Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXV (1920)
- Issue
- Heft 16 (27.2.1920)
- Date
- 1920-02-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 111 10 0;He l ן -■ז;!!": ן 1 X V,)!■. \ n 1 s ei.׳ ח י an . 3 r l'liy- | einem •! t Kurs 3 ,erden j Pida. | rn, in }niiKuv { J‘ '»er 1 nilien |1 sich | hohe» |1 den Jß ‘!er < ffiH'n,! »,י; /II | M<'uj jebrn. I ti die II den 31 «eli• | I •Ult, j [) ,*kuj L 1'■־« I! 10 er I kdnili י A.C. 3 unter! 1 IR• I Wm!•; Hi.Mil• \£ i!1:1 er• 3 Lelir- 1 leien,; 1 1.*iti t. j fß'lseit | ^־iii.׳• j 10,uii, | IC.'llll• 1 נ Er• 1 ijiSlina I r alle f wird.! | : 11 c u I ein ui \ 1: der \ t Ar- liehe 11 | It'cs: i' ' <•>־ ן S auf• I k.ieji■ | durch I fi4״nl, 1 cOeml | WiMlil 1 :5 11» - ’■—ין 4, I , ■»CI- | rurde. | 111*4;;ין I ' Al׳• 1 10 ־•ה L ■'.it | i |a ,1 i , I a ac: ׳{ 1׳ 11:! 1 U iiti ׳'f I: fu, V 11C | fp; ml I |k cm. I ־ ן• uc II;er I (I, ist Je;־ erft soll 11\ 1 ,׳tlc * I 11 von l Nr. 16 1 Audiatur et altera pars!! * I t j \ Von Dr. John L ö w c 111 ח a 1, Berlin.; Die nachfolgende« Ausführungen sind inicr•; •ssani. weil liier ein ausgesprochener Freigeist ן die Berediügtiiig der Fordenmgen des Misraclii; 1 /.« tvc\vcisca stiehl. Die Red. j |>r Beschluß der Misraclii-Koiifcretiz zu Ainster• | «an, für das I!eilige Fand einen besonderen orthodoxen | Waad-hacltiiinud« zu fordern, hat eine völlig unhaltbare; und «!«berechtigte Kritik erfahren.! Merkwürdigem eise von misradiistischer beite. 3 liricli l'r oni in fordert die ״Einheitsschule", n.iin- 1 זיcli die inisraeliistisehe Zwangsschulc für alte, auch 1 fcir Kinder weltlicher Eltern. Denn eine ״EJiilieits■ s«;hu!c", die eleu nissrachislischeii Ansprüchen genügt, welche eine ״Zerivißimg des Judentums in zwei Juden• mmer“ vermeidet, kann erfahrungsgemäß nur die wisranluslmlie Zwaugssdmle sein. Fromm denkt wohl m die Ixkanntc Analogie vom Koscher-Esseu, der Misi.idii lebt grundsätzlich nur koscher, dem Weltlichen könne es jedoch gleichgültig sein, ob koscher oder , teiefc gelebt würde, der Einigkeit halber wäre also; .0,1 allen!״»*.eher zu leben. Sicht Fromm denn gar «lieht, 3 u.d’ cs für <len Wehliüien genau <ler gtciche Uc• * | wisscnsnvatig ist, seine Kinder dem misradiistischei« Lehrer anziivertrauen, wie es für den Misraclii unmöglich .st, die Kinder vom weltlichen Lehrer unterrichten zu hissen? ln 41er Tat gibt es auch gar keinen Streit: on Heiligen lande bestellen weltliche Schulen und niisradiistisehe Schulen friedlich nebeneinander, es fragt «ich nur, ob beide Schulsysteme einem gemeinsamen W.iad-liadiiiimidi oder nicht lieber zwei getrennten Waade-liachinmidi zu miterstellen tunlicher wäre. Wer wirklich den Friedeti liebt und einen ״Kultur• ־ kämpf“ veiuiicdeu wissen will, kann nicht zwei fehl, daß 11er Misraclii weise daran tut, sich mit gesonderten : Schulsystemen /u begnügen, und vermutlich inv Rechte ' -d, wenn er seinen eigenen Waad-hnehinuucli fordert. Lassen wir einmal alle törichten Analogien aus dem deutschen politischen Loben lieiseite. ״Eiuheits- *dmlc“, ״Kulturkampf“ sind Redensarten, die (genau nie das \»m assimilatorischer Seite gemißbrauehte .,Liberalismus“) den jüdischen Leser deutscher Zcituu- *ea von vonilic'-eiii gefühlsmäßig fcstlegen sollen. ״Einv Vieitssehulc", d. 1. ,,soziale Einheitsschule“ ist für uns; Juden als für ein Volk ohne Standesmiterschiedeiie wohl / das gegebene, niemand hat etwas dawider; ״Elnheits-; »clmle“ aber ab. ״rdigid.se Einheitsschule“ wird von; ,ms Weltlichen rundweg abgeklmt. Jawohl, wir sind Gegner der ״Einlicitsseiiule“ wie wir auch Gegner des : ״Liberalismus“ suitl. Zur Sache selber, Erziehungsziel des Misraclii und 1 , EVriehiings/icI der weltlichen Schule. Die SdiuU* des Misraclii erzieht die Schiller z.u j ,!,.iiroh".treuen Juden. Sie erstrebt für das 13. Jahr 3 5 die llurmi/wali-Rvife, (in da» 18. Jahr die sittliche * Reife zur Ehe. Das Ideal des Misraclii ist das ideal 3 der altjiidisehen Familie. Die weitlie.be Schule erzieht nur zu tüchtigen Menschen und brauchbaren Staatsbürgern. In religiösen Dinge« überliefert sie nur diejenige Religion, in der alle siithihen Mensche« Übereinkommen, nämlich Ehr• ן J f,,rda vor tioll und I.iebe zu den Menschen, läßt aber ,/j <1:0 Li1!/ejlu:i1e!1 der religiösen Ausbildung mit gutem t 1 (irustde als Lclirgegcnstauil völlig außer acht. Was die | | geschlechtliche Reife betrifft, gilt der Grundsatz: ״spät l * hing, ist laug jung“: 11er Eintritt der gesdilcxlitlicheu » Reife ist dure.11 Spiel- und S|K>rle1z,icI1u11g so lange als . möglich tHutasmihaltcn. Das weltliche!deal ist das Ideal ilcs modernen Staates. . Mit anderen Worten, ist ilie inisraeliistisehe Schule ein spvoiiiien sui gcsieris, bildet die Weltliche licbrä•!sehe Schule einen Sooden,111׳ der weltlichen nationalen j siiaultaiien Srliule iiberlianpt, d.!1. ein Seitcnstüek zur; * weltlichen englise'ieo, nmcrikanisclien, schwedischen, : | französischen Schule tisw. i Man sieht, daß cs um entgegengesetzte Auffassun•; |' gen vom Judentum geht. Es gibt «1fo!gctk*s$c!t zwischen i | Misraelüm uml Weltliehen folgeriditig ki Sdiuldingen * nur das schiedlieh-frietlliche Nebcneitiander, nicht alxir 1 eine andere Brücke noch Verständigung. 3 1 Fine Einheit, die nicht besteht noch bestehen kann, 1 ן vorzirtäuseheii, ist similos (wenn nicht gar Arglist des I ccwandtcicn Dialektikers). liliebc die Frage des gemeinsamen Waad־J;a•; -lunondi. Da die pädagogischen Grundsätze des Misradri mit denen der Weltlich«! sowohl im Unterricht; . als in der Erzielnuig völlig unvereinbar sind, hätte die; Tätigkeit eines gemeiusamen Waaii-hachimuKli sich nur 1■ ן,'f sdiuüiygienische, schulfinaeizielle und andere Ver- •'; waltujigsange legen heilen einzuschränken. Das hieße ‘ alvr den Waadliadiimiucli degradieren. Die Forde• 4 IUi:g der Misradiim erscheint also berechtigt, ja bei <ler L.igenart der jüdischen Religionscntwicklung sogar 1«llig und gegehen. Wer den inneren Frieden des jüdischen Volkes will, wird der Forderung der Amsterdamer Konferenz, berstnumen. Im übrigen aber tut man weise, die Düme iter kntWicklung zu iÜK*rlasscn: auch in Schüblingen gilt der Ciriiiulsaiz des ״sucrial of the littest“, und 1 j,w!ü, ״״cril11 bringt der Kampf des Lehens die Entscheidung. I C Die!deinen. Diebe Isän:4t inan ן In einer Zeit, wo aueli der eifrigste Zcilungslcser i cs als hoffmingskw aufgeben muß, sich durch alle Morde, Attentate, Rauhanfälle, Schiebungen und -- Frei- Sprüche Schuldiger hmdurdizufiuden, in einer Zeit, wo der Fr/ix׳rgcrpiozeli einen tiefen Blick in die Psycho• log io IX-utsehlaneis nach dem Kriege tun läßt, hält es der sozialdemokratische Polizeipräsident für notwendig, in antisemitischen 1 k־f/.ciugat>€11 die Verfolgung der jüdischen Flüchtlinge aus dem Osten zu verlangen, denen er alle Scheußlichkeiten zur Last legt, ilie nicht sie, aber amlcre begangoi h.ilxai. W׳r haben bereits d.uauf lungewicseii, daß es iielxai der ״Freiheit“ nur Herbert Eulenberg ist, der in einem tapferen Aufsatz, in der .,Vossischea Zeitung“ sieh zu den Ostjudcu bckannt. Es gehört in der Tat heute ein ziemliches Stück Mut dazu, sich für diese Verfolgtcsteu unter den Verfolgten einzuset/.eu. Nachdem Eulenberg seine einwandfreie nichtjüdische Abstammung nachgewicscn hat, fährt er folgendermaßen fort: Ich habe diese Menschen erst im Kriege kennen gelernt. In Polen und Litauen. Als ich dort für _ die Presseabtcihuig von Ob-Ost — Name und Behörde dünken mich schon lauge versunken — das Land zu bereisen und zu beschreiben hatte. Ich werelo nie vergessen, daß ich mir sogar die erste Rüge, die mir meine Vorgesetzte militärische Stelle erteilte, der Ostjeden wegen zugezogen habe. Also eigentlich wieder ein (iruml, von vornherein nicht allzu gut auf sie zu spachen zu sein. Als ich nämlich dort oben aiikam, war ein großer Teil der ostjüdischen Bevölkerung, be• sonders <Jer;inneren, im Begriff, das Land zu verlassen und über Dänemark oder Holland nach Amerika ausztiwaadern. In häßlichen, schnei! /usammengesciilagciien Bauden lagen diese Leute in der Nähe der Bahnhöfe und warteten ,darauf, abgeschohen zu werden. Die deutsche militärische Behörde sah diese Ab- Wanderung soundsoviel notleidender, hungriger Mäuler, die lmsern Soldaten das Brot wegaßen, höchst gern. Gleichwohl hätte man in!1er Form den Leuten, die in eine ungewisse Zukunft zogen, den Abschied von 4ic!» Land, mit dem sie doch durcli jahrelanges Leben verbunden waren, etwas erleichtern und verschönern können. So dachte ich mir wenigstens und schlug in meines Herzens Einfalt vor, ob man diesen jüdischen Alnvaiiderern nicht ein kleines Fest vor ihrer Abreise veranstalten könne, wobei man in einer Rede oder in mehreren Vorträgen sagen sollte, daß wir sie freilieh nicht zuriickhatteii wollten, aber daß wir nur durch die• Jlungersperrc der bösen Engländer, unserer Feinde, dazu genötigt wären, ihre Trennung von Europa gutzuheißen, daß wir ihnen eine glückliche Ueberlahrt und eine freundliche Aufnahme in der neuen Welt wünschten. Und was man sonst an Artigkeiten bei solchen Gelegenheiten äußern kann. Noch heute bin ich überzeugt, daß solche kurzen Feierlichkeiten bei diesen ineist kindlichen und natürliehen, und vor allem reicht rührsanien Menschen einen sehr schönen und bleibenden Eindruck!unterlassen hätten. Jedenfalls wäre es staatsmänni'ieli klüger gewesen, als_ diese Leute in barscher, stellenweise höchst roher Weise nach Amerika zu treiben, uni in dem Vo'ke dort, das damals noch nicht im Kriege mit uns stand, weiter auf Geschlechter hinaus eleu Deutschenbaß zu säen. 'Man kann sieh vorstellen, wie in jener Zeit, da Preußen noch auf moralische Eroberungen verzichtete und von Gefühlen keine Rede sein durfte, meine Gcmütsiluselei, d reiitwcgen man mich zunächst scharf ai.pliif, aufgefaßt wurde. Man bedeutete mir kurz, aber eindringlich, daß ich mir, wenn ich in Ob-Ost alt werden wollte, künftig solche Weichheiten sparen sollte. Ein Witzbold aber riet mir, meinen Vorschlag durch den j Instanzenweg gehen zu lassen, damit ich, wenn der j letzte jüdisch-litauische Auswanderer längst in New York angekomnien wäre, dann einen ablehnenden Bescheid erhielte. Jedenfalls hat mich dieser erste Verweis, mit dem ich meine Stellung antrat, veranlaßt, mich fortan näher und mit deutscher Gründlichkeit mit den Ostjudcu zu befassen. Natürlich fand ich; daß es Menschen wie allerorts auf Erden waren. Das heißt, Wesen mit guten und schlechten Eigenschaften. Was j einem besonders stark zunächst bei den litauischen | Juden auffiel, war ihre Geistigkeit, ihre lebhafte Vorliebe amd Begierde, s ch iinnicrwiiliTcnd zu bilde«. Man j trifft unter ihnen sehr viel unterrichtete und belesene Menschen. Früher hat man sich hier vor allem mit | dem deutschen Schrifttum befaßt. Erst im letzten Jahrzehnt kam auch die Beschäftigung mit den russischeu Dichtern, mit Tolstoi und Dostojewski, sehr auf. Indessen begegneten mir unter den Juden Litauens uml iYdens zahlreiche Leute, die beispielsweise Ger- Eart Mauntmann wörtlich anzuführen wußten, meine ״Schattenbilder" kannten und auch sonst in der heutigcii «hutschen Dichtkunst gut Bescheid wußten. Des 1 weiteren haben sic selber mich ein eigenes tüchtiges Scluiltweseu ausgebitdet. Erwähnt sei hier nur der ostjüdischc< Rosegger, Perez, dessen würdiger Totenfeier ich in einem jüdischen Theater Wilnas beiwohnte. Der litauische Jude gilt unter den Ostjudcn über* haupt als der bildungsfälligste und am tiefsten voran• lagte. Auch in Glatibcnsfrngen. Hier neigt er im Gegensatz zu den mehr mystisch gerichteten polnischen Juden stark zur Aufklärung und zuin Rationalismus und hat etwa einen Ruf wie bei uns der Berliner. Von einer rein und ausschließlich gezüchteten Kauf- 1 roannsnanir kann bei diesen Leuten, die sieh viel j und gern mit geistigen und künstlerischen Dingen bc• ן schattigen, gar keine Rede sein. Natürlich spielt der! Handel eine grolle Rolle bei ihnen, weil die meisten | auf Ihn angewiesen sind. Ich sehe noch das halb bc- I trübte, halb entsetzte Gesicht des armen kleinen Oast- 11,tusbi sil/cis m Janow vor mir der als HandclsjiAL׳ irrnl Schmuggler bei unserer Behörde figurierte. ״AL ob Jude und Schmuggler ganz genau das gleiche wäre, tut Ihr Deutschen immer!" ao jammerte er mir zum Lichen kläglich vor und entschuldigte sich ein über «las andere Mal vor sich selber: ״Ich w.ir aiali gern etwas Besseres geworden, ein Studierte׳• o׳Tj Beamter. Aber ich hat/ doch nichts amlcre .;eli .׳..־ wie Daudet »reiben. Man bat midi ja zu nichts pi,■ derem zugclassen.“ Doch diese schlechte Bcivandluiig, die nuin sduei mi Kriege von tonangebender Seite bei uns gegen die Ostjuden beliebte, auf deren Vermittlung •!!!•.,•r.; Olnziere, wie unsere Zivilverwaltung ionwähreiel an ׳c• wiesen war, halte audi ihre sehr ernsten Seiten,!'i:. Freude, um nicht zu sagen Begeisterung, mit der die Ostjudcu den eiunickcnden deutschen Heeren entgegenkamen, mit denen sie sich schon durch das jidisd* so schnell verständigen konnten, schlug bald in Ver- Stimmung uni! tiefe Verbitterung uin. Auch der Os1- 'ude sieht sich nämlich nicht gern wie einen Hund )eliamtelt. Und die Verkehrsform durch die Rcrtpeitsche, mit der manche unserer Herren dort nur zu leichtfertig umgingen, verletzt sein trotz aller Demütigungen gern auf Stolz gestellte Gemüt. Infolgedessen hat sich nur zu oft das von Nietzsche aufwühlend zergliederte Ressentiment bei ihnen gegen das Deutschtum l.erausgcbildet, ein grollendes Nachtragen, das sieli gelegentlich auch häßlich äußern kann und keinesfalls zum gegenseitigen Vcrstäiidni« der Rassen beiträgt. Mau hüte sich wie vor Allgemeinheiten iiberhat^« so auch davor, die Ostjudcn unter dem Deckname« ״Galizier" als Schieber in einen Kehricht zu fegen Es.gab und gibt im o<ijüdische11 Proletariat beisp'iel»• weise viele Handwerker, durch deren Aufnahme wir nur gewinnen könnten. Die Juden haben in Pole« vor dem Krieg die zuverlässigsten Schuster wie du־ geschicktesten Schneider gestellt. Eine Torheit ohnegleichen ist cs, diese Leute mit Gewalt und Veiiiet/nng eiligst aus Deutschland heniuszudriiiigeii. Man erwehre sich nach Kräften vermittels <k*s Strafgesetzbnclics und der vielen Zusatzgesetze dieser Zeit 41.v schlechten uml unehrlichen Klassen «md Kreise unter den eingcdrungeiien Ostjuden. Sie in Bausch timt Bogen zu verdammen, ist ebenso tiiricht wie niedri;;. Auch ist es irrig, wenn man glaubt, unter dem ostjüdischen Proletariat, das lOtKk) bis höelisteus 1500t 1 Köpfe stark seit dem Krieg «ael» Deutschland gekommen ist, seien!;*uter Ixßschewistiscli gesinnte Seele«! zu finden. In Wahrheit haben die meisten dieser arme« Leute, die noch «len Schrecken von den heimische« Pogromen in den Knochen spüren, neben der Russenfurch« nur 41:11 I lauptwunsefi, möglichst L1!d in 41411־ Westen oder in neutrale Linder auszmvaiulerii. Zu liner Aufwiegelung deutscher Arbeiter, zu der sich die Sowjet reg iertmg ganz anderer geistiger Anstifter aU dieser kleinen Proletarier bedient, fehlt «14m Ostjudc• Fähigkeit «md Neigung in gleicher Weise. Fast alle wollen heute v«>r allen) cmLicii ihre Ruhe haben. Man gewahre sie innen auf ihrer morni mir kurze« Rast bii uns nach Möglichkeit. Diejenigen, 41 ic a's I amlarbi iter oder im Ben:hau bei uns verwemU I w»1• den sind, haben sich nach vielfachen Zeugnissen, die über sie* vorliegen, recht gut eingefülm. lia die jücLsehen Arbeiter größtenteils gewerkschaftlich organisiert sind, ist auch eine Lohndrückern von ihnen nicht zu befürchten. Die nieelrige Verhetzung gegen die Ostjudcn und Galizier, die nur ein Teil der all״«'- meinen jirdcnfciudschaft ist, die heut(* bei uns betriebe*« wir«!, ist leider fast schon gedankenlose Gewohnheit in Deutschland geworden. Cime sich jemals um die Ostjuden und ihr schweres Grenzdasein, wie ihre wirt- •schaft'iche und geistige Entwicklung bekümmert zu haben, wird nur tiiesc Menschen losgesäiimpft, als ob seit je dort der Abhub 41er Menschheit gehaust hätte und Russisch-Polen, Litauen «md Galizien eine Verbrecheikokinie wie ehemals Tasmanien gewesen wäre Wer mir den aufstrebenden Gcwerlxfleiß 4!ieser dm vermögenden Landstriche vor dem Kriege verfolgt hat, weiß, wie verkehrt ein solch oberflächliches (jereite über das niederträchtige Gaii/iertum ist. Die Liebe zur Gerechtigkeit und Wahrheit trieb mich, auch der geistigen Bewcglielikeit «tut Tiete dieser Leute liier lüliuiciul zu gedenken, die im allgemeinen nicht schlechter 111141 nicht unanständiger situl als die ganze verfluchte mtnsehUcbe Rasse', ä qui nous apparte- 11011s zu sein pflegt. Und nun freue ich mich sclxm au! die viele«, natürlich meist niitcrscliriftkiscn Bride, die mir n* ,,bezahltem oder bestochenem Judcnkncchi" auf diese» Rettungsversuch zugehe» werden. Die Regierung hat es bisher nicht für nötig gchallen, über das Resultat ihrer Judenverfolgung etwas mitzuteüen. Das Ergebnis entsprach offenbar nicht ganz eien gehegten Erwartungen. Wie wir hören, hat mau die meiste« Verhaftete«« wieitcr in Freiheit setze» müssen 1 Inzwiscljen wurde amtlich verliiulutt, «laß etwaige Maßregeln gegen Auslnneicr ohne Untcrseliic«!, ob Jude* oeler Nichtjuden, erfolgen würden. Es ist bc/cichncntl, «laß «las erst noch versichert werden muß. Aber ei lindert elie Grausamkeit gegen Pogromfliichtlinge nicht, wenn man auch andere ebenso grausam behände«(. Im übrigen scheinen die Verhältnisse auch für 4lie deutschen Juden siel« wieelcr einmal sehr zti/uspitzen. Die Mchrlieitsso/iaüsten haben im Scliöncbcrger Stadt- Parlament bereits mit Selbsthilfe geelrolit, wen« deid ״Kntippclkimzc" die Bewaffnung antisemitischer Pogrombände!« weiter gestattet wird. Es ist in «kr Tat c«t starkes Stück, daß dieser Man« seine Tätigkeit fortsetzen darf, nachdem seit Monaten der Zweck dksir Betätigung in aller ÜeffenÜidikeit bekanntgegeben wunde. Das Insertionsor Jüdische Rundschau‘‘! 1