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Jüdische Rundschau · 1919-12-09 · Heft 87 (9.12.1919) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 87 (9.12.1919)
Date
1919-12-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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m. irg tiinii i 169. נ el be in- 3. 5׳«ss Redaktion a. Verlag W, 15, Sächsische Str. 8. Erscheint jeden Oi«B*tag• «.Freitag, Abomi.bet tl Exp, a. d. Postämtern riertelj. '־M.Ä,*- inDeutschland,in Oesteireich Kr. IS, i Ausland M 10,— **Nummer 87 I Berlin,"9.919"ו״"!1ג"י A**eigen-Vcrwaltung: Veit-Verlag, Berlin NW. 7, Dorotheenstra&e 35. Telephoa: Amt Zentral» 4814 a, 4815. Aaieljrcspreii für die •echsgespaltene NonparetlleKeil• 75 Pf., Teueningsztisdilsg 20%. .■י■»»—י»*■—... in — 3mZauBmsg₪E3RWS₪₪K₪₪KnMm Telephon: Amt Uhland 845 0.846. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392. Für Oesterreich: Postsfjvkassenamfc Scheckkonto 1 Nr. 156030. Redaktiansscbluß Sonntag u. Mittwoch nachm, 17. Kislew 5680 XXIV. Eine Arbeiterbank in Palästina Bet den kürzlichen Beratungen des Actions- Oomites in London, denen die Herren Professor Marburg und Dr. Hantke beiwohnten, ist ein Beschluß gefaßt worden, der eine weitgehende prinzipielle Bedeutung beanspruchen kann, nämlich der Beschluß, eine Arbeiterbank zu gründen. Da über die Arbeiterbank in Deutschland noch wenig bekannt ist, haben wir Herrn Dr. R11 p p i n , der in London diese Gründung angeregt und vertreten bat, über die Aufgaben dieser Institution befragt mul von ihm folgendes erfahren: ׳* Die Gründung einer Arbeiterbaiik wird schon seit längerer Zeit in Arbeiterkreisen in Palästina diskutiert. Die Notwendigkeit einer solchen In- [»stitution zeigte sich in immer höherem Maße, je mehr die Gründung von Arbeitergruppen (Kwuzoth) mter den Arbeitern sich entwickelte und damit das Verhältnis zwischen Unternehmer und Arbeiter immer mehr von dem reinen Zeitlohnvertrage zum Akkordvertrage fortschritt. Es kann nach den bisfjerigen Erfahrungen in Palästina, besonders in der Landwirtschaft, als erwiesen gelten, daß der jüdische \rbeiter nur dann seine höchste Leistungsfähigkeit .־rreicht, wenn er nicht als Einzelner im Tagelohn zu arbeiten hat, sondern wenn er als Glied einer Gruppe eine bestimmte Arbeit im Akkord übernimmt. Innerhalb einer Gruppe fühlt sich jede! für jeden Verantwortlich, da von der Gesamtleistung der Ruf und der Verdienst der Gruppe abhängt, und die gegenseitig« Kontrolle und Anfeuerung ist von wohltätigem Einfluss^ auf dje Arbeitsleistung des gtazdften... .Es :ist Ijepteiefä«, Wichtigkeit, daß eine eine bestimmte Arbeit ift Akkbrdver* Timt, eine gewisse Freiheit hat, diese Arbeit nach ihrem eigenen Gutdünken zu organi- ״Der Zionismus erstrebt für da• jfidlsche Volk [ die Schaffung einer SfieniUcMrcdhilld» gesicherten i HeimstStte fn Palästina.“ Baseler Programm. BvS-^ * »fflhrg. ochiren. •eisen m haukeift igangen- und eis » Rabattstr. 21 mm >r ׳•« Hllltll) id! 40 den jüdischen Arbeiter besonders unangenehmen igesdunack der Unterwürfigkeit unter den Willen des Unternehmers. Die Reibungsfläche zwischen Unternehmer und Arbeiter wird vermindert. Die Anstellung eines besonderen Aufpassers, die bei den jüdischen Arbeitern so viel böses Blut gemacht hat. nötig, von Zeit zu Zeit durch Sachverständige feststellen zu lassen, ob die Arbeitergruppe den übernonunenen vertraglichen Verpflichtungen ordnungsmäßig nach gekommen ist und brauchte sich im übrigen um die innere Organisation der Arbeit gar nicht zu kümmern. Die Arbeiter ihrerseits würden sich für die Güte ihrer Arbeit in viel höherem Maße verantwortlich fühlen, weil sie nicht, wie es bei Tagelöhnern meistens der Fall ist, nur für eine kurze Zeit an der Pflanzung arbeiten, sondem durch ihren Vertrag für lange Zeit mit der Pflanzung verbunden sind und eine schlechte Arbeit nicht einer unorganisierten «ad unfaßbaren Vielheit von einzelnen Arbeitern, sondern eben dieser organisierten Gruppe zur Last fällt. Die eben auf gezählten Vorteile der Gruppenbildung und des Akkordvertrages gelten nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch bei vielen öffentliehen Arbeiten. Auch hier hat sich gezeigt, daß der jüdische Arbeiter, wenn er nur als Tagelöhner im Zeitlohn arbeitet, weit geringere Arbeitsleistuagen aufweist, als wenn einer Gruppe von Arbeitern bestimmte Arbeiten, zum Beispiel der Bau einer bestimmten Strecke einer Chaussee oder Eisenbahn im Akkordlohn übertragen werden. Wenn trotzdem bisher der Akkord vertrag m Palästina noch nicht zu größerer Ausbreitung gelangt ist, so ist einer der wesentlichsten Gründe darin zu suchen, daß die Arbeitergruppen dem Arbeitgeber keine genügende ״Bürgschaffe:fü.r ui e ri chti ge E rfü11 ung wird auch.und hierin liegt eine große Aufgab« ׳— bewährten Arbeitergruppen die Anschaffung von Maschinen, Zugtieren, Geräten usw. erleichtern, soweit die Gruppe nachweist, daß sie durch diese Anschaffungen ihre Arbeit produktiver machen kann. Ein naheliegender Einwand gegen diese Tätigkeit der Arbeiterbank ist, daß die Arbeiterbank die Garantie allzu leichtfertig abgeben und dadurch sehr baid Kapitalverluste erleiden würde. Dieser G«~ fahr kann man unseres Erachtens am besten dadurch entgehen, .daß die Arbeiterbank unter Kontrolle der Zionistischen Organisation v׳onden erwählten Vertrauensleuten der palästinensischen Arbeiter selbst verwaltet wird. Würde man nicht dieses Prinzip »»wenden, sondern die Direktoren der Bank von obenherab ernennen, so würde zweifellos sehr bald ein starker Konflkit zwischen der Bank und den Arbeitern entstehen, weil die Arbeiter naturgemäß mit Forderungen aller Art auf die Bank einstürmen und jede Weigerung der Bank als einen unfreundlichen Akt ansehsn würden. Wenn aber die Bank von den Vertretern der Arbeiter selbst verwaltet wird, so׳' fällt diese Konfliksgefahrt zu einem großen Teile fort. Die Arbeiter werden dann die Bank niciit als ein kapitalistisches Unternehmen, sondern als Fleisch von ihrem Fleische betrachte*. Sie werden verstehen, daß jede Geschäftsführung, welche den Baden einer sorgsamen Verwaltung der Gelder verläßt und sich ln übergroßem Entgegenkommen zu verlustbringenden Garantien herbeiläßt, geeignet ist, die ganze Idee der Arbeiterbank zu kompromittieren und damit dem Prestige der palästinensischen Arbeiter- Schaft den größten Schaden zu bringen. Es ist zuversichtlich zu hoffen, daß die palästinensischen, Arbeiter selbst fordern werden, daß an der Spitze dfese: Bank ein wirklicher Fachmann stell«! muß. die Bank um 90 erlangen wird, gepp»l׳ Zeitlohn, geleistete für Regie eine bestimmte peseu, welche wird vermieden, da die Gruppe -eben nicht sondern Akkordlohn Arbeit erhält. Die der Unternehmer spart, können voll dem Arbeiter zufließen, kurz: der Arbeiter wird aus einem Tagelöhner ein arbeitender Unternehmer. Er kann in seiner Gruppe, in welcher die organisatorisch befähigsten Mitglieder an die Spitze kommen, durch gute Organisation Jei; Arbeit und Anwendung von Maschinen eine höhere Produktivität der Arbeit und damit höhere Löhne erzielen. Hier 'zeigt sich ein Ausweg aus dem ׳!eierörterten Dilemma, daß der jüdische Arbeiter gegenüber dem anspruchslosen arabischen Arbeiter nicht konkurrenzfähig ist. Als Einzelner und in ganz einfachen Arbeitsverhältnissen ist er es wirklieh nicht. Er kann aber dadurch konk u r r e n z f ä 11 i g werden, daß er in seine Arbeit bessere Organisationsformen und moderne technische Hilfsmittel (Maschi 11 en) h in e i n br in g t, die für ihn mit seiner besseren Bildung bereits anwendbar sind, während der nichtjüdische Arbeiter für sie noch nicht reif ist. Als einer der wichtigsten Fälle der Anwendung (Ls Akkordvertrages mit einer Arbeitergruppe ist der Vertrag anzusehen, durch welchen eine Arbeitergruppe für den Jüdischen Nationalfonds oder für eine Aehusa (Pflanzergesellschaft) die Anpflanzung und Pflege von FruchtbäUrnen bis zu ihrer Fruchttragung übernimmt. Gerade bei den Achusoth hat sich schon bisher zur Evidenz gezeigt, daß Rt*idüngen zwischen den Arbeiter:! und den Pflan- *ungsbesitzem oder ihrem Vertreter unvermeidlich 'ind, wenn die Arbeiter als Tagelöhner aiigenoxn-;neu werden. Auch die Arbeitsleistungen sind in diesem Falle ganz unbefriedigend. Hier würde der öL!;ordvertnig mit einer Arbeiter,gruppe hohen Adniinisirationsspesen, die mit der 1 'jung \on Tagelöhnern verbunden sind, Minimum reduzieren, denn dte Achus®; die sehr fesch uftiauf ein litte nur ,er'AfbeiteÄ ׳schwieriger' war, als Del öiigefilfljfifa Vertrages voratiszusehen war, so geschah es nicht selten, daß die Arbeitergruppe mit der Arbeit aufhörte oder erhöhte Lohnforderungen stellte. 11t einem solchen falle* hatte der Arbeitgeber keine Handhabe in der Hand,, urri die Gruppe zur Einhaltung der vertraglichen Verpflichtungen zu zwingen. Die Arbeitergruppe besaß keinerlei Vermögen. Sie hatte meistens schon bei Beginn der Arbeit j zur Anschaffung von Arbeitsgeräten usw. einen 1 Vorschuß von dem Arbeitgeber bekommen, und J für den Arbeitgeber galt deshalb da; alte Sprichwort: ״Wo nichts ist, hat der Kaiser sein Recht verloren“. Es ist klar, daß dieses Risiko, das der Arbeitgeber bei der Eingehung eines Vertrages mit einer Arbeitergruppe lief, viele Arbeitgeber von solchen Verträgen abschreckte. Auch wenn öffentliche Körperschaften (Kolonien, Gemeinden usw.) öffentliche Arbeiten (z. B. Anpflanzung, Brunnenbau, Wegebau) zu vergeben hatten, scheuten sie sich, die Arbeit einer Arbeitergruppe zu üb ergeben, bei der sic nie des folgenden Tages sicher waren, und zogen es vor, die Arbeiten an kapitalkräftige Unternehmer zu vergeben und diesen die Annahme von Arbeitern zu überlassen. Das hatte zur Folge, daß der Unternehmer, der natürlich möglichst viel verdienen und deshalb möglichst niedrige Arbeitslöhn-e zahlen wollte, mit Vorliebe den billigeren nichtjüdischen Arbeiter beschäftigte und die jüdischen Arbeiter leer ausgingen. All diesen Mängeln soll nun die Arbeiterbank abhelfen, Ihre hauptsächlichste Aufgabe soll darin bestehen, daß sie die Arbeitergruppen für die öffentliche Körperschaft oder für den privaten Arbeitgeber kreditfähig macht. Sie soll in allen Fällen, wo Arbeitergruppen mit Arbeitgebern Akkordverträge abschlie- 'Ben, dem Arbeitgeber die richtige Erfüllung dieser Verträge seitens der Arbeitergruppe garantieren, so׳ daß der Arbeitgeber von dem oben erwähnten Risiko befreit ist und in voller Sicherheit mit der Gruppe Verträge abschließ-ai kann. Natürlich wird die Arbeiterbank eine solche Garantie nur für diejej!igen Gruppen übernehme», deren Leistungsfähigkeit ihr bekannt ist, und sie wird die Akkordverträge daraufhin zu prüfen haben, ob die Interessen der Arbeitergruppen darin genügend gewahrt sind. Sie in London vom anen Seiten worden, daß die Verwaltung der ß a!1 tc i n den Händen der palästinensischen Arbeiterschaft selbst liegen muß und daß das Actions-Com ite nur die Kontrolle der Geschäftsführung haben soll. Praktisch soll dies Ln׳ der Weise durchgeführt werden, daß die Aktien der Bank in gewohnliche und in Oründeraktien eingeteilt werden, und daß die Inhaber der Grunderaktien das alleinige Recht haben, den Aufsichtsrat der Bank zu bestimmen. Diese Grunderaktien sollen zunächst in den Händen des Acticms-Gomites bleiben, und das Actiaas-Cotnife wird dann den Aufsichtsrat so zusainmenseteen, daß die Mehrzahl seiner Mitglieder aus gewählten Vertretern der palästinensischen Arbeiterschaft besteht. Es ist auch vorgesehen, daß die Arbeiterorganisationen das Recht haben, binnen 5 Jahren die Aktienmehrheit der Bank zu erwerben. Wenn die Arbeiter von diesem Rechte Gebrauch machen und die Aktienmehrheit der Bank erwerben, soll die Mehrheit der Oründeraktien aut sie übertragen werden, so daß sie dann ganz und gar die Kontrolle der Bank in Händen haben. Das Kapital der Bank soll 200 000 Pfund, eingeteilt in 200 000 Aktien zu einem Pfund, betragen. Vorläufig sollen 50 000 Aktien ausgegeben werden. Das Actions-GomHe hat sich bereit erklärt, diese Aktien zunächst zu übernehmen. Es ist zu hoffen, daß die Bank bald ihre Tätigkeit beginnt; sie wird rn hohem Maße dazu beitragen, den Mut der Arbeiterschaft in Palästina neu zu beleben, und sie wird die Inangriffnahme neuer Arbeiten, zum Beispiel die Anlage von!'flauztingen oder die Herstellung von Straßen oder die Aushebung van Bewässerung«- und Entwässerung«- kanälen erleichtern. Sie wird hoffentlich .mich dazu dienen, einen wirtschaftlichen Mittelpunkt zu schalfen, um die jetzt durch parteipolitische Differenzen; voneinander getrennten Arbeiter zu gemeinsamer j wirtschaftlicher Arbeit zusammenzttführen und da-; durch auch die parteipolitischen Gegensätze zu! milder». ■

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