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Jüdische Rundschau · 1920-03-12 · Heft 20 (12.3.1920) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 20 (12.3.1920)
Date
1920-03-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 20 .־ [ t I I f 140 Sprechsaal Wir von Harm Dr. Paul Nathan folgende Zuschrift: Berlin, am 8. Man1920 ׳. S^l'.r geehrte Redaktion! 111 der Nummer der ״Jüdischen Rundschau" vom 24. Februar lese ich nachträglich einen ,Bericht über eine Versammlung in Breslau, in der ich gesprochen habe. Es wird in diesem Bericht behauptet, daß ich auf dem Standpunkt stände, es sei die Absicht der Zionisten in Palästina die Gesamtheit der Juden unter- Zubringern Daß jemand wie ich, der sich mit der Juden frage seit vielen Jahrzehnten beschäftigt, der Patästinn in einem Dutzend Reisen in allen Teilen kennen gelernt hat, — daß der über die palästinensischen Muglichkcifcit und über die Alisiclitcn der Zionisten in bezug auf Palästina sielt von vollkommen irrigen Vor- Stellungen leiten läßt, dürfte nicht leicht zu glauben sein. Mein Standpunkt ist natürlich ein wesentlich anderer. Die Schwierigkeiten, die der Zionismus in Patästina zu überwinden hat, sind gewiß grolle. Die Stellung des Araberhtms und die Stellung des englischen Staates zwischen Arabern und zwischen den verschiedenen christlichen Richtungen in Palästina und den Juden ist anerkanntermaßen eine sehr komplizierte. Daß nicht alle Juden in Palästina angesiedett werden können, wird auch vor! den Zionisten nicht bestritten und ist von ihnen niemals behauptet worden. Eine solche Behauptung wäre eine Absurdität, die niemand aufstellen kann, der aucli mir einigermaßen sich mit dem Problem beschäftigt hat. Weit schwieriger ist die Frage zu entscheiden, ob Palästina auch nur soviel Juden bc- Iterbergen kann, wie notwendig sind, um dort eine neue jüdische Kultur wieder a1!fzubaucn. Man kann erwidern, daß es eine jüdische Kultur in Palästina einmal gegeben hat. Das war aber vor rund 2000 Jahren. Heute sind die Voraussetzungen für die Schaffung und das Erblühen einer Kultur wesentlich andere. Ich kann diesen Gedanken iin einzelnen hier nicht ausfüliren, aber ich möchte darauf hinweisen, daß selbst Staaten von bodenständiger, alter Kultur, insofern diese Staaten klein sind, mit ganz, außerordentlichen Schwierigkeiten zu kämpleu haben, um eine eigene geistige Entwichlung nach aiien Seiten hin fortführen zu könnt•(». Darüber kann man die nötigen Erfahrungen in Schweden, in Norwegen, ln Dänemark und selbst in Holland sammein, und diese Schwierigkeiten müssen sich natürlich in einem Ländchen wie Palästina noch weiter ganz außerordentlich steigern, — in einem Ländchen, das man in seiner vollen Breite vom Russenturm in Jerusalem ans oder vom wirklich nicht sehr hohen Berge Tabor aus völlig überblickt. .Man sieht auf der einen Seite dann das Mittelländische Meer und auf der anderen Seite die arabische Wüste. Solch eine schmale Brücke zwischen Afrika und Asien ist Palästina, ein Land, das politisch unterging und politisch untergehen mußte, weil sich die* großen asiatischen und die großen ägyptischen Heere immer erneut über diese Landenge wälzten. Hier eine selbständige Kultur r.t schaffen, die sich unter den Kulturen der Welt zu halten vermag, erwies sich im Altertum, nachdem die großen Völker in Bewegung geraten waren und nachdem Palästina aulgehört hatte, ein «!;׳begrenztes idyllisches Dasein zu führen, als eine Unmöglichkeit. Diese kulturelle Selbständigkeit heute zu behaupten, ist ein Problem, dessen Lösung mir außerordentlich zweifelhaft erscheint und an dem ich mit eien mir zur Verfügung stehenden Kräften gleichwohl nitgearbeitet habe, denn 'die Schulen des ״Hilfs- Vereins der deutschen Jaden“ waren die ersten großen Unternehmungen, in denen das Hebräische in so ausgiebigern Maße gelehrt woiden ist, daß damit in Palästina eine Grundlage für das Hebräische als Volkssprache geschaffen worden ist. Diese Anschauungen hegt ich noch heute, und in einem zionistischen Organ dies auszusprechen, liegt mir am Herzen. ln größter Hochachtung ge/, P. Nathan. Wir glauben, diese Zuschrift in dem Sinne verstehen zu können, daß Herr Dr. Nathan die ihm in dem Breslauer Bericht znge sch rieben e Aeullerung, der Zionismus sei darum utopisch, weil die Absicht der Zionisten, alle Juden nach Palästina zu bringen, nicht zu verwirklichen ist, zimückzieht. Damit ist die Frage unseres Breslauer Berichterstatters eigentlich beantwortet. Was die weiteren Ausführungen Dr. Nathans eigentlieh besagen sollen, ist nicht ganz klar. Dr. Nathan zählt die Schwierigkeiten auf, die der Verwirklichung des Zionismus entgegenstehen. Er äußert weiter Zweifel, oh sich eine originale jüdische Kultur in Palästina wird entwickeln können. Derartige sachliche Einwände können wir entgcgcnnelrmen, sofern sie unter Voraussetzung zionistischer Willensrichtun״ gemacht werden. Denn nur dann ist es möglich, aus derartigen Ucbcrlcgungen die richtigen Konsequenzen zu ziehen. Es handelt sich gar nicht darum, ob man die kulturelle Selbständigkeit des jüdischen Palästina für zweifelhaft hält oder nicht, sondern darum, ob man überhaupt eine Wahl hat. Sofern man den Willen zu einem eigenen jüdischen Somlerleben bejaht, wird wohl auch Herr Dr. Nathan keine andere Möglichkeit sehen, als die Verwirklichung de« Zionismus. Ucbrigens sind wir in der Beurteilung kultureller Leistungen anderer Ansicht als Herr l>r. Nathan. Daß die von ihm genannten kleinen Länder, z. B. die nordischer. Staaten, trotz der von ihm beliaupteten Schwierigkeiiert eine beträchtliche Kulturhöhe und hervorragende geistige Schöpfungen aufzvwciscn haben, die diesen Völkern in der Kulturwclt einen Rang gesichert haben, der in keinem Verhältnis־ zu der Kleinheit des Landes steht, dürfte in Deutschland von anderer, vielleicht objektiverer Seite nicht bestritten werden. Ebenso denket wir, und mit uns wohl die maßgebendsten Geister aller Völker, nicht so bescheiden von dem Wert der Jüdisehen Kulturleistung im Altertum wie Dr. Nathan. Der Zionismus hätte seine geschichtliche Sendung erfüllt, wenn er die äußeren Bedingungen für jüdische Schöpftmgert ähnlichen Ranges in Palästina geschaffen hat. Daß <tk-־e Zeit kommen wird, wissen wir; denn wir fühlen eben lebendig die produktiven Kräfte unseres Volkes, die bisher durch Gaktth und Assimilation vorfälscht lind »icdcrgehalten worden sind. Wenn Herr Dr. Nathan seine Absicht äußert, trotz dieser Bedenken an der Auferstehung der jüdischen Kultur in Palästina mitarwirken, so registrieren wir diese Absicht, wenn wir auch nicht umhin können /״ konstatieren, »Laß die Praxis des Hilfsvereins zu diesen Absichten in auffälligem Widerspruch stsmd, wie ,vK dem Spracbonkampf hinlängliqh (bekannt ist. Die Debrrtisierung Palästinas ist ein Werk des unerschütterlichen Willens der palästinensischen Juden, welche diese Ent- Wicklung auch den widerstrebenden Faläorcn abgetrotzt haben. Von Verdiensten des Hilfsvercins zu reden ist zumindest — übertrieben. Hilfe für die jüdischen* Flüchtlinge! fn schwerer Schicksafsshmde wenden wir uns an alle gutgesinnten Juden. Unsere Brüder irn Osten er• dulden ein hartes Martyrium. Furchtbare Katastrophen sind ütjer sie hcrciiigehrochen. Den verheerenden wirkungei! des Krieges folgte ein blutige Pogromtic.t. in der Ukrajna haben siebagtausond Juden dabei ihr Leben clnjfcbüßt; doppelt so groß ist die Zahl der Verwuwk'ten und verstümmelten! Tausende si .d den Judenpogramen in Polen zum Opfer gefallen. Ikon wie in anderen osteuropäischen Gebieten wütet der Judenhaß. Todesängste und Verfolgungsschreckcn jagen zahlreiche Juden in die Fremde hinaus. Der Wanderstab heischt ihnen Rettung und Erlösung. Nach einem kiderisrefdicn Wanderweg kommen die Heimatlosen?u uns, ihren Brüdern, Beistand stichend. Heilige Pflicht ist es, den Unglücklichen in ihrer Verzweiflung zu 11 elfen! Niemand dar untätig beiseite stehen, jeder muß sein Möglichstes beisteuern zum Hilfswerk für die jüdischen F Jüch 11 Inge! Bedeutende Mittel sind erforderlich zur Beschaffung von Unterkunftj Verpflegung, Bekleidüng, Arbeitsmögliehkei'ten und sozialer Hilfeleistung für die zahlreichen jüdischen Fliichtliugc. Allein die Einrichtung und der Unterhalt der Herberge, die wir ln den von der Berliner Jü ätschen Gemeinde zur Verfügung gestellten Raumen des alten jüdischen Krankenhauses errichten, erfordert jährlich einige h u nde r tt .וזר send Mark. Solche Herbergen müssen übeTa}! in Deutschland crrictitet werden, wo jüdische Flüchtlinge in größerer Zahl sich authaltcn, damit sie Verpflegung und Unterkunit finden, bis sie Arbeitsmöglichkeit erhalten oder Weiterreisen können. Es darf nicht geschehen, daß unsere ohnehin so schwer geplagten Brüder mm oh dachlos und unversorgt dem Untergang verfallen! Vielfach sind ganze Familien mit kleinen Kindern auf der Waudertptg. Frühzeitig bekommen diese |u*tew Linder das bittere Los des Golus zu fühlen, TatkriifH^e Hilfe durch Errichtung von Kinderheimen tut liier dringern) cot! Zahlreiche ost jüdische Waisenkinder deren Ernährer auf aen Schlachfcldern oder den Pogromen ztim Opfer gefallen sind, befinden sich hier in trostloser Lage. Die jüdische» Waisenhäuser sind ־-׳׳ Statt Karten! Hanka Jacob R.-A. Willi Neman*» Verlobt« Qnesen, znrieit Berlin, LiBdoDttr&Q• 68• Berlin-Cbarlottcnbnrg, Rnnre.-.itrtile (10. J r Itabella Landau Sally Roteoberö Verlobte Danilg 12. Adar 5680. ר f Die Geburt «insr Tochter Sara Kuth *eigen an Elias Fischer und Frau Matka, geb. Schulmann, ,1 . . ״״. Mftr» J«20. “ Würzburg, den V ך--־־׳/ AntlUtliah <10r Vuilotnir.e 11• Frl Krni» t!nj«r mit Harrn M Spr•»•01!׳ wün«ch1> «ünm hcrr.l. Md.cettanw Hermann Lorbtr.^ Zur V»rn>ählun(t «nriue» . BrodtT• Moac• Dawld Holler 1 ml» Anna. K"b. HuttaianD I wün.oh» vlol (llit-k. I Jahucllih Hotacr. j MHtlpug fetarr Her»•* irAsrcbe, Sport - Beb •owla Xa. O-HelokUkier. irge Hirgai SN1 B.Ver*rl«ituEZ Oskar FQIlonbaum rrlla SS, BantmlruM IS. r«l»j>b0B1 A!*«ander tKS Am <6, Februar (80 Bohebat) j JontrreUlof mein teurer Mann,j 00.01 ן■ ehrwürdiger Vater, Rsbb. Barudi M. Aucrbacb [ ira 77,I,eb<1r.»j»hr*. Fren Miriam Aucrbacb I Thekla Auctbach I lakob Aucrbacb und Fron , I Heinrich Auerbach und Frau I I Prot. Dr. Heinrich Loewc! In.Frau Johanna,)*ebAunrhacb 1 I Dr, I,rael Auerbach und Frau | IDr. Ula« Auerbach und trau! ן Heinrich Mar*ulle1 und F1au| Nauny, geb. Auerbach. ''m>mvwnm,x?trwMnwrm?r»*! jatcJi-w-aisaHsmM Ei kostet Sie niclits wenn S)s bei Hinholua* von Offerten, Einfordem von Freie- Uh tan u«w. auf dl* Jüdbtebe Hundaobaü Beäug cuAmoo ober Sie nutzen uns viel. C HOhere Priv.-LehranstaitKoiberg I.P. Wsmer streit tt. Vorbereitung fn» Nona bla Prima. — Babttar* wl Ferianbeim mit bratar Varpflatnng. 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