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Jüdische Rundschau · 1920-03-12 · Heft 20 (12.3.1920) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 20 (12.3.1920)
Date
1920-03-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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** *»•יי׳יי"^ K'־־־ X P / } l 1 n Tj M 1! i y Rwlekli®• and Verlag־ W. i ל, S*»ch«Uch« Sir. 8. £rscheiot jeii«•• |1 DitiuUf u»4 t*r*tl«f. B«t»1f *pr«1« h«i der ELiperiitiou und tico ff P•# U יו• t זרז■ vi«rUlj»M'״it 10 hA, 1• OautCchUad, Au*i*«da«bon■•- 1 •raU w«rd«w ׳A dar WiUr«»nv* 11 •r «inx«׳nen Lind•» berechnet. 1 -.»Är3aa®"׳; Anzeige n •Verwaltung: Nummer 20 Berlin. 12. Ul. 1020 W«U‘VerUg, H«rl1a NW ל, Dt>?olk«*a»\r»&« $5, Tclepboa: An( Zaalrum 4814 ». 481S. ARKAlgtB^CMi• für dt« ■«c1h«{-eepaitc■• Neapftr«ilU*«{U 1,50 14,, •ad 20^4 T«u«ru»£1taatJ>l*{. A*x«if?c«1ftct1( vS: DBoalag «n«i Frtili; naehitlltaf« 4 Uhr. ׳T«l*ph**: Amt UhUnd M י u«d Mb. [*•»Uthrtfcaonto; H^rb» Nr, n 392. Für Ontflttidi: Po*t«park*1*«c1a׳nt Wim, Kgm•(• Nr. 15MF3U. für Tichrcr1** 0w%k׳>t Po»tapark«M4n«mt Prag, K»ftlo Nr 1 V) 0 0י RrdaVtmnatohl«4 Sonnt•{ uad M»Mwr*«b nariimtHafA, 23. Adar 5080 XXV. Jahrg. S>«r Zlonlmna* uratrebt för d«1 j0dl*eh® Volk die Scbaifua״ «Ir.or 8ff»«t!iel»-rocl>Ul«b gaslch«rten H«ha»tltt« tu 1‘air.attn ». ’<tel«r Progrßuasa* Jugendbewegung An die zionistischen Ortsgruppen! I r. ■J ׳V >• * n pt Dr. da; K 11׳ P־’־;t d >'f f, , d•3 ׳. r - , I יי׳4׳ הi ״׳**•‘י ־*? fc1 \ 4 g.v ״,{ 7yJ F um. י.’h< ־ ־ 3 -..( ״ ־־. (Ciffi •-.< ■ « 0 . 1 ןd'.!10 in allen Völkern beobachten wir jetzt die Lntwickhmg einer Jugend, die im Kampf gegen das satte Philistertum des Bürgers nach einer Umwälzung der menschlichen Grundlagen des Lebens ringt und dabei in enger Gemeinschaft versucht, ju;vigeu, wie dieses Leben einmal gestaltet werden soll. Wir kennen die Boyskoutbcwegung in den angelsächsisthen Ländern, die frcidcutsche Jugend, die Wandervögel und die Gruppen um Wyueken in lieutscbl'uid. Wir kennen und lieben diese Bewcgtrngcn, weil wir den Gleichklang in ihren und unseren Seelen nicht verkennen können. Denn Zionismus ist die Jugendbewegung des jüdischen Volkes. Der Zionismus als Ganzes, mellt etwa die jugendlichen Teile der Org.u1isatk>u, bedeuten die •‘Auflehnung gegen das Üebeikommenc, Alte, bedeuten den Wunsch nach der besseren und wahreren Gemeinschaft. Das ist Ia de»' innere 'Grund, weshalb cs von so entscheidender Wichtigkeit ist, da8 die zionistische Jugend der gesamten zionistischen Organisation nicht ent* fremdet wird. Sie hat die Aufgabe, immer wieder ela rüber zu wachen, Uaß der revolutionäre Charakter unserer Bewegung rein erhalten bleibt, dail nicht eine Generation •/ionistiseher 1Bürger die Bewegung immcrkfich ui die Bahnen znrücklenkt, die wir überwunden zu haben glauben. Wir brauchen keine /!onisiische Jugendbewegung als Selbstzweck, wir brauchen eine zionistische ׳'Bewegung, die alle Merkmale dev Jugendbewegung aufweist. Es liegt in der Natur der Sache, daß das jii* dUche Volk mir eine Jugendbewegung haben kann, iben den Zionismus. Line Jugendbewegung mit k'cvn1p1'a*uL-.sc1!, eine Jugendbewegung, die die Re- .»Jitäten als gegeben Irnuimmt, die nicht versucht, sic zu überwinden und ihr eigenes jüdisch-menschliebes Ido&i an die Stelle ־zu setzen, wird nie den Kamen einer Jugendbewegung verdienen. Was war es, das vor zwei Jahren die ,,Verslimdigun'gsgemcinsch-aU" scheitern ließ? Jugendführer und -fürsorger' Stauden auf der einen Seite, ängstlich bemüht, ein Werk ־zustande zu bringen, mit dem sie bei keiner Partei anstoßen wollten, das Nichtjaden wie Juden, Orthodoxen, Assimilantcn und Zionisten gleich willkommen sein würde, *Männer, ehirduuts geeignet und befähigt, unter den jüdischen Notabeln einen ehrenvollen Rang cinzunelimen. Ls war kein Wunder, daß sic erschraken, als sie die »an alle ltolitik unbekümmerte revolutionär«, otünmc der jüdischen Jugendbewegung des Zionismus zu hören bekamen und sahen, daß man dort zu Kompronüsscu nicht geneigt war. Wir hnlKui von allen Gruppen der jüdischen lugend Deutschlands keine stets als so unjugendlieh empfunden, als die der neutralen Jugendbünde. Lin Verband mit Parteilosigkeit auf dem Programm, der seinen Mitgliedern die Mitwirkung am Aufbau Deutschlands zur Pflicht macht und ihnen Interesse für den Aufbau des jüdischen Palästina empfiehlt, ein Verband, der sich L11 einer Aussprache mit Christen vom einzigen jugendlichen Teilnehmer der Versammlung, einem Nichtjuden, die Enttäuschung über die Uitjugemllichkcit der Teilnehmer und der Debatte bescheinigen lassen muß, ist von jeder Jugend weit entfernt. Das beweist auch die zentralistischc, überlegte, politisch-kluge, aber gewiß nicht jugendliche, gewiß nicht revolutionäre Lei- *mg des Verbandes. *Man wird in dieser Auffassung leider nicht be- »ul werden, wenn man das Februarheft der Vcr- Wls.uitlcihmgen in die Hand nimmt. Denn, tun 1*s mit einem Wort zu sagen, da 1 c bt nicht Jugendix'wcgung, sondern da soll welche gemacht Werden. Herr Dr. Löffler wird durch die Lektüre vyn Wynekcns ״Schule und Jugcndkultur“ zu der Gage verleitet, wies!) im Verband der jüdischen jugendvereine so wenig Jugend zu spüren ist. Ls mag ein Fortschritt sein, daß diese Frage wenigstens gestellt ׳wird. Aber die Beantwortung zeigt, wie hoffnungslos die Möglichkeit zu beurteilen ist, den ,Verband revolutionär und jugendlich zu machen, jünn Versuch wird unternommen, die Situation des «eutscacn Judentums zu erfassen, sich gegen das »«ittge jüdische %1gerium •auftukhnen und das Ls wird hierdurch nochmals das dringende Ersuchen an die Leitung aller zionistischen Ortsgruppen in Deutschland gerichtet, die Durchführt! 11g der Zionistcnsteuer unverzüglich in die Hand zu nehmen. Jeder Zionist soll die Zionistensteuer zahlen. Es ist ohne jede weitere Begründung klar, daß neben den Beiträgen für lokale Zwecke (Odsgruppenbeitrag, mit dem das Rundschau-Abonnement verbunden ist) ein fester Beitrag an die Zcntralinstanzen der Organisation geleistet werden muß. Schekel und Landesbeitrag kommen als Geldleistung heute kaum noch in Frage. Der Schekel ist seinem Wesen nach die Quittung über den Eintritt in die Organisation und tlas damit erworbene Wahlrecht z1־m Kongroß. Die Zahlung des Landesbeitrags bcreclitigt in derselben Weise zur Teilnahme an den Wahlen zum Dclegiertcntag der Zionistischen Vcr* einigung für Deutschland. Schekel und Landesbeitrag werden gewöhnlich zusammen mit dem Odsgruppenbeitrag von den lokalen Organisationen eingezogen. Es ergibt sich also mit ־zwingender Notwendigkeit, daß jeder Zionist einen festen Beitrag an die Zentraliiistunz abführen muß, denn sonst kann die Organisation nicht aufrecht erhalten werden. Alle deutschen Zionisten wünschen, daß eine starke Zentrale besteht, die den organisatorischen Mittelpuukt bildet, die' innere und äußere Politik des Zionismus in Deutschland leitet, iür die Festigütig der Organisation und die Ausbreitung der Bewegung sorgt. Diese Aufgabe erforderte stets erhebliche Mittel. Bei den jetzigen Tcuennigsvcrhäiinisse.i ist ein Vielfaches der bisher notwendigen buimneu erforderlich. Dazu tritt unsere Pflicht, einen, angemessenen Beitrag zu den Kosten der Gesamtorganisation zu leisten. Der deutsche Zionismus will und darf sidi seinen finanziellen Verpflichtungen, gegenüber der Leitung nicht entziehen. Auch aus diesem Grunde ist es notwendig, daß alle deutschen Zionisten ihre Zionistcnsteuer entrichten, die, wie mehrfach bekanntgegebeu wurde, zum einen Teil für die Bedürfnisse der Zionistischen. Vcreinigung für Deutschland, zum anderen Teil für die der London er Leitung verwendet werden soll. Die Steuersätze sollen in Stuten Recht der Jugend ihr gcgenübcrzustellen. Man hat eben weder jüdisch noch menschlich etwas zu ,sagen und so beschäftigt inan sich damit, die von Wyueken behandelten Probleme unverändert auf die jüdischen Verhältnisse zu übernehmen. Wie wenig versieht Dr. Löffler das ganze Problem, wenn er meint, 'daß bei uns der Gegensatz der Generationen nie so heftig zu sein brauche, da ja jüdische Väter ihre Kinder •zärtlich Zu lieben pflegen. Als ob in andern Völkern die Jugend sich aitflehne, ׳weil die Eltern lieblos wären! Sie lehnt sich auf, weil sie die Lebensauffassung und Lebensführung der alten Generation als unerträglich ablehnt. Aber das kommt Herrn Dr. Löffler nicht in den Sinn. Wohl macht auch er einige Bernerkungen über Idealismus der Jungen und Matcrialistnus der Alten .1und läßt auch das Wort ״soziales Problem“ fallen. Aber das sind nur Redensarten und der Idealismus ermangelt jedes konkreten Ziels. Vor dieser Jugend brauchen die Alten nicht zu zittern; sie wird, ävie bisher, sich 'mühelos den älteren Generationen einfügen. Und wenn Dr. Löffler die Eigenart der jüdischen Jugendbewegung in ihrem Verhältnis zum Unbedingten, zum Religiösen zu sehen glaubt, so wissen wir, daß starkes jüdisches Leben in religiöser Hinsicht in den Ju* gendbünden nicht zu finden ist. Die Nummer der Verbandsmitteilungen bringt noch einiges, was in derselben Richtung liegt. Auch ein Schlußwort Dr. A p f c 1 s, der recht wohlmeinend den jüngeren ׳auf die Schulter klopft. Man wird die zarten Entwkklungskeime in ihrer weiteren Entwicklung mit Interesse beobachten müssen. Starkes junges Judentum aber wird der Verband auf diesem;Wege kaum erzielen können. Er krae von zwischen öü bis KHK) Mark jährlich erhöben werden. Als dieser Beschluß gefaßt wurde, war die Vermehrung und Entwertung der deutschen Geldzeichen noch nicht so weit fortgeschritten wie heute. Gegenwärtig ist ein Betrag von 60 Mark jährlich als Hauptsteuerleistung an den Zionismus als äußerst gering zu betrachten. Die ganz überwiegende Mehrheit der deutschen Zionisten ist imstande einen höheren Beitrag zwischen 100 und KHK) Mark jährlich zu zahlen. Für Jugendliche ist der ermäßigte Steuersatz von 30 Mark jährlich eingeführt. Die Zionistensteuer muß durchgeführt werden, wenn die deutsche Laudesorganisation dem Ziouismtis erhallen bleiben soll und wenn die t1 >.׳ut sehen Zionisten sich an den Aufgaben der Gesamtorganisation beteiligen sollen. Mit ihrer Durchführung fallen alle anderen Beiträge für orga• nisatorischc Zwecke (mit Ausnahme der oben er- Wähnten für lokale Zwecke plus Schekel und Landesbeitrag) vollständig fort. Alle «anderen Sammlungen, die schon bestehen oder noch eingeführt werden sollen, sind ausschließlich für palastineusisdie Kolnni-ationszwecke bestimmt. Da« gilt sowohl für den Palästina-Aufbaii-Fonds, für den zurzeit gesammelt wird, wie für die ständigen Sammlungen des Jüdischen Nationalfonds, dessen Bedeutung für die Kolonisation von Tag zu Tag wächst. 1 Wir stehen unmittelbar vor dem Abschluß de! politischen Verhandlungen, die dem jüdischen Volk Palästina bringen sollen, .aber das jüdische Volk wird Palästina nicht erringen, wenn es sich niclii zu Anstrengungen und Opfern jeder Art bereit findet. Dar. kleinste Opfer, die Zahlung eines größeren Beitrages an die Organisation, sollte vi*!v ganz selbstverständliche Pflicht sein, über de es nicht lohnt viel Worte zu verlieren. Als,): Gebt der Zionistische» Vereinigung für Deutschland die Mittel zur Aufrecliterhaltung ihre!• Organisation, wirkt mit an dem Bau der zlonistiselten Weltorganisation! Zahlt Eure ■Zionisten- Steuer! Gcscti&ftsfQhrendcr Ausschuß der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Finanz-Ressort. L i c h t h e i הו. Wynekcn und seinem Kreis nicht Probleme kennen, sondern er lerne dort die Art, alle Dinge zu betrachten. Wenn er mit derselben Unbekiinvmertheit, derselben Tiefe Und revolutionären Lnlschlosscnlieit, mit der inan dort die Aufgaben der deutschen Jugend 'feststellt, die der jüdischen prüft, dann wird vielleicht aus diesem Verband, der heute ein großes, aber totes Material umfaßt, jüdisclte Jugend und jüdisches Leben hervorgehen. F. L Die Osljudenlietze in München Die ״Deutsche Tngcszti'.ung“ meldet tiiuinphiciei'd ׳ ״Sonuiaginittag ist es in München zu j u d c n f e 1 n d• liehen Straß e 11 kundgebungen gekommen. I >ie Kundgebungen richteten sich in erster Linie gegen den Zuzug der Ostjuden und den als judenfreundiieh vorschricncn tnchrhcilssoziaSistischen Minister des Innern Endrcs. Die Demonsirantcn zogen, vaterländische [jeder singend, zur Fekllierinhaile. Man drängte gegen da!* Ministerium des Innern. Von der nahen Residenzwadic eilten Mannschaften der Poli/.eiwthr herbei, die unter großem Entriistuiigsgcschrei Maschinengewehre aufstelltcn. LUnin Minister war mittlerweile eine d eu t s c h vö I k i s eh c Abordnung ers ■hicuen mii der Forderung: 1. Ausweisung der Ostjuden. 2. Ausweisung aller vom August tOlä *»gezogenen 1 Ausländer. Der Minister versj>rach, die Forderungen I iw. Ministerrat vorzulegen und für deren Durchführung zu sorgen. Diesen L rf o lg vcrkündete namens der Abordnung Justizrat v. Zezscnwitz von der Feldherrnhalle aus, und'es gelang ihm Ln letzten Augenblick, die von Reichswehr und IVih'/eiwcIir nur noch mit Mühe in» Schach gehaltene Menge so weit zu beschwichtigen, daß der Platz gutwillig geräumt wurde.“ Wir haltencs für sehr bedauerlich, daß man, um den antisemitisch aufgeputschten Pöbel zu beruliigen, ihnen Zusagen macht, die zu halten doch hoficntlicl* im ״freisten Lande der Welt“ nicht in Betracht komraea kajut.

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