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Jüdische Rundschau · 1920-05-12 · Heft 31 (12.5.1920) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 31 (12.5.1920)
Date
1920-05-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Per ZloBtotatn erattrebt?Sr da* JüßisÄa Veits dl« Ddkaffsajgj oLicr Cr?osvl!icä-2ccL.fd£cl» gcelcbertea Uelsstütto In Pal&iilina. ״Basel« Prosranm* Da Infolge der Arbeitsruhe am 13. Mal dtedlcswöchcnlllchc Freitag-Nummer ausfallen muß, erscheint die heutige Nummer ln verstärktem Umfang. Der XVI. Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland findet am 20. (abends), 21., 22., 23., 24. und 25. Juni 1920 Im BlÜthncrcaal, Berlin W. 35., Lützowstr. 76, statt Die Tagesordnung wird noch bekanntgegeben. Oer Oeschaflsfithrcnde Ausschuß erläßt &>ljjitKlf Wahl Vorschriften: I. Es werden mir die Waiden derjenigen Gruppen anerkannt, die ihre Mitgliederlisten vor der Vornahme der Wahlen beim Büro der Zioaistischen Vereinigung für Deutschland cingereicht h.iben. 7. Die Gültigkeit dev Wahlen hängt davon ab, 41.13 die Gruppen sowohl die Landesbeiträge für das Jahr 1919 wie nun mindesten die erste Rate <ler Lmulc'sbeitriige für 1920 vor der Vornahme 41er Wahl an das Büro abgeführt haben. Der Landesbeitrag beträgt für Ortsgruppenmitgliedcr ino Jahr 5 Mark, für Misrachi-Mitgliedcr 3 Mark, für jugendmitglieder 2 Mark. Jugendmul Sondergruppen, die eigene Dolegierte aufstellen, dürfen in diesem Falle in der allgemeinen Ortsgruppe nicht mitwählcn. Oicjenigen Ortsgruppen, die Anträge zu stellen tmben, werden gebeten, sie dem Geschäftsführern (11'H Ausschuß baldigst /umstellen. Oer Oesehäftsfülireiide Ausschuß hat bc- V1’/״ss1s;, «Infi wahrend des Delegiertentages andere zionistische Veranstaltungen (öffentliche Versammlungen oder interne Sitzungen einzelner Gruppen) nicht stattfinden dürfen. Die uns nahestehenden Verbünde werden ersucht, diesem Be- «dihtß Rechnung zu tragen. Wir verweisen auf die folgenden Paragraphen unseres Statuts: 8 8. Jedes Mitglied der Z. V. t. D. hat das aktive Wahlrecht zum Delcgiertcntagc; das passive Wahlrecht 1c: an ilie Vollendung des 24. Lebensjahres gebunden. Jugcmtvereine, die mit Genehmigung des Landes- ׳.orsvanilcs als »cll>ständige Gruppen der Z. V. f. D. angehören, können aus ihrer Mitte auch jüngere Delegierte entsenden, die aber großjährig sein müssen. Die Zugehörigkeit zu einer Jugendgruppe ist jedoch mir bis zu einer vom Lamlcivorstand testzusetzenden Altersgrenze möglich. 8 9. Jede Ortsgruppe wählt einen Delegierten. Ortsgruppen von mehr als 50 Mitgliedern wählen zwei Delegierte. Ortsgruppen von mehr als 100 Mitgliedern wählen für jedes angefangene weitere Hundert einen weiteren Delegierten. § 10. Die Mitglieder des Landesvorstnndea (Zentral- Komitee; haben auf dem Delegiertentag bis zum Schluß der Tagung Sitz und Stimme. 8 D. jeder Delegierte verfügt auf dem Delegiertentag nur über eine Stimme. Die Delegiertcn-Mandatc sind nicht übertragbar. Die Uebernahme des Mandats «hirch einen Ersatzilolegiertcn muß vor Beginn des Delegiertentages erfolgen. Die Delegierten sind an Aufträge und lnstrulctfonen nicht gebunden Geulah •Woche Das Aktionskomitee hat bestimmt, dai zur Feier der Wiedergabe Palästinas an das jüdische Volk die Woche nach Sehewuotb als Geulah-Woche von den Juden der ganzen Welt gefeiert werden soll. G. A. der Z. V. f. D. wird die näheren Weisungen für Deutschland ergehen lassen. Die Verwaltung Palästinas ״ .L0 " d® n, 8. Mal (Havas). Nach der Agentur »vcuter wird die britische Regierung über Patastma ein ca hohen Kommissär imd einen <a ‘ scfeen, bis cs möglich sein wird, eine Volks- Vertretung •Uis Leben zu rufen. Die neue Zivt!Verwaltung wird ihre Tätigkeit in angeflhr vier sechs Wochen aufnehmen. 1 f** /*\?! |*4 P 4. *4 4״- <m U iwi ürap mn London, 7. Mai (Tclegr. d. Bei der Ankunft Sokolows und Mittwoch abend spielten sielt beispiellose Szenen der Begeisterung ,1׳b. ■Line dichte Menge־ umlagerte die Victoria-Station. Einige Rabbiner, die in Vortretung des erkrankten Oberrabbiuers erscliicnc« waren, hießen die Führer mit dem Sefer Thora willkommen. Nach Ansprachen des Chachatti Basein Jacob Meir und anderer Rabbiner nahm So ko low die Thora und machte ״Schchechijonu.“ Der Zug bewegte sich dann nach den Büros der zionistischen Organisation, die überreich mit Blumen geschmückt waren. Enthusiastische Massen füllten die Straßen. Int Hause begrüßten Goldberg, Naiditsch, Nord au, Yellin die Führer־, während dcauüeii die Menge die Hatikwah sang. We i z m a nn und Soko 1 ow erwiderten. Weiz 111 an 11 sagte: ״Jetzt beginnt die Arbeit. Vor unserer Abreise von San Rcmo sagte Lloyd George: ״Dieser Augenblick ist Euer Start. An Euch ist es, die weitere Entwicklung gut zu gestalten.“ ,Wcizmann, Sokolow, Nordau, Yellin traten auf den Balkon und hielten Ansprachen a!1 die Menge. Donnerstag, am Lag beomer, fand eine Be grüUungsversammluug der Beamtenschaft samt lieber zionistischer Büros statt. Die Sekretäre Dr Sonne, Mr. Landmann, Leo Herrmann be grüßten die Führer. Wcizmann und Sokolow wür digteu die großen Leistungen der zionistischen Be amtenschafJ. Um 12 Uhr fand eine offizielle Begrüßuugs- Versammlung unter dem׳ Vorsitz von Nordau statt. Er würdigte die Erfolge der Führer, die Herzls Arbeit vollendet haben.!Wcizmann sagte, die Ergebnisse von San Reino haben dem politig Weizmanns und Sokolows In London ״Jüd, Rdsch.“) scheu Grundstein gelegt; mm müssen die Juden Weizmanns ain ihre nationale Heimstätte aufbauen. Sokolow . führte aus, die Ereignisse in Jerusalem bildeten den Schluß des tragischen Kapitels Gah:t!1; mit San Rcmo beginnt die Geulah. Ha ulke zollte in» Namen des E. A. C. den bewunderungswürdigen Leistungen der Führer die Anerkennung. Herbert Samuel sagte: In diesem Augenblick des Triuinphes müssen wir Herzls und der Palästinapionicre gedenken; nach meinem Besuch in Palästina bin ich absolut überzeugt, daß der Zionismus eine durchführbare Idee ist; cw ist genug Platz für Juden und Araber. Die Ereignisse in Jerusalem sind nicht Ausdruck der Gesiunung der Majorität der Araber. Lord Rothscliild appellierte an die Einigkeit aller Juden; jeder Jude, gleichgültig weicher Richtung er bis jetzt angchörte, muß jetzt mithelfen an dem Aufbau der jüdischen Heimat. J a m e s R o t b~ scliild sprach von der großen Freude, die die Ertolge bei ihm und seinem Vater Edmund ausgelöst hätten. Stuart Samuel, der Präsident des Board of Deputies, betonte die Notwendigkeit der Einigkeit. Goldbloom sprach i!n Namen der englischen Zionisten, Mrs. Sieff im Namen der zionistischen Frauen. Chgchambaschi Jacob Meir feierte in begeisterten Worten den Geist der jüdisehen Gerechtigkeit; wir würden in Frieden mit den Arabern leben. Kremenctzki gab als Freund von Heizl seiner Dankbarkeit Ausdruck. Dr. Alexander G o 1 d s t e i n, der für die russischen Zionisten sprach, sagte, die Massen seien in bcgeisterter Bereitschaft fest entschlossen, die jüdische Heimstätte wieder aufzubauen. Mit dem Gesang der Halikwah schloß diese* Meeting, das Nordau als eine historische Versamtn- 1 hing bczeiclmcte. Der Beschluß der Friedenskonferenz, Palästina dent jüdischen Volk zurückgegeben (so wörtlich drückte sich Ronar Law im Unterhaus aus), hat tiefen Eindruck gemacht und lebhaften Widerhall hervorgerufen. Die ganze Welt, Juden und Nichtjuden, fühlen etwas von der Einzigartigkeit dieses geschichtlichen Aktes, der detn jüdischen Volk die Möglichkeit gibt, nachdem es zweitausend Jahre unter falschen Verkleidungen durch die Welt gezogen ist, seine eigene kulturschöpferisclte Tätigkeit dort wieder aufzunehmen, wo sie vor zweitausend Jahre» gewaltsam abgebrochen war. Es gibt kein Ereignis in der uns bekannten ,Weltgeschiente, daß dieser Rückkehr vergleichbar wäre, sowie es kein Volk gibt, dessen Sdiidksal dem unseren ähnelte. Wie wird nun dieser Prozeß vor sich gehen? Diese Frage hat auch für Außenstehende Interesse. Die englische ()Öffentlichkeit diskutiert sehr eifrig das Wesen und die Aufgaben des Zionismus. Das merkwürdige Doppelproblein des Wiederaufbaus eines national zerrütteten Volkes und des Neuaufbaues eines wirtschaftlich verwahrlosten Landes beschäftigt vor allem die Presse und die zkmistisehen Absichten und Pläne werden beinahe durchweg verständnisvoll und freundlich besprochen. Vielfach sind die blutigen Ereignisse in Palästina Ausgangspunkt der Betrachtung, lin englischen Unterhaus gibt es seit den Jerusalemer Vorfällen täglich mehrere Anfragen, die nicht nur ein euergischcs Einschreiten der Regierung gegenüber der palästinensischen Verwaltung verlangen, sondern auch die politische Zukunft Palästinas zum Gegenstand haben. Es ist begreiflich, daß diese politische Seite der Sache besonders in England, das die Okkupationsmacht ist, Aufmerksamkeit findet, aber die allgemeine Bedeutung des Beschlusses der Friedenskonferenz sollte doch auch anderwärts gcwürdigt werden. Es ist z. B. außerordentlich bezeichnend, mit welcher Indolenz die öffentliche Meinung Deutschland# darüber hinweggegangen ist. Bis jetzt hat keine einzige der großen Zei- | hinge», die sonst für alle exotischen naüanakn Angelegenheiten offenstehen, es für nötig gehalten, darauf zu reagieren. Allmählich kommen jetzt die Nachrichten über die Aufnahme der Nachricht bei den Massen des jüdischen Volkes, ln London bereitete man Wcizmann und Sokolow einen geradezu triumphalen Empfang. Im Osten und in Amerika war die Freude unermeßlich. In Warschau hat man in allen Synagogen Dankgebete gesprochen. Wo lebendiges Volk da ist, da ist das Gefühl allgemein, ohne Vorbehalt und parteimäßige Abgrenzung. Die Wiedergabe Palästinas an das jüdisclie Volk ist keine Parteisache mehr, sondern ein Ereignis, das das ganze Volk tief erschüttert, jeden einzelnen Juden aus seiner Gleichgültigkeit aufgerüttelt hat, denn i!1 jedem Juden schlummert, ihm selbst oft unbewußt, ein Rest von Palästinaliebe, überwuchert und verdrängt von all den fremden Einflüssen der zweitausendjährigen Wänderschaff. Jetzt muß dieser glimmende Funke zünden. Es ist nicht möglich, daß im entscheidenden Augenblick nicht das ganze Volk siel» zusainmentut/daß nicht alle von der Idee der Wiedergeburt überwältigt werden. Wir haben »gesehen, wie die unerhörte Tatsnehe eines inszenierten Pogroms tn Jerusalem auf die Judcnheit gewirkt lut. Die Empörung war allgemein, die Solidarität des ganzen Volkes im Schutz der Palästinasicdlung wurde offenbar. Selbst in den entjudeten Bezirken des Westjudentums regte sich die jüdische Seele. De assimilatorische ״Liga der britischen Juden“, die eigentlich zur Bckampfung des Zionismus gegründet worden .ist, hat sich — wenn auch verklausuliert - - bei Lord Curzün für die Erfüllung der Balfour-Dcklaration eingesetzt. Die gesamte jüdische Presse trat für das jüdische Palästina ein. Nur das deutsche Judentum ist über eine recht schwankende Haltung bisher nicht herausgekommen. Wer die Entwicklung der letzten Jahre beobachtet, der kann nicht verkennen, daß nach dem hundertjährigen Rückschlag der Assimilation der nationale Gedanke, insbesondere der Palästinagedanke in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht hat und sich in allen Kreisen Bahn briclrt. Ein Symptom hierfür ist schon das Anwachsen J.

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