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Jüdische Rundschau · 1920-05-18 · Heft 32 (18.5.1920) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 32 (18.5.1920)
Date
1920-05-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 32 JU ED ISCHE;CUAU Seite ,״eilt allein mit der Negierung begnügt, sondern den Versuch einer positiven Stellungnahme macht. Freilich scheint das Wort von der ״jüdischen Einheit!;• front für P a I a s t i 11 a“, die das Familienblatt forde,!, in seinem Munde noch nicht viel mehr zu sein, 1|s eine ziemlich leere Redensart. Der Gedanke von der Palästinaeinheitsfront ist ebenso alt, wie bestechend. Wenn das Familienblatt in diese Front einzutreten wünscht, so sollte uns das ebenso• sehr freuen, wie cs uns offengestanden wundern würde, Es nmtet recht sonderbar an, wenn das Familicnblatt, das den Paliistinafragc» gegenüber bis jetzt eine seht reservierte Stellung eingenommen hat, sich gebärdet, als wenn von ihm aus wieder gutgemacht werden müsse, was der Zionismus angeblich verdorben hat. Insbesondere möge man sich dort doch darüber klar sein, dali es ein Zurück in der Palästinafrage nicht mehr geben kann, Die Palästinafront hält auf der Linie der ״öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk“. Sic in die ״Siegfried-Stellung“ des.Staatsbürger• tums jüdischen Glaubens“ zurückzunehmen — wobei die Punkte je nach Bedarf in ״englischen“, ״französischen“, ״syrischen“ oder ״arabischen“ umzuwandcln wären —, liegt heute wahrlich weniger Grund vor als je. Im übrigen beginnt das Geltungsbereich der Lieber Schrift ״Vcrax“ erst liier. Es scheint uns dem Familien׳ Watt gegenüber Gebot des Anstandes, diese Abgrenzung 111 aller Deutlichkeit vorzuiiehmcn, ״Verax“ heißt: Wnhrliaftig. In dein Fall, von dem hier die Rede sein soll, scheint es jedoch eine Wortbildung zu sein ähnlich denen, die während des Krieges klangvolle Namen für Ersatzmittel abgaben. Ls '׳erhielte sich sich dann zu ״veritas“, wie etwa Eierol zu Ei oder Erbsau zu Erbsen. Also eine Art ״Wahrheits-Ersatz“, etwas, was nach Wahrheit schmeckt, aber weit davon entfernt ist, Wahrheit zu sein, — eine geistige Nahrungsmittelfälschung. ״Verax“ ist, nach außen hin, die neueste Aquisitu ui der Zeitschrift des Ceutralvereins ״Im deutschen Ruch“. Für uns gilt von ihm und seinen Erzeugnissen der alte Vers Heines: ״Ich kenne das Lied, ich kenne den Text, ich kenne auch den Verfasser!“ Dieser Benjamin der Ccntralvereinspublizlstik segelt mit ecrdächtig steuersicherer Hand im Kielwasser jenes seiner Vorgänger, der sich ״Austrlacus“ nannte und de-halb besonders berufen zu sein glaubte, die internen Angelegenheiten der deutschen Staatsbürger jüdi• sehen Glaubens zu begutachten. Es ist ein bedauer• lichcs Mißgeschick unserer intimsten Gegner, daß sie auf die Mitarbeit von Leuten angewiesen zu 'sein scheinen, die auch dann nicht einwandfrei wären, wenn s!e sich nicht gerade ״Vcrax“ auf die publizistische Visitenkarte schrieben. Man hat gern Respekt vor dem Gegner, Sollte aber der ״Verax“-Typ eine bleibende Er• scheimmg werden, so müßten wir dem Centralverein eine Schonung zubilligen, die für ihn beleidigend sein würde. Für journalistischen Holzkomment sind wir uns zu gut. Der Ccntralvcrcin lasse sieh vom ehrlichen Gegner sagen, daß Herr Vcrax, der für ihn den Degen föiren! darf, eine Figur ist, mit der man nicht ficht, sondern , «.!er man höchstens die Klinge aus der Hand schlägt. I Man lese die ״Jüdische Rundschau“ im Mai-Heft ״Im deutschen Reich“, unter der der Name ״Vcrax“ prangt. Wir wollen uns heute aus naheliegenden Grün•! den nur mit den Ausführungen beschäftigen, welche die 'Palästinafragc betreffen. Daß Verax die traurigen Vorgänge in Jerusalem gegen den Zionismus ausbeutet, ist selbstverständlich, daß uns dieses Manöver weder hei ihm noch hei andern erregt. Aber während ändert sich damit begnügen, auf die Araberfrage als auf ein unbezwingbares Hindernis hinzuwcLsen, bemüht sich Verax eine Art Kollektivschuld der zionistischen Politik gegenüber den Opfern von Jerusalem und Tel-Chaj zu konstruieren. Er stellt es so dar, als ob die zionistische Politik aufgebaut war auf dem Dogma vom ewigen »rabisch-tiirkischcn Gegensatz :und jetzt als ihren stärksten i aktor die englische Militärmacht betrachte. Verax be• i hayptet wider besseres Wisse», daß die zionistische 5 Politik araberfeindlich sei. Getreu seiner Selbst- } Charakteristik schmecken seine Darlegungen nach Wahrheit, in der Tat sind sic »'ine unverantwortliche Fälj .-clnmg alles Tatsächlichen. Ein Beispiel für viele. Verax j behauptet in Sperrdruck, Lichtheim und Ruppin hätten ( von der Friedenskonferenz ״die Enteignung des \ 1 זabischen Grundbesitzes zugunsten der : 0'»wandernden Juden“ verlangt und dadurch , den Antisemitismus der Araber angestachelt. Das ist eine bewußte Entstellung der Wahrheit! Man unterziehe! <;ch der geringen Mühe, selbst nachzulescn, was Lichti h c i in in seinem Referat auf dem XV. Delegierten tag mi Dezember 1918 gesagt hat — und dies Referat allein 1 kann Herr Verax ja meinen. Im Protokoll des Dele- י giertvntagcs ist dieses Referat erweitert als Anhang , 'viedergegebcn, und dort liest man (S, 23) nach Dar- W'ng des Bodenbedarfs der Kolonisation, von dem ein *u'f großer Teil aus Staatsländereien zu decken sei:״ ״ ז . ”Som't sind wir in die Notwendigkeit versetzt, da T aUS 5>rivatb<:sitz m erwerben, und wir müssen B״ ״״־ rascl1 wie möglich beginnen. Bei einer j •rV1» 1■"1“ t!<־'r Palästinensischen Besitzverhältnisse j bei ן k mit zwi״gendcr Notwendigkeit, daß wir; . * .. r Erwerbung aus Privatbesitz in erster Linie!' j* 1e Aufteilung des arabischen Großgrundhesitzes ן rangehen müssen. Der bäuerliche Klein» j ״eR! ,״" ׳r *״ Judäa schon heute überwiegt, muß äcn Möglichkeit geschont werden.“*) Viele Wähler der Jüdischen VoJfusnnrtel sind nicht in die Wählerliste eingetragen. Sie müssen bla 20. Mai K* זיז •II t« ויי r ך f־V •ןוו~*\•־״׳ •'*־׳ יי'־־׳ י• ״־"׳ Für genügende Aufklärung der Wühlermsssen kann nur dann gesorgt werden, wenn jeder Leser der Jüdischen Rundschau unserem Büro eine luiGie cosser einsendet, die als Wühler der Volkspartei in Betracht kommen, ,fL ״ Berlin C. 2, Heiligegeiststraüe 52. Telephon: Zentrum 1610. Geöffnet von 9—7 Uhr. Diese Gegenüberstellung zeigt Herr» Verax in seiner ganzen Schönheit. Er übt die hohe Kunst, fast die Wahrheit zu sage», d. 11. sie i» ihr Gegenteil zu ver• drehe». Nach ihm hat Liditheim ״die Enteignung des arabische» Grundbesitzes zugunsten der einwandern• den Juden“ verlangt, d. 11. eine völlige Depossedierung der arabischen Bevölkerung vom Boden, — eine Forderung, die ebenso unsinnig wie grausam und empörend wäre und die allerdings mit Recht den stärksten Widerstand der Araber waclirufen müßto, ln Wirklichkeit hat Lichtheim nur von der Enteignung des Großgrundbesit/es gesprochen, von einer Maßnahme also, die in allen Kulturstaaten heute gefordert wird und in einigen bereits 'in Verwirklichung begriffen ist. Den bäuerliehe» Kicii.bc.itz will Lichtheiin ausdrücklich geschont wissen, ja es ist verschiedentlich die Rede davon gewese», dali man auch den Fellachen mehr Land geben müsse, um sie mit den jüdisehen Ansiedlern gleich7.ustellen. Das ist Herr Verax: er wendet all sein Geschick auf, um den arabischen Großagrarier — der notabene das Land bis jetzt hat verkommen lassen —• zu schützen und seine Politik der Triebeutfesselung zu verteidigen, nur, damit der Zionismus als der Störenfried des paiästincnsischcn Idylls dastehe. Da das mit der Wahrheit nicht geht, marschiert Herr Verax neben der Wahrheit. Das ist, wohlgcmerkt, ein Beispiel für viele. Wer mehr wünscht, braucht die Behauptungen des Herrn Verax nur au Hand der Tatsachen nachzuprüfen, — es ist kaum eine, die nicht haarscharf an der Wahrheit vorbeigingc. Herr Verax und was er schreibt würde letzten Endes der Erwähnung nicht wert sein, wenn es nicht just der Ccntralvcrcin wäre, der ihn deckt. Haben diese Herren denn gar kein Empfinden dafür, wie unsäglich peinlich es wirken muß, wenn sie inv Augenblick einer Entscheidung, der niemand weltgeschichtliche Bedeutung absprechen kann, einem Verax erlauben, mit dem unqualifizicrbaren Mittel des übelsten ״Walirlicits-Ersatzes“ gegen die Organisation zu wühlen, die in jahrzehntelanger Arbeit heute am Tor Palästinas angelangt ist? Immerhin ist ein gut Teil Würde des deutschen Judentums in die Hand des Ceutralvereins gegeben. Weiß er für sie wirklich keinen besseren Wahrer als einen Verax? Wir möchten zwn Schluß unsere allzuiiitzigcn Gegner i!1 allen Lagern darauf hinwetsen, daß von jetzt an in ihrem eigenen Interesse eine gewisse Vorsicht im Kampf gegen uns angebracht sein dürfte. Wir erwarten nicht, daß das deutsciie Judentum jetzt oder je mit fliegenden Fahnen in unser Lager liintiberkoinmeii wird. Wir wisse» aber ebensogut, daß die Kunde von San Renio auf die deutschen Juden einen tieferen Eindruck gemacht hat, als die meisten ihrer Führer eingestehen werden, Zahlreiche Berichte, die uns von unseren Ortsgruppe» über die von ihnen veranstalteten Feiern rjm ui iS zugehep, betone» übereinstimmend eine starke Beleihgung des nichtzionistischen Elemente. Wir wisse» bereits heute, daß die Anteilnahme der deutsche» Jude» an Erez-Israel ini gleichen Maße steigen wird, wie wir aus dem Stadium der rein theoretisehen und deshalb meist mifruchtbaren Erörterungen in das der praktischen Arbeit cüitrcten werden. Wir glauben, daß der Gedanke der ״P a 1 ä s t i n a - E i 11 - heitsfront“ mehr zu sein vermag, als ein leeres Wort und weisen das Familicnblatt nachdrücklich auf die gerade ihm gegebenen Möglichkeiten hin, diese־:» Gedanken den Weg zur Verwirklichung zu eröffnen. In der Situation, in der wir uns augenblicklich befinden, haben wir ein Recht darauf, den Zank und Streit früherer Tage zu vergessen, wenn man auch auf der anderen Seite gewillt ist, de!» Blick in die Zukunft zu richten und gemeinsam mit uns ein Stück Wegs zu gehen. Nötigenfalls müßten wir uns über unverständige und übelwollende Führer hinweg direkt an die Masse der deutschen Juden wenden. Es müßte mit seltsamen Dingen zugehen, wenn just das deutsche Judentum in der Frage des Wiederaufbaues in Erez-Israel abseits stehen wollte. Wir meinen es besser zu• kennen, wenn wir glauben, daß man ihm nur diejenigen zu nehmen braucht, die, wie Herr Verax, ״fast“ die Wahrheit sage», um cs ganz dem Gedanken zu gewinnen, der ringsum die Juden in aller Welt zum großen Werte der Zukunft eint. C. Z. K. :1 Zahlt sofort Euren für die Jahre 5679 und 5680 pro Jahr 3.— M., also in Summa 6.— M. Annahme der Zahlung in den Bezirksgruppen, den Büros der Z. V. f. D, Sächsische Str. 8 und B. Z. V. Seydelstr. 3, Misrachi-Büro Burgstr. 30, Wahlbüro der Jüd. Volkspartei, Heiligegeiststr. 52, Buchhandlung Ewer, Knesebeckstr. 53/54, Buchhandlung Ostertag, Augsburger Str. 28, Papierhandlung Aschkcnasy, Spandauer Brücke 10, Buchhandlung Rosenberg, Grenadierstr. 38, im Volksheim, Dragonerstr. 22, bei den Vertrauensleuten der Gruppen und Sonderorganisationen und auf allen zionistischen Versammlungen. Fernes־ Zahlung auf Postscheckkonto N. W. 7, Nr. 12006 Dr. Schwarz, Kassenverwaltung der B. Z. V. mit dem besonderen Vermerk ,Schekelzahlung". Kein anderes Postscheckkonto benutzen! * Die bis zum 10. Juni nicht bezahlten Schekolim werden per Nachnahme unter Aufschlag des Portos eingezogen. Unterstützt die Organisation durch Schekelsammlang in Euren Bekanntenkreisen I Schekelblocks werden auf Wunsch zugeschickt. Berliner Zionistische Vereinigung C. 19, Seydelstr. 3. Das Büro des D. I. G. B. ersucht uns um Aufnahine folgender Notiz: Eine sensationelle Nachricht, die uns unterstehende Fürsorgecrzichungsanstalt für schulentlassene israelitische Mädchen zu Cöpenick betreffend, hat auch den Weg in einige jüdische Blätter gefunden. Dies veranlaßt uns, folgendes richtig zu stellen: In der Nacht vom 2. zum 3. d. Mts. ist eua Zögling aus der Anstalt entwichen und bisher noch nicht ergriffen worden. Weitere Entweichungen voa Zöglingen sind aber nicht vorgekommen. Derartige bedauerhehe Vorkommnisse sind trotz größter Vorsicht nicht vermeidbar. Die Wahlen zur jüdischen Konstituante ״Times“ melde» aus Jerusalem: Das Ergebnis der Wahlen zur jüdischen Konstituante in Palästina brachte einen Sieg der sephardischen Elemente, welche die Schaffung eines mächtigen Zentrums und die Pflege herzlicher Beziehungen zu den Arabern beob> sichtigen. Wahlrcsultatc ״Kuntres" Nr. 35 meldet folgende Teilresultate: ״Achduth Haawoda“ erhielt insgesamt 51 Mandate. ״Haarcz“ vom 26. April meldet: Resultat in Jaffa: Achduth Haawoda 11 Mandate, Scphardim 10, Hapocl- Hazair 5, orientalische Jemeniten 5, linke Jemeniten 2, Handwerker 2, Fortschrittspartei 2, Esrach (bürgertichdemokratisch) 2, Misrachi 2, Frauen 1, Versch. 4. — Tiberias: Hapoiil-Hazair 7, Misrachi 3, Sephardim 3. — Petach-Tikwah: Linke 4, Esrach 3, Misrachi 2, orthodoxe Jemeniten 2, Frauen 2. — Haifa: Achduth Haawodah 6, Sephardim 3, Fortschritt 2. — Sichron: Esrach 1, Misrachi 1. — Rischon-le-Zion: Jcraeniten 2, Achduth Haawoda 2, Esrach 1. — Chedera: Esrach 1, Misrachi 1. —- En-Gatiim: Hapoel-Hazair 1. — Rechoboth: Esrach 2, Misrachi 1, Insgesamt sind bisher 09 Mandate besetzt. Da hiervon Achduth Haawoda 51 und Hapoel-Hazair 27 Mandato haben, hätten nach diesen Meldungen ilic linken Parteien etwa Dreivicriel der Mandate. Die Resultat• aus Jerusalem stehen noch aus. Die Prozesse in Jerusalem Die ״Time s“ berichten aus Jerusalem unterm 5. d. Mts,: Ein Militärgericht hat heute fünf Juden, die zusammen mit Jabotiuskis Gruppe verhaftet und am demselben Grunde in Untersuchung gezogen wurden, freigesprochen. Sie wurden noch während der Untersuchung befreit. Reuter meldet aus Jerusalem unter dem 5. d. M.: Khalil Beinas, ein Christ, und Abdul Fattah Darwish, Mohammedaner,, wurden wegen Aufhetzung zu Feind- Seligkeiten durch aufregende Reden zu zwei Jahren Kerkers und einer Geldstrafe von 20 Pfund Sterling verurteilt. Das Urteil wurde vom Kommandanten der dritten Lahore-Division bestätigt Krif-el-Krif, der Chefredakteur der ״Suris Junabis“ und Had Amin Hera, weiche desselben Verbrechens beschuldigt waren und sich in das Schcrifgebiet geflüchtet haben, werden in contumaciam verurteilt werden. Forgcsclzle arabische Ueberfälle Oie ״Times“ melden aus Haifa vom 10. d. M.: Die Araber haben christliche D ö t f e r in der französischcn Zone südlich ׳von Tyrus überfallen. In Air- Ibl sollen 50 Menschen getötet worden sein. Ein Strom von Flüchtlingen ergießt sich in die englische Zone. Beduinen-Ueberfall auf Jericho. ״Times“ melden einen Beduinen-Ueberfall auf Jericho, bei dem '48 Stück Vieh geraubt wurden. Englische Truppen übernahmen die Verfolgung der Räuber. ־) Sperrungen von uns. Red.

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