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Jüdische Rundschau · 1920-01-16 · Heft 4 (16.1.1920) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 4 (16.1.1920)
Date
1920-01-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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f I 4 f s-S / /• r . 'X \ \ :1 / RecUktion uml VrrUjf W, 15, SaclinlaiJi« Str. 8. i’.rsclieini Die״"t»Sf und Kmlmf. Abouuetncnt bei der Expedition und den PoitümteT« vierteijabrSiiit M. b, - und 25 J׳y Teurrun?%7«*dd*s״ io üeuHi-Jjland, Au«)«wiaab<1nnfment in cnUpredh«*nd«r Vk «hrunjf. Nummer 4 Berlin, 16. I. 1920 Anzclgen-Vcrwalt u n g: Walt -Verlag, Berlin NW, 7, Dorathe«*sUa,&* SS. Telephons Amt Zentrum 4814 u. 4815. Anzeigenpreis für di« *echtgeapa'len• NoepareiilekeiU 1 M- und 25 Tcuarun^aiucoltlaf. AnzeigettschluQ! Dienstag und Freitag nscbmlttag• 4 Uhr, ז5=7/ < ר Mi, 11 J .״•; I r. ■ ''ר'•:— -* loli» ע AO'j Tei«|.h*n; And Uhland M> uhd *4h. i'0*H<hrcitl1onto! Berlin Nr. 17 97׳. hür Oraterreid]: Poti Spat k ataenamf Wien, Konto Nr. 13M110, f ür T«(11f(4)0a10vwakei: Poal»p»rkaa«enamt Prag. Km.to Nr ISft 00ו Retiaktitm»»dilnÜ Sonntag und Mittwoch nadimittag. 25. Tebeth 5680 { XXV. Jahrg. Dar Zloninmu■ erstrebt für das Jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Helmstltte ln Palästina. ״Baseler ProTrr,^.t« ו j t l ו , | ן j 1 i i ::I 1 4 : 1 ,d ♦ i t Abreise Dr. Hantkes nach London Herr Dr. Arthur Hantke ist am 12. d. M. iiad» London abgercist, um dort an den Arbeiten der Leirim^ teilzimclimcn. Die Geschäftsführung der Zionistischen Veranigung für Deutschland wurde bis zum nächsten Delegiertentag durch einstimmigen Besclilull des CjcsdiäftsführeiKlen Ausschusses des Zentralkomitees in folgender Weise geregelt: Den Vorsitz der Zionistischen Vereinigung fiir Deutschland übernimmt Herr Dr. Alfred Klee, stellvertretende Vorsitzende sind die Herren Blumenfeld und Licht he im. Die drei genannten Herren bilden die Exekutive des Oeschäftsfiihrenden Ansschusses zur Erledigung der laufenden Geschäfte, die Leitung des Büros wurde Herrn L i c 11111 e i in übertragen. Zwischen Frieden und Frieden Der Friede zwischen IX'utschland und der Entente ist nunmehr in Kraft getreten. Damit ist zunächst die erste Hälfte des grollen Friedens- Werkes beendet. Diejenigen allerdings, die von der Friedensstiftung eine Wiedergeburt der Menschlichkcit, ein Erstarken der menschlichen Solidaritat, eine Abkehr von jener verderblichen Gesinnung erhofft hatten, d׳c vor fünfeinhalb Jahren zum Kriege geführt hat, sind grausam enttäuscht worden. Das grolle Unternehmen Wilsons, eine Völker- Vereinigung im Sinne der Knutschen Friedensidee zustande zu bringen, ist gescheitert, weil den Menschen der Glaube an diese Idee gefehlt hat. Die Friedensfrage war vor altem eine geistige Frage; es sollte sich erweisen, oh die Menschen d.nui die furchtbare Katastrophe für die Einsicht reif geworden sind, dafi die alten Methoden des menschlichen und völklichen Zusammenlebens notwendig zum Zusammenbruch führen müssen, und ob sie daraus die Konsequenz ziehen, einer neuen Weltordining zu vertrauen, die nicht auf Gewalt, Eifersucht und Milltraucn, sondern auf Hecht und Gerechtigkeit gegründet ist. Es hat sich gezeigt, daß die Menschen auch heute noch ganz und gar von dem Triebe beherrscht sind, der alle Wesen bindet, daß sie nur der rohen Gewalt der Selbstbehauptung, keineswegs aber der Macht der Idee vertrauen. Dieser Mangel an Vertrauen, diese tiefe Ungläubigkeit ist das charakteristische Merkmal jener Faktoren, die den gegenwärtigen Flieden zustände gebracht haben. Darin besteht kein Unterschied /.wischen Siegern und Besiegten mul auch die Rebellionen in den geschlagenen Staaaten vermochten eine wirkliche Revolution, eine geistige Wandlung, nicht zu bewirken. Als bei Ende des Krieges die losung der neuen Weltordmmg ausgegeben wurde, war niemand so sehr bereit, der Botschaft zu glauben, wie das jüdische Volk. Das jüdische Volk hat hier eine Verwandtschaft mit seinem historischen Menschheitsideal gefühlt, auf dessen Erfüllung es jahrtausendelang schnliehst wartet. Die Tatsachen dieser 14 Monate haben uns eines Besseren belehrt, sie haben uns gezeigt, daß mich eine innere Umwälzung nicht von heute auf morgen sieli vollziehen kann, daß sie nur das Resultat einer schmerzensreichen Entwicklung sein kann, die immer wieder die größten seelischen Auspanm111ge.il mui den Einsatz aller menschlicher Energien fordert. Die neue Welt’ordiiting kann nicht von einigen wenigen Machthabern dekretiert werden, sie muß organisch aus dem Leben der Völker und aus ihrer neu werdenden Wcltanschauung erwachsen. Die Vorstellung, daß die Ausruhmg des Friedens eine Befreiung aller Gedrüekten, ein Aiifjaiiehzen der Mcnschcitherzeit bringen wird, ist nicht Wirklichkeit geworden. Der ■Friede der geschlossen ist, muß erst erarbeitet werden Auch die zahlreichen politischen Probleme sind durch den Friedensvertrag TcVülos gelöst worden. Die Verhältnisse nr*'Mitteleuropa, die Beziehungen der kleinen Staaten zueinander, geben keine große Hoffnung, daß der Friede in seiner heutigen Gestalt von Dauer sein wird. Auch hier wird erst die Entwicklung lehren müssen, ob die Gegensätze sich von neuem zuspitzen oder ob ein erträgliches Zusammenleben sich ergeben wird. Die Arbeit besinnt Reden Nordaus und Weizmanns in London London, 12. Januar. (Telegramm der ״Jüdischen Ruudsdtau“.) Am 11. Januar veranstalteten die englischen Zionisten einen feierlichen Empfang für Norda u. Wcizutaun, der den Vorsitz führte, gab der Freude der englischen Zionisten Ausdruck, Nordau in ihrer Mitte begrüßen zu künnen. Seine Mitarbeit werde von großem Nutzen sein. Er hoffe, daß Nordau sich in Palästina niederlassen werde. Hierauf wurde Nordau eine Adresse in hebräischcr und englischer Sprache überreicht. in seiner Erwiderung sagte Nordau: Israel durch- [ehe jetzt die bedeutungsvollste Zeit seit dreitausend Jahren; es steht an der Schwelle, die Entwicklung wird zu einem glorreichen Geschick oder zum Untergang führen. Baltöurs Deklaration sei nur ein leuchtender Punkt in dem jüdischen Dunkel. Die Di9kussion über die Bedeutung des Wortes ״Jiktisdi-natiouale Heimstätte‘‘ (Home) sei zwecklos; die Heimstatte wird das sein, was die Juden daraus machen werden, gerade die Unbestimmtheit des Ausdrucks sei ermutigend. Man könne nicht erwarten, daß England einen vollständigen Staat aufbaut und ihn den Juden übergibt; was man erwarten könne, ist lediglich, daß England, nachdem es gesehen hat, was die Juden aus Palästina machen können, erklärt, nach einem Vierteljahrhundert solle die Oberholt eit (trustceship) des Landes den Juden übertragen werden. Die Anwesenheit Weizmanns und Sokolows zu einer Zeit, als die zionistische Organisation beinahe zerbrochen war, ist eine Gnade der Vorsehung; ihre Namen sind in der jüdisdien Geschichte unsterblich geworden, da sie die Gedanken und Wünsche des jüdischen Volkes zum Ausdruck gebracht haben. Das Volk dankt ihnen für ihre Bemühungen, welche kein andere1 hätte u׳P ■1־ne1!1״c־ 1׳sonnen. Das VX'’1n־,er!=♦ Wirklichkeit geworden. Der britischen Regierung muß Vertrauen geschenkt werden. Nicht der Wortlaut der Deklaration ist entscheidend, sondern auf den guten Willen kommt es an. W e i z in a n 11 sprach hierauf nochmals und sagte, der Aufbau unserer nationalen Heimstätte in Palästina hahe bereits begonnen. Das Vertrauen auf die britische Regierung sei durch die Taten in Palästina gerechtfertigt. Nunmehr könne die Arbeit, die noch vor sechs Monaten unmöglich war, getan werden. Wenn das Arhritsprogramm vorbereitet ist, wird eine große Zahl von Juden auf gepflastertem Weg binnen kurzer Zeit nach Palästina gehen. Die Reise Herbert Samuels nach Palästina sei von allergrößter Wichtigkeit. Die Reden wurden mit großem Enthusiasmus auf• genommen. ״Die Periode der Stagnation überwunden“ Aeußerungen Ruppins in Wien Dr. Ruppin hat sich auf seiner Rückkehr von Triest, wo er mit Weizmann zusammeugetroffeu war, in Wien aufgehalteii, und machte dort zu einem Vertreten der ״Jüdischen Zeitung“ Gigende Bemerkungen: ״Was ich Ihnen berichten kann, stützt sich auf das, was mir Prof. Weizmann jetzt in Triest mitgeteilt hat. Die Dinge in Palästina selbst haben sich in den letzten Wochen in vieler Hinsicht weitgehend gebessert. Der Erlaß der englischen Regierung an den Gouverneur von Palästina, in welchem darauf hingewiesen wurde, daß der Zionismus als ein ״täit aeeompli“ zu befrachten sei, hat seine Wirkung nicht verfehlt. Gleichzeitig hat ein Personenwechsel stattgefiUKien, den wir nur begrüßen könnt 11. Der jetzige Vertreter des Foreign Office beim (jener,,1 Alleul!;, Obert Mc i n e rt zh a gen , ist ein warmer Anhänger der zionistischen Idee. Der neue Gouverneur von Jenis.1lern, General Bois, steht auf dem Standpunkt, daß mit der wirtschaftlichen Erschließung des Landes, die ja bisher aus politischen und militärischen Gründen noch liüitangehalten wurde, nunmehr begonnen werden müßte, Als Berater hierfür ist Sir Herbert Samuel in Aussicht genommen, und darauf dürfte vielleicht das Gerücht zurück/uführeii sein, wonach Samuel zum Gouverucur Palästinas auscrschcti sei. Jedenfalls wird in kürzester Zeit zunächst einmal die Bautätigkeit in größerem Umfange einsetz.cn können. Die zionistische Organisation trifft hierfür bereits entsprechende Vorbereitungen. Die Ein wänderung wird für diejenigen Einwanderer freigegebeii werd•־”, im R-.hincn dieser wir1) נ'!׳-׳ließen I Schließung fallweise gebraucht werden. Das betrifft also zunächst Bauarbeiter. Außerdem \urd man dazu übergehen, diejenigen Landstreckeii zu bepflanzen, die nicht gekauft zu werden brauchen. Auch hierfür sind Einw a n d e r u 11 g s g r u p p e n e r f o r d e r 1 i e h. Der Ankauf weiteren Bodens wird gleichfalls in Kürze beginnen können, da das Grundbuch jetzt geöffnet werden soll. Alles in allem dürfte man konstatieren, daß d i e 1* e r i o d c der Stagnation überwunden sei und daß man nunmehr mit einer intensiveren Inangriftnähme der zionistischen Pläne zuversichtlich rechnen dürfte.“ Für das jüdische Volk hat dieser Friedcnsvertrng die Erfüllung einer seiner großen politischen Forderungen gebracht: die Minoritäten in den notige* schaffend) Staaaten werden unter internationalen Schutz gestellt und erhallen * einige elementare Rechte auf kiilttirelle Entfaltung. Da die Friedenskonferenz bei der Formulierung des Vertrages auf alle möglichen Umstünde Rücksicht nehmen mußte, ist der Wortlaut nicht ganz befriedigend. Trotzdem wird es bei der Durchführung darauf ankotntnen, ob der gute Wille auf seiten der beteiligten Staaten und Völker bestellt. Die Formeln des Vertrages müssen erst mit Leben erfüllt werden. Das jüdische Volk wird unverbrüchlich auf seinem Rechte be- 1 harren; die jüdische Politik hat keinerlei aggressive 1 endenz und es muß ihr gelingen, auch die anderen Völker zu der Einsicht zu bringen, daß nur durch Respektierung der jüdischen Rechte das innere Leben der Staaten erträglich gestaltet werden kann. Einen großen Komplex von Fragen hat der erste Friedensschluf] ganz offen gelassen. Im Osten Europas lagert noch immer undurchdringliches Dunkel über dem russischen Rätsel, und ebenso bietet der Orient eine Fülle lutgelöstcr Fragen. Noch ist nicht zu erkennen, in welcher Weise der Eingriff Europas in das Leben des Orients, der sich jetzt vollzieht, das Antlitz Asiens!ungestaltet! wird. Gerade in der letzten Zeit treten in allen vorderasiatischen Völkern starke Bewegungen zutage, sich vom europäischen Einfluß völlig zu befreien. Die Bestrebungen, die die Unabhängigkeit Asiens proklamieren, haben verschieden- .־trügen Charakter. Der religiöse Gedanke des Islam flackert neu auf, die jungtürkisclien Ideen finden kampfbereite Anhänger, die arabischen und syrischen Volksmassen sind ln eine Gärung geraten, deren Folgen nicht abzusehen sind. Die Nachrichten aus dem arabischen und syrischen Gebiet sind sehr besorgniserregend. Die Stimmung wird dort häufig von einzelnen politischen Spekttlanten und Intriganten ausgenützt, (lenen die ungeordneten Zustände willkommene Gelegenheit für allerlei Raubzüge bieten. Die Friedenskonferenz, steht nun vor ihrer zweiten, größeren Aufgabe: in diesem Chaos Ordnung zu schaffen. Der Friede mit der Türkei wird die äußeren Bedingungen vertraglich festsetzen, er wird den einzelnen europinselten Mächten ihre Mandate übertragen. Der Vertrag kann jedoch nur formale Wirkung haben; er wird ein Fetzen Papier bleiben, weiut es nicht gelingt, das politische Leben Vorderasiens aus seinen eigenen Bedingungen heraus zu friedlichem Aufbau zu führen. Das Recht der asiatischen Völker auf freie, ihrem Wesen entsprechende Entfaltung muß geachtet werden. Nicht auf die Akten kommt cs an, sondern auf das Leben. Wenn daher auch das jüdische Volk nunmehr seinen Platz angewiesen bekommt und die Möglichkeit erhält, in seiner alten Heimat ein neues Gemeinwesen aufzubaucti, so müssen wir uns darüber klar sein, daß alles davon abhängt, wie der Plan in Wirklichkeit umgesetzt wird. Wir dürfen uns nicht der Täuschung hingeben, daß wir durch den Beschluß in Paris bereits ant Ziel sind. Der Friede kann erst daun eine politische Tatsache werden, wenn er in den Herzen der Menschen und in den Beziehungen der Menschen und Völker zueinander verankert ist. Unser Volk, das, von allen Völkern unverstanden, immer wieder für die Idee der Menschheit und des Friedens geblutet hat, wird hier zuin erstenmal die Möglichkeit haben, durch sein eigenes, von eigener Verantwortung getragenes Leben einen Grundstein zu den Bau der neuen Welt zu legen. Noch einmal haben wir eine wichtige Vermittlerrolle zu spielen. W,ir müssen uns hüten, dem täusehenden Schein einer auf Gewalt gegründeten, Inner-

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