Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIV (1919)
- Issue
- Heft 57 (15.8.1919)
- Date
- 1919-08-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 57 JUEDiSGHE RUNDSC1AU Seite 443 {!•*Ischen Uebersichte* ■ i t «atspiectciden Karten, um zu bestimmen, sretthe Terrate• erschlossen werden sollen iwd in welcher Weise dies geschehen »ofl. 2. Die Förderung landwirtschaftlicherVersuche durch die Errichtung von;Manzscfuden für Getreide- und Gemüsebau, eines fandwirtschaftlich-chemischen Laboratoriums und eines 20010oiscfc-technischen Institutes. 3. Errichtung einer landwirtschaftlichen Wanderschule, um taedwirtschaftliche Kenntnisse zu verbreiten Und zu Terbessern. 4. Ausbildung von Instrukteuren für di« unausgebifdeten einwandemden Arbeiter. 5. Stirkun g der bereits im Lande existierenden kooperative» Arbeiter-Genossenschaften. 6. Errichtu mg kleiner Farmen für Gemüsebau, Geflügel-;׳acht, die durch Mädchengruppen bearbeitet werden sollen. (Für die unter 3—5 erwähnten Arbeiten sind im Budget 100000 £ assigniert.) Die Abteilung für Kolonisation wird sich auch fortlaufend mit der Wiederherstellung der Krieg* Schäden und der Besserung der Lage derYemeniten zu beschäftigen haben. (Im Budget sind hierfür 8000 £ vorgesehen.) Die Arbeit dieser Ab- I teihiag umfaßt auch die Hilfeleistung für die verschiede- | nen Achusoth- und Chaluzim-Gruppen, die Einordnung! vaa deren Tätigkeit in «Jen allgemeinen Kolonisationsjjlan 1 und die Behandlung des Problems der jüdischen Arbeit im Lande in all seinen mannigfachen Auswirkungen. Für die : Kosten der Administration in Palästina, d. h. für die I Palästina-Kommission und das Palästina-Amt ist auf Grund ihrer gegenwärtigen. Ausgaben im Budget die Summe von 38400 £ vorgesehen. Die Ausgaben für die medizinische Expe- Uition (84000 £) erscheinen zum erstenmal in unserem Ouclget. Bisher wurden deren Kosten von der Ziouistisehen Organisation von Amerika getragen. Vor Ausbruch. Lies Krieges gab es nicht genügend Sanitätspersonal in Palästina, und es verminderte sich noch weiter wäh- [read des Krieges. Die Bevölkerung litt hierunter sehr I erheblich und der Mangel au Medikamenten hat ihre!Leiden vergrößert. Die amerikanische medizinische Ex- I peditian war in dieser Hinsicht eine wichtige Hilfe für [die ganze Bevölkerung. Sie hat in Jaffa, Jerusalem, [Hebron, später in Haifa, Tiberias, Safed und anderen [Städten und Kolonien eine Reihe von Institutionen für | medizinische Hilfe geschaffen, wie Armenapotheken, [Hospitäler, Institute für unentgeltliche Zahnbehandlung I usw. Das ganze ärztliche Sanitätswerk in den Städten liowokl wie in den Kolonien war vor dem Kriege 1«# unberührtes Gebiet. Die medizinische Expedition hat [wichtige Anfänge in dieser Richtung geschaffen. Eine [ihrer ersten Taten war die Ausrottung der Moskitos, [der Träger der Malaria. Dieser Zweig der ärztlichen Intigkeit wird in Zukunft eines der wichtigsten Gebiete [innerhalb des Aufbauwerkes sein. Die medizinische Ex- [pedition hat auch die ersten Schritte für die Sdiaffung leine* Kontingentes ausgebildeter Pflegerinnen durch die!Eröffnung und den Unterhalt einer Ausbildungsschule [für Pflegerinnen getan. Unzweifelhaft wird auch die Inotwendige pathologische und bakteriologische Arbeit |«tnea Bestandteil in der Aufbauarbeit der Zukunft bilden. |Rw Bedürfnis nach diesen Zweigen der ärztlichen ■Wissenschaft versteht sich von seihst. I Es ist unmöglich, dieses Programm vollständig mit |a«em Aufwand von nur 84 000 £ durchzuführen. Im ■Hijnblkk jedoch auf die Schwierigkeiten des Augenblicks j»nd die unaufschiebbaren Aufgaben iti anderen Zweigen [de* Budgets mußte die für diese Arbeiten, ausgesetzte [Summe während des laufenden Jahres auf diesen ver- [käitnismäßig geringen Betrag begrenzt werden. Die ver- [schiedenen Körperschaften, die, wie hier dargefegt, ein- ■,׳;erichtet werden, um unsere Arbeit in Palästina auszu- Ifehren, werden die Basis für unser neues Verwaltung^- ■System tm Lande bilden, so daß in Zukunft die Verxval- Itungskosten und Auslagen in Palästina (vergf. auch Bud- ■Kt VI. C. 10 12000 £ — die in derselben Weise wie [für das Jahr 1018 in den Etat eingestellt sind) unter dem [Titel der verschiedenen Departements erscheinen werden, [also: Politisches Departement, Departement für innere [Angelegenheiten der Bevölkerung, Finanz-Departement, Brziehungs-Departement, Landwirtschaftliches Departe- יין ent, Departement für öffentliche Arbeiten, Arbeitsamt, [Departement für Handel und Industrie, Departement [für öffentliches Gesundheitswesen, Departement für [Mfeatiche Wohlfahrtspflege. I C Die Abteilung für Finanzen P#t die Aufgabe, die finanziellen Pläne, die mit der jü- ■Äschen Kolonisation in Palästina verbunden sind, auspuarbeiten. Diese Abteilung wird sich auch mit den. Frafeen der Ueberführung von jüdischem Kapital aus der ■Diaspora nach Palästina zu beschäftigen haben, ferner pt der Frage der zukünftigen Tätigkeit des J.C. T., der r-B-C., der Errichtung von Banken oder Bankfilialen ln den Zentren der jüdischen Bevölkerung und der jü- Iwchen Auswanderung, der Errichtung van Banken zur Prieiditerung der Beschaffung von Krediten für städtii^hen oder ländlichen Landerwerb. Diese Abteilung ■״bd sich mit dem Problem der Errichtung von Fonds l>eschäftagen, und zwar Fonds sowohl für produktive JPbjekte wie Banken und öffentliche Arbeiten als auch für ►״Produktive Objekte wie Verwaltung, Erziehung, Hyfcfene, Immigrantenfürsorge, endlich mit der finanzielle« ►®k der Erwerbung von Land. P Die AbteiJungfür Handelund Industrie IWrd durch Einrichtung eines geeigneten Informations- Renates für alle diesbezüglichen Fragen In der Lage Informationen und Rat zu erteilen. Sie beschäftigt P* mit der Errichtung eines Spezkibüro• für Handel und Industrie in Pafisfln*. Ft• «fiesen 2w*cfc •iad kn Budget 10000 £ vorgesehen. E. Die Abteilung für wiftachnitlieke und Verfassungstreuen hat die Aufgabe, das Material zu sammeln und durchzuarbeiten, das siel» auf unsere Verhandlungen mit der Mandatarmacht für Palästina bezieht, und zwar unter dem Gesichtspunkt der Sicherung voller Freiheit für unsere ökonomische und nationale Entwicklung. Diese Abteilung hat ferner die zahlreichen Fragen betreffs der zukünftigen Wirtschaftspolitik in Palästina zu studieren und mit ihren Ratschlägen der Leitung zur Seite zu stehen. Sie hat insbesondere die Reformen zu prüfen, die auf ökonomischem Gebiet in anderen Ländern durchgeführt sind, die Bedeutung derartiger Reformen für die ökonomische Entwicklung besonders derjenigen Länder, die vor dem Kriege einen Teil des türkischen Reiches bildeten, und deren Anwendbarkeit auf Palästina. Die Beschäftigung mit einer Anzahl von ökonomische» Fragen, die sich aus der Trennung Palästinas von dem früheren türkischen Reiche ergeben, fällt in den Tätigkeitsbereich dieser Abteilung. Die Abteilung wird ferner Wirtschafts- Und Verfassungsfragen studieren müssen, um die geeignetste Methode für ländliche Siedlung auf Grund der Erfahrungen und Methoden anderer Länder zu bestimmen. Sie muß sich auch mit dem Steuerproblem unter dem Gesichtspunkt unserer allgemeinen und riationalen ökonomischen Erfordernisse belassen. Diese Abtei- Jung arbeitet in engstem Kontakt mit Herrn Dr. R u p - p i n, der gegenwärtig in Kerpenhagen weilt. Die Gesamtsumme der Verwaltungsausgaben des Palästina-De partements ist im Budget rnit 13 863 £ vorgesehen. Die Leiter der obenerwähnten Departements bilden ein Administrativ - Komitee, das mindestens einmal wöchentlich zur Besprechung und Besdilußfassung über aile wichtigen Fragen Zusammentritt. Die Leiter der Departements veranstalten außerdem wenigstens einmal wöchentlich eine Beratung mit ihren Mitarbeitern, um die Detailfragen zu erörtern. Das Palästina-Departement arbeitet gleichzeitig in enger Verbindung mit dem ״Beratenden Komitee für die ökonomische Entwicklung Palästinas“, das unter dem Vorsitz von Herbert Samuel •teilt, Einzelfrage» werden von besonderen Kommissionen und Subhomitee• behandelt. Posener Brief Im Brennpunkt des allgemeinen jüdische» Interesses in Posen stand die Arbeit für den Jüdischen Volksrat; galt es doch, eine Basis zu schaffen., von der aus die gesamte augenblickliche und künftige nationaljüdische LandespoMtik geleistet und geleitet werden konnte. Besonders wichtig war es «auch, Maßnahmen gegen die Unverkennbare Tendenz zu treffen, die Juden aus ihren bisherigen wirtschaftlichen Stellungen herauszudrängen. Lin im Rahmen den Jüdischen Voiksrates tätiger Wirtschafts-Ausschuß nimmt sich eil dieser Fragen energisch an. Das wesentlichste Ereignis der letzten Monate war die Tatsache, daß von der Obersten polnischen Heeresleituug — nachdem die ״Naczelna Rada Ludowa“ (der Oberste Polnische Volksrat, der hier als Mandatar der Regierung in Warschau bis auf weiteres fungiert) den Ausnahmezustand verhängt hatte — Internier«■- gen in großer Zahl vorgenommen wurden. Während es dem jüdischen Volksrat bis dahin in vielen Fällen gehingen war, die Internierungen von Juden zu verhindern resp. bereife Internierte zu befreien, waren nunmehr Befreiungen unmöglich. Unser Standpunkt, daß die Juden eine Nationalität bildeten, deren Neutralität anerkannt und respektiert werden müsse, ist bei den polnischen Behörden nicht durchgedruaigen. Es sind vielmehr bei de» Internierungen, die ausgesprochenem aßen als Gegenmaßrege 1 für die in Deutschland erfolgten Internierungen von Polen vorgenommen wurden, auch Juden — darunter Mitglieder des geschäftsführenden Ausschusses de• jüdischen Volksrates interniert worden. — Die Internierten wurden in das nahe von Kalisdi und Skalmierzyce gelegene Lager Szczypiorne gebracht. Die Behandlung war dort den Verhältnissen angemessen, in der ersten Zeit war es den Internierten sogar möglich —- allerdings gegen hohe Bezahlung -- sich koschere Verpflegung zu beschaffen. Später wurde die Behandlung allerdings strenger und es gelang auch den Bemühungen der Herren Rabbiner Dr. Freimann und Rechtsanwalt Dr. JKollenscher nicht, bei der Obersten Heeresleitung durchzusetzen, daß den. internierten Juden die Beschaffung koscherer Verpflegung ermöglicht wird. Kürzlich ist allerdings diesbezüglich ein günstiger Bescheid seitens der Behörde ergangen, der aber praktisch wenig Bedeutung hat, da inzwischen der größte Teil der Internierten entlassen ist. Vor etwa drei Wochen war der Abgeordnete Färbstein zweimal in Posen; die allgemeine Lage wurde eingehend mit ihm besprochen. Im Anschluß an diesen Besuch reisten die Herren Rabbiner Dr. Freimann und Dr. Kollenscher im Aufträge des Jüdischen Volksrates nach Warschau und haben un dortigen Jüdischen Nationalrat in ausgibiger Weise Informationen gegeben und erhalten, sowie ferner auch Gelegenheit gehabt, mit Herrn Morgen! hau zu sprechen. Mit der Politik des Posener Jüdischen Volksrates ist der Nationalrat in Warschau durchaus einverstanden und hat diesen mit der Aufgabe betraut, die Organisation auch auf die durch den Friedensschluß neu hinzukommenden Gebietsteile zu ecstrecken. Ein bedeutender Erfolg der Arbeit des Jüdischen Volksrats ist die Gründung der behördlicherseits offiziell anerkannten, zunächst zweik lässigen jüdischen Sch ule, die 2 Lehrkräfte und zirka 45Schüler zählt und ohne Zweifel weiter eine günstige Entwicklung nehmen wird Die *ioais tiseft« Tätigkeit trat »atürBch Sinter der im Augenblick dringlicheren de• Jüdischen VoJkarata hl d«n Hintergrund. Di» durch den Ausnalune- MMtmmd s&lr «■scRwerte Möglichkeit, große öffentliche Versammlungen abzubatten, behinderte die Arbeit außerordentici. Für das Fehlen der ״Jüd. Rundschau“ wurde «m» ein Ersatz in dem Warschauer zionistischen Orga» ״Dos Mische Folk“,um die Mitglieder über die wesentliebsten Ereignisse in der zionistischen Bewegung m orientieren, wurden. Auszüge aus der gesamten War- »cfiauer jüdischen Presse zu einem Mitteilung«- bla 11 vereinigt. Die Jugendvereine bemühten weh weiter erfolgreich um die Erziehung und zionistisch« Durchbildung ihrer Mitglieder. Nach Erhalt der uns übermittelten Nummern der ״Jüdischen Rundschau“ veranstalteten wir eine offen{- liehe Mitgliederversammlung, in der über den Palästiaa- Delegiertentag referiert wurde. In dem durch die neu hinzukommenden Gebietsteile noch vergrößerten zionistischen Distrikt Posen-Westpreuße* wird eine ausgedehnte, energische Organkationsarbeit zu leistan sein. Aufruf des Posener Volksrats Der Jüdische Volksrat in Posen veröffentlicht jo Nr. 6 des von ihm herausgegebenen Mitteilungsblatte« folgenden Aufruf: ״Juden! Der Friede ist geschlossen; er hat über das Schicksal der Provinz Posen zugunsten der neuerstandenen Republik Polen entschieden. Viele Tausende von Juden, die seit Jahrhunderten im. Lande ansässig sind und hier ihre liebgewordene Heimat gefunden haben, sind nunmehr polnische Staatsbürger geworden. Wir Juden haben, in Europa kein eigene• Land; wir erstreben hier keine Herrschaft. Unser Schicksal ist es, seit Jahrtausenden in Ländern 7.» wohnen, di« von Völkern anderen Stammes beherrscht werden. Ueberall aber hat das jüdische Volk, seine» Religionsgesetzen und seiner tausendjährigen Tradition folgend, seine Anhänger zur loyalen und treue■ Befolgung der Staatsgesetze, zur Förderung des Staatswohtes aufgefordert. Auch wir haben seit dem erste» Tage unserer Tätigkeit erklärt, daß wir nur den Spruch der Friedenskonferenz für maßgebend erachten und item Lande treue Bürger sein werden, in das un« dieser Spruch bringt. Hier wie überall werden wjr dies« Losung befolgen und, getreu der alten Satzung unseres Volkes, an dem Wöhle des Staates mitarbeiten, in dessen Mitte wir leben. Wir bilden ia Polen mehr als 10 Prozent der Gesamtbevölkerung. Ia weiten Gebieten des jetziger» Polen war unter russischer Herrschaft die freie Betätigung der Juden durch drückende Gesetze und böswillige Verwaltungsmaßlahmen unterbunden. Wir begrüßen es daher für unsere Volksgenossen, namentlich für die jüdische• Massen in Kongreß-Polen und Galizien, mit inniger Freude, daß uns Juden durch internationale Verträge die Rechte einer nationalen Minderheit gewährt sind. Damit ist unsere wichtigste Hoffnung erfüllt. Wir sind der Ueberzeugung, "daß die verbündete» Regierungen unter Zustimmung von Polen das Selbst- Bestimmungsrecht der religiös-nationalen Minorität«» in weiser staatsmännischer Erkenntnis gerade deshalb in die Friedensurkunden aufgenomrnen haben, weil nur durch diese Rechte einem Staate mit gemischtnationaler Bevölkerung die ruhige, ungehemmte, friedliehe innere Entwicklung gewährleistet werden kan». Dec neue Reahtszustand wird es allen Juden ermögliehen, ihre religiös-nationalen, insbesondere ihre kuktureHen Interessen selbst zu pflegen, ihre Persönlichkeit und Menschenwürde dadurch zu steigern und m allesamt wertvolle, produktive Glieder des Staate« zu werden. Die Verheißungen, die der Friedensvertrag um gewährt, sind von der Naczelna Rada Ludowa uns gegenüber schon in der mehrfach liier erwähnten Kundgebung vorn 13. Dezember 1918 ausgesprochen und allgemein in der Kundgebung der Naczelna Rada Ludowa vom 30, Juni 1919 bekräftigt worden. Wen« diese Verheißungen zur voller! Wahrheit im Lebe« werden, dann wird die Republik Polen selbst de» größten Nutzen haben. UeberaH dort, - das hat namentlich der Weltkrieg und sein Ausgang gelehrt, — v.׳o die Juden sich wirtschaftlich und kulturell frei entwickeln, haben sie in hohem Maße zu den aufhauenden Kräften des Landes gehört, und sind ihr* zum Segen geworden. Wir wollen keine!» Staat j;n Staate bilden. Unser Gemeinsinn, der sich so oft bewährt hat, gilt dem Staate, in dem wir?eben.“ Dieses des entscheidenden Augenblicks würdige Dokument bringt ebenso den festen Willen der jüdischien Bevölkerung zum Ausdruck, unter dem Schutz des Friedensvertrages 31 re nationale Eigenart und Kultur frei zu entwickeln, als auch dem Staate in vollem IJmfaige zu geben, was des Staates ist. Eine **gewehrte Katastrophe ßfm unserem Wiener Korrespondenten.) W. Wien, 4. August. Di« vergangene Woche war eine Zeit der schwerste» Aufregungen für das österreichische Judentum. Der deutsch-österreichische Staat, der außer mit dem Flucti, nach Auffassung der Entente der eigentliche Erbe des alten Oesterreich zu sein, noch an der Unnatiirffthkeit seiner Struktur leidet, weil ein Land von etwa sechs Millionen Einwohnern eine Hauptstadt von zwei Milliouea zu erhalten hat, hat schon wiederholt gedroht, daß er die Juden, welche seit Kriegsbcginn in Wien sich niedergelassen haben, wegen der Wohnungs- und Lebensmittelnot a u s w e i s e n w i r d, Diese Juden tragen noch'heute den Namen ״Flüchtlinge“, obwohl sie zum Teil scho» fünf Jahre hier wohnen und natürlich, wenn sie nicht betteln gehen wollten, hier eine Existenz begründien mußten. Da der Aufenthalt in Wien für die östliche» Juden keineswegs besonders erquickend ist, haben alle jene Elemente, denen ihre frühere Heimat halbwegs erreichbar war, bereits die Rückreise angetreten, so daß höchstens noch fünfzigtausend Flüchtlinge in Wie» leben. Angesichts des Umstandes, daß die Ernährung Wien! ausschließlich durch Zusdiübe der Entente erfolgt, können diese fünfzigtausend Menschen sicher keine neci!»MW«rt* Belastung bilden, aumal auch die ameri-