Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXV (1920)
- Issue
- Heft 44 (6.7.1920)
- Date
- 1920-07-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Fllr Ticiiacha.lowakei: Poat.park••«"״•״»! rraj. 190510 Nr. 156 030. R«l«ktiaa..d>tua Sonnt.» und MiltwoA furtiantta». 20. Thammus 5680 XXV. Jahrg. Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. ״Baseler Programm.“ Die Ergebnisse des Delegiertentages Die theoretischen Auseinandersetzungen über den Sinn timl .iic i״«ntli'ri 1 4!ווt*n unseres nationalen Gedankens, du• Iriiln ii 1,1;;11!1):1׳(t der deutschen Zionisten bchcnstli■ n11־, hahen aueli :tu!' dem letzten DelegicrU-iitag nicht gefehlt. Das 1•’•;(erat ' BhtmenfekU ein« ausführluhc und /usainmenfasseiule Darstellung der hierher ״clioi'ciiden < icilankeiigängc. Fs kann fesit״cstellt werden, daß die von ihm wiedergegebenen Anschauungen .1,11 dem übei wiegemleu Teil der deutsdien /iimisteii imlieitlich gebilligt werden. Der deutsche Zionismus «.!eilt in der radikalen Auffassung des nationalen < iedaiikeiis die Grundlage für alle Zweite zionistischer Eiligkeit. I'eherall muß die Tendenz zum vollen nationalen leben bedimmeud sein. Wenn ilie :inIWrcn Bedingungen des l.ebeus in den Landern des Galutlt die l'ntfahiiug unserer nationalen Existenz eüischr.iiikcii, so werden wir, mit dem für jede [tolitiselie Bewegung gebotenen Respekt vor Tatsachen, diesen Bedingungen U'ecimmig tragen. Aber wir werden in den von außen .111 lins hei .uiti'eteuileii liegren/eiiden Notwendigkeiten des (ialiithlehens niemals Ziele jüdischer F.ntwick- Inno erblicken können. Wenn wir den nationalen Kräften häufig auf nur engen (iebieten Spielraum gewähren können, so wissen wir, daß wir 1ms l'.cseheideii iniissen. ILis bedeutet für uns, wie Lichtheim sehr treffend ,lusführte, einen Verzicht. Ein Gefühl des Bedauerns muH jede Ftiieiigung eines nationalen Programms für die Lander des Galtdli begleiten, auch wenn wit ihre Notwendigkeit sehr deutlich erkennen und auerkeiuien. Wenn die zionistische (irumlauffassuiig uuelimals 1 rortert wurde und zu dem liier wiediTgegebi'iieu Ergebnts führte•, so ״ab diese Auseinandersetzung dem I felcgierteiit.ig doch nicht mehr, wie es früher meist der Eai! war, den allem bestimmenden Charakter. Neben der theoretischen Diskussion nahmen Erörteriuigen der praktischen Arbeit einen breiten Raum ein. Das ist in der Zeit, in der der Beginn zionistischer iVcii.iags.ir.'/cü mit allen ihren Einzelheiten unmittelbar bevorsteht, eine .Selbstverständlichkeit. Jeder Zionist wird die Besprechung der praktischen Fragen begrüben, jeder wird cs mit Frciide empfinden, dali diese Fragen es sind, die jetzt als dringend empfunden werden tmd das Intel esse in Anspruch nehmen.. Die Hutwickhmg iiiiscm־ Tagungen wird sieh zweifellos weiter in diesem 511111c vollziehen. So kann vielleicht die Erwartung nusgesprochen werden, dall die erwähnten grundsätzlichen Viiseinamlersetzuiigen über die ideellen Voraussetzungen unserer Arbeit zum letzten Mal auf einem Delegiertentage notwendig waren. Die Beschlüsse, die diesmal den praktischen!׳ragen gewidmet waren, eind zahlreich tmd auf mannigfache Dehieie verteilt. Die Forderung der schleimigen Einbenihmg des Kongresses nach einem Orte Mitteleuropas entspricht einem Bedürfnis, das nach , der Verlegung der Jahreskuiilercitz nach London für die gesamte zionistische Tätigkeit, für die Erhaltung und Regehm!1 miM'irr gesteigerten Arheitsenergieeii als besonders diiiigend empfunden wird. Die Aufträge, die den Delegierten der Z. V. f. 1). nn die Jahreskoiifcreiiz erteilt worden sind, enthalten :׳im• iTklänmg von erheblicher Bedeutung für die (ie- ״!.!Innig des Kolouisatioiiswerkes. Das Verlangen nach Aufhebung aller für die Einwanderung bestehenden Mir.mkcn ist mit der Anerkennung und besomlcren I lervorbehung der öialuzbcw’cgung verbunden worden. Der Delegiertcntag hat in den Scharen junger Mensehen, die entschlossen sind, ihr persönliches Lehen in I rez-lsrael nach den Forderungen der antircaleo Aufgäbe eiiizurichteu, den Kern und das zuverlässigste Flemcnt der Einwanderung gesehen. Der deutsche Ztonisums winl demgemäß die Forderung der Chaluzbcwegung nicht nur um der Gesamtbewcgung verlangen, sondern auch im eigenen Tätigkeitskreise alle Anstrengmigen maeheu, um Chalu/.im auszubiklcn und an ihr AvJ zu bringen. In enger Beziehung zu diesen Fragen stehen die Debatten und Beschlüsse, die sich mit der oerttfsv< 1 rlH'reitnng beschäftigten.• Wenn die deutschen 1״nisten es heute als ihre Rflicltt ansehen, Ausbildung*- 1'‘1•g'ichkeuen zu schaffen, die unserer Jugend die d 'U'it krch.cu »»II‘■•«». auch ihr Berufsleben ganz (l', m1'"'1'11׳e11 Ziel uutcr/uordncn, so dienen sie einer;1:;r ״'uhu«sten nationalen Aufgaben, berücksichtigen u'i'nl Korli'iut'rk‘0'^ ״“ist'sclten Ansprüche der Jugend suirkeii deren Verbindung mit der Organisation. n-ltkr ‘י״ allgemeinen wird die Eineines Palästina- und Emigrationsamtes in etüseliland dienen, dessen Arbeitsgebiete genau um- < trieben worden sind. Achnlichc Aemter sollen ja auch '111üeren Ländern eingerichtet werden. Man wird l "״ Aufbau dieser Aemter darajt zu denken liaben״ '•in zum mindesten für zwei Abteilungen, von denen Information und die Regelung der Aus- und Durch- "׳Äntkrung zu bearbeiten sind, iiberidl gleichartige Auf- Erklärungen Lord Courzons zur Palästina-Frage Amsterdam, 30. Juit. (W. T. B.) im Oberltause fragte gestern Lonl S v d e 11 h a m , in welcher Weise in Palästina, das unter englischem Proteklorat ztt einer nationalen Heimstätte der Juden gemacht werden solle, die Rechte der nichtjüdischen Mehrheit der Bevölkerung geschützt werden würde״. Lord Newton brachte wiederum die Frage der in Aegypten internierten Palästinadeutschen zur Sprache. 111 seiner Antwort sagte der Staatssekretär des Aetillern, 1.0 rd Curzoii, die deutschen und die österreichischen Kolonisten in Palästina seien nach der Besetzung des Landes aus militärischen Gründe» in Aegypten interniert worden Einige davon seien auf eigenen Wunsch nach Deutschland zuriiekgekehrt, andere, die wieder nach Palästina zu gehen wünschten, würden oriltuingsgemäl) dorthin gebracht. Auf die Lage in Palästina übergehend, betonte Curzoii zunächst, dall England kein ‘finanzielles Interesse an dem Linde habe. Dann hob er den strategischen Wert, den das Land habe, hervor, und sagte, es werde beinahe allgemein gewünscht, dali England m Palästina bleibe. Was die F-rage L o rd S y d e 1111 a m s a 11 g e 11 e , s o hält e n A r a ber u 11 d T ii r k e 11 b e w i e s e 11, d a 11 sie u 11 f ä 11 i g w a r e 11, d a s F a 11 d z 11 e n t w i c k e 111, u 11 d 11 a h e r sei d e n J u d e 11 Gelegenheit g e gebe n w 0 r - den, diese Aufgabe auf sich zu nehmen. Die Regierung hoffe, die Rechte der nicht jüdischen Mehrheit der Bevölkerung durch . Einsetzung einer zivilen Regierung zu wahren, die für die innere Sicherheit und Entwicklung des Landes nt sorgen habe Die «berste Rcgieruugsgcwalt werde nicht durch die jüdische Mchilieit, sondern durch die Mandatarmacht (irolibrit.innien ansgeübt. In der Eiiivvanderungsfrage werde die allgemeine Politik der Regierung dahin gelten, keine Einwanderer zuziilassen, für die das Land keinen Unterhalt biete. Sir Herbert Samuel, der dieser Tage als Oberkonimixsar ciutreffeu werde, sei auf eirund seiner Erf.ilmmgen und seiner Gerechtigkeit die geeignete Person■ lichkeit für die Behebung aller Schwierigkeiten I t! 11 d o 11 (J ( B.). im Verl.nife der Debatte im englischen tJnterhnusc über den Völkerbund iuter• pellierle Mr. Astjiiith über den gegenwärtigen Stand der Paläslinafrage und führte aus: ״Es verlautet, dal) Abmachungen bezüglich der zukünftigen Verwaltung Palä• stiiias auf Grundlage des britischen Mandates getroffen worden sind, als deren Ergebnis die Ernennung meines gewesenen Kollegen Sir Herbert Samuels eines ausgezeichneten und hochgeschätzte» Mannes und für welchen [,osten kein anderer so geeignet wäre, zu betrachten sei. Derselbe ist übrigens bereits nach Palästina abgefahren. Ich habe vom Hörensagen etwas über die Bestimmungen des Mandates vernommen und erlaube mir daher ,u1z.11fragen ob diese dem Völkerbünde unterbreitet worden sind oder ob sie vom Völkerbünde England vorgelegt wurde. Geht Sir Samuel nach Palästina als Mandatar des Völkerbundes oder als britischer Beamter, um im heiligen Lande seine Aufgabe nicht für den Völkerbund sondern für die britische Regierung zu erfüllen.'־ Die Regierung hat diese Anfragen noch nicht be antwortet. galten entstehen werden. Der vom Delegiertcntag angenommene Antrag wird deswegen das Verlangen nach einer einheitlichen Gliederung dieser Aemter, nach Leit u n g u n d A 11 w e i s u u g d e s M a t c r i a I s und der A r 11 e i t s 111 c t h o d e 11 durch ei n c Zentralsteile der g e s a m t e 11 P a I ii s t i n a - A r b e i t zur Folge halten. Wir spüren liier die Anfänge einer jüdischeu Verwaltung, die Gesamtheitsaufgaben einheitlich nach den von der Gesamtheit fcstgcstclltcu Anschauungen lind in zAvecktiiäbigtT Organisation regelt. Für die l,aJiisti״a-Arbeit ist weiter von erheblicher Bedeutung die A1111,ahme der Soskiuschen Resolutionen in Gner von Auerbach vorgeschlageiieii Formulierung, die inhaltlich keine Aeiiderung bedeutet, sondern mir die Möglichkeit von Miltvorständuisson in manchen Punkten beseitigt. Die deutsdien Zionisten haben sieh damit für die Nationalisierung des gesamten Bodens in Palästina ausgesprochen. Sic haben ferner das Prinzip der Kleinsiedelung als Grundlage unserer Landwirtschaftliehen Kolonisation anerkannt, sicher nicht zuletzt be־- stimmt durch die sozialen Vorzüge dieser Methode., die in ihrem Wirkungskreise die Lohnarbeit aussclultct. Die Arbeiten Soskius, die ganz neue Ausblicke für unser Kolojiisaiüonsu'ert eröffnet haben, sind durch die Annahme dieser Resolutionen voll gewürdigt worden. Die sehr erheblichen praktischen Folgen, die die Beachr tung dieser Beschlüsse für die Gestaltung der״ Kolonisa- Herbert Samuel beim Papst Reuter meldet aus Rom: Der Papst emptiu:; heute in Privataudienz den britischen Higli-Commissioner m Palästina, Sir Herbert Samuel, welcher sieh m Begleitimg seines Sekretärs und des britischen Bevollmäclltigteii beim Heiligen Stuhl befand. Sir Herbert Sa- inue! besuchte dann Kardinal (iasp.im. bei dem er eine halbe Stunde verweilte. Protest gegen das Verbot der palästinensischen Konstituante Aus Jaffa wird gemeldet: Auf der elften Sitzung des Waad Hasmani in Jaffa wurde unter anderem beschlossen, bei der englischen Regierung scharten Profest gegen das Verbot des Zusammentritts der Konutituante einzulegeit und tun die Erlaubnis der sofortigen Einberufung derselben ztr ersuchen. Bis /um Zusammentritt der Konstituante setzt der Waad Hasmani mit Sit/ in Jaffa seine Arbeiten fort. Oberrabbiner Löw enthaftet Wie die Wiener Morgcn/eitnng erfährt, hat die Budapester Obcrstaatsauwaltschalt ihre Zustimmung dazu erteilt, dali der S/cgediner Oherrabbiiier i>r. Immanuel Löw aus dem Gefängnis entlassen werde. Dr- Löw befindet sich in seiner Wohnung, die von der Polizei überwacht wird. Die Wahlen zur jüdischen Gemeinde in Wien Bei den Wahlen in den Vorstand der Wiener Kultus• gemeinde, die am 28. Juni statttanden, wurdet’ ge• wählt: 13 Zionisten (bisher 2), 20 Nichtjüdisch• nationale (bisher 31), 3 Orthodoxe (bisher 0) Wahl• berechtigt waren von 300 000 Juden 10 000. abgegeben wurden 10 553 Stimmen, davon 3711 für die Z.i miste״, 5012 für die NivliSjüdisehiiationaleii, SVS für die Orthodo\e11. Ungültig waren etwa 300 Stimmen. Gewählt sind die folgenden zi.nnstischeii Kandidaten: Ahg. Robert Stricker, Dr. Isidor Schall*, Dr. Jakob Ehrl tclt, Dr. Leopold PI a sch k es, Dr. Karl Pollak, Dr. Josef Auerbach, Rudolf T a 11 s s i g , Max Markus, I >r. Isidor Margulies, Dr. Desulcr Friedman», Siegmtiml Lp ler, Jakob Pinkas, Isidor Austerlitz. Der Erfolg, den die Nationaljttdeit Wiens duvoiigetragen haben, wäre noch erheblich größer gewesen, wenn das Wahlrecht nicht noch vollkommen reaktionär wäre. Da nur Juden ״deutsch-österreiehischer Staatsangehörigketi“ wählen durften, blieben nicht mir alle Ostjuden unbeteiligt, sondern auch eine sehr erhebliche Zahl von Gemeindemitgliedern, die aus andern Ländern der ehemaligen ITonaumonarchie stammen und heute als ״Ausländer“ gelten. Dr. llantke Schatzmeister der Zionistischen Organisation Herr Boris Goldberg ist von seinem Posten als Schatzmeister der Zionistischen Organisation zurückgetreten. Sein Nachfolger ist Herr Dr. Hautke, der sein Amt am 1. Juni angetreten hat. Herr Goldh1׳rg bleibt Chef des Palastinadcpartements für Handel und Industrie und wird auch weiterhin das Palästinabilliget revidieren. fion liaben wird, werden die beste Anerkennung für Soskius Leistungen heileuten. l.ine Reihe weiterer Beschlüsse iKsduftigt sielt mit amleren dringlichen Aufgaben. Die Kulurrirage, die Ostjuileiitiml soziale Arbeit wurden durch eine Reihe wertvoller Anregungen gefördert. Insbesondere auf dem Gebiete der Kulturarbeit ist die 1 )tircliiuhniug des Vorsdilags einer fachmännischen Leitung und einer planmäßigen Einteilung und Verstärkung der Kräfte notwendig. Auf dem Gebiete der Gemeindoarbeit ist die Annahme des Entwurfs ־für eine Gesamtorganisation der deufschcn Juden liervorzuheben. Besonders zahlreich sind die Beschlüsse für das Gebiet der Organisation. Sie konnten diesmal tair eine Reihe dringender Einzel fragen lösen, während eine systematische Bearhei- .יז -- .. '•VW.V.4V-* \tt_1l» I I IVI tag Vorbehalten werden mußte. Die heftigen Kämpfe auf dem Delegiertcntag haber wie man sieht, die Förderung unserer Arbeit nicli . verhindert. Die Ergebnisse des Delegiertentages gebet dem deutsdien Zionismus die Möglichkeit zu neuem reichhaltigem Wirken. Wenn uns aus tätigem Lebet in Kürze mute Aufgaben entstehen, wenn die Fült! der Arbeit uns zu neuem Suchen und neuen Lösimge zwingen wird, dann wird man sagen können, daß diese kampf- und arbeitsreiche Delegiertentag seiner Best im mung geweht geworden kt. M