu. Wir werden ihr das Recht nihilligeu, der ״schrillliehen!.ehre“ des Baseler Programms diejenige ״numdliehe Interpretation“ zu geben, die der Jugend gemäß ist. Vor den großen Aufgaben der allernächsten Zukunft stehen die Aeltereu und die -Jugend vorläufig noch im gleichen Maße als Schuldner. Letzten Endes wird der Respekt der Jugend vor de‘111 Alter und die Freude des Alters an der Jugend von den Leistungen beider abhängen. Im Augenblick, da unsere Jungen nach Ercz-lsracl gehen, wird es vom ״Radikalismus dei Worte“ still werden. Daß sie gehen werden, wissen wir alle. Die Aeltereu aber müssen einen viel erheblichere(! Opfermut als bisher erweisen, werden wirkliche materielle Opfer, Opfer großen Stils bringen müssen, um in der Jugend die Ueber/etigiutg lebendig zu erhalten, daß auch ihnen das Bekenntnis zum Zionismus keinen andern Sinn birgt als den: trotz d er Lj r e n / e 11 *I e s Letzte leisten zu M ö g 11 c h 0 n •d a s w olle n. Z K. *) Kritik an Einzelnen wird immer möglich und notig sein, trifft aber Alte und Junge in gleicher Weise, Herbert Samuels Ankunft in Erez-Israel Jaffa, den 2. Juli. Der Oberkommissar für Palästina, Sir Herbert Sam 11 e 1, landete heute, morgens 11 Uhr, m Jaffa. I >ie Strandbatterien feuerten den Ehiensalitt, der von dem Kreuzer erwidert wurde. Die Vertreter der englischen Militärbehörden unter Oberst Storrs, sowie eine z\nzahl von Beamten, die Konsuln, die Mitglieder der Zionistischen Kommission und führende Persönlichkeiten der jafiäer Stadtverwaltung waren zu seinem Empfang zugegen. Nach dem Abschreiteu der Elireiikoinpagiiie überreichte der Bürgermeister von Jalta eine Willkonimenadresse, und Herr Diezingoff als Vertreter von l\i Awiv eine solche in hebräischer Sprache. Sir Herbert Samuel antwortete, er sei stolz, der Vertreter Seiner Majestät im Heiligen Lande zu sein. Seine Verwaltung werde es sich zum Ziel setzen, unparteiisches Wohlwollen allen Kreisen der Bevölkerung gegenüber zu heweisen. Er kündigte an, daß er Vertreter von Haifa und Jerusalem zu sich bitten würde, um auch ihnen die königliche Botschaft zu verlesen. Der Oberkomniissar begab sich daun im Wagen nach Lud, von wo die Abreise nach Jerusalem erfolgte. In der Stadt säumte eine riesige Menschenmenge die Straßen, Balkons und Dächer, und wartete stundenlang auf 1 ierbert Samuels Ankunft. Dieser wurde am Bahnhof von General Co st eil o und Vertretern der Jerusalemer Stadtgemeinde empfangen, die eine Adresse an ihn richteten. Um 3'/a Uhr erreichte der Oberkomniissar sein Hauptquartier, wo er von General Bol* und *einem Stabe empfangen wurde.

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