Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIV (1919)
- Issue
- Heft 53 (1.8.1919)
- Date
- 1919-08-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 416 Nr. 53 Nr. 53 Das ״Comite der Jüdischen Delegationen“ über den Vertrag mit Polen (Eigener Drahtbericht) Paris. Das ״Comite der Jüdischen Deleg a t i 0 n e 11“ in Paris betrachtet den von den Polen am 28. Juni 1919 Unterzeichneten Vertrag mit den Alliierten mit seinen Bestimmungen über den Schutz der nationalen Minoritäten in Polen als ein historisches Ereignis ersten Ranges. Ein vollständig neues Prinzip ist hier anerkannt worden, das Prinzip des Schutzes der nationalen Minoritäten, nicht allein bezüglich ihrer bürgerlichen und politischen Gleichberechtigung, sondern auch bezüglich ihrer religiösen, ethnischen und nationalen Eigentümlichkeiten. Wenn dieser Vertrag auch keine klar formulierte Erklärung für die jüdische Nation enthält, so ist doch der jüdische Organismus in Polen tatsächlich als eine Minorität, der man gewisse nationale Rechte eiiiräunien muß, proklamiert worden. Das ist zwar weit entfernt von den Forderungen, die das ״Gomite der Jüdischen Delegationen“ in seinem Memorandum formuliert hat, und bleibt noch mehr hinter den Wünsehen derjenigen Comite-Alitglie#cr zurück, die noch erheblich weitergehende Mandate hatten; aber dennoch ist es ein Anfang, von außerordentlicher Bedeutung. Auf der hier geschaffenen Basis werden die jüdischen Massen nach allen Richtungen hin nationale Rechte erwerben können. Aus allen diesen Gründen kann man damit rechnen, daß die Judenheiten der verschiedenen Länder diese positiven Errungenschaften anerkennen werden. Von besonderer Wichtigkeit sind die Errungenschäften bezüglich der jüdischen Schule in Polen, die die wichtigste Basis der nationalen Autonomie bildet. Es versteht sich von selbst, daß die jüdischen Massen in allen in Betracht kommenden Ländern ihre Forderungen, die einen Teil ihres Programms ausmachen, aufrecht halten werden; denn das, was hier erreicht worden ist, bedarf der Klarheit und der Festigung. Morgenthau in Polen Das jüdische Volk und die zionistische Organisation schulden Herrn Henry Morgenthau für den Schutz, den er als amerikanischer Botschafter in Konstantinopel den jüdischen Siedlungen in Palästina gewährt hat, aufrichtigen Dank. Leider aber hat Herr Morgenthau seit seiner Rüdekehr nach Amerika gezeigt, daß er mit jüdischen Verhältnissen nicht in genügendem Maße vertraut ist oder ihnen innerlich sehr fremd gegenübersteht. Wir haben deshalb nur sehr gemischte Gefühle empfunden, als er als Vorsitzender der amenkanisehen Kommission nach Warschau ging. Wie berechtigt unsere Bedenken waren, geht ans der nachfolgernden Meldung über eine Audienz hervor, die er polnischen Journalisten in Warschau gewährt hat. Lieber diesen Empfang veröffentlicht die polnische Zeitung ״Przegtad Weczomi“ vom, 16. Juli folgende Details : ״Morgenthau gab zu, daß der Vertrag wegen des Schutzes der nationalen Minderheiten eine Beleidigung für das polnische Volk sei. Hauptsächlich war der Paragraph gegen Rumänien gerichtet, aber um Rumänien nicht zu kränken, beschloß man, diesen Traktat auf sämtliche neugegründeten Staaten zu beziehen. Es unterliege keinem Zweifel, daß bei der ersten Sitzung der Volkerliga die Frage der Annullierung dieses Paragraphen hinsichtlich Polens aufgeworfen werden würde,“ Morgenthau fügte hinzu: ״Ich sage dies zwar nicht offiziell, aber nach einem Gespräch mit dem Präsidenten Wilson bin ich zu diesem Schluß gekommen.“ Der ״Kurier Warsczawski“ berichtet folgendes über Mergenthaus Acußeruiig ״Der Paragraph sei vielleicht ein Fehler, aber wenn Polen im Laufe einiger Jahre beweisen werde, daß es alle Bürger gleich schütze und niemand ungestraft Verbrechen begehen dürfe, dann könne dieser Paragraph ja geändert werden.“ Die Aeußerungen Morgenthaus, die der ״Przeglad Weczorni“ publiziert, klingen so unwahrscheinlich, daß sie wohl nur als ein höchst tendenziöser Kommentar zu der zweiten Meldung, der des offiziösen ״Kurier Warsczawski“, anzusehen sind. Aber auch diese letzteren sind um so unverständlicher, als die Bestimmungen über den Minoritätenschutz gerade von den amerikanischjüdischen Kongreßdelegiertcn mit besonderem Nachdruck vertreten worden sind und sic% durchaus im Geiste der Wilsonschen Politik bewegen,* Herr Morgenthau hat in der Tat nur seine Privatmeinung zum Ausdruck gebracht! Fortsetzung der Anfragen im Unterhaus Auf eine Anfrage Sir John Randles am IS. Juli 1919 im englischen Unterhaus bezüglich des Schadenersatzes durch die polnische Regierung für die Millionen- Verluste der Juden während der 8 Monate Pogrome in Galizien und Polen, antwortete Unterstaatssekretär Cecii H a in svvorth, daß er bisher keine Informationen über jüdische Verluste während der Unruhen erhalten habe, und die Kompensation«frage daher noch nicht aufgeworfen sei. Lord Robert Cecii fragte am 21. Juli, ob irgendwelche Schuldigen an Ausschreitungen gegen Juden vor Gericht gestellt und verurteilt worden seien. Harmsworth antwortete, daß der britische Gesandte in Warschau berichtet habe, ein Sandertribunal in Rze szsow habe an einem wegen Ermordung eines Juden zum Tode Verurteilten das Urteil vollstreckt, 7 andere seien wegen Teilnahme an Exzessen zu 6 JUPDISCHE RUNDSCHAU ------- bis 10 Jahren Gefängnis verurteilt, worden. Lord Cavendish Bentlnck fragte bezüglich Einzelbeiten des Pogroms in Cholin an. Harmsworth antwortete, dort seien am 3. und 13. Juni Pogrome vorgekommen. Der britische Gesandte sei beauftragt, eine Untersuchung vorzunehmen. Ein Schreiben der amerikanischen Friedens- Kommission an Nahum Sokolow Eine Botschaft Wilsons. (Kopenhagener Zionistisches Büro.) Herr Nahum Sokolow erhielt am 22. Juli 1919 folgendes vom Generalsekretär der amerikanischen Delegation bei der Friedenskonferenz in Paris unterzeichnetes Schreiben: ״Ich habe das Vergnügen, Ihnen anbei folgende Botschaft des Präsidenten der Vereinigten Staaten in Antwort auf das gemeinsame Telegramm, das Sie im Namen Ihres Volkes an ihn an. Bord des ״George Washington“ anläßlich des amerikanischen Unabhängigfceitstages gerichtet haben, zu übermitteln: ״An die Herren E. K. Venizelos, N. P. Paschitscli, Edward Benes, Boghos, Nubar Pascha und N ah um Sokolow: Es bewegt mich aufs tiefste, daß Sie so vollständig die herzliche Sytnpathie würdigen, die ich für die Sache der Gcrechtigiceit, insbesondere für die Nationen fühle, die, weil sie weniger stark sind als die stärksten, bisher mit wenig Hoffnung für die Verwirklichung ihrer höchsten und durchaus berechtigten Bestrebungen gekämpft haben. Es gibt mir neuen Mut und neue Freude an den! Werke, das ich zu leisten versuche, daß Sie mich mit einem solchen Gruß erfreut haben.“ Englisches Hilfswerk in Palästina und Syrien Wie die ״Times“ melden, ist Mr. B a s t e r, der leitende Sekretär des syrisch-palästinensischen Hilfs- Werkes, von einem dreimonatlichen Besuch aus Palästina und Syrien, wo er die Hauptzentren der Hilfstätigkeit inspizierte, zurückgekeiirt. Nach dem von ihm erstatteten!Bericht hat sich Palästina bereits in weitem Ausmaß ,von den Wirkungen des Krieges erholt, und das ,Hilfswerk ist dort, abgesehen von der Waisenfürsorge, abgeschlossen. In Syrien werden die Verhältnisse normal, trotz der täglich größer werdenden Kosten der Lebenshaltung. Kleidung ist noch spärlich und Frauen und Kinder, die ohne Männer zurückblieben, finden schwer ihren. Lebensunterhalt. Der Libanon-Distrikt oberhalb Beirut ist in größerer Not als die anderen Teile, und in vielen Diiiern hale»;die ■Leute buchstäbWch alles verloren. Das Hilfswerk wird in beschränkten! Maße fortgesetzt, um der voraussichtlichen Not im Herbst und Winter im Libanongebiet zu begegnen. Die jüdische Konstituante Die Wahlen für die jüdische Konstituante in Patästina sind bis Oktober verschoben worden. Ein Pogrom in Odessa Das rumänische Pressebüro verbreitet, daß den Er- Zählungen aus Odessa eingetroffener Flüchtlinge zufolge dort ein großer Pogrom stattgefunden habe. Die Truppen des Generals Grigorieff, die Odessa besetzt haben, haben eine erbitterte Verfolgung der Juden begonnen. Das Judenviertel1 in Odessa sei zerniert worden und ein Gemetzel sei ausgebrochen, dem nicht ein einziger Jude entronnen sei. Sodann soll das Judenviertcl in Brand gesteckt worden sein; die Feuersbrunst habe drei Tage und drei Nächte gedauert. Wieweit diese Nachricht auf Wahrheit beruht, können wir nicht prüfen. Augenscheinlich haben die Rumänen Anlaß zu dieser Verdächtigung ihrer Gegner. Andererseits ist, wie auch im englischen Unterhaus bereits betont, General Grigorieff ein äußerst scharfer Antisemit, dessen Truppen schon derartige Greuel zugetraut werden können. % Die Judenschlächtereien in der Ukraine Das ״Gönnte jüdischer Delegationen“ bei der Fricdenskonferenz bestreitet die Dementis der Judenmassakers in der Ukraine. Die Pogrome hätten Zehntausende von Leben gekostet. Es werden folgende Detail- Ziffern angegeben: Shitomir ist vollständig verwüstet, 70 Tote, Hunderte von Verwundeten. In Prosk u r o w sind nach den von einem Arzte angegebenen Ziffern 3964 ansässige und zahlreiche durchreisende Juden getötet worden. In Filtschin ist die ganze jüdische Bevölkerung, mehrere Tausende, bis auf 23 Familien getötet worden. Das ganze jüdische Viertel ist durch Brandbomben vernichtet. In Kanienetz Podolsk sind hundert Personen getötet worden. Verschiedene jüdische Kolonien im Gouvernement Jekaterinoslaw sind vernichtet. Die Liste führt mehr als 80 Ortschaften an, wo Morde, Schändungen und Plünderungen begangen wurden. Pogromgefahr in Persien (Drahtmeldung des Kopenhageaer Zio.| nistischen Büros) Wie die Zionistische Organisation aus Teheran! meldet, ist die Lage der Juden in der persischen! Provinz Hamadan sehr gefährlich. Ein Jude wurde[ in Unnia in schrecklicher Weise ermordet. Sofortige! Schritte zur Rettung des jüdischen Lebens *ind erfor-f derlich. vorheriger scheu Or; eine Arbe fall« von! randum f< mission, < gemeine Jugend n bereiten“, worden. Der Zionismus in Ungarn Aus der Räterepublik Ungarn kommen nur spar-l liehe Nachrichten über die Fortführung der zionistischen! Arbeit unter der Herrschaft der Sowjetregierung. Unser! Kopenhagener Büro entnimmt ihnen, daß die ungarischen Zionisten, wenn auch ihre Arbeit nicht ganz eingestellt ist, so doch mit erheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Auch aus den von den Rumänen besetzten Teilen Ungarns sind zuverlässige Nachrichten über die! Fortführung der zionistischen Arbeit bisher nicht eingetroffen. Dagegen wird aus Temesvar, das in | der serbischen Okkupationszone liegt, über ein| erfreuliches Anwachsen der zionistischen Bewegung berichtet. Dort hat sich die lokale zionistische Organi-1 sation dank der Tätigkeit von, Professor Dr. Alexander! Marmorek während der letzten Jahre so entwickelt daß sie bereits die größte zionistische Ortsgruppe in | Ungarn bildet und in der Lage war, auch das ganze Banat mit Erfolg Zu bearbeiten. Dank des entgegenkommenden Verhaltens der serbischen Okkupationsbehörden konnte die zionistische Arbeit auch während der letzten Monate ungestört fortgesetzt werden. Nachdem es gelungen war, in N eusa 1 z (Novisad), D ugos, Karansebes zionistische Ortsgruppen zu begründen, brachte ein Vortrag von Prof. Marmorek in S z e gedin im März dieses Jahres das erfreuliche Resultat, daß die ganze Leitung der jüdischen Gemeinde mit dem bekannten jüdischen Gelehrten, Oberrabbiner Dr. Immanuel Löw an der Spitze, sich zum Zionismus bekannte. Wer das ungarisch-jüdische Milieu kennt, wird ermessen können, welche Bedeutung es hat, wenn der greise Oberrabbiner von Szegedin, der Sohn Leopold Lövvs, des Begründers der ungarischen Assimilation, sich heute offen als Zionist erklärt. In Temesvar selbst arbeiten der zionistische Verein ״Hatikwah“, der Jüdische Nationalverband und zwei Jugendorganisationen. Dort wird demnächst ein zionistisches Wochenblatt in ungarischer und deutscher Sprache erscheinen. Der Zionismus in Griechenland Das Organ ״D als Zentra in Deutscl־ lichkeit t Am 10. und 11. Juni 1919 fand in Saloniki eine Konferenz der Zionistischen Vereine Griechen'ands statt, bei der die Gründung eines Zionistischen Landesverbandes für Griechenland beschlossen wurde, ,®er Site der Zentrale ist Saloniki. An der Spitze des Landesverbandes steht ein ueneratat von 15 Mitgliedern und ein Zentralkomitee von 7 Mitgliedern, die ihren Wohnsitz in Saloniki haben. Präsident des Landesverbandes ist Herr Ascher Mallah, Vizepräsident ist Herr David Matalon, Sekretär ist Herr Joseph U ziel. Die Adresse des Verbandes lautet: Federation Sioniste de Grecc, Salonique. Die Organisation wird eine einmal wöchentlich erscheinende Zeitschrift in griechischer Sprache herausgeben. Wie ״Hajnt“ meldet, wurden mittels Dekrets der Sowjetregierung sämtliche jüdischen Kultusgemeinden in Rußland für immer aufgehoben. Sämtliche Fonds und Stiftungen, die das Eigentum dieser Gemeinden bilden, sowie ihr ganzes totes und lebendes Inventar übergeht in den Besitz des bolschewistischen Kommissariats für jüdische Angelegenheiten. Wir sind nicht in der Lage, die Richtigkeit dieser Meldung nachzuprüfen. In L t zeit von < tische Re üschen G Das neue 3 Balten, der jüdfe M i n t 2 a beginnt s jüd iscli chemgymn ist zwar in hebräi ist der; Die jüdischen Kultusgemeinden in Rußland j sfstiert Die Halbjahr sich, nae folgender 63786 D< Mark, P ׳ Caiiada I Mark, A 222 244 K eien 2261 Deutsch-( Schweiz Lastina 4' den 6087 LstrJ., Ci Mark, Ai Litauen f Lstrl., S T rot. Francs e! 2243187 dem von anschlagt Francs, in den ö tische Sa ist. Zug! worden, der Zen Ausbau c renzen, zeliien O der bew auch in vielfach . Die österreichischen Arbeiterräte und die Juden Der Wiener Reidiskonferenz der Arbeiterräte lag ein Antrag vor, gegen das Ausnahmerecht zu protestieren, unter welchem eine gewisse Zahl jüdischer Proletarier in Deutsch-Oesterreich stehen, von. dessen Staatsbürgerschaff sie die provisorische Nationalversammlung ausgeschlossen hat. Merkwürdigerweise hat die Konferenz trotz des Verlangens eines teils der Delegierten, über diesen Punkt zu verhandeln, die Beratung abgelehnt. Wer die Haltung der deutsch-österreichischen Sozialdemokratie, die zum Teil« ausgesprochen Judenfeindlieh ist, kennt, wird dieser Beschluß nicht weiter wundernehmen. 1 m 11 he ran, seiner v׳ i r d. lieh an dern A pa ch tfc tisch e r u n g e ו w e 11 n! alles E i n n al Aus d Ti Tun Tagung orthodoxer jüdischer Jugendvereine in der Schweiz Arbeitsgemeinschaft mit den Misrachi- JugendverbSnden Am 20. Juli 1919 fatitf in Zürich auf Anregung der Basler und Züricher Agudas-Jisroel-Jugendgruppen ein Jugendtag gesetzestreuer jüdischer Jugendvereine der Schweiz statt, an dem über 45 Delegierte teilnahmen. Von allen Rednern wurde die Notwendigkeit betont, die gesetzestreue Jugend der Schweiz in einem ״Agudas-Jisroel-Jugend-Verband“ zu vereinen; eine diesbezügliche Resolution wurde schließlich angenommen. Für eine Arbeitsgemeinschaft mit den mis• rachistischen Jugendverbänden 1yar eine durchaus günstige Stimmung vorhanden. Auf Grund Am verein , fest. D: besonder "'artiger des Jüdi! Vereine für Mite' Verein k Bewerbe August fürstend; stich üb Die bürg, k< lagen. 1• Ottgrößerer deten: 1 kauf (1( Sonne |onne Erster, Zweiter.