Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIV (1919)
- Issue
- Heft 69 (1.10.1919)
- Date
- 1919-10-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Redaktion 11. Verlag W. 15, Sächsische Sir. 8■ Erscheint jeden Dienstag■ u. Freitag. Abonn.bei d.Exp. u. d. Postämtern vierte!]. M.6,— in Deutschland, in Oesterreich Kr. 15, i. Ausland fvl.10,— Festigung Professor Warburg und Dr. H a n t k e sind, nachdem die Sitzungen des Engeren Actions-Gornitea bi London ihren Abschluß gefunden haben, nach Berlin zurückgekehrt. Diese Sitzungen werden der zionistischen Oeffentlichkeit eine erfreuliche Bestätigung dafür sein, daß die Einheit der Organisatfcxi, die wir auch während des Krieges aufrecht erhalten haben, nunmehr auch formell wieder hergestellt ist. Unsere Wünsche, die die schnelle Einberufung einer Sitzung des Großen Actions- Gamites und des Zentralcomites der Gesamt- Organisation erwarteten, sind noch nicht erfüllt worden. Das E.A:. C. maß unseres Erachtens alle Anstrengungen machen, um diese für die Entwichhing des zionistischen Lebens und den Aufbau Palästinas erforderlichen Tagungen zu ermöglichen. Sind heute die entgegenstehenden Schwierigkeiten nicht zu überwinden, so verlangen wir durch immer erneute Nachprüfung uns die Gewißheit zu geben, daß die Einberufung des Großen Aictions- Comites und des Zentroloomites im ersten sich darbietenden Augenblick erfolgen wird. In der Erkenntnis, daß heute nur ein kleiner Personenkreis das Geschick der zionistischen Organjsation bestimmt, hat das E.A.C. es sich angelegen sein lassen, die zionistische Oeffentlichkeit möglichst über jeden unternommenen Schritt zu informieren. Wir brauchen heute alle Kräfte und können auf die Dauer nur auf die sinnvolle Mitarbeit derjenigen rechnen, die sich, ein richtiges Urteil über die politischen Erfolge und über die wirklich vorhandenen Grundlagen unserer Kolonisationstätigkeit bilden können. Dif unablässig durchgeführte politische Aktion Weizmanns hat neue Erfolge gezeitigt. Die mit einer gewissen Unruhe erwartete französlsÄenglische Aussprache tot in Gegenwart von Ciemertceau, Lloyd George und Allenby stattgefunden. Das Ergebnis kann uns befriedigen. Frankreich hat seine Ansprüche auf Palästina fallen lassen. Die Gefahr einer Absplitterung von Obergaliläa ist damit wohl endgültig beseitigt. England übernimmt das Mandat über Palästina mit der Maßgäbe, es zur nationalen jüdischen Heimstätte auszugestalten. Die genaue Feststellung der Grenzlinien soll durch eine amerikanische Kommission erfolgen, die ihre Arbeiten auf Grund dieser Vereinbantngen durchführen will. Die französische Politik ' hat sich mit dem Gedanken der Verwirklichung unserer Ansprüche ausgesöhnt, und wir haben Grund zu der Annahme, daß die französische Regierung unsere Bestrebungen hinfort mit ihrem Wohlwollen begleiten wird. Symptomatisch dafür ist (die günstige Aufnahme, die der Artikel der ״Times“ vom ö. September (vgl. ״Jüdische Rundsäian“ Nr. 67) bei führenden französischen Politikern gefunden hat. Die Verhältnisse in Palästina haben sich durch die Anweisung der englischen Regierung an di:* Verwaltungsbehörden Palästinas, die jüdische Heimstatte als fait accompli zu betrachten, wesentlich zu unseren Gunsten geändert. Die Versuche der pan-arabischen Bewegung die zionistischen Ansprüche zu diskreditieren, beginnen nachzulassen, nachdem auch den Arabern zum Bewußtsein gebracht worden ist, daß sie durch keinerlei Demonstrationen an der Tatsache des jüdischen Palästina etwas ändern könnten. Es zeigt sich jetzt, daß wir mit unserer Behauptung, Palästina sei für die arabische Bewegung nur von sekundärer Bedeutung, recht behalten haben. Solange die Araber steh einbilden konnten, auch Palästina In ihre Machtsphäre einzubezäehen, haben sie nichts imversucht gelassen, um den Mächten die Sehwierigkeiten einer jüdischen Entwicklung des Landes vor Augen rfx führen und sich demgemäß großenteils antijüdisch gebärdet. Das energische, keinen Zweifel mehr zulassende Verhalten der englischen Regierung hat die Zwecklosigkeit einer arabischen Demonstrationspolitik gegen die Juden deutlich gemacht und die von uns erwartete Wirkung unmittefbar erzeugt. Natürlich sind: die Schwierigkeiten der arabischen Frage für uns dadurch nicht gelöst. Die Verhandlungen, die Weizmann mit dem Emir Eaisul, dem anerkannten Führer der arabischen Anzeigen -Verwaltung: Welt-Verlag■. Berlin NW. 7, Dorotlicenstraße 35. Telephon: Amt Zentrum 4814 u. 4815. Anzeigenpreis für die sechsgespaltene Nonpareillezeile 75 Pf., Teuerungszuschlag 20 0• Telephon: Amt Uhland 845 u. 846. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392. Für Oesterreich: Postsparkassenamt Schedckonto Nr. 156030. Redaktiousschluß Sonntag■ u. Mittwoch nachm. 6. Thischri 5680 XXIV. Jahrg. ״Der Zionismus erstreb! für das jüdische Volk die Schaffung einer öffenilldi-redxlUd» gesicherten Heimstätte in Palästina." Baseler Programm. Nation, erfolgreich begonnen hat, werden fortgesetzt. Trotz dieser politischen Fortschritte werden wir uns noch Längere Zeit gedulden müssen, bis die Organisation in größerem Stil mit der Durchführung ihres Besiedltmgsplanes beginnen kann. Die Hoffnung, daß die Friedensverhandhingen mit der Türkei schon in den nächsten Wochen zum Abschluß gebracht wanden, hat sich nicht erfüllt. Man nimmt an, daß die mit der Regelung der türkischen Frage zusammenhängende Palästinafrage erst in einiger Zeit vor den Obersten Rat der Friedenskonferenz kommen kann. Bis zur Ratifizierung des Friedens mit der Türkei bleibt aber Palästina okkupiertes Gebiet und steht dementsprechend weiter unter englischer Militär-Verwaltung. Diese Verwaltung arbeitet auf Grund der neuen Instruktionen in einer für uns günstigen Richtung; die neu ernannten Verwa!tungschefs sind im Einvernehmen mit dem General Allenby, dem Oberkommandierenden, entschlossen, für die Erriditung der jüdisch - nationalen Heimstätte zu wirken. Die Beschwerden, zu denen wir in den letzten Monaten vielfach Anlaß hatten, werden nunmehr aufhören. Bereits in den letzten Wochen konnten wir auf allen Gebieten eine Besserung der Verhältnisse feststellen. Dennoch ist an eine größere Einwanderung vor dem Abschluß der Friedens- Verhandlungen mit der Türkei nicht zu denken, und es kann sich nur darum handeln, Vorbereitungsarbeiten in Palästina und in der Diaspora zu leisten. Um so größere Befriedigung erweckt der Be- Schluß des E. A.C., daß anstelle der Zionistischen Konrmijlißi), durch die die .Leitung bisher «in Palästinif :'%rfreten wurde, etne 'neue Pa&tlnateommission eingesetzt worden ist, mit deren Zusammen- Setzung alle Teile der Organisation einverstanden sein werden. Die Kommission besteht aus 11 Mitgliedern, von denen 6 durch das E.A.C., 3 durch die Bevölkerung Palästinas, je eins durch die Föderationell Misradii und Poale-Zion bestimmt werden. Zum Vorsitzenden ist Herr Ussischkin ernannt worden, ferner sind durch das E. A.C. die Herren Weizmann, Ru pp in, Feiwel, Eder und ein amerikanischer Zionist, der noch nicht nominiert ist, delegiert worden. lieber die Beschaffung der Kapitalien sind wichtige Beschlüsse gefaßt worden. Das Kapital der Anglo Palestme Company soll auf 1 Million Pfund Sterling, das des Jewish Colonial Trust auf 2 Mill ionen Pfund Sterling erhöht werden. Die hierfür erforderlichen Aktionen werden im Laufe des Winters durchgefübrt werden. Der Zionistisehen Organisation wird 90 die erforderliche Kreditbasis für ihre weiteren, sehr viel größere Mittel erfordernden Unternehmungen geschaffen werden. Die Festigung unserer Stellung auf allen Gebieten ist unverkennbar. In dieser Zeit erfreulieber Vorwärtsentwicklung sei aber mit Nachdruck darauf hingewiesen, daß unsere politischen Erfolge nur dann voll ausgemitzt werden können, wenn das E. A. C. sich als Träger des Gesamtwillens der Zionistischen Organisation fühlen darf. Die Organisation wird zu den höchsten materiellen An- Sprengungen bereit sein, sie wird die Menschen für den Aufbau unseres Landes liefern, wenn die zionistische Politik auf allen Gebieten den Zusammenhang mit der innerzionistisch e n Entwicklung findet und auf rechterhält, ln tinserer Bewegung sind starke geistige Kräfte am Werk, denen jedoch großenteils das Gefühl der Verpflichtung zu einbeitlidhem Tun irn Laufe der Kriegsjahre verloren gegangen ist. ״Die Hauptgroßmacht, mit der wir verhandeln, ist das jiidische Volk“ (Weizmann auf dem XI. Zionistenkotig re ß, Protokoll Seite 158). Diese Verhandln»- gen wird die Leitung mit »Erfolg zu führen vermögen, wenn sie der Aufgabe gerecht wird, die Organisation zu einem von einheitlichem zionistisehen Willen beseelten Organismus zu machen. Nicht allein auf die überlegene Einsicht einzelne!• führender Persönlichkeiten darf sie vertrauen, sondem durch die Mitarbeit aller lebendigen Kräfte der jüdischen Bewegung muß sie sich die Sicherheit gewännen, in den Fragen der Besiedlung Palästirias und der national-jüdischen Politik irn Galutli — der nationalen Autonomie und der planmäßigen Emigration der wahre Träger des jüdischen Volkswillens zu sein. K. B. Tagung der .,Freien Vereinigung“ Der öffentliche Vereinstag der ״Freien Vereinig un g für die Interessen des orthodoxen Judentums“ wurde am 9. September 1919 in Halberstadt abgehalten. Den! von der ״Freien Vereinigung“ über diese Tagung versandten Bericht entnehmen wir folgendes: Namens des Vorstandes und Ausschusses der Freien Vereinigung erstattet Herr Jacob Rosenheim־Frankfurt a. M. einen zusammenfassenden Bericht über die Tätigkeit der Freien Vereinigung i'ra Kriege. Der Bericht behandelte die Fürsorge für Heeresangehörige und Kriegsgefangene, die Vorkehrungen und Sondcr-Institutionen, eße zur Sicherstellung der rituellen Ernährung der heimischen Bevölkerung getroffen werden konnten, den Schutz des Sabbaths, insbesondere bei und naejj Erlaß des Gesetzes über den vaterländischen Hilfsdienst, die Aktionen im Ausland e (Polen, Palästina), die Wirksamkeit auf dem Gebiete des Schulwesens und endlich die Beziehungen zu den übrigen großen Verbänden innerhalb der deutschen Judenheit. Zweck des öffentlichen Vereinstages, dein in Kürze ein ordentlicher Vereinstag im geschlossenen Mitgliederkreise zur Vornahme von Neuwahlen folgen soll, war hauptsächlich die Klärung der aktuellen Fragen, die das öffentliche Leben der deutschen Judenheit zurzeit beherrschen. Ueber die Trennung von Staat und Kirche, die Lösung des Problems in der neuen deutschen Reichsverfassung und die Einwirkung auf das jüdische Gemeindeleben referierte Rechtsanwalt Dr. J. Breuer, Frankfurt a. M. Was die rechtlichen Folgen für das deutsche Judentum betrifft, so bleibe in Alt-Preußen zunächst formell alles beim alten, jedoch ist das Gefüge der Zwangsgemeinde durch die wesentlieh erleichterte Möglichkeit des Austritts stark getodeert Und das Judengesetz von 1847 wird an ehfer immer größeren Zahl von Stellen infolge von Wider- Sprüchen mit verfassungsrechtlichen Bestimmungen durchlöchert werden. In den anderen Teilen Deutschlands mit ihrer buntscheckigen Juden-Gesetzgebung sind die rechtlichen Folgen sehr verschiedener Art. Der Redner ging alsdann dazu über, die wichtigsten Richtlinien Wir die zukünftige Gemeinde-Politik der Orthodoxie zu zeichnen. Es sei die Hauptaufgabe der jüdischen Gemeinden, den Steuerzwang, der sich auf die Dauer doch nicht werde aufrecht erhalten lassen, durch Hebung der Erkenntnis vom Wesen der jüdischen Gemeinde überflüssig zu machen. Eine Gesamtorganisation der jüdischen Religions-Gesellschaft in Preußen sei im Hinblick auf die bekannten Gegensätze des religiösen Bekenntnisses weniger als je diskutabel. Ebenso müsse aus dem vom Redner entwickelten Grundbegriff der jüdischen Gemeinde, der auf dem־überlieferten Gottesrecht beruhe, die von zionistischer Seite propagierte V o I k s g e ki e i n d e entschieden ahgelehnt werden. Anzustreuen sei eine Zusammenfassung aller derjenigen Gemeinden, die in Liren religiösen Institutionen den Boden des überlieferten Gesetzes nicht verlassen haben. Der Korreferent, Oberlehrer Dr. Rothschild, Dinslaken, beschäftigte sich ausschließlich mit der Gestaltung des jüdischen Selm!- und Erziehungs- Wesens und gelangte air Aufstellung folgender vom Vereinstag gebilligten Thesen : 1״. Eine wirklich jüdische Erziehung kann nur in jüdischen Schulen erreicht werden. Er ist deshalb mit allen Mitteln danach zu streben. a) die bestehenden Schulen zu erhalten um} umzugestalten; b) neue zu gründen. 2. Um dieses Ziel zu erreichen, sind In politischer Beziehung all!■ Bestrebungen zu fördern, die der ErhaJtung der konfessionellen Schulen dienen. 3. Die ״Freie Vereinigung“ muß Wege ausfindig machen, um die Mittel zu beschaffen, den telstungsschwachen Gemeinden die Erhaltung und Gründung von Schulen zu ermöglichen. 4. Ein bei der ״Freien Vereinigung“ von Pädagogen zu besetzendes Schulamt hat Lehrpläne aufzustellen, die den Zweck haben: a) das jüdische Schulwesen in GroGgeineimtem systematisch auszubauen; ►י b) der Abwanderung der Kinder aus Landgrmeinden in die höheren Schulen vorzubeugen und zugleich die Möglichkeit zu bieten, daß die jüdische Schule auch ihre« Zweck erfüllt 5. Die Heranbildung eines mit reicher ThoraJcenntnis und gediegener Allgemeinbildung ausgestatteten lind in jiroh gefestigten Lehrerstandes gehört zu den ersten Voraussetzungen für das erfolgreiche Wirken J -s Schulamtes.“ Hierauf referierte Rabbiner Dr. Kob«, Ansbach, über: ״Religionsbekenntnis, Volkstum un׳' Staat“. Die vorgeschlagenen und von der Tag« gebilligten Thesen lauten:! 1״. Einziges konsti tutives Mp rk mal * , Begriffs der jüdischen Nation ist allen Juden gemeinsame Verpflicht*