Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXV (1920)
- Issue
- Heft 24 (16.4.1920)
- Date
- 1920-04-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2651273-2652228-2652252--12997-2670681- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ו ן -״* I* .; ■ן ( - i\ * 1;0 'i! | ז t | I 1 t). JO Ü2 )24 \ דיזדי־סד״/ייד• 1 Jv 1 f ־, י f t! V G3 3 / J ,Js / l \ ־3 r־ 1 I i ו K«d*kl»oo und Verlny W. 15, SachtUm« Str. 8. Kr*ch*׳t1t jeden DieniU/ und Freitnj. Besugoprei« bei der Eipedition urul dco Poetamtcro vierl«tjiLrMdh 10 M. in DeutHchUnd, Au4l»nd««b*n1ne* ment■ werden ia der Währung der *internen Lender h«r«-• Jmet. Nummer 24 j ""ßerlU^lo. IV. K־J0 Anzeige n-Ver w a 11 u n jj; Welt *Verlag, Berlin NW. 7, DorotheenttmS« 35. Telephon: Amt Zentrum 4814 u. 48? 5. Anxelgeaprein für die »edu»sre»p»ltene NonpereilleseiU SL— M, und 2d % Teuerung *»uschlag. * Anielgenaehluß: DU uud Freitag nachmittag« 4 Uhr.!Telephon: Amt Uiiiend 54ל und blb. PoeUcheckkooto: Berlin Nr. 17 3ניי. Für OnlcrreioU: PoiUparka'ienMmt Wien, Konto Nr. 15<• <0!'׳. Für Tarlieclifinlowakei: Po»Upark«*r«namt Prag, Konto Nr. 156 030. Redakiioos*cld118 Sonntag und MiMwod» nachmittag■• 20. Nissan 5680 XXV. Jahrg. Oer Zlonlonian crnirobt für da■ j&dl*che Volk die Sehaff sm% elaor 31'featllcli-roehtllel» gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm• ©*e m j, © Kritische Tage Die Lage in Palästina ist noch immer ungcklärt. Die Ickten Nachrichten besagen, daß der Belagerungszustand über Jerusalem verhängt wurde lind daß die Ruhe wieder liergcstellt ist. Diese Ruhe, die aut der Wirkung der drohenden Maschincngcwelirc beruht, ist allerdings nicht die Situaiion, die als befriedigend und wünschenswert bezeichnet werden kann. Denn bevor nicht ein dciiiiitivcr Zustand geschaffen worden ist, wird den Machinationen verhetzender Agitatoren und den Eigenmächtigkeiten selbstherrlicher Beamter nicht der Hoden entzogen werden. Der Wand Hasmani der palästinensischen Judenscliaft hat ein Manifest an das arabische Volk erlassen, das »n versöhnlichem Geist gehalten ist und hoffentlieh eine beruhigende Wirkung haben wird. Das Manifest ist zugleich ein Dokument der sclbstbewußten Entschlossenheit der palästinensischen Judeuschaft, die nationale Position im Lande nnbedingt zu verteidigen. Die palästinensische Judenlieh kann überzeugt sein, daß in diesen schweren Tag eil das ganze jüdische Volk mit ihr eines Sinnes ist. Unsere palästinensischen Brüder stehen auf dem exponiertesten Posten des ganzen Volkes, sie kämpfen nicht für ihre lokale Position, sondern für das nationale Ideal des Volkes. Die Nachrieht von den letzten Ereignissen hat bei den jüdisehen Massen große Aufregung hervorgerufen. Vielleicht ist cs gut, daß wir aus dem Traum an die Selbstverständlichkeit der befriedigenden Entwick« hing erweckt worden sind und deutlicher fühlen als jemals, daß jetzt alles darauf ankommt, für Volk und Land etwas zu tun. Das ganze Volk nuit! sich zu einer Tat der Solidarität vereinigen. Noch einmal konzentriert sich alles Interesse auf die politischen Fragen. Es ist noch nicht klar, welche Haltung die Großmächte zu der U11- .ibliängigkeitserkläruiig des Emir Faisul cinnehmcn. Das Problem ist jedenfalls auch für England und Frankreich nicht so einfach. Die islamitische 130wegung, die nunmehr einmal dank der langen Verzögerung des orientalischen Friedens entfacht worden ist, wird sich nicht durch formale Akte beilegen lassen. Der ganze Fragenkomplex dürfte wohl ein wichtiger Bestandteil der Unterhaltung in San Rcmo sein. Zweifellos wird dabei auch die palästinensische Frage erörtert werden und man kann wohl aiinelimcn, daß diesmal doch schon eine definitive Regelung ins Auge gefaßt werden wird, da sich die Folgen der dilatorischen ■Behnndlurig jetzt deutlich genug gezeigt haben. Allerdings wird jetzt wieder ein Gerücht kolportiert, wonach die Friedenskonferenz die Absicht habe, iin türkischen Friedensvertrag nur diejenigen Gebiete des alten ottomanischcn Reiches zu behaudein, welche unter der Souveränität des Sultans verbleiben sollen, während der Rest einer späteren Erledigung Vorbehalten bleibt. Nach den bisherigen Erfahrungen hat man kaum das Recht, diese Meldung schlechthin als unglaubhaft zu bczeichnen. Aber jeder Tag des Aufschubs muß die Verwirrung steigern. Das jüdische Volk muß unbedingt fordern, daß sofort, auch wenn die formale Mandatserteilung, auf die immer wieder vertröstet wird, aus irgendwelchen Gründen noch nicht erfolgt, zumindest die Tore Palästinas hu־ die jüdische Einwanderung geöffnöt werden. Durch eine Einwanderung der jüdi- , [cn Ptonierscharen. würde Arbeit und neues e cn m das Land kommen. Wenn der Aufbau Dcgmnt, konnten durch die Praxis alle Differenzen Mel leichter aus der Welt geschafft werden. Die otinimung der gesamten Bevölkerung des Landes wurde gehoben weiden, und die Wirklichkeit würde beweisen, daß die zionistischen Ziele nicht nur keine Bedrohung eines andersslümn1ip״ej1 Bcvöikeningselemcntes sind, sondern daß sic allen Schiditai der Bevölkerung in gleicher Weise Nutzen bringen. Das jüdische Volk hätte dann Gelegenheit, zu teigen, ob cs fähig ist, das Werk zu vollbringen, , Der Bericht der zionistischen Leitung (Nach Schluß des Blattes eingegangen.) London, 13. April. (Telegramm der ״Jüdischen Rundschau“). Das Zionistische Büro erhielt aus Palästina folgendes Telegramm vom 10. April: Ernste Unruhen ereigneten sich in Jerusalem am 4., 5. und 6. April. Juden wurden von Arabern überfallen. Die eingeborenen Polizeiorgane unterstützten die arabischen Plünderungen und Gewalttaten. Fünf Juden wurden getötet, ungefähr zweihundert verwundet, zwei Frauen vergewaltigt. Die britischen Vcrwaltungsbehörden verhalten sich trotz vorhergegangener Warnungen der Zionist Commission passiv. Das Anerbieten der jüdischen Selbstwehr, die Zivilbevöikerung zn schützen, wurde zurückgewiesen und mehrere Mitglieder der Selbstwehr verhaftet. Die Zionistische Commission forderte strenge Untersuchung der Vorfülle durch eine auch Jüdische Mitglieder umfassende Kommission, strenge Bestrafung der Rädelsführer und Entlassung der lokalen Beamten, sowie volle Wiedergutmachung des Schadens. Die zionistische Exekutive hat offiziell bei der britischen Regierung Vor- Stellungen erhoben. Die Regierung erklärt, daß seit 7. April Ruhe herscht und daß kein Grund vorliegt, eine Wiederholung der Vorfälle zu befürchten. Unmittelbar vor Drucklegung dieser Nummer der ״Jüdischen Rundschau“ erhalten wir vorstehendes Telegramm über die Jerusalemer Ercignisse. Pcinlidi überraschend ist darin vor allem die Schilderung des Verhaltens der englischen Lokalbehörden, das in offenkundigem Widerspruch' zu den von der Londoner Regierung gemachten Zusicherungen steht. Gleichzeitig wird gemeldet, daß die ״Times“ von Strömungen in der englischen Politik sprechen, die Geneigtheit zeigen, den Emir Faisul anzuerkennen und auf das Mandat zu verzichten. Wir können nicht glauben, daß solche Möglichkeiten an verantwortlicher englischer Stelle ernstlich erwogen werden. Angesichts der kritischen Lage in Palästina aber können wir nur wiederholen, was in nebenstehendem, Vor Eintreffen dieser Telegramme abgefaßten Artikel ausgesprochen ist: Das ganze jüdische Volk sicht in der Fortdauer des ungeklärten Provisoriums eine schwere Gefahr, die geeignet ist, größte Beunruhigung hervorzurufen; es fordert jetzt sofortige Beendigung dieses unerträglichen Zustandes und Einlösung der von England und seinen Alliierten übernommenen Vcr■* pilichtuugen; es fordert die Möglichkeit, sotort mit dem Aufbau der nationalen Heimstätte beginnen zu können und demgemäß Freigabe der Einwanderung. Die jiidischen Massen auf der ganzen Welt stehen zur Arbeit bereit und erwarten, daß die gegebenen Zusagen jetzt realisiert werden. Belagerungszustand in Jerusalem Wie die ״Times“ meldet, ist in Jerusalem der Belagerungszustand verhängt worden, die Rädelsführer der jüngsten Unruhen sind ver* haftet. Die Stadt ist ruhig, die Banken und Geschäfte sind wieder geöffnet. Bei den jüngsten Zusammenstößen wurden 5 Juden und 4 Mohammedaner getötet, 5 Juden, 22 Mohammedaner uud 2 Christen verwundet. Die Ruhe wieder hergestellt London, 9. April. (Funkspruch.) Am 5. April wurde über Jerusalem der Belageningszustand verhängt. Berittene Maschinengewehra b t c i 1 u n g e n patrouillieren durch die Stadt. Am Dienstag ist cs zwischen Juden und Mohammednnern wiederum zu vereinzelten Kämpfen gekommen, bei denen mehrere Personen getötet wurden. Im ganzen wurden etwa 250 Personen getötet oder verwundet. Am 7. wurde der Zugang zur Stadt wieder freigegeben. Es herrschen jetzt wieder normale Verhältnisse, - Die Stellung des Emir Faisul Die ״Moming Post“ vom 30. März schreibt tn einer Besprechung der Tage im Orient: ״An vielen Stellen wird es als feststehende Tatsache betrachtet, daß der König von Hedschas im Einvernehmen m i t d e m türkischen Sultan und dem Exkhediveu von Aegypten handelt. Es wird auch angedeutet, daß Emir Faisul ein gemeinsames Vorgehen mit Mustaptia Kenia! Pascha und Enver Pascha verabredet hat. Welches die Folgen einer arabisch-türkischen Annäherung sein werden, bleibt c\bzuwarten.“ ״Daily Telegraph“ vom 1. April berichtet, daß General Noury- Rey in Paris angekommen ist, 01s Emissär des Emir Faisul. Er erklärte, daß der Besuch des Emir in Europa mit Rücksicht auf die Situation in Syrien in voller Zustimmung des Generals Gouratid aufgeschoben ist. Er erklärte ferner, daß Syrien keine militärische Unterwerfung anncltmen werde. England verzichtet auf das Mandat? Der Haager Korrespondent des Berliner ״Lokalanzeiger“ drahtet unterm 14. d. M,: ״Nach einer Meldung der Times dürfte die britisdic Regierung den Gedanken eines britisehen Protektorates über Palästina aufgegeben haben. Man erwartet, daß England beantragen wird, das Verwaltungsmandat über Palästina dem Emir Faisul zu geben, wenn dieser sielt bereit erklärt,־ die Rechte der Juden zu gewährleisten.“ (Siehe auch Seite 4.) für das cs gekämpft hat. Das ganze Volk wartet auf diesen Augenblick. Wir können nur hoffen, daß die Vertreter der Großmächte den richtigen Instinkt haben werden, um diese Sachlage mit allem, was davon abhängt, zu begreifen. Durch eine solche Maßnahme, die natürlich auch’ von der englischen Okkupationsmacht in entsprechender Weise gefördert werden müßte, könnte mit einem Schlage eine Entspannung und Klärung herbeigeführt werden und die politische Welt wäre von einem Albdruck befreit, der jetzt unerträglieh auf ilir lastet. Denn durch diese sicbzelw Monate Stagnation seit Abschluß des Waffensiill- Standes ist die Lage fm Orient und auch in Palästina immer verwickelter geworden. Es ist nutzlos, jetzt Betrachtungen darüber anzustellen, welche | Entwicklung Palästina genommen hätte, wenn vor siebzehn Monaten die Arbeit hätte einsetzen können; aber es ist doch notwendig, aus dem Gesclvchcnen die Lehre zu ziehen, und nicht durch weitere Verzögerung weitere Komplikationen heraufzubcschwören. Die nächsten Tage werden die Entscheidung bringen müssen. Wieder, wie schon so oft, warten wir mit gespannter Seele. Wir wissen, daß vieles für uns von der Haltung der Großmachte abhängt. Aber wir sind in diesen zwei Jahren des Wartens auch stark geworden. Wir wissen: was immer dieser oder jener Tag bringen möge, der Wille des jüdischen Volkes zur nationalen Wiedergeburt ist nicht zu brediea RW! II וויי■ 4 I 3י 11 f# f'ך, .ftll % 1.;1 ■T .:j i;,1' ', im j % 1 i I L's| 1 * I