Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIV (1919)
- Issue
- Heft 89 (16.12.1919)
- Date
- 1919-12-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Udaktion «. Verlag W. I 5, Sächsische Str 8. Erscheint jeden licnstagtt.Freitag. Abonn.beid Exp. u d Postämtern »iertelj. 1.6.— in Deutschland, in Oesterreich Kr V», i Ausland M 10,— Nummer 89 | Berlin, 16. XII. 1919 Anzeige n-V«rwal 1 u n gr: Weh-Verlag, Berlin NW. 7, Dorotheenstraß• 85. Telephon: Amt Zentrum 4814 u. 4815. Anzeigenpreis für die *echsgespaitene Nanpsreilieseile 75 Pf., Teueruugaiuschlag 20%. Telephon: Amt Uhland 845 0.846. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392. Für Oesterreich: Postsparkassenamt Scheckkoata Nr. 156030. RedaktionsschluB Sonntag u, Mittwoch nachm. 24 Klslew 5680 XXIV. Jahrg. Das Lichtwunder In jenen Tagen gjngen aus Israel nichtsürdige Menschen hervor, die überredete« viele em sie sagten: Laßt «!ns doch mit den Völkern, e rings «.in ׳uns sind, uns verbrüdern! Denn t wir »ins von ihnen abgesondert haben, hat uns el Unglück getroffen.“ Mit dieser Darstelhmg riet der Verfasser des ersten Makkabäerbuches inen Bericht ein. Die tragische Schuld an dein [onflikt, in den das Volk verwickelt wird,, wird r allem dem Volk selbst zugesehri׳־'hen. Nicht e politische Fremdherrschaft bat das Unheil versacht, auch vordem war ja Erez-lsreai mir eine ravinz, kein unabhängiger Staat; sondern die altlosigkeit jener jaden, die nicht d e Wahrheit, ndern den Vorteil suchten, und die darum von |em einen Weg in das Labyrinth der vielen öglichkeüen verschlagen wurden, das die Lüge baut. Dieser Abfall ist die Quelle allen Verrates, r an der jüdischen Nation von seinen eigenen ihnen in jedem Geschlecht begangen wird. Das jüdische Volk aber, in dem die beiden dar entgegengesetzten Gruppen, Treue\ und Voriter, eng beieinander wohnen, wird in seinem esdiidc nicht von denen bestimmt, die abfalien, »!dem von denen, die den Kampf aufnelnnen. % beugen den Nacken nicht unterm Jodi, wenn nsere Wahrheit angetastet wird. ■ Denn die Wurzel nserer ■nationalen"Existenz ist unser geistiges Erbe. Ke Makkabäer haben sich der assimilierenden acht der, Umwelt nicht ergeben. Ihr Glaube an 1 Geist war stärker als die sogenannte ״natürliche ntwickhing“. Alle Gesetze der positivistisch- |1aterialis(isehen Soziologie werden an der Eigenilligkcit des Judenvolkes zuschanden. Und d e e rbehaltlose Bejahung der geistigen Forderung at Wunder vollbracht; die kleine" Schar, stärker jls Riesenheere, blieb siegreich. Diese Schar von ',im hatte alles auf die eine Karte gesetzt; sie *li« w .,Der ZionUnius ertfrebi für da* Jtidliche Volk die Schaffung einer 6ffcnilidt-recLiil«i1 gesicherten Heimsifiiie in Palitüna.“ Baseler Programm. Max Nordau in London London, 13. Dezember. (Tel. der ״jüd. Rundschau“). Max Nordau wurde vom Engern Aktions-Komitee eingeladen, an der Leitung der zionistischen Arbeit teilzunehmen. Er ist bereits mit seiner Familie in London eingetroffen. .-:Ilsf;'..:fie@en”lu«n:' der 'ÄakEMer'08!“״anderer rt als das Heldentum der Kämpfer bei den Thertopylen. Für sie hatte die «angestrebte Freiheit ur ein t־n Sinn: Die Reinigung des Heiligtumes. lur weil das Volk an seine Sendung glaubte, ermdchte es aller Widerstände Herr zu werden, doch — so erzählt unsere spätere Volkssage —. Is die Kämpfer am Ziele waren, als sie, mit bertnenschlichem Aufwand an Kraft, ihre kämpfe- ,sehe Aufgabe erfüllt hatten, da schien es plötzlich, «11 Schluß, nochmals, als ob alles Mühen verüblich gewesen ־wäre, das ganze Werk schien efährdet, der Sinn der Tat aufgehoben: Das icht konnte nicht entzündet werden. Da aber, t diesem Augenblick höchster Spannung, geschah »s letzte, das endgültige Wunder: das Lichtwunder, -Besinnen wir «ns, wir, die wieder ausdien, das Heiligtum zu reinigen; die wir uns 1s der Verstrickung in die vielfachen Zwecke, us der Lockung der Vorteile und Gewinne lösen in das große Werk der Wiederherstellung zu allbringen; die wir für• diesen einen eingen Weg ein für allemal uns entscheiden: Bennen wir uns, daß das Werk nur gelingen kann, enn wir der Idee wirklich mit unserem ganzen!erzen und unserem ganzen Vermögen dienen, enn wir wirklich um der Bewährung willen zu len Opfern bereit sind. Besinnen wir uns auf ie Größe unseres Zieles, die wir durch keinerlei lakiertuin verkleinern lassen. Besinnen wir uns, aß nicht das Kriegsheldentum der Makkabäer das Wesentliche ist, sondern ihr unbedingtes Festhalten 1 der geistigen Wahrheit und ihr revolutionärer Wille zur Erneuerung. Audi unser Werk kann % gelingen, wenn es die Gewalt der Seelen zu hfesseln vermag; wenn wir an die Sendung useres Volkes glauben; wenn wir nicht Freiheit ollen, um ungebunden zu sein, sondern die ׳ah re Freiheit, die uns von der innern Knecht- :haft Europas befreit; wenn wir wissen, daß unsere ufgabe die Reinigung des Heiligtumes ist und ir alle nichts anderes sind als die Diener am icht. Makkabäerfeiern sollen nicht die Ge'egenheit -'•in, sich in Versammlungen an fernem Heldentum begeistern, sondern uns an unsere Pflicht zu er- Jnera, uns, die wir noch lange nicht das letzte etam haben. Wenn wir jetzt Palästina auifbauen, bk! wir noch lange nicht berechtigt, auf Grund nserer Leistungen das Lichtwunder zu erwarten. Besinnen wir ums, daß alles davon abhängt, b auch uns, nach der Anstrengung all unserer trifte, letzten Endes das LJchtwurtder besdijeden ein wird, R. w. Die judenfrage im rumänischen Friedensvertrag Wien, 13. Dezember. (Tel d. ״jüd. Rdsch.“) Die ״Wiener Morgenzeitung“ erhält folgendes Telegramni aus Paris: Die Rumänen haben der» Friedensvertrag unterschrieben. Der Vertrag enGlili die allgemeine Klausel ״Ueber de« Schutz der Juden“. Dazu bemerkt die Redaktion der ״Wiener Morgen- Zeitung: ״Das kann bedeuten, daß die Klauseln unterschrieben sind, welche in der. anderen Minoritätsschu trve rträgen enthalten sind, oder daß die Rumänen eine besondere allgemeine Klausel über den Schutz der Juden unterzeichnet haben.“ Ein anderes Telegramm besagt: Paris,, 12. Dezember. (Blinkspruch.) Der Chef der rumänischen Friedensdelegatlon, General Coanda, hat heute nachmittags die verschiedenen internationalen Akte betreffend den Beitritt Rumäniens’ zuin Fliedensvertrag von Saint-Gei main und dessen Anhängen, den Friedensvertrag von Neuilly, sowie den Vertrag über den Schutz der.Minori- ^ä te n in Rumänien mit d : n bekannten 1?י» unter/ G c ine t. 1*,., ^•.•ndyn!Weldiii «icht klar 'ersichflicbTsf, in »refcfw'Wl» die Juden• frage geregelt wurde, insbesondere auch welche ״be kannten Aenderungen“ des Minoritätenvertrages zu«e standen wurden, enthalten ־»vir uns noch eines ab schließenden Urteils. Red. d. ״Jüd. Rundsch,“ Nun gilt die Tat Schrecklicher Pogrom in Kiew Das Gomite des D61egatio11s juives erhielt aus sicherer Quelle die Nachricht, daß als Ergebnis einer antisemitischen Hetzkampagne :vom 14. bis 18. Oktober ein furchtbarer Pogrom in Kiew stattfand. Die Zahl der Opfer steht noch nicht fest;• Zeitungen und Augenzeugen sprechen von Tausenden; siclier ist, daß niehrere Hundert Juden getötet wurden. Besonders schlimm wurde die Intelligenz betroffen. Das Jerusalem der Zukunft Der" Korrespondent des Londoner zionistischen Bulletin hatte eine längere Unterredung mit Professor Qeddes in welcher sich dieser in sehr bemerken»- werter Weise über den Ausbau des künftigen Jerusalems äußerte. Geddes ist überzeugt, daß die Erweiterung Jerusalems möglich sein wird, ohne den historischen Charakter der Stadt in irgendeiner Welse zu beeinträchtigen. Im weiteren Verlauf der Unterredung wurde über den Erweiterungsplan des Herrn Maclean gesprochen, der in der enguschen Presse, besonders auch im ״Ob- Server“ eine ziemlich abfällige Kritik gefunden hat. Geddes betrachtet es als seine Aufgabe, diesen Plan durdizupriifen und entsprechend seinen Erfahrungen zu verändern. Nachdem er sich dann außerordentlich befriedigend "über den gegenwärtigen Stand der Kolonien geäußert hatte, teilt er mit, daß die von ihm׳ vorgesch lagenen Ausbaupläne für die Universität von Weizmann gutgeheißen worden seien, und daß er bestimmt hoffe, zu Beginn des Jahres 1920 mit dent Bau beginnen zu können. Hierbei wird man die auf dem Terrain vorhandenen Baulichkeiten für die Nebengebäude der Universität (chemische Laboratorien und ähnliches) verwenden können. Geddes hat sich auch mit einem Plan eines großen palästinensischen Museums beschäftigt. Sammelt in den Chanukkah ־ Tagen bei allen Juden für den PaIäsiina~Aufbaufo11ds Eine Schicksalswende ist es, die im jüdischen Volk sich vorbereitet. Nicht im dem Sinne, daß irgendein U11abiinderliches aus den Zeitgcschchnisscn herauswiieh•;,, das über Schi und Zukunft entscheidet. Dann uiire Ergebung in das Unabwendbare, Kraft zum Ertrag. 11 und Entsagen das Gebot der Stunde, •und dem jüdischen Volk bliebe mir übrig, übermächtigen Gewalten giv.t 11über sich mit seiner ungebrochenen Zuversicht zu wappnen: Gam su l’towah. Und es wäre auch keim• Wende des Volksgeschickes, sondern seine in unbestimmte Zukunft getragene Fortsetzung. Solche mit der Kraft elementarer Ereignisse hereinbrechenden, die Gegenwart begrabenden und die Zukunft verdunkelnden Schicksalsschlüge sind die Wegmale gewesen im Ablauf dvr jüdischen Volksgeschichte. Sie wiederholten siel» bis in die Gegenwart und schienen durch die Schreckensiiut des Weltkrieges, die das jüdische Volk wie kein anderes in ihre Strudel riß, ihren Höhepunkt zu erreichen. Aus dieser Sintflut, die alles zu verschlingen drohte, ist dein jüdischer» Volke eine Hoffnung erwachsen, die den Pfad seiner Zuiamftsgeschichte mit Licht übergießt, die Hoffnung, daß der Jammer eines zwe!tausendjährigen Galuth aufhören, und dem ruhelos umhergeworfenen Volke die alte verlorene Heimat Palästina wieder.zur Heimstätte werden soll. Wese Hoffnung kann zu einer Schicksalswende werden, wenn sie sich verwirklicht. Ihre Verwirklichung kann wie alles Große in der Welt nur durch die Tat geschehen, durch die Tat derer, um deren Zukunft es sieh handeft, durch die Kraft der sichtbaren, leuchtenden, ausdauernden, siegenden Tat, dii• so groß sein nrttii wie die Kraft des Duldens y»!1d Ertragens, die das jüdische Volk in allen Zeiten seines Unglücks aufgebracht hat, weil cs an - seine Zukunft glaubte. Dem jüdischen Volke ist es in die Hand gegeben, sein trostloses Geschick zu wenden und ihm die Richtung zu geben, die die Gunst der politischen Situation in unserer» Tagen ermöglicht hat. Die Tat ist dern jüdischen Volke nicht unbekannt. Das Volk der großen Leiden hat bisher immer die Kraft gefunden, allen! herembiechenden Unheil :ptfljme tntgegenzuBtiile«, •..fipleflsame Leistlinge׳» eie■*. iiftewal^iy^feitzelperseptea.,*An&ßtngungttt• ״-<*' öSweU » VolkssfcfiMiteB.-um der Not des Aügenhlicfc »1 begegnen, ragen in 1unsere Zeit hinein. Anderer Art ist die Tat, die nunmehr dem• jüdischen Volke zugeinutet wind. Es handelt sich um anderes und mehr als die Aufrichtung eines neuen Dammes, um mehr als darum, die eingerissenen Pfeiler der Galuthexistenz zu ersetzen. Die Aufgabe ist, die Volksexistenz auf neuen Grund zu stellen, ihre Zukunft zu sichern. Diese Aufgabe ist mit den alten Methoden, wie sie das Galuth bisher gezeitigt hat, nicht mehr zu lösen. Es genügt nicht dje großzügigste Leistung hochherziger jüdischer Philanthropen, nicht die in allen Zeiten bewährte Notbereitschaff der Gesamtheit. Wenn das große Volksweih gelingen soll, wenn die Energie des Volkes über Einzeltat und Augenblicksleistung hinaus wachsen soll zu jener Tat, die eine neue Entwicklung ein leitet, die aus unersohöpflichen Quellen neues Leben schafft und trägt, dann muß der Geist des Volkes eine Umwandlung durahgemacht haben. Eine Umwandlung, die eine Aktivierung aller im Volke vorhandenen Kräfte zur Folge hat. Sie ist nicht das Ergebnis eines Momentes. Es kt nicht so, daß die Idee wie ein zündender Blitz in ein mit elektrischer Spannung geladenes Volk hineinfährt. Die Idee kommt wie das Lieht in die Dunkelheit. Der im Dunkeln Lebende muß sich erst gewöhnen, er muß die Zeit des Schmerzes überwinden, den die Lichthelle im Anfang verursacht, und die Fähigkeit gewinnen, von ihrer ganzen Süße sich durch strömen zu lassen. Es ist immer so gewesen, daß das zw Tat getriebene und kräftige Geschlecht mit der Idee geboten wird. Sie ist das erzieherische Element. Dem mit der Idee großgewordeneu Gesohlechte wolint die Tatkraft inne, die Glut und die Leidenschaft, die ein vollkommenes Erfülltsein vom Ideal hervorbringen. Wir haben den Glauben, daß das vom Palästinagedanken erfüllte Geschlecht lebt, und haben die begründete Hoffnung, daß es der gestellten Aufgabe ge-' wachsen ist. Denn diese von der Völkergemeinschaft Sun zugewiesene Aufgabe ist seine eigene Forderung, die in dem Augenblick in ihm mächtig wurde, als der Gedanke in ihm Wurzel faßte. Der Gedanke und das ihn tragende Geschlecht haben die erste Etappe ihrer Be- Währung bereits zurückgelegt. Als Theodor Herzl dem Palast magedanken die medeme politische Form gab, war ein Wall von Gleichgültigkeit, Holm und Gelächter im Volke zu überwinden. Der Palästinagedanke stieg über dieses Hindernis hinweg tthd wuchs; und er wurde größer, als er sieh durch offene Feindseligkeit seinen Weg bahnen mußte. .Er schuf die jüdische Volksbewegung und lebte in der unermüdlichen Arbeit, die in Palästina im Kleinen einen entwicklungsfähigen jüdischen Oiganismus hat erstehen lassen. Wie groß seine Macht sdion in den Anfängen der Bewegung war, zeigte sich in der sogenannten Ugandafrage. Als die englische Regierung der zbnisti-