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Jüdische Rundschau · 1920-06-23 · Heft 40 (23.6.1920) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 40 (23.6.1920)
Date
1920-06-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Seite 316 JUEDISCUE RUNDSCHAU Nr. 40 kommt, titul das worden auch unsere Delegierten sehen, wenn sie in der nächsten Woche sieh dort mit den nudcrcn treffen werden. Das lie;t nieln allein daran, daß London eine Riesenstadt ist, unendlich viel großer als Berlin, wo es nicht!;an/, so leicht ist, sich ein/ubürgern. Os liegt im wesentlichen daran, dal! jet/t die Verhältnisse im Zionismus ganz andere geworden sind. Die ruhige Tätigkeit von früher ist vorüber und die Beziehungen zu Palästina sind sehr enge geworden. Unsere Mitglieder sind dauernd auf der Reise nach Palästina; wirkliche Ruhe ist noch nicht eiligetreten. Viele heträchten auch London nicht als den dauernden Sitz, senilem als eine Etappe, ich inddite mit Nordall sagen, wenn auch in anderer Beziehung, als eine Art Nachtasyl. Diese Unruhe, die das Ongerc Actions-Goniite jeizt notwendigerweise erfüllt, betrifft auch den deutschen Zionismus. Wir sind in einer starken Umbildung begriffen, die frühere Ruhe ist für immer vorüber. Man ist in der Nähe eines Aufbruchs. Leider glauben das viele. Ich hin etwas skeptisch, ich glaube, ilali noch nicht so bald wirklich das Signal zum allgemeinen Aufbruch gegeben werden kann. Aber man sicht doch schon jetzt in greifbarer Nähe die Zeit, wo viele von uns ihren Weg nach Palästina finden werden. Das übt auf uns alle einen grollen Einfluß, der unsere ganze Tätigkeit erfüllt. Die alte Aura des politischen Zionismus ist dauernd vorüber. Cs war eine Zeit, die mit grober Energie alle Bestrebungen in einem Ziel vc reinte, und zwar mit außerordentlichem Erfolg. Ohne diese unsere politische Tätigkeit hätten wir das Ziel, das jetzt in greifbarer Nahe vor uns liegt, nicht erreicht. Aber auch im deutschen Judentum• selbst war der politische Zionismus, wie er von den deutschen Jiulen getrieben wurde, bahnbrechend. Mau kann sagen, dal! die Deutschen Zionisten erst das deutsche Judentum politisiert haben. Sie Italien es cuiporgerüttclt und siiitt noch auf dem Wege, und zweifellos werdefK sie aucl* daiin siegen. Sie werden das deutsche Judentum so .infriilleln, dal! es sieh politisch vollständig als Judentum fühlen wird, mul wenn sie wohl auch nicht dauernd die l'iihrung dabei werden behalten können, so sVhadet das nichts. Aber sicher ist es und sehr wünschenswert, dal! sic dahei stets׳ in den vordersten Reihen kämpfen werden. Die Politik wird im Zionismus nicht atifhören, sie und sieh mir auf andere Gebiete erstrecken müssen. Wir werden weit mehr als bisher Palästinapolitik treiben, und da w erden natürlich die' deutschen Zionisten als solche nur eine geringe Rolle spielen können, (ierade in Palästina wird ja auch die Politik eine Hauptrolle spielen. Ich erinnere nur an die Beziehungen zu den Arabern, an die Groii/polilik, an das Verhältnis zu den Engländern, an die Plage di'r Autonomie, an die vielen wirtsihaltspolitischen Tragen, Schule, Steuern, die finanzielle ITnge iisw. Alles dies sind Tragen der hohen und grollen Politik, die wir aller von hier aus nicht lösen können, die teils in England, teils aber nur »11 Palästina selbst zur Lösung gebracht werden können. Wir werden uns hier aber anderen Fragen zuwenden müssen, die von größter Bedeutung sind, nämlich den wirtschaftlichen und kulturellen Fragen, und unsere zio״ nistisclte Leitung duldet nicht nur unsere Tätigkeit auf diesen Gebieten, sondern sie wünscht und sie verlangt sie von uns. Die deutschen Zionisten warten nicht daraut, sondern sie haben schon selbständig diese Tätigkeit, die sie als wichtig für die Zukunft erkannt haben, in hohem Malle begonnen. Ich denke nur an die Bestrebungon zur Linliihrung der hebräisclicii Sprache, ich erwähne kur/, dal! sich jetzt in Deutschland ein Pal.istiiia-I lodiscluilverein gebildet hat, daß auch unsere Techniker, unsere Volkswirte sich zusainmcngeschlossen haben, um für Palästina zu arbeiten, daß eine große Anzahl von Memoranden über die verschiedensten Gcbiete der Kultur und Wirtschaft von deutschen Zionisten ausgearbeitet sind und in England vorlicgcu, Sie sehen also, da!ß der deutsche Zionismus, ohne direkt bcauftragt zu sein, hierin, wie auch sonst in anderen Dingen gewissermaßen eine führende Stellung einniiiimt. i>as wird natürlich in hohem Maße unsere zukünftige Tätigkeit in Deutsehland ausfiilleii. Wir sehen auch 111 der Jugendbewegung, welche Rolle gerade Palästina spielt. Aber da muß ich sagen, daß vielleicht gerade diese etwas einseitige Strömung, sieh nur der Landwirtschaft zu/nwi'iiden, eine gewisse Lief,•ihr bedeutet. Man muß doch sagen, daß gerade von deutschen Zionisten als Landarbeiter in Palästina nicht allzuviel zu erwarten ist, und wir haben unendliche Massen im Osten, die hierfür viel Besseres leisten werden. Die Einwanderung wird stark zimehmen, cs wird schwer sein, auch nur alle diese Leute landwirtschaftlich zu beschäftigen. Sollen wir auch noch unsere jungen Leute dazu übergehen lassen? Die östlichen Juden haben durch ihre Anspruchslosigkeit, durch ihre größere Ciewöhuung an Landarbeit mehr Möglichkeiten. Die deutschen Zionisten finden andere Berufe vor, die gerade in Deutschland besser gelernt werden können, speziell nicht nur in Landwirtschaft und Gärtnerei, s >11dorn auch im Gewerbe und als mittlere Beamte, die dort cingeführt werden müssen. Hierfür liegt die bessere Vorbildung nicht im Osten, sondern gerade in Deutschland. Feinheiten der Gärtnerei, Zucht von Pflanzen, Tierzucht, Auslegen von Saaten, Technik und Gewerbe, Gerbenden, Pclzbereitung, Metallbearbeitung, Maschinenbau, Instrumentenbau, Optik, Trias, Porzellan- und Steingutfabrikation, Weberei, Spinnerei usw. Die Jugena für solche Berufe vorzubereiten, ist eine besondere Aufgabe des deutschen Zionismus, ebenso mittlere Beamte in Post, Telephon- und Telegraphenwesen, Eisenbahn, Steuern, Zoll. Man sollte sich auch nicht nur mit dein Hebräischen sondern auch mit dem Arabischen befassen. Palästina allein wird den Juden als Kolonisationsgebiet nicht genügen können. Sie weiden und müssen auch die NachbarläiKler in Angriff nehmen. Der Orient bietet ungeheure Möglichkeiten, wenn man die dortige Sprache beherrscht. Wir müssen hier die Kulturfördcrcr werden. Erst dann werden wir Palästina zu einem Zentrum machen können für die Ausstrahlung der Kultur im ganzen Orient, und hieran werden auch die deutschen Zionisten teilnehmcn können. Gelingt ihnen dies, so werden sie die führende Stellung behaupten. Jedes Land hat die Juden, die cs verdient. Die Deutschen verdienen die Juden, weil sie sich durch Kenntnisse u;ul Wissen atis/einiiien und durch ihre Organisation, lhe Juden sollten sich nach den NXtrts- Völkern richten, im Interesse des Palästina-Aulbaues. Grob sind die Amurdcrungeii. Ich zweifle aber nicht, daß dieser Appell ein starkes Echo finden wird, und dal! die deutschen Zionisten zeigen werden, daß die Weltorganisation sich nach wie vor auf sie verlassen kann. In diesem .Sinne, wünsche ich dem Deutschen Delcgicrteutng den besten Erfolg! Wcizmanns Brief Sehr geehrter Delegierten■tag! Wir begrüßen de״ I )clcgiertentag der Zionistisehen Vereinigung für Deutschland, der die Delegierten der deutschen Zionisten zur Jahreskonferenz wählen wird. Diese Jahreskonferenz wird zwischen zwei bedeutsamen Daten stattfinden: dem Tag von San Ri'ino und der Einrichtung der Zivilvenvaliinig in Palästina. So wird die jahreskonferenz Gelegenheit haben, zu den Folgerungen und Forderungen Stellung zu nehmen, welche sich aus dieser 1 atsaclie ergehen. Sie wird der Vorbereitung des kimftigen Werkes gewidmet sein Wir begrüßen deshalb mit besonderer Freude, daß die Zionistische Vereinigung für Deutschland Gelegenheit hat, ihre Vertreter zur Jahreskonferenz. mit Rücksicht auf die großen Gesichtspunkte und Aufgaben zu wählen, die den Verlauf der Jahreskonteren/ bestimmen werden. Wir haben das Vertrauen, dal! die deutschen Zionisten, die in der Vergangenheit eine so entscheidende und verantwortungsvolle Rolle im Aufbau der zionistischen Organisation gespielt haben, auch in Zukunft ihren Platz mit voller Verantwortung aiisfüllen werden. Das Werk des nationalen Aulbaus verlangt die Zusammenfassung aller Kräfte des Judentums für das gemeinsame Ziel. Nur wenn es gelingt, alle jüdisehen Energien zu mobilisieren und in der richtigen Weise zu mobilisieren, wird die große Aufgabe gelöst werden können. Die Konzeutrierung und riehtige Führung der vereinigten jüdischen Kräfte ist aber nur dann möglich, wenn auch in Zukunft die Zionistische Organisation im vollen Bewußtsein ihrer Verantwortung und ihrer Pionicraufgabc von demselben Geist erfüllt ist, der sie in den Tagen der Gefahr und der Entwicklung erfüllt hat. Nur eine starke, in sich geschlossene, das große ideal des Zionismus ohne Kompromisse verfechtende Zionistisehc Organisation wird den Kern des den Aufhau di r ii.ilioiialcn I leimstätte in Palästina ilmiii• führenden Judentums darstellen können. Jetzt, da es sich nicht mehr darum handeln wird. Programme z.u entwerfen und Theorien aufzustcllen, sondern den Aufbau der eigenen 1 leimstätte durch die Arbeit der Gegenwart zu verwirklichen, muß es darauf aiikoiniucn, in dieser Arbeit zu beweisen, daß es der zionistischen Bewegung mit dem Versprechen ernst war, das neue jüdische Leben in Lrez-Israel auf dauernden und sicheren Grundlagen aufz.ubatien und im Einklang mit den ewigen Idealen des Judentnms und eien Idealen eines freien, schönen und gerechten Lebens gestalten zu wollen. Nur mit diesen Idealen vor Augen werden wir das jüdische Volk für die Opfer gewinnen, ohne welche das Werk nicht möglich Ist. Nur wenn unsere, auch in Zukunft nicht leicht Arbeit in Ercz-Israel int Lichte dieser Ziele gesehen wird, wird es uns möglich sein, die Kräfte in unserem Volke auszulösen, welche für das ungewöhnliche und unerhörte Werk notwendig sind. In den eigenen zionistischen Reihen muß das Verantwortungsgefühl und die Hingabe jedes Ein- /.einen ins Acußerstc gesteigert werden, wenn die Zionistische Organisation imstande sein soll, das jüdische Volk für unser Ziel zu gewinnen. Nicht durch das bloße Bekenntnis und nicht durch Schlagworfe wird die künftige zionistische Arbeit gekennzeichnet werden. Wem! wir auch in unseren Tagen mit dem großen Werk beginnen können, so dürfen wir nicht vergessen, dal! wir noch für eine lange Zeit unsere Kräfte zur Ueberwindung großer Schwierigkeiten und Hindernisse sammeln müssen. Wir sind auf dem Wege in die Heimat. Wir werden das Ziel erreichen. Doch darf während unseres Hciin/uges der nationale Gedanke nichts von seiner stolzen und klaren Geschlossenheit verlieren, die die Zeit schwerer Arbeit und bitterer Entläiisclumgen aus/.eichnetc und die Zionistische Organisation als die Kerntruppe des jüdischen Volkes gekennzeichnet hat. Wir begrüßen den Delegiertentag der deutschen Zionisten, dis!, sowohl in der praktischen Organisation^* arbeit, als auch im Bewähren des nationalen Ge- - dankens nicht zum wenigsten zu der Entwicklung des Zionismus beigetragen haben, die uns zu Unseren Erfolgen geführt hat. Mit brüderlichem Zionsgrut! (gc/.) Ch. W e t z in a n n. Begrüßungsschreiben von Dr. Hantke Au den London, 14. Junf 1020. Delegiertentag der Zionistischen für Deutschland, Vereinigung Berlin. Geehrter I)clcgiertentag! Der i!clcgiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland tritt in einem entschcidungsrcichen Moment zusammen. Mit dem 1. Juli wird für Palästina das Okkupationsstadium atifhören. A11 der Spitze der Verwaltung wird ein jüdischer High Commissionar stehen. Damit werden die äußeren Bedingungen für die Schaffung des jüdischen Nationalheims in Palästina gegeben sein. Am jüdischen Volk wird es liegen, den ihm gewahrten Rahmen auszufüllen und in stündiger und harter Arbeit das jüdische!*alästina der Zukauft auiVtil auen. Die Jahreskonferenz wird der ofn Helle Auftakt zu dieser Arbeit sein. Die Probleme des Aufbaues werden einen wesentlichen Teil der Berjfun gen bilden. Und wir dürfen hoffen, daß diese lk• ratungcn fruchtbar sein werden. Denn die Zeit der ausschließlichen theoretischen Betrachtungen ist 1,,r über. Es gilt, <111• Brücke von der Theorie zur Praxis zu schlagen, die gewaltige Aufgabe der Besiedlung Palästinas zu beginnen. Die zionistische Bewegung wird zeigen müsse״, dal! sie für dieses Werk ’’vor bereitet und ihm gewachsen ist. Daß solche Kräfte im Zionismus vorhanden sind, dessen hin ich siche! Die bereits erzielten Erfolge beweisen es. Noch haben nicht alle jüdischen Kreise den Werl des Erreichten begriffen. Aber die Zeit wird kommen, in der auch der Zaghafteste erkennen wird, daß eine neue Epoche für das Judentum begönne״ hat, deren Auswirkungen aut Juden und Nichtjuilen noch niemand ubt-rsinen kann. Diese Epoche herbeigeführt zu haben, wird das unsterbliche Verdienst der jn der zi>1!M1H||C(l Bewegung organisierten Judenheit bleiben. Sie w>״ der Träger der Idee, sie organisierte die Volksinemmi״, sie trug die jüdische Presse, sie gab unseren I uhrern die Kraft, in der politischen Welt bisher unerhörte Forderungen zu stellen und durdizusctzen. Die Welt hat uns als Volk anerkannt, hat uns die nationale Gleich bcrechtigung /״gesagt, indem sie unseren Anspruch auf ein nationales Heim in Palästina anerkannte. D.o jüdische Volk wird nicht zögern, von diesen seinen neuen Rechten Gebrauch zu machen, wie unsere Groß väter es verstanden haben, die bürgerliche Gleich■ herechtigung, soweit'als möglich, zur Wahrheit werden zu lassen. Nur dürfen wir nicht— iiachlassen 11ml in Wort und Tat dem Volke vorangehen und ihm den Weg, voll von unzähligen Schwierigkeiten, aber zui Rettung führend, zeigen. Als nationale Bewegung, als uationalpolitischc Idee hat der Zionismus seinen Erfolg erzielt, nur als nationale Bewegung wird er die Heimstätte aufrichten. Die Zionisten Deutschlands sind einmal entscheidend gewesen für die rein national jüdische Gestaltung der zionistischen ׳ Bewegung. Sa■ sollten in diesem Moment der Entscheidung sich dessen bewußt sein, daß auch das schwere Werk der KoLini• sntion Palästinas nur gelingen wird, wenn es v,>n dem Feuer einer ideal gerichteten nationalen Idee gc nährt wird, daß die ungeheueren Opfer, die e> ei fordert, von unserem Volke nur gebracht werden körnten, wenn es in der Leitung und Durchführung des Werks, sein Sehnen und Trachten, seine Ideale und Hoffnungen erkennt, wenn es sich selbst in ihm wiederfindet gez. A r ז hu r H a n t k 1׳ Schreiben des Komitees der jüdischen Delegationen Sehr geehrte Herren! Wir erhielten Ihre Einladung zur Teilnahme am H>. Delegiertentage der Zionistischen Vereinigung für Deutschland und bedauern sehr, dieser Einladung nidit Folge leisten zu können. Wir wünschen in diesem wichtigen Augenblicke, da das jüdische Volk am Be• ginn der Erfüllung seiner Hoffnungen steht, Uiren Verhandlungen allen Erfolg und hoffen, daß >«■ Vm den künftigen Aufbau des jüdischen Volkes gedeih liehe Wege weisen werden. Es ist heute ein Auge» blick, in dem alle Teile des jüdischen Volkes ver gessend was sie getrennt haben könnte, in einem gemeinsamen brüderlichen Aufschwung Hand an Legen an das große Werk der inneren und äußeren Befreiung ihres Volkes. Wir begrüßen Ihre Konferenz, und zeichnen mit vorzüglichster Hochachtung ergebenst Der Generalsekretär ־ gez. L. M o t z k I tt Der Rechenschaftsbericht Dr. Klee: Geehrter Delegiertciitag! Seitdem wir uns zum letzten Mal zu gemeinsam« Arbeit zusamincngcfunden hatten, sind in der jüdischen Welt Veränderungen vor sich gegangen, die geeignet erscheine״, die Zukunft des jüdischen Volkes in entscheidender Weise zu beeinflussen. Während auf der einen Seite die Pogromwelle, die sich über den Osten seit Beendigung des Krieges ergießt, nicht abgeebbt ist und die wirtschaftliche Depravieruug des Ostjudeiituuis in steigendem Maße sich vollendet, dürfen wir auf der anderen Seite die Entscheidung von San K e m o verzeichnen als das alles überragende Faktum, das die jüdische Geschichte seit Jahrhunderten aufzuvveisei! hat. Fs liegt eine besondere Tragik darin, dai! Erez-Bracl dem jüdischen Volke gerade in einer Zeit gegeben winl, in der seine Massen von einem beispiellosen Wirtschaftliehen Ruin betroffen werden. Der Wirtschaftskürper des jüdischen Volkes -~ wenigstens seiner in üsteurupz lebenden Massen — der auch sonst durch die der jüdischen Lage Schwächen und Mängel aufzmvet»® hatte, wie sic sonst kein Volk der Welt besitzt, geh' einer völligen Blutleere entgegen. Das gilt insixtsoiidere von dem russischen Judentum, dem zwar I ogrezmc erspart geblieben sind, wie sie in der U k r a 1 n e und in Ungarn bis auf den heutigen Tag in bestialischer Weise wüten, dessen wirtschaftliche Position aber —* da es zum weitaus größten Teil den bürgerlichen Schichten angehört — durch den Bolschewismus völlig vernichte! ist. Für die Schwierigkeit der Lage, in der sich das jüdische Volk heute befindet, wo es an den Auflwtf der jüdischen Heimstätte in Palästina herantreten soll, besitzen wir ein Vcrgleichshcispicl im deutschen So/ialismus, dem cs auch als Aufgabe zufiel, sein Wirtschaft־ liches und kulturelles Programm in dem Augenblick verwirklichen zu sollen, in dem Wirtschaft und Kultur in Deutschland durch den Krieg zu einem Scherbenhaufen zerschlagen worden waren׳. Nur daß für das jüdische Volk die Schwierigkeiten noch erheblich größer sind als für die deutschen Sozialisten, die doch wenigstens im geschlossenen Territorium und in den immer noch erhcbitchen Resten der produktiven Kräfte die Grundlage» für einen neuen Aufbau besitzen.

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