Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXV (1920)
- Issue
- Heft 30 (7.5.1920)
- Date
- 1920-05-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oor Zio»•■*1®•*■ *f»trrbt für da« JRdladte Volk die Schnffun^ oln«»■ Sfl<mtltct1-r«cbUlct1 (a1lcl>«rt«11 HelmntAtte In C’AlHatlna. ״Uaaol««• Piograiui«■ An das jüdische Volk! Durch die Entscheidung der Großmachte ist die jüdisch-nationale Heimstätte In Palästina von nun an eingegliedcrt in die neue Wettordnung. Das Mandat für Palästina und der Auftrag zur Sicherung der Rückkehr der Juden nach Palästina sind Großbritannien übertragen worden, der Macht, die zuerst öffentlich aussprach, daß ein unlösbares Band zwischen dem jüdischen Volk und der jüdischen Heimat bestehe. Dieser hochbedeutsame und erfreuliche Beschluß wurde vor allem durch die Arbeit der Zionistischen Organis&tion als Vertreterin und Vorkämpferin der Sache des ganzen jüdischen Volkes erreicht. Alle Juden eint in dieser Stunde die Freude, der Stolz und die Dankbarkeit. Das jüdische Volk ist den großen Staatsmännern der Welt, und den Völkern, in deren Auftrag sie das älteste nationale Unrecht wieder gutgemacht haben, unendlich dankbar. Sein Dank wird nicht nur in Worten Ausdruck finden. Die jüdische Nation ist entschlossen, ln ihrem Lande einen Beitrag zu dem Kulturschatz der I Menschheit zu liefern; einen Beitrag, der \ »j ihrer großen Vergangenheit würdig Ist. '1 ׳Unser Ziel ist ei, in unsertn Lande eine; Gcneüschaft mifzubauen, gegründet auf menschlicher und sozialer Gerechtigkeit, ein Zentrum, von dem ein neuer Geist des Friedens und der Brüderlichkeit zwischen den Völkern ausgehen wird. Der jüdische Genius wird, dem Mutterboden wiedergegeben, die großen Traditionen der jüdisehen Propheten erneuern. In allen Tellen der Welt hat die Freude des jüdischen Volkes über scine'Bcfreiung spontanen Ausdruck gefunden. Die Zionistische Organisation gedenkt zur gegebenen Zeit Feiern zu veranstalten, wie sie diesem Tag, einem der größten in unserer Geschichte, angemessen sind. Aber für alle Juden ist diese Zeit der• Freude buch eine Zeit der Hingabe. Jeder einzelne von uns wird seine Kraft der glorreichen Arbeit des Aufbaues unseres Landes weihen. Keine Anstrengung und kein Opfer kann groß genug sein. Erfüllt von diesem Gefühl, feiern wir den glückliehen Tag unserer Befreiung. In diesem Bewußtsein beginnen wir die erhabene i und schwierige Arbeit, die un$er wartet. I Das Engere Aktionskomitee I der zionistischen Organisation. —־— _ ן j Sofortige Einsetzung einer Zivilverwaltung I Am 27. April brachten die Zeitungen ein | ' c ״ t c r. Telegramm, ans dem liervorgeht, daß Sonntag- ן .ibenil ein gemeinsames Diner der zionistischen und arabi- 1 , J״” Elegierten jn San Remo stattfand; beide Teile ן erklärten ihre Bereitwilligkeit, im nahen Osten zu- I sninmenzuarbcikm. Dr. Weizmann teilte mit, daß , /1t *"ßlbrhe Regierung bereit sei, sofort eine! e ג ■''ח' י ח *f 11 n '11 Palästina ein zu riehdaß ri ”!״. Zi0llis<etl“. fügte er Hinzu, ״sind befriedigt, mc Absichten der Regierung sofort zur Ausführung ud1״ n S?llcn״ ־cr Eß'»« der Wiederaufbauarbeit wie e°״ n lJc״ Teilen, Juden sowohl wie Arabern, werden״ cfreiu״S v0״ einem Albdruck empfunden l Jabotinskis Strafe herabgesetzt ®1׳ßhsche Zeitungen melden, ist I i£uSkJ* Strafe von 15 Jahren Zwangs- ®f״®*'®־/ein Jahr Gefängnis herabgesetzt worden. * . Enthusiastisches Echo Das Londoner Zionistische Büro teilt mit; Die Nachricht über den historischen Beschluß des Suprcme Couucils iit San Remo vom 24. April, ist Sonntag, den 25׳. April durch die verschiedenen Prcßagcnturcn in der ganzen Welt verbreitet worden. Die Zionistische ׳Exekutive verständigte alle zionistischen Federationen durch besondere Telegramme. , Seit Montag, den 26. April,־ wird die Zionistische Exekutive von Glückwunschtelegrammen aus der ganzen Welt überschüttet. In erster Reihe trelfen Telegramme der Zionistischen Federationen ein, welche im Namen aller Zionisten ihres Landes der Exekutive über den Jubel berichten, welchen die Nachricht ausgelöst hat ünd der tiefen Dankbarkeit Ausdruck geben, von der alle Zionisten und das ganze jüdische ‘Volk gegenüber der zionistisehen Leitung, vor ׳allem gegenüber Dr. Weizmann und Sokolow erfüllt sind. Die meisten Telegramme sind direkt an Dr. Weizmann und Sokolow gerichtet. Außer diesen zionisti-, sehen Föderationen senden einzelne zionistische Gruppen, einzelne Zionisten und auch nicht-zionistische, jüdische Organisationen, ihre Glückwünsche. Schon laufen auch Berichte über öffentliehe Versammlungen ein, welche von zionistischen Organisationen einberufen, aber Von der jüdischen Bevölkerung ohne Rücksicht auf Partei/ugehörigkeit besucht werden und Gelegenheit zu emJuisiaatisehen Kundgebungen geben. Unmitteibar vor Schluß unseres Berichtes treffen auch die ersten Telegramme aus Palästina ein. Aus den wenigen Worten der Telegramme läßt sich kaum ermessen, welch großen Eindruck die Nachrichten aus San Remo in Palästina und besonders in Jerusalem hervorgeruien haben, wo das gesamte Judentum noch unter dem Eindruck der Ausschreitungen steht. Die Kunde aus San Remo bringt den Pionieren in Palästina den Beweis, daß sie recht hatten, sich in ihrem festen ׳Vertrauen auf den Sieg durch die Erfahrungen, die sie in den letzten Wochen machen mußten, nicht wankend htachen zu lassen. Gro ßer Jubel in Polen Ein führender Gesinnungsgenosse aus Krakau, der dieser Tage in Berlin angekommen ist, berichtet uns von dein ungeheuren Eindruck, den die Ktuufe von der Entscheidung der Friedenskonferenz über das Schicksal Palästinas im polnischen Judentum hervorgerufen hat. In allen Städten fanden spontan große Festversaininhingen statt, aber darüber hinaus war das ganze Straßenbild beherrscht von der jüdischen Freude. In Krakau gab es große Umzüge und Ansprachen, und die polnische Bevölkerung verhielt sich sehr wohlwollend, so daß kein Mißton die Feier störte. Die nationale Begeisterung der Juden hat auch auf die Polen einen starken Eindruck gemacht. Das zionistische Zentralkomitee hat eine Proklamation an das jüdische Volk veröffentlicht. Das Warschauer Rabbinat hat die Aufforderung erlassen, daß am kommenden Sonnabend in allen Synagogen Dankgottesdienste (Halle!) für die Rückgabe Palästinas an die Juden stattfinden sollen. Für diese Woche ist nach Warschau eine große Festsitzung des polnischen zionistischen Zentralkomitees einberufen, zu der die polnische Regierung, sowie die Vertreter der ausländischen Gesandtschaft eingeladen sind. Besonders erwähnenswert ist, daß auch die anderen jüdischen Parteien von dem Bewußtsein der Bedeutung des Ercignisses ergriffen waren. Das ganze polnische Judentum steht zur Sache des jüdischen Volkes. Arabische Proteste gegen die Mandats-׳' Reuter berichtet, daß die arabische Delegation in San Remo eine Note veröffentlicht hat, in der sie sagt, daß die Mandate ihr Volk verstimmen würden. Sie fürchtet, daß die türkisdien Nationalisteu dies ausbeuten werden. Die Araber protestieren gegen ״Teilung des Landes und gegen die Mandatserteilung entgegen ihren Wünschen“. tt> . ■L Die Liga der britischen Juden Mr. Lioncl Rothschild hielt anläßlich der Jahres- Versammlung der Liga der britischen Juden am 27. April, nach Meldung der ״Times“, eine Begrüßungsrede, ln der er unter anderem sagte: ״er sei stolz auf einen Brief, den sie von der Zionistischen Organisation erhalten hätten, in welchem die Genugtuung ausgesprochen wird, daß die Liga sich der Forderung der gesamten jüdischen Welt nach einem britische!) Mandat über Palästina anschließe.‘* Die Liga könne aufrichtig an der Ansicdlung der Juden in Palästina mitarbeiten, so lange die Zionistische Organisation Palästina als britische Kolonie anerkenne und gleiche Freiheit ״für alle" gewähre. Presscstiramen Die Pariser ,,L’Ere Nouvellc“ vom 28. April widmet dem Ereignis von San Remo einen Längeren Artikel, Die Schaffung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina wird lebhaft begrüßt und als eine geschichtliche Notwendigkeit empfunden. Vor allem wird darauf hingewiesen, daß nur eine sofortige breite Massenimmigration ohne jede Kontrolle durch England, von der Zionistischen Organisation frei geleitet, Palästina wirklich zu einem jüdischen Zentrum machen kann. ״Die luden müssen sich dort unten dAheim füllten. Die englische Herrschaft darf nicht auf ihnen lasten; die Juden müssen alle Garantien haben, daß binnen 25 Jahren der Judenstaat ohne jede Jäinschrünkung an der Völkerliga frei teilnehmen kann. ... Zu diesem Zwecke darf man die Juden in San Remo nicht nur mit Brocken ab speisen.“ In ״Daily News“ vom 28. April veröffentlicht der Korrespondent des Blattes in San Remo, Wilson Harris, ein Interview mit Weizmann. Er bemerkt, Weizmann sähe in der Einverleibung der Baifour-Deklaratian in den Vertrag die Erfüllung der Anstrengungen von •10 Jahren. Als besonders wichtig bezeichnet er das Versprechen von Lloyd George, daß eine der zionistischen Bewegung freundliche Verwaltung unvorzüglich eingesetzt werden soll. Weizmann erklärte weiter •. Die Zionisten haben bereits Projekte des Wiederatifbaus ausgearbeitet, für die sie über die notwendigen Geldmittel verfügen können. Sie beabsichtigen Land zu kaufen, das im Eigentum der zionistischen Organ!• sation verbleibt und an Bauern verpachtet wird. Die Zionisten sind voll festen Vertrauens, daß kein ernster Konflikt zwischen ihnen und den Arabern entstehen wird, wenn die Entwicklung des Landes nur einmal ihren Anfang nimmt. Ein interessanter Beweis für das gute Einverständnis zwischen den zwei Nationen war das gemeinsame Diner, das am Sonntag von den Zionisten und den Vertretern des Emir Faisui veranstaltet wurde, wobei unter andern auch Herbert Samuel anwesend war. ,.Daily Expreß“ entnehmen wir folgende Stellen über die Verhandlungen in San Remo; ״Dadurch, daß Palästina nunmehr endgültig die nationale Heimstätlte des jüdischen Volkes werden soll, werden eine Menge interessanter Fragen aufgeworfen. Jahrhundertelange Verfolgung hat den Verstand dieses außerordentlichen Volkes geschärft. Seine Stärke besteht in seiner Anhänglichkeit und gegenseitigen Hihs- Bereitschaft, in seiner Intelligenz und Ausdauer. 'Vas werden die luden nun in ihrem eigenen Lande anfangen, nachdem der Bann von ihnen genommen ist!׳ Ist es das Zusammenstößen mit dem europäischen Geist, das einen Rothschild und einen Disraeli zu ihrer Bedeutung gebracht hat, oder werden in Palästina aus dem eigenen Volke heraus, neue Welt-, Finanz- und Staatsmänner sich erheben? Welche Stellung werden die Juden unter den Völkern einnehmen? Es werden sich dort Schwierigkeiten für sie herausstellen — Konflikte mit Moslems und Arabern. Aber es würde eine gute Lektion für die christliche Welt sein, wenn es den Juden gelingen sollte, aus Jerusalem eine Stadt des Friedens und der Ordnung zu machen, an Stelle des Sitzes von einem halben Dutzend sieh befehdender Sekten. Ich las kürzlich Von einem offenen Kampf in der Heil. Grabeskirche — dem heiligsten Platz der christlichen Welt — zwischen Kopten und Syriern am Ostersonntag. Die neue Ehre und das Privilegium, das den Juden verliehen ist, lädt ihnen eine Verantworfung auf, die ollen Takt und diplomatische Geschicklichkeit erfordert, Eigenschaften, die ihrem Volke charakteristisch sind.“ Außer dem Interview mit Dr. Weizmann schreibt ״Manchester Guardian“, der von jeher Sympathien für den Zionismus bekundet hat, in einem Leitartikel folgendes: ״Wenn sich die Nachricht, daß Großbritannien das Mandat für Palästina angenommen hat, bestätigt, so wird sie eine große Befriedigung in weitesten Kreisen hervorrufen; es würde den Erfolg des originellsten und weitsichtigsten Projektes sichern, das aus den wirren Beratungen der Friedenskonferenz hervorgegangen ist — die allmähliche Ansiedlung einer fortschnttlichen, zivilisierten Macht mit weitreichende!! Verbindungen an den Toren Asiens, welche gtefchzeitif %