Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXV (1920)
- Issue
- Heft 5 (20.1.1920)
- Date
- 1920-01-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Zionlama■ erstrebt fSr das jOdlsdi® Volk *Ho Schaffung1 einer Sffcatlldi-reeMIlcb {oildurtoa Heimstatt* In PaUSatin*. ״Baseler Programm* Herbert Samuel Herbert Samuel im Komitee der jüdischen Delegationen Zk.<* Die englische Regierung bat den Vorsitzenden de* ״Advisorv Committee for PaJcstinc“, den ehe* mulfgen Minister Herbert Samuel zum Ratgeber des Oberkomiiiandiereiiden, Lord Allenby, für Pa• iästina eniaiiiit. Samuel wird in den nächsten j Tagen nach Palästina reisen, um das Amt anzu- י treien. Dieses Ereignis ist ein wichtiger \Vtmtte- 1 paukt in der Entwicklung Palästinas; cs ist der 1 Beweis dafür, dall England den Zeitpunkt für ge* ו kommen liält, mit der wirtschaftlichen und kul- : ntfellen Aufbauarbeit in Palästina zu beginnen; und im Einklang mit dem gegebenen Versprechen, das Land zur nationalen Heimstätte des jüdischen Volkes zu machen, hat es als־ leitenden Vertrauensmann einen Mann gewählt, dessen bedeutende ,tMtsrnännische Fähigkeiten im englischen Staats* i dienst erprobt sind und der zugleich als begeisterter! Jude und Vorkämpfer der zionistischen - Idee das | Vertrauen des jüdischen Volkes besitzt. j ln der Tat hätte die Wahl kaum eine glück• י liebere sein können. Herbert Samuel ist einer l der führenden Köpfe der englischen liberalen Partei, Er war zweimal Minister, erst Post- «immer, dann Minister des Innern und im Kriegsknbinett Asquith Blockade-Minister. Mit dem Sturz / Asquiths ist auch er aus dem Kabinett ausgc- ■ *ebieden, obwohl auch seine politischen Gegner! sieb seiner Arbeitskraft gern bedient hätten. In * >cincT politischen Tätigkeit ist er besonders euer- gisch gegen das Rüstuugsprogramm und gegen { den Militarismus aufgetreten, in der irischen Frage! setzte er sich für weitgehende Homcrule ein,;11 : der Wirtschaftspolitik vertritt er jenen Liberalismus, det die menschliche und wirtschaftliche Bedeutung J;11;־>der1ter staatlicher Sozialpolitik wohl zu schätzen r ■» weift, fn seiner amtlichen Tätigkeit ist Samuel ן auch ITiisiden( der Statistischen Gesellschaft. Als Minister des Innern hat er sieh als hervorragendes Verwaltungstalcut und weitblickenden Organisator : bewährt. Seit Kriegsbeginn hat er sein Interesse ן auch den Fragen der auswärtigen Politik /!!gewandt, insbesondere beseliiiftigte er sich mit den Problemen i der Türkei und des Orients, Samuel, der stets * ei# überzeugter tuid treuer Jude war, hatte bis 1 dahin mit den Fragen der jüdischen Politik uiul ) mit dem jüdischen öffentlichen Leben wenig zu tun gehabt. Erst durch die Berührung/ mit unseren zionistischen Führern in England wurde er mit Uern Problem des Zionismus und mit der /.ionisti- »dien Auffassung der Judenfrage vertraut. Sein sdharter politischer Blick, sein GercchtigkeiLssinu | und sein warmes jüdisches Herz, verstanden so- ׳ | fort die Grolle der zionistischen Idee. Er wurde ein j tatkräftiger Verfechter des Zionismus und ist, wie; <-r selbst sagte, beinahe drei Jahre! lang mit seinem j ganze» Eiuflull innerhalb und außerhalb des Kubinetts dafür cingetreten. Ihm gebührt ein großer 'Feil des Verdienstes uin das Zustandekommen der Hälfour-Dcklnration. Zwei Momente, sagt Samuel, j haben ihn für den Zionismus gewonnen. Erstens ' die Hoffnung, daß der befreite jüdische Genius י •-,ich wieder zu großer schöpferischer Wirkung entfalten und der Welt eine neue Kultur schenken wird, zweitens die Solidarität mit den verfolgten, geknechteten, gemarterten Juden der Ostländer, die trotz Leiden und Erniedrigung das Bewußtsein der; höheren Berufung nicht verloren haben und darum I; in sehnsuchtsvoller Treue an Jerusalem hängen. | Als praktischer Staatsmann erkannte Samuel, daß 1 die Juden das einzige Bcvölkcrungsclcincnt sind, die üas verödete, dünn bevölkerte Palästina in eine, blühende Provinz verwandeln könnten. Daher iaufen die Interessen der Juden mit denen Groß- Britanniens parallel, das in der Nachbarschaft ^1■’gyptens ein kulturell hochstehendes Volk haben muß, um nicht in der Flanke bedroht zu sein. I “5 ts^ Santuel im Verein mit Weümann gelungen, \■ ^«■endc englische Politiker von der Richtigkeit | ־ dieser Ansdiauimgcn zu überzeugen, und den engf . lischcn Staatsmännern, deren Horizont nicht mit : der Jn Deutschland üblichen Elle gemessen werden darf, auch die Erkenntnis des tiefen idealen Sinnes des Zionismus zu vermitteln. Als Vorsitzender des; •.MMsory Comittec for Palestine“, des Komitees, Aus Paris wird uns beruhtet: Herbert Samuel, der sieh .e.tf einer Reise nach r,11äs!it!a befindet, wurde in Paris im Komitee der jüdischen Delegationen von dessen zionistischen Mitgliedern, sowie von einigen Repräsentanten der französisdieai Zionisten, begrüßt. Der Vorsitzende, Mr. So ko low, feierte Herbert Samuel wegen seiner Verdienste um die Erlangung der ]wlitischen Möglichkeiten für das Judentum in Paiästina. Wie er darin Großes geleistet habe, so werde seine Aufgabe im, Hinblick auf die großen wirtscliaftliehen und sozialen Ziele der Juden in Palästina, von historischer Bedeutung sein. Herbert Samuel gab die Versicherung ab, daß er bemüht sein werde, die großen jüdischen Kofonisatbnsprojekte der englischen Regierung nahczulcgcn. Es sei ilnn bekannt, daß die englische Regierung den festen Vorsatz habe, ein modernes- Wirtschaftsleben im Lande aus/iibaucn. lis sei nicht Absicht der englischen Redas der Zionistischen Organisation helfend und ratend in ihrer Arbeit zur Seite stand, wurde er von der englischen Regierung wiederholt ,offiziell heraugezogen. .Wenn er nunmehr die Rolle eines ״Advisers“ des Lord Allenby zugeteilt erhält, so bekommt er die Autorisation und Möglichkeit, nun auch praktisch für die von ihm mit solchem Entlmsiasmus und wahrhafter Hingabe vertretene Sache tätig zu sein. Ihm fällt die Aufgabe der Mittelsperson zwischen den englischen Behörden und den Instanzen des jüdischen Volkes zu. Er wurde auf einen Posten gestellt, der nicht nur überlegenen stuatsnnhmischen Blick, Verständnis für einzigartige ökonomische Probleme, praktische Erfahrung und organisatorische Fähigkeiten erfordert, sondern insbesondere auch Takt, Menschenkenntnis, und feines Empfinden für die psychologische Eigenart von Menschen und Völker». Herbert Samuel hat bewiesen, daß er sich der Schwierigkeit der Sache und der Größe der Aufgabe bewußt ist. In seiner letzten großen Ansprache bei der Deklarationsfeier im Londoner Opera-house am 2. November 1919 hat er mit bewunderungswürdiger Klarheit selbst die Probleme charakterisiert. Seine Rede, die englischt! Blätter ״Vision of tbe New-Zion“ nannten, war dus Ereignis des Abends; die einzige Rede, in der der elementare Schwung der Idee, das Feuer, zionistischer Leidenschaft loderte. Samuel scliilderte dort die bevorstehende wirtschaftliche fielebung des Landes, die durchzuführcii nun seine Aufgabe sein wird. Er berichtete dort auch über seine Unterredung mit dem Emir Faisul und sprach eindeutig und klar aus, daß wir keinerlei Unrecht und keinerlei Gewalt gegen die Araber planen, vielmehr ihre brüderliche Freundschaft suchen. Gerade die Behandlung der Araberfrage wird eins der heikelsten Probleme in Samuels Mission sein und seine Persönlichkeit gibt die Gewähr, daß er zur freundschaftlichen Annäherung der Juden und Araber beitragen wird. Das Zion, das wir bauen, sagte Samuel, - - soll ein Vorbild für die ganze Welt sein. Iin Geiste der Herzischen künstlerisch empfundenen Konzeption denkt auch Samuel an vorbildliche soziale Einrichtungen, kulturelle Leistungen, an die Wiederkehr eines gesegneten Lebens des Friedens unter Weinstock und Feigenbaum in dem Land, wo wieder Milch und Honig fließt. Und darüber hinaus die Schaffung einer Stätte der freien Entfaltung des jüdischen Geisteslebens. ״Das ist ein Werk, dafür z.u arbeiten sich lohnt! Dies Werk ist Zeit, Mühen und Opfer wert. Wir müssen uns glücklich scluitzen, daß cs uns vergönnt ist, in einer Zeit zu leben, in der der Grundstein zu einem solchen Bau gelegt wird!“ $0 sagte Samuel. Nun wird er selbst hingehen und als einer der ersten Hand ankgen dürfen. Eine große Verantwortung liegt auf ihm. Das jüdische Volk blickt ihm mit gespannter Ahteilnahme nach auf seiner Reise in das ersehnte Land, es begleitet ihn mit heißen Wünschen, daß seine Sendung gelingen, daß seine Tätigkeit dem Volk zum Heile gereichen und es der Verwirkliclmng seines zweitausendjährige» Ideals näher bringen möge. R. W. —* '׳':CLOU-:11;® # gicrtuig, die Kokmisatiim auf groß-kapitalistischer Grumtläge mit den Möglichkeiten von LatifumiienwirtschafUi! auszubilden, sondern es werde sich darum!tändeln, iit erster Reihe die Interessen der kleinen Kolonisten und der A rbc i.t e r ma ss e 11 mit dem Interesse der Entwicklung des Landes in Einklang zu bringen. Die Ausführungen Samuels weckten grollen Beifall; Weiter wird uns aus Paris gedrahtet: Nach einer Mitteilung des ״Temps" wird Sir Herbert Samuel, der zum administrat i v c n und finanziellen Beirat des MarschaHs Allenby ausersehen ist, in diesen Tagen nach Palästina ab reisen, um die PKiuc der britischen Regierung in bezug auf den nationalen jüdischen Staat zu verwirklichen. Wie das Blatt hinzufiigt, sei die britische Regierung entschlossen, die moderne Methode des Wirtschaftslebens in Palästina einzuführen. Das Tor des Ostens (Von unsenn Wiener Korrespondenten). a.~ Wien, am U. Januar W*>. laut, fast ein wenig zu laut, äußert sich das Leben der Wiener Judenschaft. Die Ausliängetafelu und A»- schlngsäuleu sind zeitweise förmlich austapeziert mit jüdischen Manifestations-Versamndungs- und — Unterlialtungsplakaten. Manchmal besorgt man, ob dic*e» rege Treiben nicht bloß eine Fassade ist, hinter der die Leere gähnt. Man darf beruhigt sein. Die Erstarkung des Wiener Judentums ist eine natürliche Erscheinung und hängt mit der immer wachsenden Bedeutung zusammen, «11■» Wien, das trostlos ausgehungerte, ״sterbende“ Wie«, als Tor des Ostens nicht bloß für die Juden g«־ svinnt. Nur so erklärt sich ehe hervorragende Stellung, welche da« Wiener P a I ä s t i n;; a m t in der kurzes Zeit seines Bestandes erobert hat. Der Tätigkeitsbericht, erstattet von dem verdienstvollen Leiter Dr, Emil Stein der nach Palästina übersiedclt und dem zu Ehren die Wiener Zionisten gestern ein Bankett veranstalteten) liegt gedruckt wir. Daß sich nach der Statistik dieses Amte* in kurzer Frist 10591 Personen für die Entigration nach Palästina vormerken ließen, ist ein Beweis für die in unseren Kreisen nicht genügend erkannte Wichtigkeit Wiens als Emigratnmszentrtmi. Das beste Zeugnis für tlie Organisation und Wirksamkeit ik* Wiener Palästinaamtes ist wohl die Anerkennung, die ihm Herr Dr. Ruppin während seines jüngsten Aufeutlialtes in Wien zollte. Von seinen Zweigämtern ist insbesondere die Pa lä s t i n a - Tr ans po r t g esc II - sebaft zu nennen, welche vertragsmäßig bei Massentransporten mittelloser Emigranten keine höheren Reisekosten an rechnen darf, als die Selbstkosten der Gesellscliaft plus einer bankmäßigen Verzinsung betragen. Aber auch tlie technische Studiengruppe unter Vorsitz Johann K r e in e 11 e z k y s, das Handelsreferat, das eine Beratungsstelle nach Art der Handeiskammem werden soll tirnl die sanitäre Gruppe des Palästinaamtes werden organisch wachsen und für die zionistische Partei bald unentbehrlich sein. Mit Hinweis auf die Gefahren einer überstürzten Emigration stellt übrigens der Tätigkeitsbericht fest, daß sieh das Wiener Palästinaamt nach wie wir nicht ״zum Werkzeug eines Vcrsainmlungscnthusiasimis“ machen läßt. ,Mit Takt und Pftkhtgcfühl geht dem nicht immer fruchtbaren ״Versan1mJu11gse11t!u1si;tsmus“ auch unser natioiialpolitischcs Organ, der Jüdische Nationalrat, aus dem Wege tuid gibt »di ganz der schöpferischen Arbeit hin, die er nur in Augenblicken akuter Krisen oder nötiger Abwehraktionen durch öffentliche Kundgebungen unterbricht. Neben den sozialpolitischen und kulturellen Arbeiten, welche der jüdisdreu Regem - ratiou gelten, der möglichsten Bewirkung einer U m - Schichtung und Ucberfülmiug vom ZufaJIshandcl in produktive Berufe (״Ge w e r be sek f ion“ und ״Berufsberatung“) und neben der» auf das ertreulichste fortschreitenden Jugenderzichungswcrkc (über das Wiener Jüdische Realgymnasium, das eine wahre Mtisteranstalt zu werden vcrspridit, ist in diesem Blatte schon berichtet worden) ist ja mit aller Tatkraft ein Hilfswerk zu bewältigen, von dessen Umfang Außenstehende keine Ahnung haben. Kaum war das Pogromhilfswerk abgeschlossen, tds die lieberhafte Tätigkeit für die in Wien wohnhaften durch den famosen Ausweisungserlaß betroffenem Flucht- Jinge einsetzen mußte. Ein eigenes Amt behandelt die einzelnen Fälle der Ausweisungen und arbeitet die Rekurse aus. Daß die gewaltsame Abschiebung durch encrgische Intervention unserer jüdisch-natkmaku Mandatare bi« nun verhindert wurde, ist bekannt. Nebex&ei: Gestern-