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Jüdische Rundschau · 1920-03-26 · Heft 21 (26.3.1920) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 21 (26.3.1920)
Date
1920-03-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
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k .. - «r i :וףי״יי־ 1U r ד «c V. ,4׳׳• «r ו! RwUkUoa mod V«fl*g W, 15, S*vi»*J»d4• Sir. 8. Erichtiat M®** Di«m*Uy Uüd Fr*il«y. Beiuyapret« bei dar Etpaditioo tt»d den Postämter» vi*״Ulj*HrlidU 10 M. in DauUdhUod, <\«*lood«*bf»nn*■ ment• werden <* der Wiihruny der •»«*einen L*ndrr bereeh««. Anxci^cn-Verwahun^: Weli-V«rUy, Berlin NW, 7, Dorotk«anatr*S4i SS. Telephon: Amt Zentrum 48M 11.4815• Antcltf eaprei• für di• *eekÄg׳e*jM»He»• Nouporeilkfwü• 1,50 M., und 20% Teuerongisucchta;. An1*lg«n1cKlu01 Dlrestaf und Freitag ondbrniHag« 4 Ukr. Telrphoat Amt Uhlaed Mi und 846. Po»t*eh«Kikrmt0j Bwlio Nr. 17 391. Für Oeatmoicb: PortaparkaaMaamt Wien, Konto Nr. 156 030. FCr T*rhr«hoatow«W: Feitipirktuintnt Prag, Konto Nr. 156 030. Pnd*Wtioa*»<hi<18 Sonotay and Mittwo»k nachmittag*. 7. Nissan 5630 XXV. Jahrg. Nummer 21 | Berlin, 26. Ul. Der Zionimmi■ emtrebt für da■ jadl■«*« Volk die Scbaffan״ eLner affentllch-rechtlich gealchertea Heimstätte In Pal&»Hna. »Baseler Programm« Ola politischen Verhältnisse oostatlon uns tn! heute wieder die Ausgabe einer Nummer der Jüdischen Rundschau. Die Haltung des Emir Faisul Eigener Drahtbericht der ״Jüdischen Rund schauf den 25. März 1920. die grolk-n Ereignisse beschränkten Gesichts• eines SpeziuUntcresscs zu beurteilen. Die Berlin, Man soll sich hüten, Oer Gegenwart aus dem wmkcl /cd der ״verkappten Reaktion“, der siegreiche und .«1 panierende Kampf der Arbeiterschaft gegen dieses Regime, ihr Stur/ und der voraussichtliche Ruck *ad! links: das sind Vorgänge, deren Bedeutung nicht einmal auf Deutschland beschränkt bleiben, *oudern die Teile einer weltgeschichtlichen Entklung sind, ehe zur Ueberwiiulung *.V tC urismus mul?enden!׳Gische Volk, Demokratisierung von Mili- Chauvinismus und zur fortschreb aller Völker führt. Das das um seine eigene Freiheit ringt, •teilt dabei mit ganzem Herzen auf der Seite von Freiheit und Recht. Wenn wir hier die Ercignusc der vergangenen zehn Tage vom Standpaklc des deutschen Juden und deutschen Zionisten überblicken, so wissen wir, daß wir hier unsere eigene Nute in eine Beiirteiinng dieser Vorgänge hinein- «1..gen, die in ihren Ergebnissen mit dem Stand-?»unkt aller wahrhaft fortschrittlich gerichteten Kriittc um nichts weniger übeieinstimmen wird. Wir haben oft die Notwendigkeit zu taktvoller ׳iinicklialtuug betont, haben oft darauf hingewiesen, daß es das unbestreitbare Recht des dcutiChcn Volkes ist, seine inneren Angelegenheiten nach seinem Willen zu regeln und sich die ihm /tisugeade Verfassung zu geben. Will das deutsche Volk eine Regierung der Alldeutschen, so ist das senil* Angelegenheit. Wohl aber fühlten wir uns .duvi'l der Kapp* dien Episode verpflichtet, unsere Rechte als Juden gegenüber einer Regierung zu waiirin, die aus extremen Antisemiten bestehend händig die Huden/ zeigte, den Kampf gegen die fuden zu piokiamieren, um nach bewährtem Muster!ins Zorn des Volkes gegen die Putschisten auf den jüdischen Prügelknaben ab/.uwälzen. Kapp und .«.סחר Freunde hatten freilich keine Zeit, ihre Pläne liurchzufülireii, zumal der alles lalunlegende Streik es ihnen nicht ermöglichte, ihre Meinung durch Flugblätter oder Proklamationen' kundzutun. Das ursprüngliche Programm, das am ersten Tage der Gegenrevolution hcrauskam, wies noch keinerlei antisemitische Spitzen auf. Aber der wiederholt jnoklamierte Kampf gegen Lcbensniitteiwuchcr und Schieber schien nach seiner ganzen Aufmachung recht geeignet, gegen die Juden zu wirken, und das wurde außerhalb allen Zweifels gestellt, als **an die komische Verordnung, die den Juden das Mazzemchl entzog, uin es der Arbeiterschaft zu geben, in direkter Aufeinanderfolge mit der Wucher- Verordnung verbreitete. Dieses Flugblatt erschien [(■dem Unbefangenen als direkte Pogromhetze. Doch diese Dinge brauchen eigentlich nur der Vollständigkeit halber erwähnt zu werden. Auch ohne die Mitwirkung des Herrn ״Rechtsanwalt“ Bredereck wußte jeder deutsche Jude, wessen er sich von den Kapp, Traub, Jagow und Konsorten zu gewärtigen habe. Die Herrlichkeit der Gegenrevolution ist zusammengebrochen, und wir können ihre Heteversudie gegen die Juden drwthin verweisen, wohin ihre übrigen Taten ge- Mren, vor den Richter. Wichtiger und bedenk. Heber für uns mußte es sein, die Stimmung des Volkes in diesen Tagen festzustellen. Berlin bot den schon von früher her gewohnten Anblick emer Stadt, in der eine ungeheure erregte Menadhenmenge hin- und herwogte, an jeder Ecke «Sammlungen stattfanden und die politische Lage in aufgeregten Auseinandersetzungen erörtert mirdc. Agitatoren aller Gruppen, vor allem aber solche der Kappregierung, durchzogen die Straßen und überall wurden die Fragen der deutschen Außen- und Innenpolitik und des wirtschaftlichen t-ebens debattiert. Es kann niemandem entgangen 8cm, welche außerordentliche Rolle die Juden.?rage> bei diesen Debatten spielte. Man kann s*gen, daß keine einzige dieser improvisierten Vcr- Sammlungen unter freiem Himmel die ludenfraoe Muerörtert ließ, lieber die dabei zutage getretene Stimmung läßt sich etwa folgendes sagen Von London, den 18. März 1920. ln der heutigen Sitzung des Unterhauses teilte Lloyd George mit, daß der Emir Faisul von der englischen und der französischen Regierung verständigt worden sei, daß man ihn nicht als König anerkennen könne. Mau lade ihn ein, nach Europa zu kommen, um seine Angelegenheit zu erörtern. 111 derselben Sitzung des Unterhauses teilte ein Vertreter des Auswärtigen Amtes mit, daß Palästina durch den Friedensvertrag nicht in das arabische Königreich einbezogen' werden würde. Ein anderes Telegramm aus London besagt: In Jerusalem haben bisher zwei anii/ioiiistisclie Denionstratioiien siattgcfuiidon. Beide entstamm«! offenbar nicht der Initiative der l.andesciinvohner, sonder«! wurde״ von Kräften außerhalb des Landes veranlaßt, um die kommende Mandatseiitscheidung zu beeinflussen. Naturlieh weiden diese künstlich liervorgerufernen Kimdgebungen keinerlei Einfluß auf die Politik der E r i c 11 e n s k o 11 f e r e 11 z hallen. Ans Anlaß der Demonstrationen in Jerusalem wird uns vom Zionistischen Zeutralbüro in London mitgeteilt: Es war airzutiehmen, daß die licrannalicnde Eatsehcidüng in der Mandatsfrage antizionistische IX'inonstrationeu verunlasNcn würde, welche, wie Grund vorliegt, anzunduiicii, nicht «ohne Beeinflussung von außen her zustande gekommen sind. Die Politik der Alliierten in bezug auf das jüdischnationale Heim bleibt davon natiirufch unberührt. UebcrFällc in Nord*aliläa E i g c 11 c v L> r a 111 b c r i c 111 der ״J iid i s eh 0 u Rund schau“. London, den 17. März 1920. In Met ul lall und der benachbarten Kwuzah Tel Chaj, beide in der französischen Okkupalionszone gelegen, fanden Uebcrfälle arabischer Räuber statt. Auf jüdischer Seite waren 6 Todesfälle zu beklagen, darunter der bekannte Kapit ä n T r u p e I d o r. Wir ]!offen, daß die französischen Behörden mit aller Energie gegen die Räulwr Vorgehen und das Leben der Bevölkerung sichcrstelle» werden. Zur tage in OhergaHIäa meldet ferner der Kuatress: ״Seit dem Ucberfall auf Mctullah am 17. Schtvat, bei dem Kamerad Seher ermordet wurde, kehrte die Sicherheit nicht mehr zirriick, Am 19. und 20. Schxvat wurde Mctullah von 50 Bewaffneten überfallen. Es wurde geplündert und geschlagen. Sie wollten sogar ein M ii (I c 11 ui e n 1 f i't h r e n. Nur mit Mühe gelang esi iineingeschräiikteni wütendem Antisemitismus, der den Juden Schuld an allem Unglück gab und zum Kampf gegen sie ohne jede Rücksichtnahme aufforderte, war in bedenklichem Maße das Militär erfüllt. Nicht nur die mit dem antisemitischen I I a k e 11 k r c 11 z geschmückten Baltikmnsoldatcn und ihre Offiziere, sondern auch die sogenannten t r eu gebl i ebcne 11 Re ich swe 11 r so 1 da tc n zeigten einen friscli-fröhliclicn Judenhaß. Wer durch die Straßen gewandert ist, der keimt die Bilder der mit Handgranaten und Revolver drohenden, nicht seilen mehr oder weniger leicht angctrunkenen Offiziere, die sich in wüsten Schimpfereien gegen die Juden ergingen, der kennt aber auch die zahlreichen, durchaus überlegt redenden und diskutierenden Soldaten aller Cltargen, die immer wieder den Kampf gegen das Judentum problamierten. Diejenige Gruppe der Bevölkerung, die ihnen am schärfsten opponierte, war neben den Juden selbst die Arbeiterschaft. Die politische Reife des deutschen Arbeiters, die der imponierende Generalstreik jedem Zweifler geoffenbart hat, zeigte sich auch in diesen -Debatten. Ueberall durchschaute das Proletariat den Zweck, zu dem diese Judenhetze veranstaltet wurde, und trat ihr mit Ruhe, aber Entschiedenheit entgegen. Nicht so eindeutig war das Verhalten der übrigen Zivilbevölkerung. Vielfach fiel die antisemitische Stirn. das Mädchen zu retten. Die ganze Bevölkerung von Me■ tullah, außer 3—4 alten Leuten, haben die Siedln״/ verlassen. Am Sonntag, den 19. Sclvwat, wurden auch Kfar Gilewvuli und Tel Chaj heftig besdvossen. Daraufhin fanden in den Siedlung«! Beratiuigen statt, in denen zwei Meinungen ztrm Ausdruck kamen. Die einen waren dafür, die Ortschaften zu verlassen, da es unmöglich sei, mit den wenigen Kräften die Stellungen zu behaupt«* tuid da eine Hilfe von auswärts nicht zu erwarten ist. Die Mehrheit aber sprach sich dafür aus, stand zu halten, und zwar so, daß nun an jedem Punkte mindestens 5Ö Mann und in Mctullah 100 Mann konzentrieren »>lk Als am Tage darauf ein Teil der Einwohnerschaft v!** Tel Cluj (der Arzt, die Arbeiterinnen tiud noch 10 Persollen) nadh dem Süden fuhren und 3 Kühe 11üUulune!11 wurden sie unterwegs überfallen, die Kühe wurden ent• wendet und die Männer ,wurden ihrer Kleidung beraubt. Am Sonnabend, den 25. Sclnvat, fand in Jaffa eine Gedenkfeier zu Ehren der gefallenen Arbeiter statt Eine Reihe von Rednern ermahnten zur tatkräftige« Unterstützung der jüdischen Arbeiterbesatzung am uördliehen Außciiposten Palästinas, Es wurden folgende Be- Schlüsse gefaßt: 1. Die Versammlung proklamiert die Pflicht, unsere* Stclnuigeu in Galiläa zu verteidigen und unsere S.ediungen dort zu verstärken. Die Versammlung glaubt, daß diese Verteidigung uv»' dureh die Vergrößerung der 221hl der jüdischen Arbeit»־ kralle Ln Unter- und ObcrgaUläa möglich ist tuid verlangt \01n Zionistischen Actions-Comätc* die erforderlichen Mittel zur Verfügung zu stellen, uin in Galiläa mehrerc Hunderte neuer Arbeiter anmsiedeln. 3. Die Versammlung ruft Freiwillige auf, sich nach Obcrga'tläa zur Unterstützung der jüdischen Arbeit«* zu hegeben. 4. Die Versammlung beschließt, von jedem Haushalt die Ausgaben eines Tages zugunsten eines Galiläafonds zu sammeln und hofft, daß die ganze jüdische Gesellschaft diese Notstcuer auf sich nclmiczn wird. 5. Die Versammlung fordert den Waad Hasman der palästinensischen Judenbeit auf, eine Sclbstbcsteuo■ rung des ganzen Jischub zugunsten Galiläas auszuschreiben. Die Konstituante zusammengerufe* (Kabeltelegrani rn der Zionist Commission). Jerusalem, 6. März. Der Wlaad Masmani hat beschlossen, die konstituierende Versammlung nach Jerusalem cinzuberufen. Die Wahlen sollen am 1. Ijar (19. April) stattfinden. Die Versammlung soll dann Lag b’omcr (6. Mai) eröffnet wenden. U ssischkin hat dein Beschluß zugestimmt, der aber erst nach erfolgter Zustimmung Dr. Weizmanns in Kr.üt treten wird. tnung der Frauen auf, die die Sorgen des Haus- Halts gern dem angeblichen jüdischen Sdiicbertum zur Lasten legten. Aber auch das Bürgertum, besonders im Westen der Stadt, zeigte sich antisemitischen Anschauungen keineswegs abgeueigt. Was uns das Parteienleben schon immer gelehrt hatte, haben uns diese Tage von neuem deutlich gezeigt: die antisemitische Hetze h a t d ie weitesten Schichten des deutschen Volkes ergriffen und nur die Arbeiterschaft zeigt im allgemeinen eine allen Hetzversuchen abgeneigte Haltung. Die Abneigung richtete sich, das ist vielleicht ,nicht überflüssig zu bemerken, in absolut gleicher Weise gegen das deutsche Judentum wie gegen das ausländische. Man hatte keineswegs den Eindruck, daß die antisemitisch infizierten Teile der Bevölkerung besonderen Anstoß an den emge• wanderten Juden nehmen. Ihre Tendenz ist es, den deutschen Juden vorzuwerfen, (Laß sie den Krieg und die Revolution in gleicher Weise zur Bereicherung zu benutzen wüßten, daß sie am Zusammenbruch ttts Heeres schuld und daß sic Urheber und Führer der Revolution und der bolschcwistis'chen Bestrebungen seien. Die deutschen Juden wären in einer gefährlichen Selbsttäuschung, wenn sie glaubten, daß der Haß sich mehr gegen die jüdischen Einwanderer aus dem Osten ab gegen sic selbst, richte. Das deutsche Judentum wird

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