Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXV (1920)
- Issue
- Heft 17 (2.3.1920)
- Date
- 1920-03-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 118 jU. ED ISCHE RUNDSCHAU Nr. 17 nur jüdische Arbeitet anzustellen. Die Möglichkeil einer Zusammenarbeit mit anderen OrganiMtiancn besteht. Erst kürzlich hat d esberugheh eine Ünte.redung mit dem Präsidenten des ״Jomt Distribution Committee stattnefunden, der mit der Politik eines allmählichen Fortschiittes der Paläslinawamlerimg einverstanden war. ln den allernächsten Jahren kann Palästina noch kein Faktor für die Emigration werden. Simon anpelLcrtc an die Versammlung, dem Volke zu erklären, daß die Exckutive sich aller Schwierigkeiten bewußt ist und alles tut, um ihnen zu begegnen. Die Beschlüsse. Bei der Abstimmung wurden folgende Anträge der Kommission angenommen .1 ׳ Zur Verwirklichung der durch die politische Arbeit geschaffenen Mög• liehkeiten sind die kolonisatorischen Arbeiten in Palästina sofort in großzügiger Weise in Angriff zu nehmen. Als Orundlagefürdieses Werk sind vom jüdisehenV01ke25000 000 £ aufzubringen. 2. I, Da* Actions-Comltä beschließt nach Anhörung des Berichtes des E.A.C. undnachKenntnisnahmedesOutachtens des Financial Advisory Committee, daß bei der Aufbringung der Mittel für die nationale Kolonisation grundsätzlich die Unterscheidung ei 11 zuhalten ist: a) zwischen Mitteln, die ohne Rück* sicht auf Verzinsung und Rückzah* lung aufzuwenden sind und die des* halb als nationale Abgaben des iüdischen Volkes aufgebracht werden »ollen — und b) 1 u vest i tutionen, bei denen nach geschäftlichen Grundsätzen eine Sicherheit für Kapital und Verzin* sung gegeben ist. II. Für die Durchführung der ge* sc häft liehen Transaktionen wird der Vorschlagdes E. A. C. angenommcn.nach welchem der J. C. T. zum zentralen zio- 1! i s t i 9 c 11 e n F i 11 a n z i n s 11' t u t a u s z u g e 81 a I ten ist. Die Gründung besonderer Zweckgesellschaften soll nach Maß* gäbe der Notwendigkeit erfolgen. Antrag Dr. Katzenelson: ps »oll eine Kommission gewählt werden aus Mitgliedern des A. C. und des J. C. T., um die Frage der Liquidationsgesellschaften auszuarbeiten und ein Projekt über diese vorzulcgen. Die Kommission ist berechtigt, Ex* perten heranzuziehen. Die anderen Anträge wurden der Leitung überwiesen. Die A. C.-Sitzung wurde am 24. Februar nach einem Referat So ko Io ws über die politische Lage geschlossen. Den Bericht über die Schlußsitzung sowie über die vorletzte Sitzung, die sich mit der Galutharbeit befaßte, bringen wir in der nächsten Nummer. . Berichtigung Im Text der Resolutionen zur Kulturarbeit (s. Nr. 16 d. ״J. R.“) ist ein Fehler unterlaufen. In Resolution 5 «oll es richtig heißen, daß ״die Gewissens* freiheit der verschiedenen religiös-kulturellen Riehturngen gewahrt bleibt“. Ein Generaldirektor des amerikanischen Hilfswerks Das Präsidium des Joint Distribution Comit6 in New York gibt bekannt, daß Dr. Julius Ooldmaun, welcher beinahe 50 Jahre Un jüdischen Woliifahrtswesen gewirkt hat, zum Leiter des ganzenamerikanischenHilfswerksdes Joint Distribution Comittee in Europa mit dem Titel eines Generaldirektors bestellt wor* 3en ist. Dr. Goldmann, hat seine persönlichen Geschäfte in Amerika liquidiert, tun sich ausschließlich dieser Tätigkeit zu widmen. Er ist in der ersten Februarwoche mit dem Schiff ״Maure* tania“ von Amerika abgereist. Abram Kaplan, Minsk Unmittelbar vor Redaktionsschluß erhallen wir aus Minsk die telegraphische Nachricht, daß dort am 26. Februar der Vorsitzende der Zionistischen fcandes- Organisation Gg. Abram Kaplan gestorben ist Wir sprechen der weiBrussischen Föderation anläßlich dieses Verlustes das herzlichste Beileid aus. Peraonalnachrlcht Am Sonntag, den 10. Adar hat unser Gesinnung»- genösse, Herr Jakob H. Wagner seinen 60. Geburt»• tag gefeiert. Herr Wagner, der ein bedeutender Kenner «cs talmudIschen Schrifttums ist, hat sich besonders in den ersten schweren Kamofjahren als treuer Kämpfer für unser ideal bewährt Wir gratulieren Herrn Wagner Vereinigungskonferenz HapoSI-Hazalf Zeire-Zion Die Vcrei1r!gu11gsk0Tifercn2 des Hapoet-HaZair mit den Zeire-Zion wird am 21. März 1920 in Prag, im Saale des Jüdischen Rathauses eröffnet werden. Die Konferenz dürfte etwa eine Woche in Anspruch nehmen. Von Delegierten sind bisher angcnieldct: Aus Palästina: Josef Ahronow'icz, A. D. üordon, Adda Fischmann, Zwi Jehuda, Israel Bloch, Jakob Rabinowicz, Twcrski (d. Z. Berlin), Spriuzak (d. Z. London). Aus Polen: Zeire-Zion: Mcrcminski, Schwalbe, Muuczik, Rawicz, Schweizer. Hapoel-Hazair: Eiges, Gordon, Stern• feld, Brod, Klein mann. Aus Deutschland: Arlosorow, Buber Reichert, Rawidowicz, Weltsch. Aus Litauen: Berger, Rudniki, Syr* kin. ' Aus Rußland: Kaplan, Lewinsohn. Aus Oesterreich: Leder, Hcnisch, Dr. T a r t a k o w c r. Die Anmeldungen aus andern Ländern ßliul noch nicht eingclangt. Zur Vorbereitung der Konferenz hat sich in Prag ein Komitee gebildet, an das alle Zuschriften wegen der Ankunft, Wohnungsbeschaffung usw. zu richten sind. Die Adresse lautet: Komitee der Hapoel-Hazair-Konferenz, Zionistisches Büro, Prag 11, Ruzowa 24. Für Gäste werden Eintrittskarten nur in bsschränkter Zahl ausgegeben; cs empfiehlt sich daher insbesondere für auswärtige Gäste, die zur Konferenz nach Prag fahren wollen, sich rechtzeitig mit dem Prager Büro in Verbindiuig zu setzen. In Paßangclcgcnhcitcn erteilen die Hapoel* Hazair-Büros in den einzelnen Staaten Auskünfte. Das Prager Büro ersucht uns um folgende Vcröffentliclmng: Wer an der Weltkonferenz des Hapoel-Hazair und der Zeire-Zion in Prag vom 21. bis 2ö, März als De legierter oder als Gast tcilnchmen will, muß sich luibeuingt unter Angabe der Adresse und des Ankunft»- daiums m Prag bis spätestens H). März bei Frl. Frieda Löwy, per Adr. Jüdischer Nationalst, Prag 1, Ccietiia 22, anmelden. Später *ich Anmelder!de können auf Zuweisung einer Wohnung nicht rechnen. Zum 50. Geburtstag von Dr. Osias Thon Am 12. Adar wird Dr. ®sias Thon 50 Jahre alt Dr. ,Thon gehört zu der alten zionistischen Garde, die ewig ju11g zu bleiben scheint. Es Ist fast nicht zu glauben, daß er bereits 50 Jahre alt »st. Dr. Thon steht jetzt auf dem Höhepunkt seines Wirkens. In Lemberg geboren, •war er einer der ersten, die den Zionismus in Galizien, Jn Oesterreich, sowie den Wcltzionismus überhaupt von Anfang an unermüdlich tätig miterlebten. Seine Teilnahme an den Kongressen, wo er durch seine stets tief durchdachten und wirkungsvollen Reden, durch sein kluges, sachliches Urteil und durch seine große Kenntnis des Judentums und der jüdischen Seele stets eine füllrendc Rolle zu spielen berufen war, hat ihn ebenso wie seine reiche schriftstellerische Produktion im Weltzionismus sehr populär gemacht. Dr. Thon, der OberrabbLaer in Krakau ist, vertritt in der zionistischen Ideologie das Kulturprinzip und hat zur Synthese des politischen mit dem Kulturzionisimis viel beigetmgen. Als talentvoller Redner und geistvoller SduliUteller in hebräischer, deutscher, polnischer und jxlischer Sprache, letztens a!8 Abgeordneter des jüdischen Volkes im polnischen Landtag, arbeitet Dr. Osias Thon unermüdlich an der Klärung der zionistisclien tuid jüdischen Probleme. In der hebräischen Literatur und Presse ist er durch seine philosophischen und philosophisch-geschichtlichen Abhandlungen bekannt Unter ,anderem hat er in der Monats- Schrift Haschiloach ein ganzes Werk über Herbert Spencer veröffentlicht; er zeidmet sich durch einen glänzenden hebräischen Sül aus. Auf den Zionismus in Deutschland und Oesterreich Jiat er durch zahlreiche Arbeiten in der ,,Welt“ und anderen zionistischen Orgtuten deutscher Zunge, so in den letzten Jahnen im ״Jüdischen Nationalkalender“ in Wien stark eingewirkt. Als Rabbiner gehört er zu dem äußerst seltenen Typus, der seine höchste Aufgabe darin sieht, Fahnenträger' des lebendigen Judentums und wirklidtcr Volksführcr zu sein, in dem Sinn, den einmal Achad Haan» als den Si־nn des Rabbineramtes charakterisiert hat. Das Verdienst eines Mannes, der heute ttn. rüstigsten Schaffen steht, soll und kann heute nicht erschöpfend gewürdigt werden. Wir wollen nur einem hervorragenden Gesinnungsgenossen, der .augenblicklich auf einem der schwersten Außenposten des Judentums, im polnischen Landtag, zu kämpfen hat und der als jüdischer Politiker ebenso wie als Volkserzieher im besten Sinne des Wortes rastlos weiteraiboitet, unseren herzlichsten Glückwunsch zurufen. —— 1" "י..וו■—י■ 1 ■-!—ו«■«11״״■ nוiוn^1■ וו■■■ 11!■וו ווו^■ו^יu 1 mw Infolge de« Berichtes über die A. C.-Sitzämg mußten zahlreiche Berichte und Nachrichten au* Raummangel rurüdcgesriellt werden. Dia Anerkennung der jüdischen Nation in der Tschechoslowakei Wir haben bereits auf Grund eines Prager Tck■• gramnis kurz berichtet, daß die tschechische National. Versammlung am 19. Februar die von dem Kongreß der jüdischen Lehrerschaft überreichte Peütion genehmigt hat. Hierüber wurde folgendes Kommunique« ausgegeben; Der im Juni vorigen Jahres in OI m ü t z abgchaltent Kongreß der jüdischen Lehrer an den Volks- und Mittel, schulen hat an das Präsidium der Nationalversammlung ein Telegramm gerichtet, worin er ersucht, der Pr«j. dent möge die Bestrebungen de9 jüdischen Volkes auf Verwirklichung des Rechtes auf ein eigene! Schulwesen unterstützen. Dieses Telegramm wurde dem Kulturausschuß zur Berichterstattung zugewiesen in dessen Namen Dr. Krejci (tschechischer Sozialist) in der Nationalversammlung Tefericrtc. Der Bericht• erstattcr wies darauf hin, daß sich nach dem Umsturz ein jüdischer Nationalrat gebildet hat, als Vertreter jener Juden, die siel» als eigenes Volk fühlen. Dieser jüdische Nationalrat sandte dem damaligen 4א' rodni Vybor“ ein Memorandum, in welchem die An erkennung der Minderheitsrechte im Sinne der nationalen Selbstbestimmung verlangt wird. Es liegt kein Grund vor, diese Rechte grundsätzlich zu verweigern und es unterliegt keinem Zweifel, daß diese Rechte dem Bruchteil jeder Nation zuerkannt werden, die der Republik angegliedtrt ist Die Rechte der nationalen Minderheiten sind im Friedensvertrag von Saint-Gcrmain enthalten und unter den Schutz des Völkerbundes gestellt. Damit ist auch unser Verhältnis zu den Juden vom nationalen Standpunkt genau bestimmt und wir besitzen darin die Formel für die Lösung der speziell tschescliischen Judenfrage. Bei dieser Frage handelt es sich nicht nur bei uns, sondem auch anderswo hauptsächlich darum, ob die Juden ein eigenes Volk sind oder ob die Assimilation berclls soweit fortgeschritten ist, daß sie in dem Volke aufgehen, in dessen Staat sie leben, so daß das Judentum nur die religiöse Konfession von Bürgern versdüe* dener Nationalitäten ist. Auf der Lösung dieses Dilemmas beruht die Berechtigung der Juden auf die Zuerkennung der Minderhcitsrechic. Die Entscheidung ist Aufgabe der Wissenschaft In der Politik ist es jedoch notwendig, sogleich eine Entscheidung zu treffen, und da muß man mit der Tatsache rechnen, daß es hier Bürger gibt, die sich zur jüdisehen Nation melden, daß sie das Recht auf Anerkennung ihrer Nationalität haben, die sie bereits in einer ganzen Reihe von Staaten erlangt haben und daß diese Erkenntnis aus dem Grundsatze erfließt, daß jeder Mensch über seine Zugehörigkeit zu einer Nation selbst entscheide. Inder Politik müssen wir mit den Juden als einer Nation rechnen. Auf diesen Standpunkt hat sich auch der Kulturausschuß gestellt und er ist infolgedessen der Ansicht, daß dies endlich auch in der Schulfrage entsdtieden werden wird. Der Referent beantragte schließlich, daß die National• Versammlung diese Petition unter Berufung auf den Friedensvertrag von Versailles für erledigt betrachte. Diese Resolution wurde sodann im Sinne des Berichte* zur Kenntnis genommen. Die Aufbau-Aktion in Amerika Minister Daniels fordert christliche Unterstützung des Zionismus Die Zionisten New Yorks veranstalteten am 1. Febr. im Hotel Pennsylvania ein Festessen zugunsten des Palästinaaufbatifonds. Vorsitzender war Abraham E l ku 1, gewesener Botschafter der Vereinigten Staaten in der Türkei. In seiner .Eröffnungsrede erzählte er u. 1, daß er in der Türkei Gelegenheit liatle, Einzelheiten über Palästina zu erfahren, die in ihm die Uebeaeugunj hinterließen, Palästina könnte in Wahrheit ein Land sein, in dem ״Milch und Honig fließt“, wenn nur jüdische Begabung und amerikanisches Geld es wieder aufbauen würden. Die jüdischen Bauern in Palästina haben et bereits durch Tatsachen bewiesen, indem sie eine Wüste in ein Paradic» verwandelten. Er ist dessen sicher, daß Palästina durch die Juden zu einem Musterland werden wird. , Der Vorsitzende stellte den Versammelten den Marineminister Amerikas, Hem» Daniels, vor. Herr Daniels, mit stürmischen Ovationen begrüßt, knüpfte an die Worte de* Vorsitzenden an, der der amerikanischen Flotte Dank sagte für die Hilfe, die sie den Einwohnern Palästinas zur Kriegszeit durch Lieferung von Nahrung»• mittein und durch Ueberfilhnuig der Flüchtlinge lud» Aegypten erwies. ״Ich bin stolz darauf," sagte Daniels, ״daß dieselben Schiffe, die ursprünglich zu Kriegszwecken gebaut wurden, diesmal für einen edleren Zweck verwendet werden konnten,“ Was Palästina betrifft, so ist er als Christ ein Anhänger des zionistischen Oedankens, da die Rückkehr des jüdischen Volkes nach Palästina eines der ältesten Ideale des Christentums sei, wie *ie in der Bibel ausgedruckt sind. Die Chris ten sind nach *einer Meinung verpflichtet, bei der Verwirklichung des zio* nist»sehen Gedankens mitzuhelfen. Palästina wird mit der Zeit zum Mittelpunkt der ganzen Welt werden, die von dort aus_ Gesittung, Weisheit und Glaube empfangen wird. Der jüdische ,Genius im jüdischen Lande ward der Welt dazu helfen, .die wirtschafdiche Frag* *wie die anderen verwickelten Fragen, die Europa nidht zu Iö*en t vermag, eudgiltig zu ,lösen. _ Achter Julian Mack •agte in •einer Ansprach•, England ist zwar bereit, das Mandat für Palästina zu