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Jüdische Rundschau · 1920-04-27 · Heft 27 (27.4.1920) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 27 (27.4.1920)
Date
1920-04-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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u -ft רי¬ ח ,* I;.,j :x o \ \ l \ (, I 1 \\ V \ C ך־־יי־י־ז \ \ 1 / KM^nktio» «ml Verlag W. 15, S«ciu1vit« Str. 6. Kr»dheial j«tiea Die'tatng »ml Freiing. B«tuf*oreis be• der KipndiUon •nd den PoitämUrn •iertalj» krlitii iU M. io DeutftdhUnd, Aa*1i«nd»nbo1»a©- nenta werden in der Währung der eintelne» Lander berechnet. ESSSeat ■::.■tmee:׳ Anzcl^cn-Vcrwalt 11 n ין: Nummer 27 Berlin, 27. IV. 1920 Weli-VerUg, Berlin NW. 7, DurotheemtraQe SS. Tciaphoot Amt Ziatram 4814 «. 4815. Aittlraaitrai■ für die •ifibenfeapaliene Nonpareille*«!(• IW II«, AnselKeaacblafi DUosta( and Freitag »*chmitUga 4 Uhr. T*»*r>l0׳n: Ami Uliinnd (Al und Bit». i*©*ts<he1Lk*mtol Berlin Nr. »7 392. Kür Oesterreich: Poataparkeaarnanit Wien, Koala Nr. 15r*0fö. Kür Tschechoslowakei: Postaparkfts»«natnt Prag, Koala Nr. 156Q?& RodakÜonajichUB Soanlag und Mitlwoch nachmittag». 9. ljar 5680 XXV. Jahrg. Dur Zloalnmua erstrebt für das J&discbo Volk dla Schaff an*׳ «I«*« 3f fentlldb-rochtllch gesicherten Heimstätte ln Palästina. ״Baseler Programm* Gekommen Ist die Stunde Das Ereignis, auf das das ganze jüdische Volk seit zwei Jahren mit Bangen und Sclnisudit wartet, ist eingetroffen. Der Oberste Rat der Großmächte hat bestimmt, daß Palästina die nationale Heimstätte für das jüdische Volk werden soll und hat Großbritannien beauftragt, als Mandatar' macht ein Statut auszuarbeiten, nach welchem dieser Prozeß vor sich gehen soll. Seitdem am 27. Februar 1919 die Vertreter des jüdischen Volkes der Friedenskonferenz unsere Forderungen vorge- )egt haben, war ein Stillstand eingctrclen und die Entscheidung aus allerlei Gründen immer wieder verschoben worden. Der Aufschub hatte nicht nur eine gedrückte Stimmung im! jüdischen Volk, das gerade in diesen letzten zwei Jahren die schreck• Hellste Zeit seiner Galuthgeschichte durchlebte, sondern auch krisenhafte Zustände in Palästina selbst zur Folge, die gerade in den letzten Tagen in den syrischen Aspirationen und in den Exzessen, in Jerusalem zum Ausbruch kamen. Diese Verhältnissc haben bewiesen, daß ein weiterer Aufschub der Entscheidung eine Katastropire wäre. S!o ist denn eidlich auch das Schicksal Palästinas geregelt worden, und diese Regelung wird in den türkischen Friedensvertrag aufgenommen, der am 10. Mai überreicht werden soll. Entgegen allen in den letzten Tagen ausgestreuten Gerüchten sind die Großmächte den gegebenen Versprechungen treu geblieben und haben die Balfour-Deklaration sanktioniert Damit ist Palästina den Juden zugesprochen; die fast zweitausend jäh rige Epoche der Verbannung hat ihr Ende gefunden. Eine neuq Zeit hebt an; der Auszug beginnt; das jüdisdie Volk steht, des Wandenis müde, an der Schwelle des alten Heimatlandes, dem cs durch die Jahrtausende, in all den Leiden und Nöten der jWimderschuft, unverbrüchlich die Treue gewahrt hat. Diese historische Stunde, die uns zu erleben vergönnt war, ist zu groß und zu ernst, als daß wir in laute Begeisterung und Jubel ausbreclicn dürften. Wir danken bewegten Herzens den Völkern und Männern, welche unsere Not und unser tragisches Geschick verstanden und den Willen bekundet haben, uns zu kmsener Befreiung zu helfen. Wir sind glücklich, daß gerade an unserem Volke in dieser trüben Zeit eine Tat der Gerechtigkeit getan werden konnte, die vielleicht dazu beitragen wird, die in dunkles Verhängnis versunkene Welt zu entsühnen. Wir danken vor allem jenen Mannerrt, die als Vertreter des jüdischen Volkes seit mehr als drei Jahren unermüdlich ■und allen schweren Hindernissen zum Trotz, in aufrechtem Glauben an die Güte der Sache, in oft schier übermenschlichem Ringen mit tückischen Widersachern die Sache unseres Volkes geführt haben und mm mit Genugtuung den Erfolg ihrer Arbeit erleben. Ihr Verdienst wird nicht vergessen werden und wird in den Annalen der jüdischem Geschichte für alle Zeiten vermerkt sein. Aber wir, die Massai des jüdischen Volkes, wir selbst müssen gestehen: .Wir haben noch wenig getan für unsere Erlösung, unsere Leistung ist zu gering, als daß wir {eiern dürften. Gerade die letzten Tage, die alles in Frage zu stellen schienen-, haben eine gewisse erziehcrischc Wirkung für uns gehabt, und uns erinnert, daß wir uns nicht mit dem Bewußtsein erhaltener Zusagen zufrieden geben dürfen, daß wir noch weit vom Ziel sind, solange wir selbst nicht die Arbeit getan haben, die keiner für uns tun kann. Nun ist die Stunde gekommen, die von uns die Leistung heischt. Wir haben uns ״och nicht einmal innerlich auf die Befreiung vorbereitet; wir stehen vor der Gefahr, daß es uns so ergeht wie einst dem ersten Geschlecht des •Aus׳- Zuges aus Aegypten, das wegen seiner Kleinmütigkeit verworfen wurde und in der Wüste sterben mußte. Die nächsten Monate schon werden lehren, ob wir der Aufgabe gewachsen sind. Der Weg ins Freie ist mit Dornen gepflastert; wehe 1sn% ן0 ntscßciciiing ¥011 Einverleibung der Balloui* « Deklaration In den türkischen FriecSesisvertrag London, 25. April 1920, 6.15 Uhr abends (Telegramm der Jüd. Rundschau). Reuter berichiei aus San Rcmo vom Samstag (wörtlich): »Die Konferenz hat die Einverleibung der Ralfour״Erklärung in den Friedens-Vertrag mit der Türkei beschlossen, die vorsieht, daß Palästina das nationale Heim der Juden werden soll, unbeschadet der Rechte der arabischen Bevölkerung.״ Exchange Tclcgraphc Agency berichtet ferner unter demselben Datum: »Der Oberste Rat hat das Mandat für Palästina an Großbritannien gegeben, indem er Frankreich und Großbritannien die Regelung der Grenzfrage überläßt. Es ist ferner beschlossen, deß das Statut, das Großbritannien für Palästina auszu״ arbeiten hat, Bestimmungen über die Errichtung einer nationalen Heimstätte für die Juden gemäß der Balfour- Deklaration enthält Der Schutz der religiösen Gemeinschaften, der früher von ׳ Frankreich ausgeübt wurde, soll in Zukunft den zuständigen Konsu״ laten anvertraut werden. Die Frage der Bewachung der heiligen Stätten soll in Kürze geregelt werden. Der Franziskaner-Orden hat ersucht, daß eine Spezialkommission eingesetzt werden soll, um seine Frage zu prüfen.״ wenn wir uns nach den Fleischtöpfen der Knechtschnft zurücksehnen! Das Werk der Bef re hui״ heischt ungeheure Anstrengungen. Ein Neues soll von uns geschaffen werden., d'xs nicht seinesgleichen hat in der Geschichte. Seien wir uns ,der Größe, aber auch der Schwere unserer Sache bewußt! Palästina ruft jüdisdie Menschen, die in Freiheit leben und arbeiten wollen, die die Schmerzen der Schöpfung auf sich zu nehmen bereit sind. Die letzten Ereignisse haben gezeigt, daß die Vcrstärkung der jüdischen Itositioncn. dringend crfordcrlidi ist. Die arabisdic Gegnerschaft ist nach den übereinstimmenden Darstellungen künstlich■ entfacht;!das arabische Volk selbst sicht die Vorteile einer jüdischcn Einwanderung ein und wird sich überzeugen, daß die Juden in friedlidier Absicht kommen. Die endgültige Entsdieidung der Friedenskonferenz wird zweifellos audi den Verhetzungsversuchen ein Ende machen, welche diese Entscheidung noch im letzten Augenblick beeiltflusscn wollten. Die jüdische Einwanderung wird jetzt beginnen, wir erwarten zuversichtlich, daß die Tore Palästinas sofort geöffnet werden. Der Moment jst da, wo die Arbeit .beginnt, auf die wir solange gewartet haben und für die wir doch nodi nicht vorbereitet sind. Jetzt heißt es alle Kräfte zusammennelunen. Jeder muß verstehen, daß alles, was er bisher getan, nichts ist ini Vergleich dazu, was jetzt gefordert wird. Nur wenn jeder sein Acußersles tut, kann das Werk gelingen. Von uns liängt cs ab, ob Palästina Erez. Israel wird. Nodi kennen wir nicht die näheren Einzelheiten der Bestimmungen. Aber durch -den Beschluß von San Rcmo ist das Ziel des Zionismus, daß die Judenfrngc als politische Frage durch internationale Vereinbarung gelöst werden muß, errcidit. Das ist ein •großer, wichtiger Erfolg unserer politischen Arbeit. Aber die politische Lösung ist noch nicht die Lösung. Sie sdufft nur Möglichkeiten und Voraussetzungen, aber nidit neues Leben. Durch keine Beschlüsse von oben kann unsere Befreiung Wirklichkeit werden, sondern nur durdi unsereschöpferische Arbeit, durdi Aufbau eines neuen Lebens. Dies wird die Lösung der Judenfrage »ein, die — nadi Henris Wort — nicht nur uns beglückt, sondern auch mächtig hinauswirkt zum Heile der Menschheit. Der Rat der Völker lrat gesprochen. Nun trat das jüdische Volk das!Wort Möge es Sich der historischen Stunde würdig erweisen. R. W. Festsitzung im Berliner Büro Am Montag, den 26. April, zu Mittag, fand in .den festlich geschmückten Räumen des Zionistischen Zentralbiiros» in Berlin eine feierliche Festsitzung statt, tut welcher die Mitglieder des Actions-Comites, des Vor- Standes der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, sowie zahlreiche Gesinnungsgenossen tälnahmen. Den Vorsitz führte Herr Dr. Klee. Dr. Klee: Der große Augenblick ist gekommen, wo die Erfüllung uns •rer Sehnsucht eingetroffen ist Idi habe Ihnen die Mitteilung zu machen, daß bei uns folgendes Telegramm eingelaufen ist. (Verliest das Londoner Telegramm im Wortlaut.) Wir wollen dankbar sein gegen den, der die Geschicke unseres Volkes von der Urzeit bis auf den heutigen Tag so sichtbar gelenkt hat. Wir danken den Männern, die uns mit Tatkraft und Energie den Weg geführt haben und die uns weiterführen werden, nadi Erez Israel. Wir wollen Kraft schöpfen aus diesem großen Moment, wir wollen all unsere Kräfte und all unsere Mittel in den Dienst unserer Sache stellen. Von Hermann-Struckj dem Vorsitzenden des Deutschen Misrachi ist von dem eben tagenden Delegiertentag nachfolgendes Schreiben eingelaufen: ״Die glückverheißende Nachricht, die Sie uns soeben übermitteln, hat uns aufs höcliste erfreut und die Iiellstc Begeisterung bei mss auagelöst, der wir im Dank zu Gott nach uralt jüdischer Weise Ausdruck verliehen haben. Nehmen Sie im Moment des historischen Wendepunktes im Geschicke unseres Volkes unsere wärmsten brüderlichen Glückwünsclie. Mit herzlichem Zionsgruß; , Dclogicrtcntag des Misrachi ln Deutschland, gez. Hermann Struck.“ - Professor War bürg: Ich brauche in diesem Kreise nicht näher auf die Bedeutung des Ereignisses von San Rcmo liiiizuweisen. Es geziemt uns aber heute derjenigen Männer zu gedenken, die uns als erste den Weg gewiesen haben und in der schwersten Zeit unsere Führer waren. Wir gedenken unseres Herzl, des Schöpfers unserer Bewegung und Wolfsohns und der andern, die diesen Tag nicht mehr erlebt haben, be״ sonders unseres Tschlcnow. Wie würden diese Männer mit uns jubeln; doch auch sic liätten gewußt wie wir, daß das Ende unserer Arbeiten noch nicht erreicht Ist. daß jetzt erst die wirklich schwere Arbeit beginnt. Aber sie liätten auch mit'voller Kraft und Inbrunst diese Arbeit weiter fortgeführt. Wir wollen geloben, ihrem Beispiel der unermüdlichen Arbeit zu folgen. Die Jahre, die uns bevorstchen, werden schwere Jahre sein. Wir alle werden unser Äcußerstes aufbieten müssen, um den Forderungen, die die Stunde an uns stellt, auch nur einigermaßen gerecht zu werden, aber wir haben das feste Vertrauen, daß es uns geringen wird. Wir wissen: Wir stehen ln einer der ernstesten, größten und verantwortungsvollsten Stunden der jüdischen tteschichte. Möge es sidi erweisen, daß wir ihr 011ץ gewachsen sind. * Dr. Schmarja Levin: Freunde, ich habe das ganze Leben gesprochen und das Wort ist meine Waffe.

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