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Jüdische Rundschau · 1919-10-07 · Heft 71 (7.10.1919) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 71 (7.10.1919)
Date
1919-10-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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J«EÖI§e«e RUNMCMAU Seite 555 Nr. fl Zur Beachtung! Verschiedene Anfragen veranlassen uns zu dem Hinweis, daß wir nur die Verantwortung für den redaktionellen Teil der ״Jüdischen Rundschau“ tragen. Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“. Gebrauch der hebräischen Lettern Der jüdische Klub in Warschau hat an den Postminister eine Klage gerichtet wegen der häufigen, von verschiedenen Postämtern vorgenommemsi Ablehnung hebräisch geschriebener Briefe. Der Minister erklärte, daß sowohl während der österreichischen als auch der deutschen Besetzung die Beförderung von Briefen in hebräischen Buchstaben verboten war. Aber bei der Errichtung der polnischen Regierung wurde die Zensur für inländische Korrespondenz abgeschafft, so daß die in Frage kommende Verhinderuaig zurückgenommen wurde. Eine spezielle Regelung würde jetzt nicht herausgegeben werden, aber der Minister hätte Instruktionen an die verichiedenen Postd irektoren erlassen und befohlen, daß diejenigen, die an einem! derartigen Mißbrauch schuld wären, bestraft werden sollten. Oie Schächtfrage In Weimar tagte die XV. Konferenz des Verbandes deutscher Tierschutzvereine. Es lagern Anträge der Dresdener und Magdeburger Gruppen vor, ein Schach tverbot in! ganzen. Deutschen Reich zu verlangen. Aut Antrag der Nürnberger Gruppe wurde mit großer Majorität IJebergang zur Tagesordnung beschlossen Kriegsgefangene in Rußland Unser Gesinnungsgenosse Erich S c h m 011 e r, Heilsberg Ostpr. Durchgangslager, hat sich erboten, Nachforschungen nach Gefangenen und Vermißten aus R u Bland zu übernehmen. Anfragen ׳Name, letzter Truppenteil und letzter bekannter Auiesntnaltsort) sind direkt an ihn zu richten. schon vor Jahrzehnten ausgesprochen und sind dafiif von den Kreisen, die heute die Notwendigkeit jüdischer Wunder-, Tennis-, Schwimm- ׳und Rudervereine betonen, auf das heftigste angefeindet worden. Wer sich beispielsweise erinnert, mit welchen Mitteln in Stettin die Gründung eines jüdischen Turnvereins zu verhindern gesucht wurde, der!wird sich sagen müssen, daß hier ein erstaunlicher Umschwung ■nach der von uns vorgezeichneten Richtung hin sich vollzogen hat. Wenn die ״Kameraden“ sich das Ziel gesteckt haben, die jüdische Jugend beiderlei Geschlechts zu selbstbewußten Juden und aufrechten Staatsbürgern zu erziehen, wenn sie dafür eintreten!wollen, daß ihre Mitglieder ihr Judentum nicht verlieren und geeignet werden, es gegen Angriffe von außen zu schützen, 90 betreten sie damit Bahnen, in denen Nationaljuaen und Zionisten ihnen seit mehr als 25 Jahren vorausgegangem sind. 1 JÜDISCHE VOLKSPARTBI BERLIN C. 2_Heiligegeiststraße 52 Öffentliche Protestversammlung Montag, den 13. Oktober, abends 8 Uhr Prachtsäle ״Alt ־ Berlin“, Blumenstraße 10 Am Bahnhof Jannowitzbrücke. 2 Minuten vom Untergrund-Bahnhof Klosterstraße Tagesordnung: L Ansprache des Herrn Prof. Dr. Heinrieh Loewe 2. Die Entrechtung der Kriegstetl nehmer in der Berliner Jüdischen Gemeinde. Referent: Herr Direktor Georg Kareski ״Kameraden‘‘ Wir veröffentlichen die nachstehenden Ausführungen des Vorsitzenden ,der Stettiner Zionistisehen Ortsgruppe, die!nicht nur für die Verhältnisse in Stettin!von Interesse sind. Die Red. ״Wir and die!Kameraden, bessere find’t ihr nit.“ Wenn man nämlich •einem Flugblatt glauben darf, das der Jugendbund ״Die •Kameraden“, Pravinzialverband Pommern, Bezirksverein Stettin, den Mitgliedern der Stettiner jüdischen Gemeinde als Angebinde zum־ Ros ch- Hasch an ah verehrt hat und aas ־von den Herren Gerichtsreferendar!Dr. Georg Beer •und Fritz Rosenberp gezeichnet!ist. Was an dem! Flug־ blatt zunächst interessiert,!ist das Zugeständnis, daß es ״uns Juden!heute ohne ein Opfer au Ehre unmöglich gemacht oder doch stark erschwert wird, in Gemeinschaft mit Nichtjuden Sport!zu treiben und־ gesunde körperliehe Betätigung zu!pflegen, die wir Juden allzu lange vernachlässigt haben“. Wir!freuen uns dieser Erkenntins, wenn sie!auch reichlich spät kommt. Wir haben das Wir haben hier einen außerordentlichen Erfolg zu verzeichnen und dürfen uns zu dem siegreichen Vordringen unserer Ideen beglückwünschen. Wir konnten die ״Kameraden,“ ruhig ihres Weges ziehen lassen, wir konnten sie wandern, Tennis spielen, schwimmen und rudern lassen, ohne ihre Wege zu kreuzen. Raum für alle hat ja die Erde! Aber dieser idyllische Zustand ist nicht nach dem Geschmack der ״Kameraden“, ihr Ehrgeiz kennt höhere Ziele. Der gute Kamerad schlägt die Trommel zum Streite!, seit» Flugblatt sagt dem Zionismus den Kampf an. ״Die Kameraden“ wollen der jiidisehen Jugend das Bewußtsein unserer unlöslichen Zugehörigkeit zum deutschen Volke wahren^ ein Bewußtsein, dessen Erhaltung durch zahlreiche nationaljüdische Jugendorganisationen, Ln Stettin allein durch eine zionistische Ortsgruppe, «inen nationaljüdischen Turnverein, einen ״Blau-Weiß“־Wanderverein und einen von natiomaljüdischer Seite in der Gründung begriffenen Ruderverein auf das Schwerste gefährdet ist.־ Wir nehmen es den ״Kameraden“ keineswegs übel, daß sie hier die zionistische Ortsgruppe den Jugend- Organisationen zurechnen. Sie haben damit wohl das unvergänglich jugendfrische anerkennen wollen, das der Gedankenwelt des Zionismus zu eigen ist midi immer wieder die Jugend in seine Reihen führt, ln die Werbekraft ihrer eigenen Sache setzen sie offenbar kein so unbedingtes Vertrauen. Das wird man begreiflieh finden, wenn man, in ihrem Flugblatte nach eigenen, den ״Kameraden“ als geistiges Eigentum zukotnmenden Ideen gesucht und nichts dergleichen gefunden hat. Diesen empfindlichen Mange! durch Verdächtigung der natipnaljüdischen Organisationen zu verdecken, derer! Anregungen ihnen ihre Wege gewiesen haben, ist den ״Kameraden“ nicht gelungen. Man würde jedoch den ״Kameraden“ nicht gerecht werden, wenn man ihnen jeden neuen Gedanken durchaus absprechen wollte. Sie haben es für angezeigt gehalte», angesichts der herrschenden antisemitischen Stimmung Thron Angriff in der Festzeit, unmittelbar vor Rosch-Haschanah, der Oeffentlichkeit zu übergeben. Und damit haben sie in der Tat eigene Bahnen Ix*treten. Das mag wohl im Geiste der Religion gehandelt sein, deren Pflege sie sich angelegen sein lassen. Die uns überlieferte jüdische Religion hat diese Zeit der Versöhnung und dem Ausgleich der Gegensätze Vorbehalten. Aber davon werden die ״Kameraden“ nichts gewußt haben. Wir würden trotz alledem der Kameraden und ihres Flugblattes wegen die jüdische und insbesondere die zionisti sehe Oeffentlichkeit nicht in Anspruch nehmen, das hieße ihre Bedeutung überschätzen. Die groß angelegten und schwierigen Probleme, denen wir gegenüberstellen, erfordern unsere ganze Aufmerksamkeit und lassen uns schon deshalb eine Auseinandersetzung mit anderen jüdischeu Vereinigungen nicht wünschenswert erscheinen. Was uns dennoch veranlaßt, uns mit dem Fiugblatte und seinen Urhebern zu beschäftigen, ist der Umstand, daß wfjl^uch hier wieder vor keiner Einzelleistung stehen, wir haben es hier mit einem neuen Gliede in der Kette der Angriffe zu tun, die systematisch und mit einer gewissen Regelmäßigkeit von antizionistischer Seite in die Oeffentlichkeit hinausgesandt weiden. ״Wir kennen die Weise, wir kennen das Lied, wir kennen auch die Verfasser.“ Das Lied! der Antizionisten von ihrer besonderen Treue zum Deutschtum und. der Gefahr, die diesem von da» Zionisten drohe. Es kann uns nicht beikommen, die staatsbürgerliche Gesinnung ubserer Gegner anzuzweifeln oder gar behaupten zu wollen, es sei ihnen damit nicht Ernst. Staatsbürgerliehe Gesinnung wie deren Betätigung gehören zu den selbstverständlichen Pflichten eines jeden Staatsangehörigen, wes Glaubens una welcher Abstammung er immer sein möge. Wer aber es für erforderlich hält, sich zu seinen Pflichten wieder und wieder vor der Oeffentlichkeit zu bekennen, der erweckt den Eindruck, daß ihm die Selbstverständlichkeit ihrer Erfüllung nicht zum Bewußtsein gelangt sei. Eine Ware, die andauernd angepriesen werden miuß, wird leicht für minderwertig gelullten werden. Wenn aber unsere Gegner glauben, ihre Beteuerungen durch Verdächtigung der Zionisten unterstützen zu müssen, 90 sieht das der antisemitischen Methode so ähnlich v wie ein faules Ei dein anderen. Der Erfüllung unserer staatsbürgerlichen Pflichten steht unser Bekenntnis zu unserem jüdischen Volke nicht entgegen. Dem jüdischen Volke gehören wir durch unsere Abstammung an, wir sind durch eine vieltausendjährige Geschichte unlöslich mit ihm verbundem. Wir sind! von Stolz erfüllt auf die Zugehörigkeit zu unserem Volke, das der Menschheit den ethischen Monotheismus und die zehn Gebote gegeben, dem Volke der Thora und der Propheten, das al« erstes der Welt den Gedanken der sozialen Gerecht'gkeit verkündet hat. Wir sind erfüllt von dem Glauben an die Zukunft unseres Volkes, wir fühlen uns berufen und verpflichtet, an der Gestaltung dieser Zukunft mitzuaTbeiten. Wir werden uns immer zu unserem Volksturne bekennen, das unsere Gegner wie einen Makel von sich zu weisen bemüht sind. Darin wird uns keinerlei Verdächtigung, werden uns keinerlei Angriffe irre machen können. Stettin, Hermann Jacob. zu beweisen und hinter den Nationalsten der Nationalen nicht zurückzustehen. Und das ist eine Einstellung, die wir zwar nicht luitmachen, die aber immerhin auch ein Programm sei« mag. Nur ist für den Außenstehenden schwer ersichtlich, wie das Eintreten für deutschnationale Größe sich mit der Erdballgesinnung hat vereinigen lassen.“ Aus dem übrigen Inhalt des Heftes, das sehr bemerkenswerte Arbeiten enthält,!bemerken wir noch: Eine Charakteristik von Beataroin Di srael i von Rafael Straus, eine Auseinandersetzung (mit Blühers Rede an die freideutsclie!Jugend ״Deutsches Reich, Judentum und Sozialismus“. Schutz erzählt seine interessanten Erlebnisse in sibirischen Gefangenenlagern, eine usnveröffentlichte Geschichte von Perez, Berichte des Volksheims und des H apoe 1- Ha zai r und interessante Einzelheiten, in!welchen unter anderem! Brunners. Buch über den Judenhaß und Willy Seide Fs schöner Orientroman ״Der Sang der Sakije“ besprochen werden, beschließen das interessante Heft. Literarische Mitteilungen Der bekannte Staatsmann Will. Hör. Taft bat in ״The National Geographie Magazine“, Washington Nr. 1, Juli 1919, einen längeren Aufsatz: ״The progressive World Struggle of the Jews for Civil Equality“ veröffentlicht. Der Artikel, der mit zahlreichen Abbildungen versehen ist, gibt zunächst einen Ueberblick über die Geschichte dieses Kampfes und beschäftigt rieh dann mit Art und Charakter unseres Volte und den■ letzten Verträgen mit den Staaten Osteuropas. ln den letzten Tagen erschien das Septemberheft der neuen jüdischen Monatsschrift Esra, die vom Jüdischen Hoch schulausschuß Wien (Verlag Esra, Wien IX, Alserstr. 28) herausgegeben und von Eugen Hoeflieh redigiert wird. Der bekannte Züricher Schriftsteller Dr. Charlot Strasser, ein Nichtjude, beleuchtet in außerordentlich tiefschürfender Weise die Grundursachen des Antisemitismus. Es ist interessant, den Untersuchungen eines nicht voreingenommenen Forschers in dieser augenblicklich so akuten Angelegenheit 'zu folgen, sonderlich wenn sie von tiefster Ethik getragen sind, wie diese. Von Eugen H o e f 11 c 11! stammen eine Anzahl von Aphorismen zur jüdischen. Jugendbewegung, in denen sich der Autor in scharfer Weise zu den landläufigen Anschauungen in Widerspruch stellt. Arno Nadel, der vorzügliche jüdische Dichter und Liederforscher, veröffentlicht eine!machtvolle Szene ״Der Sündenfall“, die Ende des lahres zur Aufführung kommt. Ein ganz außerordentich interessanter Aufsatz -- Asien und Europa — stammt von Rabindranath Tagore, ein Aufsatz, der während d!es Krieges in ganz Europa konfisziert war und gerade uns Juden sehr viel zu denken geberi muß. Siegfried Schmitz polemisiert ausführlich gegen Brunners Werk ״Der Judenhaß und die Juden“. Den Abschluß dieses sehr schön ausgestatteten Heftes bildet ein Aufsatz über Jakob Klatzkin, über sein Werk und über sein Verhältnis zu AChad Haam. Soeben ist in Basel der vierte Jahrgang des ״J ü ־ dischen Jahrbuches für die Schweiz“ erschienen*). Das Buch ist weit mehr als ein gewöhnlicher Kalender. Mit Sorgfalt zusammengestellt, erfüllt es seine Aufgabe, ein wahres Volksbuch zu sein die Schweizer Juden in jüdischer Lebensauffassung und Betätigung zu vertiefen und ,die tiefe Sehnsucht unseres Volkes nach Zion zum Ausdruck zu bringen. Ein Blick aut das reiche Inhaltsverzeichnis zeigt uns, daß das Buch auch über die Grenzen der Schweiz hinaus Interesse zu finden geeignet scheint. Aus dem ersten Teil seien besonders die Beiträge: Rückblick auf das Jahr 5679, die Jeruscholaiimidee von S. Pines und der Zionismus in philosophischer Betrachtung von Ludwig Krauß erwähnt, sowie eine eingehende Würdigung Rabbi Israel Hildesheimers zu seinem 1Ö0. Geburtstage von seinem Schüler Rabbiner Dr. A. Cohn - Basel. Der zweite Teil des Buches ist religiottsgeschichtliehen und — philosophischen Fragen und einer Würdigung des jüdischen Hilfswerks in der ״Schweiz“ ge¬ *) Basel, Selbstverlag. 280 Seite», Preis 3.50 Frcs.; zu beziehen durch den Jüdischen Verlag, Berlin W. 15, Sächsisdie Str. 8. widmet. Von den Artikeln seien erwähnt: Die Struktur der jüdischen Religionsphilosophie von Ben Joseph, interessante graphische Darstellungen aus dem 15, Jahrhundert aus dem Alten Testament, von Toni Aktuaryus u. v. a. Der dritte Teil bringt jüdisch-literarische Beiträge, darunter von Schalom Asch, Berthold Feiwel, J. L. Perez u• a. Hickl, jüdischer Volkskalender für das Jahr 5680 ist erschienen. Aus dem reichhaltigen Inhalt nennen wir: Aufsätze von Dr. Kanter (Rückblick auf das Jahr 5679), Dr. Tartakower (Werden wir Palästina bekommen?), Eugen Höflich (Der jüdische Volkssozialismus), Belletristik in Prosa und Versen von S. Frug, A. Reisen, David Frischmann u. a• Die Rede des hervorragenden ,Führers der französisehen Zionisten Andre S p i r e, die er auf dem Ddegiertentag der Schweizer Zionisten gehalten, hat, ist unter dem Titel ״La question iuif devant la oonferance de la paix“ im Druck erschienen. Der Verfasser führt aus, daß die französische Regierung keineswegs den Zionismus bekämpfe, sondern vielmehr in jeder Weise begünstigt habe und daß sie das größte Verständnis für ihn hat. Hätte Frankreich das Mandat über Palästina erhalten, so hätte es ohne Zweifel ebenfalls die Durchführung des Zionismus für seine Aufgabe gehalten. Man dürfe die Haltung einiger französischer Assimilanten, wie Josef R ei n ach und Silvan! L e vy nicht mit der Haltung 'der französische n Regierung ver- / wechseln. Lemberg. Das■ ״Lemberger Tagblatt“, das offiziell* Organ der galizischen zionistischen Organisation, erscheint seit dem 1. September in einein verdoppelten Umfange, Die Redaktion hat der langjährige Chefredaktcur M. Frostig wieder übernommen. Abonniert auf die ,Jüdische Rundschau“ \

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