Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXV (1920)
- Issue
- Heft 37 (8.6.1920)
- Date
- 1920-06-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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1!1 •׳<>•****»% ״־״!, •' 1 I j * f In! \ l / *r ri ו K«Uktio* unH Verlas W. 15. SKchalf«ha St?. 6. Er.rhaUt jed•■ Dien«!■{ und Fifit•{, Betufsprela Fei de׳# KiprcJilioo »ad «•■ PoatÜmlcr• viert• jklirUch 10 M. in DeuUckland, Au*!»ad»ako»■•• Birnta werden U der WüSfuny der einaelnea L.ind«r berramet. Nummer 37 Berlin, 8. VI. 1920 Anzclgen-Verwaltung: Walt .Verlag, Berlin NW, 7, Dorathfmn*tr«ßa J5. Telephon: Am♦ Zentrum 4814 a. 4815« ABialn«apr«l1 für die •iol>«nj׳c«paltea• Nonpareilleiell« Q.50 M,t Aoieigeoacbluß: Dienet•? und Freitag nachmittag• 4 Uhr. PoiVsdiedt* atrto: Berii« TrUpt.o.i; Amt UhUmJ ,145 und 846. Für 0«־,#torreub ־. Pnatflpark a»sfn*1!׳t Wie«, Ko•♦• i€pi,on; Nr. 17 MX Nr. 156 1^3, Für Tidiediosl.iwjikei: Postap־»rir *saenaml l״r»f. Koate Nr. 156 0r.a Redaktionaodiluä So&ntag und Millworh nmi״׳« »:׳!"׳ 22. Ssiwan 5680 XXV. Jahr! Der ZlonUmi!« erstrebt för da« Jüdlache Volk die SchaffSuag einer öffentlich-rechtlich gesichertes Helmetatte ln PßlSttlun. ״Bemcler Projr«rar«* 1 i! i ln i.rs i (I ^1H י״ו f - .! }; ן <־>1 3 9 1 Der amerikanische Kongreß in Permanenz j erklärt Paris, 3. Juni (Telegramm der ״Jfid. Rundsch.“.) Der amerikanisch-jüdische Kongreß hat sich in seiner Tagung am 30. und 31. Mai zu einem Teil als permanenter jüdischer Kongreß erklärt mit der Aufgabe der Verteidigung der jüdischen Rechte in der ganzen Welt. (Nähere Nachrichten stehen noch aus.) Festsetzung der Mandatsbedingungen vor dem 1. Juli Die Stellung Herbert Samuels. Da:; J.C. B. London schreibt: Durch die Bej rufung Herbert S a in u c I s zum High-Conimissioncr in Palästina wird gleichzeitig Marschall Allcnby von den Lasten der politischen Administration des Landes enthoben. Mr. Samuel wird unmittelbar der Regierung in London verantwortlich sein. Dadurch soll dem Uebcrgrcifen militärischer Einflüsse auf die innere Politik in Palästina ein fester Riegel vorgeschoben werden. ״M a n c 11 e s t e r Q u a r d i a n“ bemerkt hierzu: Mr. Samuel wird mm an den Aufbau der Zivilregicrung in Palästina schreiten. Allerdings wird ein vollkommener Ausbau derselben nicht vor endgültiger bestiegu ug der Mandatsd e t a i 1 s, welche gegenwärtig ausgearbeitet werden, möglich sein. Die endgültige Festsetzung der Mandatsbedingungen dürfte jedoch noch vor dem 1. Juli, den! Amtsantritt Sanpels, erfolgen. Fortdauer der Unruhen in Galiläa London, 2. Juni. (Reuter.) Ein Telegramm der zionistischen Organisation j aus Jerusalem vom 31. Mai meldet, daß die Anj griffe der Beduinen in Galiläa fortdauern. Zwei Juden seien getötet worden. Abberufung des Generals Bois Wie das Londoner Jüd. Korr.-Büro mitteilt, ist General Dietz soeben aus Konstantinopel in London eingetrolfcn. Wie man in gut unterrichteten Kreisen annimmt, soll Dietz an Stelle des Generals Bois als Giief-Adir.inistrator nach Palästina gehen. Jahreskonferenz der English Zionist Federation Am 30. Mai wurde die Jahreskonferenz der Englischcn Zionistischen Föderation abgehalten. Nach Er- Öffnung der Konferenz beantwortete Weizmann die an ihn gelichteten Fragen. ״Meiner Meinung nach wird die Immigration in den ersten zwölf Monaten sich auf 25000 bis 30 000 Mann belaufen und wenn die Elcktrifizierungs- und Bcwässcrungsarbcitcn aufgenommen werden sollen, so dürfte die Einwanderung der hierfür nötigen Arbeiter die Zahl von ungefähr 60 000 erreichen. Wie sich die Einwanderung später gestalten werde, lasse sich nicht Voraussagen. Die Verwaltung wird vorerst eine britische und keine jüdische sein und wird mit dem 1. Juli beginnen. Allerdings werden die Jaden eine Art Ökonomischer Kontrolle durch entsprechende Abmachungen ׳mt der Landesverwaltung ausübet» können, auch ist cs wahrscheinlich, daß die Regulierung der Einwander״״R jüdischen Körperschaften obliegen werde. 1 |!t'zilkhch der Nordgrenze Palästinas■ sagte r• ך ei/uiann, er glaube nicht, daß cs gelingen werde,!1 j1 L 1 *a n > f 1 u ß dem Lande einzuvcrleiben. Jedoch a 1e die englische Regierung versprochen, ihr Mögnc11s.es zu tun, um zu einem Erfolg zu gelangen. Die Benutzung der Wasserkräfte zu Zwecken der Entwickung cs Landes dürfte jedoch frei sein.“ r!1■ r' Wc‘z”lantl schloß seine Ausführungen mit der Lrkianmg, daß er auf die baldige Freigabe der ,. “wa”derung hoffe und appellierte an die eng- י sehe» Zionisten, keinerlei persönliche oder materielle LP^r/UI:d'C,Wicdcra״frichtu״g Palästinas afs nationaler Heimstätte des jüdischen Volkes zu scheuen. Es •P״*c» n0<jü Nahum Sokolow und Lord Rothschitd. Die Beratungen wurden sodann fortgesetzt. Pie zionistische ־ Propaganda Von Rudolf Sch ay. Wir bringen die nachstehenden Ausführungen eines Gesinnungsgenossen trotz der scharfen, in ihrer Verallgemeinerung oft zu weit gehenden Kritik, die sie enthalten, weil wir der» Ernst und das Verantwortungsgefühl, von dem sie zeugen, für das wichtigste Fundament zionistischer Gesinniing halten. Die Red. ׳!Die vor einiger Zeit bedrohlich erschienene Situation ist durch die Beschlüsse von San Rcnio überholt. Leider hat die Stunde der Selbstprüfung nicht lange genug angedauert, leider hat das baldige Eintreffen der Freudenbotschaft zu erkennen vcr-1 hindert, ob die Herzen der deutschen Zionisten nicht zu leicht gefunden werden, wenn das Schicksal sic tragt. Aber vielleicht hat diese Stunde doch in Einzelnen die Frage wachgerufen, ob der Zionismus wirklich 110031 von jener unbesiegbaren Kraft getragen werde, welche der Idee, welche dem Willen zum Ziel über alle Anfechtungen und Gefahren hinweghilft und sich im Kampfe selbst stärkt, ob noch jene Wucht des Willens bestehe, mit welcher ein Herzl alle Widerstände überwand. Selbsttäuschung ist Verbrechen und Schweigen unverantwortlich. Es muß einmal gesagt werden, unzweideutig: die innere Struktur des deutschen Zionismus, sein ״seelisches Gerüst“, droht brüchig zu werden, ist es zum Teil schon gewörden. Der elementare Wille zum Sieg, die Ueberzcugung der historischen Notwendigkeit, Unabänderlichkeit unscres Strcbens ist durchlöchert, angefault. Wir leben in einem Dunstkreis der Sensation, der Gegenwartsbegcistcrung, wir sind cingcwicgt in süße Träume und goldene Hoffnungen ■und sind unvorbcreitet, völlig unvorbereitet auf Enttäuschungen. |Und das sei der Sinn jenes Gerüchtes: uns wieder daran zu erinnern, daß die zionistische Politik abhängig ist von der europäischen, daß diese Abhängigkeit eine Quelle großer und größter Enttäuschungcn werden kann und uns zu ermahnen, unsre innere Kraft wieder zu festigen, jenen Siegeswillen wieder zu erwecken, der unbeirrt von den Launen des Glücks sein Ziel im Auge behält und seinen Weg kennt. 1 Mitten in den Jubcl dieser Tage werfe ich idiesci Worte. Will mau ein Ucbel beseitigen, so muß man seine Ursachen kennen; wenn wir die Seichtigkeit unsrer Gesinnung, die Labilität unsres Willens, den Mangel au Eindeutigkeit der Ziclstrebung usw., wenn wir die ganze innere Schwäche des deutschen ,Zionismus überwinden wollen, müssen wir ihre Quellen suchen. Und mir scheint, daß die Methode1 unsrer Propaganda die Hauptschuld an all diesem Uebcl trügt.! Propaganda ist notwendig, unreiner Idee, einer Bewegung neue Träger zu schaffen, neue Kräfte zuzufüliren; sie kann aber verhängnisvoll werden, wenn sic Idee und Bewegung überwuchert, wenn sie Tätigkeit und — was das Schlimmste ist — Ge-! siniiung ganz in ihren Bann zieht. Dies und noch mehr scheint bei der zionistischen Propaganda der Fall zu sein. Sie hat Formen angenommen, die denen der assimilatorischen Abwehrtätigkeit verzweifelt ähnlich sehen und die eine starke Bedroliung der Reinheit und des idealen Charakters unsrer Idee bedeuten. Mit viel Redekraft — und manchmal auch mit Sachkenntnis — wird den Gcgneru bewiesen, daß Palästina 4, 5, 6 Millionen aufnehmen kann, daß auch das Los der alsdann nicht Aufgenommenen sich verbessern muß, daß der Zionisinus keine Gefährdung der staatsbürgerlichen Rechte bedeute, daß ״das Hebräische“ gar nicht so schwer zu erlernen und auch nicht so tot sei, wicf man gewöhnlich annchme, daß nur eine jüdische Nation Rechte fordern kann u. s. f. Ist es dann gehingen, ■auf diese Weise eine gewisse Anzahl Außenstehender zum Zionismus zu verlocken, zu überreden, so ist man auf diese Leistung stolz. Man blickt mit freudiger Genugtuung auf die Ortsgruppen und deren Wachstum und vergißt ganz, daß — jetzt erst die Arbeit beginnen müsse, nämlich die dem andern eingetrichterte ״Erkenntnis“ zum Willen zu steigern. So wimmelt es denn in den Ortsgruppen von ״Schekclzahlern“, von denen sidr J Einzelne krampfhaft bemühen, ״Betrieb zu mache*“ und dabei langsam nervös oder apathisch'werde*. — In ähnlicher Richtung läuft auch' die inaere Tätigkeit unserer Londoner Leitung. Ihre Nach: richten und Mitteilungen enthalten gdlisseniüdl alles angenehm Klingende, das dann von der Tagespresse noch mit den nötigen Ausrufczeidtc» versehen wird. Unangenehmes erfährt man kaum. Und auf diese Weise werden Schekelzahler gewönne* und bei guter Stimimmg erhalten. Die Wirkung dieser Methode ist eine mehrfache und allerseits ungünstige (mit Ausnahme vielleicht — auch das steht noch nidit fest — ln quantitativer Hinsicht). Zunächst bedeutet jene Art der Propaga*da, in welcher der Gegner durch Gründe überzeug(, i* seinen Gegenargumenten geschlagen, ihm durch Erfolg imponiert wird, eine Entwürdigung unseres Volksideals nach innen und außen. Wo trägt heut• einer der Propaganda treibenden Zionisten seiuen Willen zum Ziel rein und unverfälscht iu die;Menschen, wie es Herzl tat? Man schändet diese* Willen ,indem man ihn clurdi Gründe zu rechtfertigen sucht, seine Existenzberechtigung durch Zahlen beweist. — Und die auf solche Weise gewonnenen Zionisten? Ist ihr Zionismus nicht durdt die Möglichkeit sehr gefährdet, daß die Gri'tnd* einmal hinfällig sein, daß stärkere Gegengründe sia einmal verdrängen können? Sind ernste Rückj schlüge und Enttäuschungen nicht tödlich für diese* Zionismus? Ist dies überhaupt Zionismus? Man hat vergessen, daß die Begründung das Allernebeasächlichste am Zionismus ist. Zu einem Glauben kann man niemanden überreden, ein Ideal nietnaudem aufschwätzen. Nur durch■ stärkstes Betonen des idealen WcsensdcsZionismus, durch andauernden Hinweis auf seinen historischen Charakter und den Lebenswillen des jüdischen Volke» läßt sich die zionistische Idee verkünden; und unter dem Aspekte dieser Verkündangen können dann Gegengriinde widerlegt, Befiirchtungen zerstreut werden. Dies alles nur andeutungsweise. Vielleicht bricht sich jetzt, bei der scheinbaren Nähe des Zieles, ein neuer Geist — der eigentlich der alte ist — Bahn, ein Geist, der wenn er Anhänger sucht, nicht an das Sensationsbedürfnis, audt nicht an die geographischen und mathematischen Kenntnisse, sondern an das Herz des jüdischen Menschen sich wendet. Internationaler zionistischer Frauenkongreß London, 5. Juni (Tel. d. ״Jüd. Rundsch.“). Die Konferenz der britischen zionistischen Frauen faßte einen Beschluß, wonach die Abhaltung einer internationalen zionistische* Frauenkonferenz am 11. Juli in London für notwendig erklärt wird. Die Konferenz soll die Fragen der Organisation der zionistischen Frauenarbeit in Palästina beraten. Alle zionistischen Frauenverbände werden aufgefordert, Delegierte nt entsenden. Oberrabbiner Löw bleibt in Haft Das offizielle ״Ung. Tel. Korr.-Büro“ meldet aus Szeged in vom 1. Juni: ״In der Angelegenheit de» Oberrabbiners Löw hat der Untersuchungsrichter die weitere I n h a f t h a It u 11 g des Angeklagten an geordnet. Gegen diese Verfügung appellierte der Ver* teidiger des Oberrabbiners, wobei er um Freilassung des Angeklagten oder um Bewachung in seiner Wohnung gegen Erlegung einer Kaution ersnehte. Der Szegcdincr Gerichtshof hat dieses Ersuchen mit der Begründung z 11 r ü c k g e w 1 c s e n, daß er mit Rücksicht auf die voia Untersuchungsrichter vorgebrachten Argumente die weitere Inhafthaltung des Oberrabbiners für angezcigt halte.“ (Dieses Vorgehen gegen den greisen Oberrabbiner ist ein neuer Beweis der zynischen Roheit der reaktionärchristlichen Horthy-Rcgicrung. Wie wir bereits berichtet, sind durch die Veröffentlichungen des holländischen Journalisten Nypcls die törichten Verleumdungen längst widerlegt, trotzdem ist den ungarischen Scharfmachern der alte Mann ln seinem Hause nicht sicher genug. Die Stimme der Welt verhallt in Ungarn ungchört.