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Jüdische Rundschau · 1920-02-24 · Heft 15 (24.2.1920) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 15 (24.2.1920)
Date
1920-02-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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An*elg׳eoachluÜ: Oi'afttng mul Kreitt»y־ nacHmiM«!^• 4 Uhf. ,"'ח״י״ף; f\m% uuiand •v4> und י»־ן .0*י׳>•me 1*kon,o: neriio Nr. 17 ifu. Kur ()׳■ ■!erreich: Po*Upnrkt»»t*n׳ 1׳!! Wien, Konto Nr. 15ntn0. Für T»(-he<ho%1«w*kt1‘ Po*t«p»rkn»^cn«mt Pr•!־. Konto Nr. 1 Sb 010 Red«iau1i׳mdM>1Q Sannt•! und Mittwoch r»*chmttlaj*. 5. Adar 5680 XXV. Jahrs:. Der Zlonlsniu« eretrnbt ffir da«! jOdlachn Volk die Schaffung eln«r fcuclich-rechUlch ge«ich«r rt*n *!•imataUe In Pafuattna. ״Baseler Progrninm* Jagd auf Juden Der Poüzeipriisidont von Berlin hat eine Denkschrift an das Ministerium des Innern geiiditet, in welcher er auf die Gefahren aufmerkmacht, die dein deutschen Reich von den Dstjiidcn drohen. Kr hat seine Söldner niohili- .teil, um eine Säuberuu״ der Gre״־adierstraße dttrchzuführcu, wo sielt die ״dunklen• Existenzen‘* aufhalten, die ״unter Umgehung der Gesetze die Bevölkerung ausbeuten und alle wertvollen Waren ־ •s Ausland verschieben.“ 111 seiner Eingabe bcwidmet er das Scheunenvicrtcl als ״wahres uh&K״“ mul ״jüdische Schweiz“ und beschuldigt die ausländischen Juden aller möglichen Verinrchcn und bolschewistischer Agitation. Die U11-!:elieuerlichkeit dieses Schriftstücks, in welchem ׳.•gen eine ganze Gruppe von Menschen die .cliwersten Beschuldigungen gerichtet und von offizieller Stelle alle Schlagworte antisemitischer 1 *emagogio wiederholt werden, wird mir noch überu cvffcii durch die Ungeheuerlichkeit dieser Razzia, durch welche eine Menge unschuldiger und liarmloser Menschen nur darum, weil sic sich iu einer bestimmten Gasse aufhalten, von der Polizei beheiligt und auf das Gröblichste in ihren Menschen- 1 echten verletzt werden. Wir haben gegen die antisemitischen Vorwürfe, die gegen die Ostjuden 1 ■!hoben weiden, so häufig polemisiert, daß wir Keinen Anlab haben, unsere Argumente zu wieder- I ölen, weil die Beschuldigung jetzt vom Polizei- Präsidenten ausgeht. Jedem denkenden Menschen 1 ■t cs klar, dab die kleinen Leute in der Grenadierdralle, die eben ihr nacktes Leben aus der Hölle gerettet haben und nach den eigenen Bcschreibungen des Herrn Ernst im tiefsten Elend und unter entsetzlichen üuberen Bedingungen miiliselig!he Dasein Pisten, keine Gefahr für das deutsche 'Virtsiiialislcln 11 bilden. Diese Gefahr dreht von;:»uz anderer Seite und es ist geradezu kläglich, d.111 inan, weil man den grollen Schiebern nicht beikoimneii kau״, seinen Hcldejimut und seine füditigkeit an diesen schwachen Elementen bcwährt. Niemals würde man cs wagen, den Kurnirstendamm polizeilich abzusperren und eine Razzia nach Valuten vorzunehmen, die wahrscheiulieh viel ergiebiger wäre, als in der Grenadierdralle. Aber das Proletariervicrtcl iu der Greuadicrrdrafle ist für die polizeiliche Betätigung des vozialdemokrntisehen Polizeipräsidenten das riehiige Feld. Leider hat man cs verabsäumt, der <.)Öffentlichkeit das kontretc tatsächliche Resultat der famosen Razzia mitzuteilen; wenn dabei tatsächlich irgendwelche Verbrecher entdeckt worden dnd, so werden wir die Letzten sein, die ihre Untaten veiteidigen. Wir verwahren uns aber mit ■Iler Entschiedenheit dagegen, dali . bei einer ■olciini Gelegenheit von amtlicher Slelic iu nicht milSzuvcrstehender Tendenz das Juden tum der f.rgriffenen betont wird. Es wäre sonst notwendig, uif diese lächerliche Art der Disknssionsführung Gnzugeheii und aus den Feststellungen über die Kriminalität des deutschen Volkes und auch über die hervorragenden Sdiicberqualitätcii einzelner deutscher Männer, die keineswegs in irgend einem engen Massenquartier in Not und Elend leben, .*־zudem sich in Palästen und Amtsgebäuden frei und in allen Ehren bewegen, Schlüsse auf die Eigenschaften des deutschen Volkes zu ziehen. Die Bemerkung, daß durch diese polizeilichen Mabnahmen einer verstärkten antisemitischen Bewegung vorgebeugt werden soll, ist geradezu je- •snitisch. Der antisemitischen Bewegung wird durch die tendenziösen Darstellungen des Poiizeipräsideuten nur Vorschub geleistet. Sie selbst entspringt antisemitischen Motiven ebenso wie jede rt von Ausnalimsmalfualunen, die vielleicht durch p? 1m y°rl,i״.״״ Rcrcchtfertigt werden sollen. Die tage der ostjüdischen Flüchtlinge ist nur dadurch zu oseti, daß man diese Menschen zu produktiver Arbeit zulabt und die dahingerichteten Bemühungen der jud.selten Stellen unterstützt. Alles andere dient nur dazu, den antisemitischen Instüiktcn des Vblkes zu schmeicheln und die Aufmerksamkeit von der Unfähigkeit der Regierung zur Sanierung •גי: wirtschaftlichen Verhältnisse auf unschuldige, ober schwache und wehrlose Elemente abzulenken. Die tschechische Nationalversammlung für den Minoritatenschutz (Eig. Drall tbfc rieh t der Jüd. Rund seh.) Am 19. Februar berichtete in der tschechischen Nationalversammlung der Referent des Kulturaus- Schusses, Professor Kre j c i, über die Eingabe des jüdischen Lehrertages Olmütz, der die Einführung eines jüdischen Schulwerks gefordert hatte. Der Referent konstatierte, dab die Juden als nationale Minderheit unter die Minoritätsklausel des Friedens- Vertrages fallen. Jeder Mensch müsse das Recht haben, selbst zu entscheiden, zu welcher Nation er sich zugehörig fühle, ln der Politik müsse man mit den Juden als eine Nation rechnen; in diesem Sinne müsse auch die Schulfrage entschieden werden. Die vom Redner vorgeschlagene Resolution wurde von der Nationalversammlung unter Beifall genehmigt. 70. Geburtstag von Johann Kremenetzky Am 15. Februar feierte Johann Kremenetzky seinen 70. Geburtstag. Der Name Kremenetzky ist mit den ersten Anfängen der zionistischen Bewegung verbunden. 111 Odessa geboren, übersiedelte er später nach Wien, wo er ein grelles industrielles Unternehmen Ivegründete. Er gehörte zu den ersten, die sich Theodor Herzt anscldossen und wurde am dritten Kongrcli zum Mitglied der zionistischen Leitung gewählt. Besondere Verdienste hat sich Kremenetzky um den Jüdischen N a 11 o ti a I f o 11 d s erworben, dessen erster Leiter und Organisator er gewesen ist. Auch nach Herzls Tode, nachdem der Sitz des E. A. C. nach Köln verlegt worden war, blieb Kremenetzky noch eine Zeitlang Leiter des Hauptbüros des Nationalfonds in Wien. Bis heute nimmt er als Direktor hervorragenden Anteil an der Entwicklung des Nationalfonds. Krcmenet/ky, der Mitglied des Grollen Actions-Comites ist, hat bereits seit vielen Jahren ein besonderes Interesse an der koloiiisatoriseheii Entwicklung Palästinas genommen. Er war selbst mit Palästina eng verbunden und versuchte dort durch finriditmig von gewerblichen und Inndwirt• Mb.iiiliciieii iKinuxn «ne pr.ikuscin‘ Kolonisa'ion zu fördern. Auch gegenwärtig widmet Kremenetzky einen hervorragenden Teil seiner Arbeitskraft «len Vorbcrei* tungs,arbeiten für den Aufbau. Er ist Vorsitzender der Studiengruppe jüdischer Ingenieure beim zionistischen Palüsiinaanit in Wien, welches sich mit der Ausarbcitimg technischer Projekte beschäftigt. Wir beglückwünschen Herrn Kremenetzky zu seinem Jubeltag und wünschen, dali es ihm vergönnt sein möge•, noch viele Jahre• mit der gleichen liiigehroehenen Kraft für die zionistische Saciie tätig zti sein und insbesondere auch iu Palästina selbst, das immer das Land seiner Sehnsucht war, die Auferstehung unseres Volkes nützuerlelxm. Wenn man die paar hundert jüdische Ausländer in unmenschlicher Weise irgendwo cinspcrrt, wird dem deutschen Reich noch lange nicht geholfen sein. Die staatsmännisclieii Fähigkeiten hätten sicli ganz anderswo zu erweisen. Angcinerkt muß werden, daß das ״Berliner Tageblatt“ beflissen in das Horn des Herrn Ernst stößt. Es kann nicht umhin, ztt erklären, daß es dem Polizeipräsidenten ״als Verdienst anznrechnen“ ist, wenn er ״aus eigener Initiative dieser Pest, die an dem Lehenskörper der Großstadt eitert, energisch ein Ende zu machen versucht‘*. Wohl dem, der sich frei von Schuld weiß! Es ist erbärmlich, daß ein sogenanntes liberales Blatt gerade in der Judenfrage so sehr befangen ist, daß es die wüsteste Hetze mitmadien zu müssen glaubt. Einzig und allein ״Die Freiheit“,*) das Organ der U.S. P. weist die Judenhetze des Polizcipräsideuten gebührend zurück und erinnert den Sozialdemokraten Herrn Ernst daran, daß in erster Reihe die sozialen Zustände für das Gedeihen jeder Art Verbrechen außerordentlich günstig sind. ״Die Freiheit“ wendet sich dagegen, daß ganz allgemein eine derartige Ausländer- und Judenhetze getrieben wird. Für das deutsche Judentum aber gibt es nur ein würdiges Verhalten: Die Erklärung der uneingeschränkten Solidarität mit den angegriffenen Brüdern. Das heißt nicht, daß irgend ein Vergehen, beschönigt oder gedeckt werden soll, sondern daß nicht zugegeben wird, daß pauschale Beschuldi* gungen gegen י ganze Gruppen von Juden erhoben und das jüdische Volk dadurch verletzt und bcleidigt wird. R. W. *) Abgesehen von ekiem Aufsatz von Herbert Eulenberg in der ״Vossischco Zeitung“, auf den wir noch zurückkoraraen. Zionistische Bewegung Versammlung in London (Eigener Drahtbcricht der ״J ü d i 1 c!1 e n Rundschau“.) ־״ Am Dienstag, 1101117. Februar, fand 111 der (1 r e a t A s s a 111 b I y H a 11 in London eine von ׳KHK) Per- »onen besuchte Versammlung zur Begrüßung der nach London gekommenen Mitglieder «tes Action^-Oomitcs statt. Nahuni So ko low leitete die Versammlung. Nachdem er einige einleitende Worte gesprochen batte, wurden von den Herren K o 11 a 11 - B e r 11 s t e i 11 (Kischüiew), C a I c b (Konstantinopel), Abrahams (Johannisburg, Südafrika), Sprinzak (Hapoel-Hazair, Palästina), Weizmann, Podli schcski (Bolen), M o t z k i n, Sclimarja L e v i 11, Stricker (Wien), Klee (Deutschland) Ansprachen gehalten. Dr. Klee feierte iu seiner Rede «lie Wicdcrvereüiigung der Organi* satiou und bekräftigte «lie Opferbereitschaft «kr deut• scheu Zionisten. Seine Rette entfesselte einen Beifallssturm Eine neue zionistische Jugendorganisation ln Groit iio faml vor kurzem eine Vorkonferenz zur Gründung einer Jugendorganisation ״Cheruth u t h e c 11 i j a 11“ (Freiheit mul Renaissance) statt. Aus den Pregraiiunbesclilüssen, die in tler wünacr ״Judisdien Zeitung'‘ veröffentlicht siiul, entnehmen wir im folgenden die wiih.igeien: I. Zur Kulturarbeit. Imlein die Konferenz die Verlebendigung der hebräischen Sprache und Kultur als natürliche Begleiterscheinung der jüdischen Renaissauce in Palästina ansieht, erkennt »e das Hebräisihe als einzige jüdisch-nationale Sprache an. Jidiseli ist als Volkssprache zu betrachten. Da Palästinakünde jüdische Geschichte und ein Minimum hebruLcIter Literatur als wichtige Faktoren nationaler Erziehung erscheinen, so ist die Erlernung dieser Gegenstände für alle Mitglieder der J11.;emiorganrea;k>11 ob'agatoriseli. II. 1'r i n z ipi e n der J tig e ndo r g a n t s a t io n. Da ״Cherutii uthachijah“ die Jugend iu einem Alter erfaßt, in der sic noch keine abgeklärte Anschauungen hat, so ist die Konferenz iler Meinung, daß «lie zio nistlschc Jujjeiulorgai.ba k>n keinen pr> i ischcii, »muh rn einen rein ku't iii, 01׳ Clu-.tal.ü .׳! ׳al.o.1 .011. III. A n t e i 111 a 11 in e i in ö f f e 1111 i e 11 e 11 Leben. Sowohl der Sache wegen, als aus Sed*ucr/k'luu1gsg1ümk־n beteiligt sich ״Cheruth uthachijah“ iu aJIcn Aktionen für Palästina und für die moderne IklMuiselie Schule, nimmt an der jüdischen Turnbcwegung teil, wirkt bei der Schaffung von natioiial-jikli.eiten Schuicrorgaiiisaüoneif mit usvv. Die Organisation ist im Zionismus i 111 e r f r a k t ion ii r und mannt nur au denjenigen Körperst 111 ften teil, iu «lenen sämtieho GrupiK'ii verlrcict sind, die für Palästina und Hebräisch sind. IV. P a 1 ä s t i n a a r b e i 1. Es wird ein Palästinawandet uugsfoiuls gescharten, um «len Chawerim zu ermöglichen, Palästina näher kennen zu lernen. Die Drgamsation setzt sieh in Verbindung mit der Jugend Palästinas. Ein besonderes Auskunftsbüro für Schu- und /Nrbciterjugend, die nach Palästina gehen will, soll eröffnet werden. (Iialuzini werden von der O.gai i ation unterstützt, damit sie sich praktisch für Paktsiim» ausbilden küniH'u. Eine Organisation der sephardischen Juden Im Erwaehuiigsprozeß der Judenhcit iu den letzten Jahrzehnten wurden die scphaidischcn Juden Asiens und Nordafrikas und selbst Palästinas nur wenig uülgcrisscn. Die zionistische Propaganda vermochte in ihren Kreis nicht ein/udtiiigeii, solange sie von außen kam, von Teilen des liulomtims, «Le so anders jjc.utet sind. Er-t nachdem allmählich einzelne bewährte Zionisten tuiter den Scphardim sich der Sache annehmen und für eint־ Agitationsform sorgen, die dem scpharelisclicii Milieu gerecht wird, ist zu hoffen, daß dieses ehemals so ruhmvolle Glied des jüdischen Volksorganismus zu neuem Leben erweckt werden wird. Als Vorposten für diese Aufgabe ist die neue ״Organisation der scpiiardischen Juden" anzuschcn, «lie in Jafm uml Jerusalem bereits Ortsgruppen hat uml eine Zweimonatsschrift, ״Misrnch Umaaraw" (Ost uml West), herausgibt. Wir entnehmen dieser Zeitschrift folgenden Auszug aus den Statuten der Organisation; ״Die Organisation ist bestrebt, das geistige und materielle Niveau der sepliardisdrcn Juden in und außerhalb Palästinas zu heben, sie in nationaler und sozialer Arbeit zu erziehen und zu aktivieren und ihrem Florizont zu weiten. Die Organisation ist ein föder a t i v e r Teil der zionistischen Welt- Organisation und arbeitet mit ihr Hand in Hand. Die Organisation ist bemüht, mit den Arabern freundschaftliche Beziehungen zu untcrhalten, und ist sich bewußt, darin dem Wunsehe der zionistischen Führung nachzukommen. Die Organisation sorgt für die Unterbringung aller sephardischen Kinder in den hebräischen Schulen und Kindergärten. Bei Bedarf sollen neue Schulen gegründet, bestehende reformiert werden. Dem Bibliothekwesen soll besondere Sorge zuteil werden. Auf dem Gebiete der sozialen Arbeit sieht das Statut die Gründung von Auskunfts- und Propagandahüros vor speziell zum Zweck« der möglichst zahlreichen Ein- , Wanderung orientalisch«■ und nordafrikanisdicr Juden nach Palästina.“

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