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Jüdische Rundschau · 1920-05-18 · Heft 32 (18.5.1920) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 32 (18.5.1920)
Date
1920-05-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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«■»-״■>.. /׳״Vv /, c'*־ K0<i«WU»fe> and Verlag W. 15, SScb»l*cha Sil8 .־. Erscheint jeden Dien»Ug׳ nnd Freiing. Berugtprei* bei d«r F.ipeditioo und de» pMtümtnra vierleljohrlieh 10 M. ln Deut&chl&nd, Au*l*»d*«bon»etneitU werden 1• der Wthruog der einietnen Lander bercchoet. Nummer 32 Berlin, 18. V. 1920 ךז J ׳ \ ^»1 //•■ Anzclffcn-V c rwa 11 u n jr: Wc«-V.tl*r, U״lin NW. 7, Doroth..״.l,*B« JJ. Telephon: Am* Zentrum 4814 u. 4315. AmeiffflOpreli für di• •iebcng*«p*lten• Noop»r«tIk*#iW flr.fi M^1;׳ AntciffeBtcbltifi: DUastsf and Freitag oackuultUg» 4 Üb». 1. Ssiwan 5680 Telephon: Amt UhUnd B4S und 316. PoiUchcckkontrt: Bnrii» Nr, 17 392. Für Oeaterrelch: Fottvpark»<u1«u«mt Wien, KonUp 1 ,Nr, 156 030. Für Tavi!cch*11!ow«kel: Po»tnpark*£san»mt Pr•!, Konto ' * Nr. 156 030. Krd«Vtiot>Mchl118 Sonntag und MittwodL nmhmiltag. XXV. Jahrg. Der Ztoniatr.ua etafcreM für daa jadtoefco Volk dlo Schaftes 08»10y SfgcatMch-rechttlch geolcliertei» Kefas8«ltt«j In FaIS«tino. ״Baseler Profrr^nmi*‘ Das Mandat über Palästina Baldige Festlegung der Details — Keine Einschränkung der Einwanderung deutscher Juden — Schaffung einer Miliz London, 11. Mai. In einem Interview mit einem Vertreter <lcs JcwisJi Correspondcncic Bureau, London, machte Weizmami folgende Aeullerungen: ״Ich erwarte die Festlegung der De■ tails bezüglich des Mandats über Palästina bin 11 e n ei ne 111 od c r zw c i Monaten, loh glaube nicht, daß irgendwelche wcs e 1111 i ch c A bä ml c r u 11 g c » i m T c x t c, bctreffend das Mandat vorgcnoinmcn werden sollen. Der Inhalt selbst wird von der Friedenskonferenz festgesetzt werden, dagegen werden Einzelheiten, wie mm Beispiel der Sicherheitsdienst, oder der Anteil der Juden an der Landcsvcrwaltung, von den britischen Behörden in Pa• lästiua geregelt werden, ich erwarte sonst keine weiteren Schwierigkeiten. Die I m 111 i g r a t i o n wird von einer j üd i sch c n K ö rpc r scha f t, in welche die Verwaltung ihre Vertreter entsenden wird, kontrolliert werden. Es werden keine Einschränkungen bezüglich der Einwanderung der Juden aus ehemalig feindlichen Ländern gemacht werden.“ Auf die Frage, ob dem Mandat Grenzen gesetzt worden sind, antwortete Weizmann: ״Nein, der Zeitpunkt für die Dauer des Mandats ist nid'ht festgesetzt. Es ist nur gesagt, daß das Mandat so lange in Kraft bleiben wird, bis die Bevölkerung für die Unabhängigkeit reif genug sein wird. Die Be■ völkerung Palästinas wird immer in der Lage sein, an den Völkerbund zu appellieren.“ tüber die Schritte zur Befreiung Jabot i n s k i s sagte er: ״Zur Zeit, als Jabotinski verhaftet wurde, war feil in Palästina, Der Angelegenheit wurde damals geringere Bedeutung beigemessen, Jabotinski allein ersuchte mich, keine Schritte zu untern dunen. Dessenungeachtet drahtete ich nach London, und nach meinem Eintreffen in San Kenia urgierte icli bei Mr. Kcrr, dem Sckretär Lloyd Georges. Jedermann, den ich darüber sprach, war empört, daß ein Mann, wie . Jabotinski in einer so monströsen Weise verurteilt werden konnte. Bekanntlich ist das Urteil seitdem bereits auf ein Jahr reduziert. Ich werde hier nodi im Laufe der Woche im Kriegsmiiiisterium intervenieren. Es muß nicht erst gesagt werden, daß wir a 11 e s d a r a n s e t z c n werden, um die Befreiung Jabotinskis, der die ausschließliche Verantwortung für die Selbstwehr auf sich genommen hat, durchzusetzen. Wir Zionisten verlangen jetzt entschieden die Schaffung einer jüdischen Legion oder, besser gesagt, einer gut o 1g a n i s i c r te n Miliz, da eine Legion nach erfolgter Uebernähme des Mandats nicht mehr notwendig sein wird.“ Bezüglich der HaltungderBehördcn in Palästina gegenüber den Juden, äußerte sich Dr. Weizmann wie folgt: ,,Was ich den Behörden vorzuwerfen habe, ist, daß sic die Araber ungünstig gegen uns beeinflußt haben. leih meine nicht so durch Worte wie durch ermutigende Haltung, Winke und dergleichen. Die Araber kamen zur Uebcrzcugung, daß sie im Besitze der britischen Sympathien sind, sonst würden sie Exzesse nie gewagt haben.“ Auf die Frage, was die zionistische Oganisation für die nahe Zukunft zu unternehmen gedenke, erwiderte Weizmann: ״ ׳Sowohl .S-okolow als auch ich. wünschen die baldige Einberufung des Zionistenkongresscs, aber die technischen Schwierigkeiten für seine Beschickung durch die russisehen Zionisten bestehen noch immer. Die Ent- Scheidung über die Kongreßeinberufung wird in den allernächsten Tagen getroffen werden. Wir werden überdies alle unsere Kräfte für die Aufbringu 11g großer Fonds einsetzen, damit wir in der Lage sind, unser Werk in Palästina in Angriff zu nehmen.“ Eir. Glückwunschschreiben Brantings an die Zionistische Organisation in Schweden Am 11. Mai fand in Stockholm eine grolle , Demonstrationsvcrsamtnlung der schwedischen Zioj nisten statt, über deren Verlauf wir an anderer 'j ,Steile beriditcn. Anläßlich dieser Feier richtete | der schwedische Ministerpräsident Hranting! folgendes .Schreiben an den Vorstand der ״Svcnska Zionistft'ireniiigen“, Der Staatsminister Stockholm, den 9. Mai 1920. Svenska Zionistförcningen, Stock ho 1 nt. Wie ich bereits Ihren Delegierten bei ihrem freundlichen Besuch mitgeteilt habe, bin ich nicht in der Lage, persönlich Ihrer feierlichen Vcrsammhmg am 11. d. M. beizuwohnen. Es ist mir aber eine teure Pflicht, der Versammlung den Ausdruck meiner besten Glückwünsche zu dem großen, mul wie man hoffen darf, entscheidenden Erfolg, z״ schicken, den Ihre Bestrebungen durch den Beschluß von San Rcmo bezüglich der Wiedererrichtung eines jüdischen Staates in Palästina, zumidist unter englischem Protektorat, gewonnen haben. Wenn dieser Beschluß in dem Geiste nationaler Befreiung und nationaler Konzentration durchgeführt wird, die, soviel ich weiß, jederzeit 1״re Bewegung ausgezeichnet hat, dann wird er einen Ausgangspunkt für eine neue und frnelitbringende Entwicklung in der Geschichte Ihrer vuch begabten Rasse werden. Der Einschlag, der von den jüdischen Bürgern in den verschiedenen Landern bisher zum Fortschritt der allgemeinen Zivilisation gegeben wurde, wird wie bisher fortgesetzt werden, aber ein Teil der Schwierigkeiten, die an gewissen Stellen der Welt sich dadurch ergebe« haben, daß eine unverhältnismäßig zahlreiche jüdische Bevölkerung im Rahmen der dort wohnenden anderen Nationen lebt, werden ganz gewiß leichter überwunden werden lind versclnvinden, sobald ein wieder errichteter jüdischer National- Staat das natürliche Zentrum für die Wahrnehmung der jüdischen Interessen in der ganzen Welt wird. Sie haben also wirklich Veranlassung, jetzt eine Festvcrsammlung zu veranstalten, und ich bitte Sie überzeugt zu sein, daß die Sympathien für Ihre ehrliche Sache, denen ich früher mehr als einmal während der Zeit der Verfolgungen in der Welt Ausdruck gegeben habe, Ihnen auch jetzt weiter folgen werden, wo man hoffen darf, daß die schwerste Zeit für Ihr Volk vorüber ist. Es ist mir eine besondere Freude, meinen Glückwünschen sowohl als schwedischer Bürger, als auch als internationaler Sozialist Ausdruck geben zu dürfen. Unser Land gehört zu denjenigen, wo man am frühesten die Gleichbercchtigung der Bürger jüdischer Nationalität anerkannt, und wo antisemitische Strömungen und eine Hetzagitation von der Art, wie sie zur Schande der betreffenden Länder anderswo geführt wurde, nieinals eine nennenswerte Resonanz gehabt haben, . und der internationale Sozialismus hat durch seine wiederholte Stellungnahme nicht nur gegen die schamlosen Judenverfolgungen in gewissen Ländern, sondern auch für das Programm des Zionismus, einen freien nationalen jüdischen Staat zu schaffen, seinen Standpunkt zu Ihren Be- Strebungen tagklar dargelcgt. Genehmigen Sie den Ausdruck meiner ausgczeichneten Hochachtung Hlj. Granting. Belebung der Gemeinde Die jüdische Geschichte ist durch den türkischen Friedensvertrag in ein neues Stadium getreten. Der Charakter des jüdischen Volkes als Nation, die, wie alle Völker, Anspruch auf ein Land hat, ist durch völkerrechtliche Satzung anerkannt worden, eine Lüge ist aus dem Völkerleben weggeräumt. Die Entscheidung von San Remo ist der vorläufige Abschluß einer vierzigjährigen nationalen Arbeit. Diese vierzig Jahre waren eine arbeitsreiche und schmerzensreiche Zeit. Der Prozeß der Auferstehung eines national so stark dissoziierten Volkes kann nicht ohne Widerstände und Leiden vor sich gehen. Die schöpferischen Kräfte des Volkes müssen erst entbunden, sein nationales lk•- wußtscin wachgcmfcn, seine Instinkte und menschliehen Triebe erst von der Fesselung befreit und in den Strom organischer Entfaltung geleitet werden. Wir wissen, daß in diesen vierzig Jahren unser Volk viel Heroismus und viele bedeutende nationale Leistungen hervorgebracht hat. Aber dies alles war nur ein Anfang: aus den schwachen Quellen, die vereinzelt und zerstreut hervorkommen, muß sich allmählich der Strom entwickeln, der machtvoll und'unaufhaltsam seinem Ziel z.idrängt. Es wäre verfehlt, anrunchmc.1, daß in diesem Prozeß der Entwicklung eine plötzliche Lösung dcs.ünmd- Problems cintrctcn kann. Gewiß darf nicht verkannt werden, daß die Hinwegräumung äußerer Schwierigkeiten die Schnelligkeit der Aktionen bcschleunig!; aber in der Entwicklung selbst kann kein Stadium übersprangen werden, dem jüdischen Volke wird auf dem Weg zu seiner Wicdcrtier- Stellung nichts erspart bleiben. . Das Werk ist schwerer geworden. Es ist Realität geworden, es wird Ernst, und es ist die Stunde der Prüfung für die Ehrlichkeit des nationalen WoIIens gekommen. Die Wiederbelebung des jüdischen Volkes hebt überall gleichzeitig an, von dem ganzen Volke getragen. In Palästina ist an das bereits Bestehende anzuknüpfen, die bescheidenen Anfänge, die durch die hingebungsvolle Arbeit der Pioniere des nationalen Lebens unter großen Anstrengungen und Opfern geschaffen worden sind, bilden die Grundlage, auf der sich ׳ das nationale Leben entfalten kann. Aber Palästina kann aus dem Organismus des jüdischen Volkes nicht losgelöst werden. Das jüdisclic Volk bildet eine Einheit, und vorläufig lebt seine Mehrheit noch außerhalb des Landes, in der Zerstreuung, in völlig zerstörten und entarteten Gemeinschaftsformen. Dieses Volk hat die palästinensischcn Anfänge geschaffen, es ist das unausgescliöpfte Kräftcrescrvoir für Palästina auch heute. Es ist ein einheitlicher Prozeß der Auserstelning, der vor sich gehen muß, in steter Wechselwirkung zwischen Palästina und der Diaspora. Die nationale Auferstehung muß mit Notwenkeit dazu führen, daß überall, wo Juden wohnen, neues jüdisches Leben und neue Genieinschaitsformen entstehen. Es gibt in der heutigen Gc- Seilschaft Zellen des jüdischen Gemeinschaftslebens, die völlig entartet sind: die jüdischen Gemeinden. Die jüdische Gemeinde, noch vor änderthalb Jahrhunderten ein lebendiges Ganze ist durch den ungeheuren Selbstbetrug der Assimilation ihrer Lebenskraft beraubt worden. Es wurde die Fiktion der ״religiösen“ Gemeinde geschaffen, die die Religion dazu mißbrauchte, um mit unglaublichem Zynismus alles aus/u chalten und zu ersticken, was der lebendigen Volkskraft entsprang, ln Wahrheit konnte diese blutleere Konstruktion auch das religiösc Leben nicht fördern. Die Maxime des Verlialtcns war niemals das jüdische Bedürfnis, sondern die Sorge um die bürgerlichen, Wirtschaftliehen und ähnlichen Interessen des äußeren Lebens. So ist die Gemeinde innerlich verarmt, sie hat allmählich jedes Interesse ihrer Angehörigen verloren, sie ist als jene Institution angesehen worden, die die Synagoge, deren man sich zweimal des Jahres, und die Begräbnisanstaltcn, deren man sich einmal im Leben bedient, verwaltet. Als die jüdische Renaissancebewegung sich zu regen begann, hat sie sich in Versammlungen, Vereinen

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