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Jüdische Rundschau · 1920-04-23 · Heft 26 (23.4.1920) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 26 (23.4.1920)
Date
1920-04-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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«r-י Redaktion und Verlag W. 15, SäAaUch• Str. 8, Erscheiat jede» Dieaitag und Freitag. Bextigapreb bei der Expedition und den FaatämWn *WUtjaWiirh 10 M, io Deutschland, Audandiabonnement» werden in der Wahrung der einxelnfin Linder bereomet. Nummer 26 Berlin, 23. IV. 1920 Anzei %cn- Verwaltung: Welt *Verlag, Berlin NW. 7, Dorath eK5n»tr»{U SS, Telephon: Amt Zentrum 4SI4 u. 4815. A*x«iff Llr dl« ■*«higeapaSUoe NonparolilftseU« 8,-* M taod 20% Teuaningraaachlag, AnsoigeaaebluB: Dlcnnts? am! Freitag nachmittag* 4 Uhr. ״־־״״־. ■־־ Tel«p!i0n: A^t UliUnd MS und S46. Feitadneckkontol BwHU« Nr, 17 ra Für 0«8tnr*ich: P«*tiparka**enamt Wien, Kootn Nr, 15St):»0, FlWT»che<he*!ownkeir Poeitparkattennmt Prag־, Konto Nr. 156 030. Re(UM;on»»d־!W8 SonnUf und Mittwoch n*dh»itta|i. 5. Ijar 5680 XXV. Jahrg. Dmt ZIcmiaiuuB •ratr*bt f 2r diu Jödlaclio Voll: c2«a ScbaCZungr einer Sgfontlich-iroch tLSch gesicherten IlelnMtStt® la PaUUtlam. nÜMelw ProgiMaa• i •1 I Wer sind die Schuldigen? ״Haolam“ schreibt in einer Besprechung des ,.Pogroms in Jerusalem“: ״Jedes Kind weiß schon an der Hand der fragmenlarischen Nachricliten, die wir haben, daß alle offiziellen Erzählungen, die durch Reuter ausgvgeben werden, einfache Lügen sind, und daß man lügt, ist ein Beweis dafür, daß die Administration an allem schuld ist. Wozu brauchen wir noch Beweise, da doch die Wahrheit nur zu klar ist. Es ist kein Pogrom, den die Araber gemacht haben, sondern ein Pogrom, welcher unter Benützung der Araber in bestimmter Absicht v e r a n s t a 1 - t e t wurde. Es ist das gewöhnliche politische Mittel, dessen sich die lokalen Beamten bedienen, um ihre Tendenzen zu stützen, um auf die Zentralregicrung manchmal selbst gegen die Anschauung der Letzteren Einfluß zu nehmen. Die Psychologie jedes Beamten und besonders in einer fernen Koiniiie ist zu jeder Zeit und an jedem Ort dieselbe. Er liebt das Gewohnte, das Einfache, er will die Sache nicht komplizieren lassen, er liebt Disziplin, Ergebenheit und vor allem liebt er nicht, wenn die Vertreter seiner Untertanen irgendwelche Bcziehungen zu seinen Vorgesetzten haben und sich bemühen, von oben her Weisungen gegen seinen Willen zu bekommen. Alle Beamten irn Lande mit .wenigen Ausnahmen sind Antizionisten, nicht aus hochpolitischen Gründen, sondern afas einer gewissen Denkfaulheit, weil sie eine ungewöhnliehe und komplizierte Sache nicht verstehen, die von ihnen eine besondere Einstellung verlangt. Wenn der Beamte mit Indern, Hottentotten oder arabischen Fellachen zu tun hat, dann geht alles nach Wunsch; sind irgendwo Unruhen «־uisgebrochen, schickt er einige Soldaten und alles ist in Ordnung. Und so Wäre auch die Sache in Palästina gewesen, wenn nicht die jüdischen Einwohner und die Zionisten wären, welche den Beamten nicht unbeschränkten Herrn sein lassen, welche Forderungen und Beschwerden haben, welche Lärm schlagen und Weisungen bei der Zentralregienmg durchsetzen. Man zwingt ihnen eine Politik auf, welche von ihnen besondere Aufmerksamkeit und Verständnis verlangt. Beinahe das ganze Okkupationsjahr verging mit Reihungen zwischen den Zionisten und den palästinensischen Beamten, die Letzteren geben Befehle und die Zionisten bemühen sich bei der Zcntralregicrung erfolgreich darum, daß sic aufgehoben werden. Selbstverständlich sind die Beamten den Zionisten nicht wohlgesinnt. Um aber auch auf die obere Politik einzu wirken, gibt es ein bewährtes Mittel: Die •Veranstaltung v״n Pogrom(,‘!! mit ihrem offiziellen Kommentar, um gewissermaßen zu zeigen, wohin die zionistisehe Politik führt. Die Erregung der Eingeborenen, die eine Gefahr für die Juden selbst bedeute, ist eine bekannte Formel, die seit den Tagen Plchwcs immer wieder wiederholt wurde. Wir wissen noch nicht, ob die lokale Politik einen Widerhall bei der Zentrale gefunden hat. Noch ist die Luft voll von Lügen, die offiziell verbreitet werden und noch ist die Wahrheit in ihrem vollen Umfang nicht aufgeklärt, denn die Schuldigen bemühen sich noch, ihre Schande mit allerlei erdichteten Vorwänden zu verdecken. Wenn die Zentralregierung die Schuldigen nach Gebühr be- 'trafen wird, dann werden wir und die ganze Welt wissen, daß iiire Hände rein sind, wenn nicht ־.•••» einen solchen Gedanken wollen wir gar ״>cht aufkommen lassen “ , " 11 1״ c א c Europc“ vom 15. April schrei!!0י 6 , ל ‘ n, dal) die militärische Besetzung P na>"n vicle״ Enttäuschungen Aniah gegeben hab 1 »evoikcrung Palästinas wußte nicht, was ihr notti h. F ״torc" habc״ sic irregeleitet. Der Oberbefehl u. ״a־•>״ nicht genügend Mittel; der Transport wart 'r *euer und der polizeiliche Schutz, bei der niedrig( der Polizeiorgane, unzureichend. Das Lai «'.ment ״einen Zufluß von jüdische r Energie, Intel 1)״d Idealismus“, ln der arabischen Agitatk 1!egt nichts, was die Alliierten bestimmen könnte, v*c turvn Verpflichtungen den Zionisten gegenüber abz gellen. Die Kalteag der englischen Regierung (Siehe auch Letzte Nachrichten.) •' Die Araber droben mit Pogromen Ablehnung des arabischen Ultimatum!» London, 16. April. Die Zionistische Organisation hat aus zu verlässiger Quelle in Palästina die Nachricht erhalten, daß eine Gruppe von Arabern an die Verwaltung die Forderung gestellt hat, daß binnen fünf Tagen die Zionist Commission kassiert, ihre Leiter ausgewiesen und das jüdische Bataillon aufgelöst werden soll, widrigenfalls sic ein allgemeines Judenmassakre anordnen werden. Die Fellachen und Beduinen der einzelnen Distrikte des Landes hätten bereits diesbezügliche Befehle erhalten, Die Nachricht besagt, daß die V e r w a 1 - tung diese Forderungen angenommen hat, daß sie jedoch später von Lord Allen by zurückgewiesen worden seien. Mit Rücksicht auf diese beunruhigende Nachrieht hat die Zionistische Organisation sofort Vor- Stellungen im Londoner Auswärtigen Amt erhoben, worauf folgende Erwiderung gegeben wurde: Es ist ein Telegramm an Lord Allenby abgesandt worden, mit der Weisung, daß 90fort Untersuchung über den Tatbestand eingelcitet, alle möglichen Maßnahmen zur Verhütung der Möglichkeit einer Wiederholung derartiger Vorfälle getroffen werden sollen und daß die arabisehen Forderungen bezüglich der Auflösung der Zionist Commission und der Demobilisierung des jüdischen Bataillons nicht erfüllt werden können, Anfragen in! Unterhaus Bonar Law über die Vorgänge in Palästina Im englischen Unterhaus fragte am 14. April 1920 Lord Robert Cecil, ob der Herr Premierminister ״Informationen über die jüngsten Unruhen in Palästina geben kann; wie sie entstanden sind; wie lange sie dauerten und welche Verluste waren; welche Schritte unternommen worden sind, um eine Wiederholung zu vermeiden“. Leutnant Colonel Malone gibt eine Anfrage an den Unterstaatssekretär dos Auswärtigen bekannt, ״ob ■er irgendwelche Nachrichten über die letzten Unruhen und Pogrome in Jerusalem habe; und ob er Mitteilungen über die gegenwärtige Lage dort machen könne.“ Auf die Anfrage von Lord Robert Cecil antwortete Bonar Law in der Sitzung vom 15. April: Am Morgen des 4. April ereigneten sich antijüdlschc Kundgebungen in 'Jerusalem. Sie scheinen ver! nlaßt worden zu sein durch eine rein religiöse Prozession, die infolge aufreizender Ansprachen als politische Kundgebung gedeutet wurde. Es wurde erforderlich, die Polizei durch Militär zu verstärken. Die Polizei soll ihre Glaubensgenossen unterstützt haßen; sie wurde zurückgezogen und entwaffnet. Am 5. begannen die Unruhen in der Stadt von neuem. Am 6. war die Situation unverändert. Es wurden einschließlich der Leichtverwundeten, die keine Behändhing brauchen, zwei Todesfälle und 186 Verwundungen gemeldet. Das Militär bewacht jetzt die Stadt und die letzten Berichte zeigen, daß, obgleich der Rassenhaß noch starte ist, sich keine Gewalttaten mehr ereignet haben. Lord Robert Cecil fragte ferner: : ״Besagt die Antwort, dai) die Unruhen drei Tage andauerten? Wenn ja, soll eine Recherche angcstellt werden, wieso sie so lange andauern konnten, trotzdem beträchtliche englische Streitkräfte da waren?“ Bonar Law erwiderte: ״Sie dauerten zwei Tage, meinem Eindruck nach. In der Antwort, die ich gegeben habe, heißt cs wörtlich: Am 6. war die Situation unverändert. Meiner Meinung nach heißt das, daß die Lage wieder normal geworden war; mindestens ist es unklar.“ Hauptmann Ashley fragt an, welche Schritte getan werden, um die Juden׳ in den anderen Städten Palästinas zu schützen. vBonar Law antwortete, daß inzwischen die Verantwortung für Palästina General Allenby trage; er sei sicher, daß er alle erforderlichen Schritte tun werde. Am nächsten Tage fragte Colonel Wedgwood den Premierminister, ob er dem Haus irgendwelche 1 Aufklärungen über die bedauerlichen Unruhen in Jeru- salem geben könne? Bonar Law: Ich verweise auf die Antwort, die ich gestern auf eine ähnliche Frage meines Freundes, des Abgeordneten für Hitchin, gab. Colonel Wegdwood: Können wir annehmen. daß die Gerüchte aus Amerika, die in der Presst erschienen sind, ganz, unbegründet sind, und daß diese Unruhen die englische Regierung nicht veranlaßt haben, ihr Vorhaben, Palästina zu einer Heimstätte des j&tfcsehen Volkes zu machen, zu ändern? Bonar Law: Ich glaube nicht, daß irg.cnd ein Wechsel in unserer Politik cingctrctenist. Graf Winterton: Ist Ihnen bekannt, daß be« jeder Gelegenheit unter türkischer Herrschaft während der letzten fünfzig Jahre sich Unruhen ereignet haben, und daß es nur ein unglücklicher Zufall ist, «laß sw siel» jetzt ereigneten? Arabische Proteste gegen die antizionistische Demonstration Als Beweis dafür, daß die jüngsten antizionistisehco Demonstrationen in Jerusalem von Extremisten ins Werk gesetzt waren und nicht die Haltung der gesamten arabischen Bevölkerung darstelfc«, besonders ,nicht der Fellachen, sind Proteste gegea die Demonstrationen aus zahlreichen Dörfern bei General Bois, dem Chief Administrator von Palästina, eingelaufen. Wir bringen im folgenden die Abschrift eines dieser Dokumente: An den Chief Administrator, O. E. T. A. (Süd), Jerusalem. Geehrter Herr! Wir erlauben uns, Ihnen die Gefühle unserer tiefsten Ehrfurcht zum Ausdruck au bringen, gleichzeitig mit unserni Protest und der Bitte, ihn an die Friedenskonferenz und die engiischc Regierung weiterzugeben. Um zunächst das Manifest und die Dcmoustrstionen von ein paar Menschen in den palärfincnsischeu Städten, speziell in Jerusalem und Jaffa unwirksam au machen, fordern wir, da wir, die Unterzeichneten, die Majorität darstellen, nämlich 70 Prozent, und auf dem Land und den Gütern 9;) Prozent, daß die Verwaltung und Regierung unserer Städte unter die Kontrolle und Oberaufsicht Großbritannien■ gestellt werde. Wir werden jede Entscheidung oder Verordnung anerkennen, die von Großbritannien in Bezug auf irgendeine Person oder Sache erlassen wird. Wir steilem ferner fest, daß die zionistische Einwanderung keine Gefahr für das offestliehe oder private Interesse bedeutet und daß unsere Beziehungen zu den Zionisten sich auf Gerechtigkei; aufbaue« werden. Es folgen 203 Unterschriften aus 82 Dörfern. Pressestimmen ״T11 e N a t i o n“ schreibt in der Nummer vom 17. April, mit Bezug auf den türkischen Friedensvertrag,^daß über die einzelnen Geb'iete der Türkei noch Entscheidung getroffen sei. ״Es erscheint jetzt z w e i f e 1 h a f t, ob das von Mr. Baifour gegebene feierliche Versprechen, das gams definitiv war, Palästina als nationale Heimstätte für die Juden zu bestimmen, in Wirklichkeit erfüllt werden wird. Der Em i r Fa i s u l beansprucht Palästina als einen Teil des syrischen Königreichs und es bildet sogar einen Teil des ״arabischen Eilandes, welches die Moslems als besonders geheiligt mischen. Die örtlichen Chrästeu sind einer Meinung mit den örtlichen Arabern in ilirem Widerstand gegen den Zufluß einer neuen jüdischen Bevölkerung. In Jerusalem war ein kleiner Pogram und eine zionistische Kolonie bei Mctuliah ist von den Arabern zerstört worden. Jetzt ist vo rges cli la gen, das Land dem Faisul und den Arabern ־zu übergeben, unter Vorbehalt von Minoritätsrechten für die Juden nach der üblichen Art. Ein solcher Vertrag wäre noch wertloser, als der ähnliche Fetzen Papier mit Polen, und eine solche Lösung wäre das Ende des 1 i o n i s l i s e 11 c 11 Traumes. Wenn diese Gerüchte sich bestätigen, könnte der ,Wortbruch gegenüber den Juden nicht verhüllt werden und die Vera.itworlung wird gereehterweise ausschließlich auf unser Auswärtiges Amt fallen, welches bereits verfrüht viele Dankbarkeit von diesem verlassenen Volk cinkassiert hat. Die Wirkung auf die ameri- 1 kanische öffentliche Meinung wird besonders ernst

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