Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIV (1919)
- Issue
- Heft 63 (5.9.1919)
- Date
- 1919-09-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 486 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 63 Neue Landesparteien der Poale-Zion Dem WeltverbamI der Poale-Zion schloß sich eine neue Landespartei in Rumänien an, wo es bis jetzt keine jüdische Arbeiterorganisation, gab. Die Hauptgruppe der Partei besteht in Bukarest und zählt 1000 Mitglieder. Eine zahlreiche Mitgliederscliaft haben auch die Vereine in Jassy, Fatisceui, Gal atz, Vaslav, Dorowa, Piotra u. a. Der Partei gehört auch eine große Anzahl jüdischer Soldaten Ru- *namens an, die die Regierung ersucht haben, sie nach Palästina zwecks Eintritt in die jüdische Legion zu entsenden. Während der jüdischen Wahlen stellte die neue Partei selbständige Listen auf, die an einigen Orten zahlreiche Stimmen auf sich vereinigten. An der Konferenz der Delegationen der jüdischen Nationalste in Paris nahm Herr Sa rago als Vertreter der Partei teil. Gegenwärtig zählt die Partei 3000 organisierte Arbeiter. Eine weitere Landespariei der Poale-Zion entstand in Südafrika. Sie gibt eine Monatsschrift ״Unser Weg“ heraus. Aus der Hapoel-Hazair-Bewegung Am 28. August fand in den Musikersälen eine von der Ortsgruppe des Hapoel-Hazair einberufene Versamrnlüng statt, die die jüdische Lage in Palästina und die Stefluing der zionistischen Leitung zum Thema hatte. Als erster Referent führte Arioso] off folgendes aus: Die Nationalisierung des Bodens hat sich in den zionistischen Kreisen zwar überall durchgesetzt, viel trostloser jedoch ist die Lage der jüdischen Arbeit. Die Hoffnungen, daß sich nach dem Frieden und nach den Verheißungen der zionistischen Leitung die Zustände bessern würden, haben sich nicht erfüllt, im Gegenteil, sie sind noch immer schlimmer geworden. Die Beweise dafür sind leicht und in großer Zahl zu bringen. Ein Beweis ist die Auswahl der palastinensiseben Vertreter auf der Londoner Konferenz (drei Mitglieder des Esrach, ein Vertreter der Arbeiter), ein weiterer, die Posten des Budget der zionistischen Leitung, in dem die vielleicht wichtigste Summe für landvvirtschaftliche Arbeit gestrichen wurde. Der schlimmste Beweis ist jedoch die tatsächliche Lage der Arbeiter-Grupperi z. B. in Kinereth uind Untergaliläa. Aus nationalen Gründen müssen diese Zustände geändert werden. Dazu ist nötig, daß die Arbeiterschaft Einfluß auf die leitenden zionistischen Kreise gewinnt, daß aber auch positive Mittel der Abhilfe gesucht werden, wie sie die landwirtschaftliche Konferenz des Hapoel-Hazair in Kinereth durch die Gründung einer Arbeiterbank und־ einer Arbeiterkolonie gezeigt hat. Nach einem Referat des Herrn Sch. Rawido wicz, Mitglied des Zentralkomitees, der litauischen Zeire-Zion, folgte eine Debatte, in der vor allem Vertreter der Poale- Zion sprachen, die auf Üie Bedeutung des Klassenkampfes des internationalen Proletariats hinwiesein. Eine in diesem Sinne von ihnen eingebrachte Resolution wurde abgelehnt. Angenommen wurde folgende Resolution des Hapoel-Hazair: ״Die von der Berliner Ortsgruppe des Hapoel-Hazair am 28. August 1919 einberufene Massen- Versammlung drückt, indem sie ihre feste Ueberzeugling kundgibt, daß nur die jüdische Arbeit die Grundläge eines produktiven jüdischen Palästina sein kann, ihr Befremden aus über die gleichgültige Stellung der zionistischen Organisation zu dieser jüdischen Lebensfrage. Um den hier aufgedeckten Mißständen abzuhelfen, fordert die Versammlung kategorisch: 1. die Berufung von Genossen der zionistischen Arbeitsbewegung (Hapoel-Hazair und Zeire-Zion) in die leitenden Stellungen der zionistischen Weltorganisation; 2. die Besetzung des Arbeits-Ressorts im Londoner Palästinaamt durch paliistinensische Genossen der zionistischen Arbeitsbewegütig.“ Rückkehr von Palästinensern Etwa 90 in Deutsch-Oesterreich befindliche Pa- Lästinenser haben die Erlaubnis zur Rückkehr nach Palästina erhalten. Oberrabbiner Dr. C h a j e s hat, wie wir der ״Wiener Morgenzeitung“ entnehmen, eine Ver- Sammlung von PalästinahilfskomUees einberufen, die die Dursh Sühnung der Repatr'.iemngsaktion dem Palästin aamt der zionistischen Organisation übertrug. Mit Hilfe der jüdisch-palästinensischen Reise- und T,ransport-Ge- Seilschaft wurden dann die nötigen Vorbereitungen getroffen, auf Grund deren dann" am Dienstag, den 19. August, die Abreise erfolgte. Die Abfahrenden wurden von der amerikanischen Mission in Wien durch zur Verfügung gestellte Autos, von der englischen Mission durch Milch, von der italienischen durch Nachtauartier in Triest unterstützt. Der Wolffsohn-Fonds Das Komitee des Wolffsohn-Fonds trat kürzlich im Haag zu einer Sitzung zusammen. Das Komitee besteht gemäß einer letztwiUigen Verfügung David Wolffsohns aus den Herren Dr. K a t z e n e 1 so n, Dr. Les zy n s k y und I. H. Kann. Herr Kann wurde zum Vorsitzenden auf Lebenszeit gewählt, Hans Herzl, der Sohn Theodor Herzls, wurde in das Komitee kooptiert. Der Sitz des Komitees ist zurzeit Haag, wird aber sobald wie möglich nach Palästina verlegt werden. Es wurde beschlossen, die von dem verstorbenen Sekretär David Wolffsohns, Dr. Abraham Robinsohn, für eine Wolffsohn-Biograp hie gesammelten Materialien in Buchform zu fassen und in hebräischer, englischer und deutscher Sprache herauszugeben. Alle Briefe David Wolffsohns und alle aut ihn bezüglichen Schriftstücke und Publikationen sollen gesammelt und im Wolffsoh «-Archiv vereinigt werden. deuert Euch für d Nr. 63 BeriinerVersam!1üungs~Kalender I BQro: Berliner Zionistische Vereinigung, Berlin C. 19, Seydelstr. 3. Telefon: Zentrum 5614/15. Montag, den 8. Seplember: Abends 8 Uhr. Bezlrkigrnppe 1*0״", Grelfswalder Hof, Greifswalder Strohe 45. Sitzung zwecks Feststellung der Beteiligung an den Unlcrrlchlskursen für das Winterhalbjahr. Besprechung des Kursus In Geschichte und Literatur von 8—9 Uhr, anschlfekend Besprechung des Kursus In HebrÄlsch, Dienstag, den 9. September: Abends pünktlich 8 Uhr. Zionistischer Jugendverein Berlin, Helllgegelstitrahe 55. 1 Tr. Vortragsreihe des Herrn Edgar Kohn: An der Qjieti« der Religionen, Erster Abend. GSste willkommen 1 Versammlung des Hechaluz im Volkshelm Dragonerstr. 22. Tagesordnung: Die Revidierung des Programms. Abends 81(,Uhr. Bezirksgruppen Wesi, Charlottenburg und Nord-West. Humbser - Bräu, Touenlzlenstrabe 7. » Abends 8 V! Uhr. Vortrag des Herrn Dr. Ellas Auerbach-Haifa Ober: ״Berufs- und Übersiedlungsfragen für Palästina". Beztrksgruppe ״Süd". Jeden Dienstag von 7—10 Uhr und Jeden Sonnabend von 5—7 Uhr Ist die Lesehalle Im Helm, Prlnzenslr. 42 ITrp,, geöffnet. Donnerstag, den 11. September: Abends 8 Uhr. Bezirksgruppe ״Ost“, Greifswalder Hof, Grelfswalder Strafe 43. Gruppen Versammlung, Vortrag des Herrn Dr. Fritz Noock Ober: ״Die Organisation der Berliner Zionistischen Vereinigung", Zionistischer Jugendverein Berlin. Abends 7 ‘ נ Uhr, Geselliges Beisammensein Im Charlotten-Hof (Tiergarten). Zionisten desWestens treffen sich Jeden Sonnabend, abends 8Uhr, lm Caft NOmberg, Nürnberger Platz (Untergrundbahn). Konferenz des jüdisch-nationalen Arbeiterrates in England Kürzlich hat in London eine Konferenz des jüdischnationalen Arbeiterrats in England stattgefunden, an der sich Vertreter von 28 Arbeiterorganisationen. (Trade Unions, Arbeiter-Ring-Vereiiie, Poale-Zion-Vereine, S. S.) beteiligt haben. Nach der Eröffnung des Herrn Roman owsk y erstattete der Sekretär Meyer den Bericht über die bisherige Tätigkeit des jüdisch-nationalen Arbeiterrats in England. Er schilderte die verschiedenen Versuche, ein Organ zu schaffen, das die verschiedenen jüdischen Arbeiterorganisationen in England vereinigen sollte. Die Gründung des nationalen Arbeiterrats hätte bewiesen, daß bei ernstem Willen alle jüdischen Arbeiter- Organisationen zu harmonischer Tätigkeit zu vereinigen sind. Der jüdisch-nationale Arbeiterraf־ hätte auf alle politischen und gesellschaftlichen Erscheinungen reagiert, hat auch versucht, auf die englischen Arbeiterkreise im Sinne des Protestes gegen die polnischen Pogrome zu wirken. Auch hätte der Rat gegen die Fremdenhetze mit gutem Erfolg gewirkt. Auf ökonomischem Gebiet hätte der Rat mitgeholfen, neue Trade Unions zu gründen oder alte zu unterstützen. Nach einer längeren Diskussion wurde der Bericht einstimmig angenommen. Herr Kaplansky begrüßte die Konferenz im Namen des Verbandsbüros der Pöale-Zion. Es wurden folgende Be- Schlüsse angenommen: 1. dahin zu wirken, daß alle jüdischen Trade Unions dem nationalen Arbeiterrat sich anschließen; 2. die Arbeit gegen die Fremdenhetze fortzusetzen, zu welchem Zwecke in der Provinz ein Sekretariat gegründet wurde, das dem Exekutivkomitee die nötigen Informationen zuführen sollte; 3. es ist vom Board of Deputies zu verlangen, daß es sich mehr mit Innenfragen beschäftigen sollte; 4. dahin zu wirken, daß der jüdisch-nationale Arbeiterrat im Board of Deputies vertreten sein sollte; 5. einen Vertreter zu entsenden in die vom Weltverband der Poale-Zion für Palästina eingesetzte Arbeiterkam־ mission (zu diesem Zwecke ist Herr Scharf von der Bäcker-Union gewählt worden); 6. zu protestieren gegen die Handlung des Zionistisehen A.-C., das der Arbeiterfrage in Palästina sehr wenig Aufmerksamkeit schenke. Das A.-C. wird aufgefordert, in Palästina Arbeit für die Arbeitslosen zu schaffen. Nach der Wahl des neuen Komitees wurde die Konferenz geschlossen. Palästina-Baugesellschaft in Wien ln Anwesenheit der Herren Architekt L e w y, T r i e t s c h und H e r m o n y aus Berlin wurde in Wien, wie schon früher in Berlin, eine Palästina-Baugesellschaft gegründet. Es wurden sofort 100 000 Kr. für die Ge- Seilschaft gezeichnet Preisausschreiben Glückwunsch-Ablösungen zu Rosch-Haschanah 5680 Wie alljährlich wenden wir uns auch diesmal an unsere Freunde mit der Aufforderung, die Arbeit des Jüdischen Nationalfonds durch Glückwunsch-Ablösungen zu Rosch-Haschanah zu unterstützen. Es braucht nicht nochmals hervorgehoben zu werden, wie dringend die Aufgaben sind, die gerade der Jüdische Nationalfonds bei dem unmittelbar bevorstehenden Wiederaufbau Palästinas zu leisten hat. Die im letzten Jahre erfreulich gewachsenen Einnahmen des Nationalfonds in Deutschland beweisen, daß immer weitere Kreise des deutschen Judentums seinen Zielen Verständnis entgegenbringen. Besonders unsere Oesinnungsgenossen haben in diesem Jahre durch teilweise erhebliche Spenden dazu beigetragen, den Nationalfonds׳ aktionsfähig zu gestalten. Andererseits genügen die bisher aufgebrachten Summen keineswegs, um eine den Forderungen der Gegenwart entsprechende großzügige Aufbauarbeit in Palästina zu gewährleisten. Dazu ist vor allen Dingen erforderlich, daß die von unserem Hauptbüro für Deutschland in diesem Jahr angesetzte Million unter allen Umständen von uns erreicht wird. Dieses Ziel kann sich aber nur verwirklichen, wenn jeder unserer Freunde zu den diesjährigen Neujahrsablösungen so viel wie irgend möglieh beisteuert. An der Million fehlen uns noch zirka 260 000 M. und da wir nach dem bisherigen Durchschnitt nur mit einem wöchentlichen Eingang von 10 000 M. zu rechnen haben, 90 würden normalerweise bis Ende des Jahres nur noch 160 000 M. eingelhen, d. h. es würden zu der Million immer noch hunderttausend Mark fehlen. Die Neujahrsablösungen müssen also mindestens diese Summe ergeben, wenn wir nicht erheblich hinter unserem Ziel zurückbleiben und dadurch den erfolgreichen Beginn des kolonisatorischen Wiederaufbaus in Palästina verzögern wollen. Wir erwarten daher, daß jeder unserer Freunde seine Glückwünsche zu Rüsch-Haschariali für den Landerwerb in Palästina ablöst. Außerdem liegt uns daran, auch fernerstehende jüdische Kreise für diese Spende zu gewinnen. Die Teilnahme an dem Schicksal Palästinas ist heute infolge der politischen Ereignisse in allen jüdischen Kreisen Deutschlands so lebendig, daß niemand dem Nationalfonds seinen Beitrag versagen wird. Wir bitten daher unsere Freunde, die Aktion durch Sammlungen in ihrem weiteren Bekanntenkreise zu unterstützen!und stellen besondere für diesen Zweck bestimmte Sammellisten gern zur Verfügung. Der erste Ausweis der Ablösungsspende soll in Nr. 68 der ״Jüdischen Rundschau" vom 23. September erfolgen. Die Spende muß daher, um noch in die Neujahrsnummer bestimmt aufgenommen zu werden, bis spätestens Montag, den 15. September an den Jüdischen Nationalfonds E. V., Berlin, Postj scheekkonto Berlin, 28247, eingehen. Jüdischer Nationalfonds (Zentrale für Deutschland). Kleine Palästina-Nachrichten Gründung einer Industriegesellschaft für Palästina (Mi&rachi-Korr.-Büro.) In NewYork wurde eine Aktiengesellschaft mit einem Stammkapital von 10 Millionen Dollars gegründet, mit dem Zweck, in Erez Israel diverse Industriezweige wie: Baumwolle, Zuekerrohrpflanzung1, Früchte und Fruditkonserven, Viehzucht, Leder und Oele einzuführen. Der amenkanische Konsul in Palästina, A. Glazebrook, hat die Gründung der Gesellschaft befürwortet. Anläßlich der Misrachikonferenz in Cincinnati wurden von den Teilnebmern Aktien im Betrage von 50 000 Dollars übernonimen. Der ״X •ibt unter er ״Weit“ jgc<1es Orj;eraus. Die 019 skizzit •erbandes, < ting dienen!alt tictmet! (iifswerk, uden bei )roßen Ran letzrede d jlatt mit a1 Unter rinnt demn i)ie Erde), Men sehet.׳, und Irrwe; komm nun״ r Berlin K N_ '-: D Benj&m N._ iooo ) I i Wi einen g kaufmäi unserer 1 Gehalt, betrieb mit Bel Fabigki Rufe ui religiös Innigen aasprüc Vsrstind ooa Jung! mit Einji Gefl. Meli jw« ßit Erfahrt] Verwaltung. DE! Ziele Der Ausschuß des Jüdisch-akademischen Juröstenvereins in Wien schreibt hiermit für eine Abhandlung über das Thema: ״Das Recht der Viea-ländersynoden“ und eine solche über das Thema: ״Das jüdische Auswanderungsproblem in der Neuzeit“ je einen Preis von 500 (fünfhundert) Kronen aus. Die von der aus hervorragenden Gelehrten bestehenden Jury preisgekrönten Werke übergehen durch Auszahlung des Preises in das Eigentum des Vereins und werden auch im Verlage des Vereins im Drucke erscheinen. Die Abhandlungen sind bis längstens 31. Dezember d. Js. ehmireichen (Wien 9, Alserstr. 28). Verschiedenes K. Z. B. Der Direktor des Hebräischen Gymnasiums in Jaffa, Dr. Mossin soh n, der Vertreter der Chowewe Zion, Herr Schein kin, und der Vizepräsident des Misrachi, Herr Rabbiner Fisch mann, die seinerzeit von Djemal Pascha aus Palästina ausgewiesen wurden, sind aus Amerika nach Palästina zurückgekehrt. Der ״Hatoren“ meldet, daß sich in Jerusalem eint Gruppe von Abiturienten zusammengetan hat und by! Prof. Czerniewsky Vorlesungen üb# Mathematik, Phvsik usw. hört. Diese Gruppe kann als der praktische Anfang der zukünftigen Universität angesehen werden• Auch das hebräische Gymnasium in Jaffa ist aus einet solchen Gruppe hervorgegangen.