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Jüdische Rundschau · 1920-04-20 · Heft 25 (20.4.1920) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 25 (20.4.1920)
Date
1920-04-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Redaktion and Verlfif V/. 15, Sächsisch® Str. 8, ErachKiat jedao Dienstag’ und Freitag. Be«ug*j>reie bei der Eipodition und den Poatamtern »iertelj»brltiJt 10 M, in DeutRcMand, Au*land*abr»nne• Dient« werdan in der Wahrung der •inteiucn Linder ImrecJinet. Nummer 25 Berlin, 20. IV. 1920 Anzel^en-Verwaltung: Welt-Verlag, Berlin NW. 7, Dorothe*v.»tra&• SS« Teleplioa: Äu>t Zentrum 4H14 u. 4B1S, Aat«tg«apret■ für die «ccimgetpalten• Nonpareille«•{(« 2״ — M,, und 70% Teuerungiiuachlajf, Anxoigcßechluü: DUnatag und Freitag nachmittags 4 Uhr.!7> n Telephon: Amt Uhland 645 und B4b. PotUdbedkkonto: Berlin Nr. 17 3V3. För Oe*1*n־«i<£j: Postaparkaseeaamt Wien, Koni* Nr. 156 010. Für T*d!evho*Uwakei: Poetapaukeiianamt Prag, Konto Nr. 156 030. RedaktioneathUQ Sonntag und Mittwoch oschroul ag*. 2. ijar 5680 XXV. Jahrg. ö*r Zlonüomu•• erntrebt filr da■ jüdische Voll; die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Ectnutatt* In PalStUn*. ״Baseler Pron:raDU* Einberufung des Großen Aktionskomitees . London, 16. April. Das Große Aktionskomitee ist zu einer Sitzung auf den 9. Mal nach London einberufen worden. Die Jahreskonferenz am 4. Juli London, 16. April (Telegramm der ,Jüdischen Rundschau“) « Die zionistische Exekutive hat die Jahreskonferenz für den 4.Juli nach Kar * b a d einberufen. __ Ein Artikel der ״Times‘4 zur Palästinafrage ״Das Versprechen kann nicht gebrochen werden“ London, 16. April. (Telegramm der ״JQd. Rundschau" — nach RedaktlonsschlnB eingetroffen.) ״Times״ bespricht In ihrem Leitartikel vom 15. April das von ihrem Washingtoner Korrespondenten wief.en .gebene Gerücht, daß England sich bestrebe das Palästina Mandat für Faisul zn sichern. Der Leitartikel sagt, die Brifr ir-Deklaration verkörpere die weiseste Politik und befriedige auch die leidenschaftlichen Hoffnungen der Zionisten. I $ t f ei erliehe Versprechen kann nicht ohne unermeßlichen Schaden gebrochen w*,den »ad soll in den türkischen Friedensvertrag mitgenommen werden. Bonar Law erklärte im Unterhaus mit Bezug auf diese Gerüchte, er glaube nicht, daB i. gen deine Aendernng in der Politik eingetreten sei. San Remo Die Friedenskonferenz tritt in eine neue Etappe. 1 in und ein Iinlbes Jaiir der Beratungen haben viel Enttäuschung und viel Entmutigung gebracht, seit lenem Augenblick, der in einem Aut rauschen der Erlö-ungshoffnung die gequälte Menschheit den Sieg der demokratischen Grundsätze, der Gerechtigkeit, des Sclbstbestiniinungsreclites der Nationen, des Gedankens der Abrüstung und Völkcrversöhnung wissen ließ. Viele haben an die neue Weltordnung geglaubt, viele glauben auch jetzt noch daran, trotz allem was dagegen zeugt; denn der Sinn der Geschichte!null sich auch gegen die Ohnmacht der Menschen durchsetzen. Aber heute ist die Welt noch ein Knäuel von kleinlichen, egoistischen Machenschaften, erfüllt von Haß und Unversöhnliehkeit, Habgier und Mißtrauen. Der neue Geist, der allein die Basis des Völkerbundes sein kann, lebt erst in der Sehnsucht müder, wunder Herzen. Der oberste Rat versammelt sieh in San Remo, sein langsames Stückwerk fortzusetzen, Er wird die türkische Frage verhandeln, als deren heikelster Teil sich in den letzten Wochen das syrische Problcm erwiesen hat. Nachdem monatelang von Da* maskus aus eine äußerst rege Agitation gegen die em.ipäischen Mächte, vor allem gegen Frankreich geiuhn worden ist, hat der Emir Faisul sich zum König des unabhängigen integralen Syrien ausrufen lassen, verlangt Abzug der europäischen Fmppen und hat einen richtigen Krieg gegen die Franzosen begonnen, dem auch die nördlichen jiklisehen Kolonien Palästinas zum Opfer gefallen sind. Der Verlust dieser Kolonien ist eine indirekte Folge des unseligen Sykes-Picot-Vcrtrages, der durch die Teilung der Interessensphären zwischen England י׳יי־יי Frankreich eien nördlichen Teil Galiläas von Palästina losriß; trotz der Revision des Vertrages wank entgegen den jüdischen Forderungen die Einheit des Landes bisher nicht hergestellt. Der Emir Faisul hat nun auffallend wenig Widerstand auf englischer Seite gefunden; dies wird von einem Zeiümgskorrespondenten dahin gedeutet, Üaß man die ״gemäßigten“ Forderungen des Emir erfüllen wall, um sieh vor den ausgreifenderen zu schützen, die von der panislamitischen Bewegung von Indien bis Aegypten drohen. Wenn die syrische Nation ihre Freiheit erlangt und in den Stand gesetzt wird, ihr Land neu aufzubauen, so ist das gewiß pu begrüßen; » ine andere Frage ist cs, ob die syrischen Araber unter den heutigen Verhältnissen in der Lage sein werden, *lies ohne Hilfe einer starken europäischen Macht zu tun. Aber mit Bedauern müssen wir dagegen protestieren, daß die arabische Nation, kaum zur Selbständigkeit erwacht, schon die Allüren ries europäischen Imperialismus anninunt und unersattlich ganz Vorderasien an sich reißen will. Audi das kleine Land Palästina, die ewige Heimat <ks jüdischen Volkes, soll als Bestandteil des syrischen Königreiches gelten. Seit etwa Urei Jahren!st die gesamte Kulturwelt sich darüber einig, daß das jüdische Volk Palästina bekommen muß. Nicht um irgend welcher Sentimentalitäten willen, die für «ms wichtig, für die andern belanglos sein könnten, sondern weil das jüdische Volk eine Heimat haben m u ß, weil die Judenfrage, eines der schwersten Probleme aller Völker, gelöst werden muß und nkht anders gelöst werden kann. Dies ist kein Raub am arabischen Volk; das arabische Volk erhalt völlig unverhofft ein riesiges Reich, dem gegenüber Palästina verschwindet; die paiästinensisclien Araber werden im jüdischen Gemeinwesen mclit nur ״bürgerlich“, sondern auch religiös und national völlige Entwicklungsfreiheit haben, sie wer- * V1 11'aterieil und kulturell außerordentlich ge- 'Vinnen. Schulter an Schulter, heißt es in dem Aufj ücs Wa>ad hasmani, will das jüdische Volk mit ’,.ra*>lsck(m Brudervolk Zusammenarbeiten an tier Wiederaufrichtung des schlummernden Orients, as jüdische Volk von 14 Millionen betrachtet al.isti.na als seine Heimat, die heute fast leer steht, wnter der türkischen Herrschaft maßlos vernachlassigt, jetzt der Erlösung harrend. ... °°ז Aufbau des Landes kann nur unter Mithufe einer starken Macht vor sich gehen. Es ist > unmittelbar einleuchtend, daß eine so umgewöhn- I liehe, eine so welthistorische Angelegenheit auch ungewöhnlicher Vorkehrungen bedarf. Als Schutzmacht für Palästina und für das jüdische Volk kommt nur Großbritannien in Betracht. England war der erste Staat, der Verständnis für die jüdische Frage bewiesen hat; ans einer Kette politischer und geistiger Traditionen ist die Politik erwachsen, die in Baitours Deklaration ihren ersten offiziellen Ausdruck gefunden hat. Es ist heute vielleicht an der Zeit, an die Wirkung zu erinnern, die die Deklaration auf die Massen des jüdischen Volkes ausübte. Sie wurde mit einer Stimmung gehobener Begeisterung aufgeuonunen, als Botin der Erlösiuig aus zwcitausendjähriger Pein. Das älteste Unrecht der Weltgeschichte .sollte — nach Batfours Wort — wiedcrgutgeniacht werden. Das jüdischc Volk an allen Enden der Erde hat England mit Gefühlen des Vertrauens und der Sympathie gedankt. Die Deklaration gehört zweifellos zu den Akten, welche wenigstens moralisch Englands Sieg entschieden haben. Seit der Besetzung Palästinas ist eine lange Zeit verstrichen, die Geduld des 'jüdischen Volkes wurde auf eine harte Probe gestellt. Inzwischen wurde weiter verhandelt und festgesetzt, daß der Traktat über Palästinas Bcstimmung als nationale Heimstätte für das jüdische Volk in den türkischen Friedensvertrag aufgenominell werden soll. Die Verzögerung des Fricdens hat auch den Beginn der Arbeit hinausgeschoben. Jetzt ist der Tag der Einlösung gekommen, in San Reino muß das entscheidende Wort über Palästina fallen. Die Situation hat sich durch die arabischen Demonstrationen und durch die Aspirationcn des Emir Faisul verschärft, die Lage in Palästina .ist kritisch, ein weiterer Aufschub ausgeschlossen. Die Deklaration Balfours muß jetzt im Sinne der gepflogenen Unterhandlungen verwirklicht werden. Die Friedenskonferenz muß, entsprechend den von allen Großmächten dem jüdischeu Volk gemachten Zusicherungen, beschließen, daß Palästina unter den Schutz des Völkerbundes gestellt wird,alsd essen Mandatar England das Protektorat führt, mit dem Auftrag, die Errichtung der jüdischen nationalen Heimstätte dort zu ermöglichen. Die Einwanderung muß sofort freigegeben werden, damit das Werk des Aufbaues beginnen kann. Es darf kein Zweifel bestehen, daß das jüdische Volk an den Verpflichtungen festhält, die ihm gegenüber übernommen worden sind. Die zionistische Exekutive hat das Große Aktionskomitce für den 9. Mai einberufen. Früher als man bei der letzten Sitzung im Januar vorausgesehen hat, tritt die Leitung wieder zusammen; das A.-C. wird zu der durch die Entscheidung von San Remo geschaffenen Lage Stellung nehmen müssen. Es kommen schwere und arbeitsreiche Tage für die zionistische Bewegung, und jeder Einzelne muß an seinem Platz stehen. ft. Wl Palästina ungeteilt und der Zugang Lei! Die Forderung der palästinensischen Juden Unter der Ueberschrift: ״Ein einige Ercz- Israel und offenes Tor“ veröffentlicht die Wochen- Schrift ״Hapoel-Hazair“ in ihrer. Nurn:!.׳ *r vom 19. März folgende Kundgebung: Mit äußerer Ruhe, aber innerer Erlegung hat der jüdische Jischub die gehässigen V •Tunidungen, die manche politischen Charlatanc!■ :gen die Juden und gegen den Zionismus erhoben ■aben, vernommen. In tiefer Trauer, mit Schmerz und Be wundenmg senkten wir unsere Köpfe vor den Gräbern der Helden Obergaliläas, die mit ihrem Blute neuerlich unsere ewige historische ßestinumm•־ und unsere nationale Ueberlicfcrung bezeugt 11a n: Daß Paliistina ein einiges und einheitliches Land ist, vom Norden bis zum Süden und vom Osten bis zum Westen, und daß dieses Land unser ist, kraft der Geschichte und kraft des Volkswillens, es zu erlösen und aufzubaucu. Das gesamte jüdische Volk in allen Weltteilen, sowie die Vertreter dieses Volkes hierzulande, werden keinen Versuch von irgendwelcher Seite dulden, die Grenzen dieses Landes oder unsere Stellung in diesem Lande zu schmälern. Mit der ganzen Wucht der Gerechtigkeit unseres Anspruchs und mit der ganzen Erbitterung unseres großen Leidens, werden wir die Ganzheit und die Einheit unseres Landes verteidigen, werden wir uns unseres unzweifelhaften Rechtes wehren, dieses Land für uns aufzubauen, aus dem wir zwar vertrieben worden sind, an das wir aber mit einem unzerreißbaren Rand geknüpft sind. Ein einiges Erez-1 s rael und of f en es ׳ Tor für die jüdische Einwanderung! ־— das ist die gebieterische Forderung, in der sich der Wille des gesamten jüdischen Volkes in ErezTsrael und außerhalb offenbart. Diese Forderung muß erfüllt werden noch bevor das politische Schicksal des Landes endgültig besiegelt wird. Diese Fordenmg, in der sich das palästinensische Judentum’ in all seinen Schichten, in den Städten und in den Dörfern einig ist, findet ihren treuen Ausdruck in folgender Erkiämng: ״Die jüdische Bevölkerung Palästinas protestiert mit aller Entschiedenheit gegen eine Teilung des Landes durch Abtrennung von Teilen im Norden und Osten, die künstlich zerreißt, was durch die Geschichte und unser nationales Bewußtsein zusammengehört und die natürlichen Entwicklungsbedingungen des Landes untergräbt. Niemals wird das jüdische Volk seine Zu- Stimmung zu einer Zerstückelung seines historischen Landes geben. Die jüdische Bevölkerung Palästinas verlangt, daß alle Einreise-Hindernisse aufgehoben werden, und daß unverzüglich die Tore des Landes für die Juden der Diaspora geöffnet werden, insbesondere für diejenigen, die in der jüdischen Heimat Zuflucht suchen vor der Gefahr des Unterganges und der Verelendung, die Urnen in den

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