Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXV (1920)
- Issue
- Heft 25 (20.4.1920)
- Date
- 1920-04-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 190 JUEDISCHE RUN DSC Hj/v uomie auf Grundlage der jüdischen Sprache, als Volkssprache mit Ausschaltung des Hebräischen. Wäh• rend der Zionismus im Paüistinisnms den Schwerpunkt «einer Tätigkeit, in der Oalutharbeit nur seine sekundäre Arbeit erblickte, proklamierten die Folkisten die Kleinherrsch»ft der Oalutharbeit und!negierten teils zur Gänze Palästina, teils verhielten sie sich dem palästinensischen Programme gegenüber mit einer lauen, haJbspöttclmlen Neutralität. Deshalb werden die Folkisten 'mit Recht ״bürgcrliche Bundisten“ genannt. Die Gleichgültigkeit dieser Partei gegen die Palästinafrage hat 'sich jetzt unter dem Einfluß der letzten Ereignisse geändert, die Galuthpolitik. blieb jedoch dieselbe. Der politische Einfluß dieser Partei kann nicht als Irrelevant betrachtet «׳erden, doch bröckelt er von Tag zu Tag ab. Desto erbitterter ist ihr Kampf gegen die zionistische Organisation. Arm an Führern lebt er nur noch von der Popularität seines Begründers, eines begabten und energischen Volkstribunen. Die Folkisten lehnen, um die Reste ihres Einflusses besorgt, die Vereinigung des bürgerlichen Lagers ah und wirken deshalb laational-destruküv. Noch unlängst mit den Bundisten liebäugelnd und von ihnen, wo cs galt die Zionisten ztt schwächen, heimlich unter• stüt2t, suciien sie heute fallweise, im Widerspruche zu ihren ideologischen Grundsätzen, eine Anlehnung an die früher bekämpfte Orthodoxie. Die programmatischeil Unterschiede zwischen Zionisten und ■Folkisten in bezug auf Galuthpolitik sind nicht unwesentlich. Mit dem Momente jedoch, als die Zionistische Partei, wie bereits erwähnt, die Galuthpoiink als Selbstzweck akzeptiert hat, hat der iiieritorisciie Kampf seine Spitze eingebiifit und artet in einen Kampf um die Hegemonie im Volke aus. Da jedoch der soziale Habitus beider Orgmisationen identisch und zwar kleinbürgerlich ist, gibt cs für die Dauer keinen Platz für beide Parteien nebeneinander. Wenn nicht alles trügt, werden die Folkisten unterliegen. An ihrer letzten Ratmännerkonferenz nahmen kaum einige Ratmänner teil, während die zionistisclie über zwei Hundert vereinigt hat. Das Los der Folkisten wird — so paradox cs auch klingen mag — von dem Maß und Tempo der Realisierung der Palästinafrage abhängen. Eine der Interessantesten und kompliziertesten Fragen im jxiinisclien Judentum bildet die Organisierung der Orthodoxie als politischer Faktor. Ohne sie kann ein einheitliches nationales Programm nicht geilacht werden. Sie stellt eine eigene Kulturajisdiauung dar. Starr und konservativ im Wesen und potentiell ein konstruktives Element, in ihren Auswüchsen verderbt und reaktionär, bildet sie doch den größten Teil des polnischen, insbesondere des galizischeu Judentums, weicher für die nationale Renaissance gefügig gemacht und aus welchem ein großer Teil unseres nationalen Gebäudes gebaut werden muß. Von diesem Gesichtspunkte aus bedeutet die letzte Entwickiungsperiode der polnisch-jüdischen Orthodoxie einen bedeutenden Fortschritt. Er ist das sozial-pädagogische Verdienst der zionistischen Idee. Vier Fünftel der Orthodoxie sind in Polen bereits organisiert oder stehen im Wcichbiidc der orthodoxen Organisationen, vier Fünfte! der Ortliodoxic stehen klar auf dem Boden der nationalen Idee oder sind zumindest national-religiös orientiert. Die apolitische und um das Los der jüdischen Nation nicht bekümmerte Orthodoxie der nicht fernen Vergangenheit hat einem immer tiefer werdenden politischen Kristaili- »ierungsprozeß Platz gemacht. Oie ״Misrachi“ bilden die Ueberbrückung vom nationalen Bewußtsein zur indifferenten Orthodoxie. Deren Einfluß steigt alltäglich, wenngleich sic im Kampfe mit der zweiten orthodoxen Partei ״S c h 1 o m e Emu n e Israel“ den schwächeren Teil bilden. Die Misruchi sind der mehr aufgeklärte, mehr fortschrittliche Teil in der Orthodoxie. Sie haben jedoch letztens unter dem Einflüsse der ״Schlome Emune Israel“ eine Schwenkung nach rechts gemacht, um desto leichter die Orthodoxie für sich zu gewinnen. Sie arbeiten jetzt von der ziouistlschen Organisation getrennt, bilden jedoch nichtsdestoweniger denjenigen Teil in der Orthodoxie, der prinzipiell eine nationale Verständigung nicht ablelint. Charakteristisch für den ״Misraclii“ ist der Bcsch.uß seiner letzten Landeskonferenz, wonach der Frau das Wahlrecht grundsätzlich zuerkannt wurde. Der ״Misradii“ entfaltet jetzt eine rührige Tätigkeit auf dem Kultnrgebiete, insbesondere in Kongreßpolen. Galizien wird diesbezüglich vernachlässigt. Der Kampf zwischen ״Misrachi“ und ״Schlome Emune Israel“ ist nidit minder gehässig, als jener zwischen ״Bund“ und ״Poale-Zion". Die ״Schlome Emune Israel" bilden den klerikalen, konservativen Flügel des Volkes. Sie sind die Erben der assimilatorischen ״Agudath Haorthodoxiin“, stellen jedoch heute schon auf nationalem Boden und haben sich vom politischen Einflüsse der assimilatorischen Partei theoretisch ganz, praktisch fast ganz freigemacht. Ihr national-politisches Programm betont vorwiegend den religiös ethnischen Charakter des Volkes und stellt sich der Säkularisicrungsidee heftig entgegen. Die Partei steht im Kampfe mit der zionistisehen Organisation und mit den ״Misrachi“, den sie als Exponenten der zioni«tischen Organisation betrachtet. Sic besitzt nunmehr iu einigen Hunderten Ortschaften ihre Zweigstellen. Schon der Umstand, daß sich die Abgeordneten dieser Partei im Parlamente nicht den Assiinilanten, sondern der jüdtsch-natio• n a len Vcrei 11 igu 11 ״an geschlossen haben, beweist, welch weiten Weg die Orthodoxie seit der ״A״udath Ilaorthodoxim“ aus der Okkupationszeit bis auf den heutigen Tag zurückgclcgt hat. Daß die Orthodoxie zur Organisierung gezwungen wurde, bedeutet schon einen großen Fortschritt. Die Organisation ist der Ausgangspunkt zu ihrer politischen Nationalisierung. Nicht fern liegen die Zeiten, in welchen das Lesen einer jüdisehen Zeitung, einer hebräischen Broschüre bei der Orthodoxie als genügender Grund galt, um in den Bann gelegt zu werden. Heute muß die Orthodoxie sich mit denselben Mitteln organisieren, welche sie mit Recht als Gefahr für ihre starre Abgrenzung von der Außenweit bis nun verpönte. Aus ihren eigenen Zeitungen quillt mm jene Kraft, die der Orthodoxie’das Vorhandensein eines jüdischen, nationalen Kampfes zum Bewußtsein bringt. Darin liegt die Tragödie der orthodoxen Welt. Der nationale Werdeprozeß ist hier noch nicht abgeschlossen, die ״Schlome Emune Israel“ enthält heute noch sehr heterogene Elemente, die organisatorisch mehr durch die negative Notwendigkeit, sich mit allen Mitteln י gegen den Zionismus als moderner Strömung zu wehren, als durch ein positiv herausgebi'.detcs Programm festgehalten werden. Deshalb sträuben sic sich gegen die nationale Einigkeit, gegen ein einheitliches, nationales Programm, weil sie von der Berührung mit anderen Parteien die Untcrwiihlung ihrer verknöcherten Kulturnnsdiauung nicht ohne Grund befürchten, Sie führen deshalb eine selbständige Politik, was sie zu desto stärkerer Organisierung und Propaganda aneifert. Hierdurch aber werden dem immer noch beträchtlichen Reservoir der verstockten, weltfremden, finsteren, ultraklerikalen, sozial-ethisch nicht empfindsamen, politisch indifferenten Orthodoxie immer neue Schichten entrissen und in den revolutionären Nationaüsicrungskreis unausweichlich cingesteilt.! Es bleibt noch der ״H a poi 1 - H a z a I r". Diese Organisation scluut in Polen kaum auf eine Geschichte von einigen Monaten zurück. Sie hat daher im politischnationale״ Kampfe noch sehr wenig mitzureden. Sie enthält jedoch gesunde Keime. Organisatorisch den Standpunkt der Einheit der zionistischen Organisation vertretend, bildet sie dessen Unken Flügel und wacht darüber, daß der Zionismus in der Erfüllung seiner! historischen Mission im Galuth, der ,Nationalisierung t ^cs jud,sehen Volkes nicht allzusehr dem rechten Fliigei verfaß mul nicht vom treibenden Faktor zum getrie- | benen wird. טרודה שטערנגלאם אברהם בן שלמה ברמן מאירשיט מאנהיים (יפו) מאנהיים Daltietgilr. 3. H 0677 Am Donnerstag, den 22. April, nachmittags 3 Uhr findet eine Erofffiiinisfdep der neuen Sudlsclien Bnindschule iu den Schalräumen, l.inlemtr!9 statt. הזמיר ודרה כנסת ישי־אל, אגודת בתי ספר יישראיז /׳׳ "\ Fiieda Jacobsohn ו Dr. oud, Fritz Mayer Verlobte Eisenacher Straße 78 Prenzlauer Straße 17. J RjgSSgSOEgaUB V'-iiiX»g5Wi.g:;f yw 11W.! .■:»ui unmn Bar itochba die einzige jüdisoho lugend- Zeitschrift Inj;Deutschland. /-'--- --"י.....י"־". nett« Mayer ץ CmI Wett Verlobte “ Frankfurt a. MApril 1920 »1 Frl«,!borget Anlage 80■ j Dr. Ephraim Chamlzer Hadassa Chamlzer, geb. Abraham Verm&hlto surzalt Schuveningeu, Parkweg 16 > j f 1);0 Geburt ilirse Sobno» Alfred Jullu, roig.n au 'N ObarloUonWjr, 15. April!0.0 Neue Kantrtr. 3111 a7.Nte»an608ö Dr. Siegfried WoUf V und Fr•“ Hcteue, g. b Lion. y Erich Mokrauer Hetly Mokrauer, geh Boseablatt Vermählte 1 FraukfUrt a. M., Fichtostr. 7 April 1Ü20. -— -. ...-— — ———■לל Statt Kartenl \ Dia Geburt ihrer Touhter Uui'.i Hanna go\,״n bekannt Dr. med. Lothar Loewe und Frau Lena. y^Hoil.bcrg i. Oitpr., den 8. April liiüa j Statt Karton! N Georg Frcudenitcln 1 LoU« FreudcuUcln, g«b, Hosä&bsrg 1 Frankfurt a. U., Varmlhlta I V-Martonlu.t.tr.15 U. April IM. j Beim Auxbloibon oder boi verspäteter Uoi’erang einer Nummer woltea sieh dio Postbezieher stets nur an den QrieärAger oder die zuständige Bestell-Pos tanstaü wenden. Erst wenn Nachlieferung und Aufklärung nicht in angemessener Frist erfolgen, wende man sich unter Angabe der bereits unternommenen Schritte an unseren Verlag. Der 1״ lapoehHazair“ kämpft in Polen mit den ״Zeire-Zion‘'. Beide bilden jedoch trotz Kampfes i״ der Keltc der jüdisch-nationalen Parteien zwei Glieder, die in unmittelbarer Nachbarschaft incitumlergrcifcn. Der Kampf ist gleichfalls ein Konkurrenzkampf. Beide Pro. grantine sind noch nicht klar herausgcbiUiet; beide betonen mehr oder weniger den volkasoziaiistischcn St«nd. punkt. Der Unterschied im Grade des Verantwortlich kcitsgcfiihls um das Los des ganzen Volkes, im Grade der Einschätzung des sozialen Kampfes Lm heutigen Judentum luat eine Verschiedenheit in der Anschauung über politische Taktik" der zionistischen Orgmj. satiou gegenüber ausgelöst, worin das Wesen da Kampfes liegt. Da jedoch beide Programme liier-ulamk noch verschwommen sind, so liegt eben in dieser beider• seifigen Verschwommenheit die Gewähr einer Annita rang, sofern die ״Zcire-Zion“ nicht den ״Poalc-Ztai». mus“ in die Arme schließen wird*). Aus dem Gesamtbilde ergibt »ich: in allen vier Weltanschauungen, der eozUlistischen, der bürgerlichen, der ortho• doxen, der volkssozialistischen, stehen sich zwei Parteien kämpfend gegenüber. Uebcrdies befehdet eine jede von ihnen alle anderen. Ein rege schillerndes Kampfbiid. Eine Annäherung und Verstiindigung wird nur unter der Bedingung plutzgreifcn können, wenn die innere Selbstzucht aller Parteien, wenn die Idee der kulturellen Einheit — politische und soziale Kämpfe können selbstverständlieh nicht ausgeschaltet werden — des Volkes,dieSeIbstsuchtundihrendestruktiven Hochmut ablösen werden. Die An- Zeichen hierfür sind zurzeit gering. Solange einsichtslose Parteizerklüitung den politischen Blick unterjocht, ist eine nationale einheitliche Kampffront und die Erwerbung der nationalen Rechte 1111• möglich. Der polnische Staat denkt vorläufig gar nicht daran, den Juden die Rechte einer nationalen Minorität zu geben. So oft eine jüdische Partei ihre national-kulturellen Forderungen präzisiert und der Regierung vorlegt, werden diese eine Stunde später von einer anderen Partei desavouiert. Der polnischen Regierung kann dieser Zustand nur genehm sein. Sie drückt sich ohnehin um die Bestimmung des Versailler Vertrages bezüglich dr jüdischeu Minorität herum, und das jüdische Volk erlcichteit ihr diesen Standpunkt Die polnische Regierung verschanzt sich hinter der Programmverschiedenlieit der jüdischen Parteien und lacht in die Fäuste. Die polnische Konstitution ist erst im Werden begriffen. Bloß ein kleiner Teil des Projektes wurde in der Kommission besprochen. Wird die Anerkennung der jüdischen Nation nicht in der Konstitution erfolgen, dann haben wir einen langen, sehr langen Kampf zu erwarten. Gerade deshalb ist die Vereinigung aller Parteien ein außerpolitisches Gebot der Stunde. Die Walilordination zum ersten Pariament hat das jüdische Volk um Dreivierte! der ihm gehörenden Mandate gebracht. Die Proportionalität der Wahlen kann stets durch die Wahlordnung faktisch gestürzt werden. Da unter den gegebenen Verhältnissen die Forderung eines nationalen Wahlkatasters wenig Aussicht auf Realisierung hat, so muß das jüdische Volk alle Anstrengungen machen, um eine gerechte Waldordr.ung zu erkämpfen, um so mehr, als Kräfte bei der Arbeit sind, auch dieses eine Viertel der nationalen Mandatc den Juden zu rauben. So wurde zum Referenten für die neue Wahlordnung der Prohst Lutoslawiki, ein Antisemit vom Schlage eines Puryszkievvicz, gcwäldt. Auch diese politische Frage beweist, welch faUle *) Nach den Ergebnissen der Prager Konferenz dürfte nunmehr auch in Polen die Vereinigung der zwei Gruppen in Kürze erfolgen. — A. d. R. Zahnpasta j bekannt als eins der zuverlässigsten 5 Vorbeugungsmütel 5 Segen alle Infektionskrankheiten, die vom g Hund und von der Rachenhöhle her Ihren Ausgang nehmen, leistet die besten Dienste jg. auch gegen Grippe! 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