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Jüdische Rundschau · 1919-07-22 · Heft 50 (22.7.1919) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 50 (22.7.1919)
Date
1919-07-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 50 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 401 Hebräisch lernen Von J. Lubmann-Cbabib. I. Es ist uns allen klar, daß Palästina niemals alle Juden aufnehmcn wird. Ein Leben der Juden im Gahith wird also niemals aufhören. Um aber in Palästina eine Heimstätte für das ganze Volk zu bilden, wird es notwendig sein, höhere Werte zu schaffen, die spezifisch jüdisch sind*, Werte, die Gemeingut aller Juden der Welt werden sollen. Diese liegen einzig und allein auf kulturellem* Gebiet. ln erster Linie gehört dazu die hebräische Sprache. Hebräisch ist unbestreitbar das beste Mittel, den Kontakt zwischen der Heimat und dem Galuth aufrecht zu erhalten zwecks gegenseitiger Ergänzung; bei der Erfüllung unseres nationalen Ideals. Palästina «uß hartnäckig darauf bestehen, Hebräisch zur alleinherrschenden Sprache des Lebens zu machen ohne jedes Kompromiß. Unser Leben in Palästina hat uns bereits gezeigt, daß dies nicht nur möglich ist, sondern auch daß es zur Vereinheitlichung aller aus den verschiedensten Ländern Eingewanderten und zur Nutzbarmachung ihrer Kraft für das Wohl der Allgemeinheit keinen anderen Weg gibt. Oese Arbeit, die Hebraisierung der Einwanderer, war bis jetzt, bei der verhältnismäßig geringen Ein- Wanderung ins Land, sehr leicht; eine Arbeit, die fast von selbst geschah, ohne große Anstrengung des Landes. Wir dürfen dabei aber nicht vergessen, daß wir io Palästina bis jetzt, unmittelbar vor dem Beginn der Massenimmigration, noch lange nicht das ganze jüdische Palästina hebraisiert haben. Die Zahl der Palästinenser, denen das Hebräische in Fleisch und Blut übergegangen ist, die also unmittelbar durch ihr Leben die Sphäre des Hebräischen verbreiten, ist leider noch sehr klein. Selbst wenn wir voraussetzen, daß jeder in Palästina ein wandernde Zionist den besten Willen mitbringt, sich der Hebraisierung zu fügen, wird Palästina allein diese Arbeit nicht bestreiten können. Der gute Wille genügt hier nicht. Es muß jeder Zionist einsehen, daß, wenn er nach Palästina geht, ohne hebräische Kenntnisse zu besitzen und sich auf die Kräfte im Lande selbst verläßt, er sich an der jungen, noch sehr schwachen Kulturarbeit schwer versündigt! Es ist also nicht nur dem Zionisten zu raten, in seinem Interesse Hebräisch zu lernen, sondern es ist von ihm im Interesse des schnellen und gesunden Aufbaus unseres Landes, also unseres .höchsten Ideals^ zu fordern, daß er wenigstens theoretisch Hebräisch in seiner Heimat erlernt hat. Und, wenn es ihm nicht vergönnt sein sollte, Im Id oder überhaupt nicht irre Lande seiner Sehnsucht zu leben, so hat er 'doch als treuer Sohn seines Volkes fleißig an der Erfüllung seiner Ideale mitgearbeitet, wenn er seine nationale Sprache lernt Das Verhältnis Palästinas zur Diaspora wird an Unmittelbarkeit gewinmen» wenn das Galuth in der Lage ist, die Ereignisse Md Erfolge des Landes durch das Medium! der National- «prache zu verfolgen. Also ist Hebräischlemen die Pflicht eines jeden Zionisten in jedem Falle! IL Besonders muß der deutsche Zionist die Erkenmtnis beherzigen, daß der Einwandemde das Heäräische beherrschen soll, nicht nur zu seinem besseren Fortkommen, sondern zur Förderung der Kulturarbeit. Hat der Ostjude noch so wenig Hebräisch gelernt, so besitzt er doch durch seine jüdische Erziehung in Haus und Umgebung viele Ansätze, die ihm zu einem raschen Lernen verhelfen. Meist sind seine Kenntnisse ausreichend, um nach kurzem Aufenthalte im Lande «ad praktischer Uebung, gut zu sprechen. All dies besitzt der Westjude nicht. Seine jüdische Erziehung a der Schule und, durch die Umgebung ist so mangelhaft, daß ihm das Hebräischlernen sehr schwer wird. Tatsache ist, daß er viel Zeit braucht, um sich in die Grundbegriffe der Sprache hineinzuünden, um so mehr, da die ®eisten erst ab Erwachsene Hebräisch lernen. Die radikale Umgestaltung der jüdischen Erziehung « Hause und in der Schule, der hebräische Kinder-!arten und die hebräische Schule werden verhüten, daß künftig der erwachsene Zionist vor eine so schwere »nd mühevolle Arbeit gestellt wird. Aber jetzt muß ien Tausenden erwachsenen jungen Zionisten in Deutschlaad bald die Erlernung der Sprache ermöglicht werden. *) ״Jüdische Rundschau“ Nr.?5. Cb. Krupnik forderte*) die zionistische Jugend in Deutschland auf, aus ihrer Mitte redet bald eine erhebliche Zahl von hebräischen Lehrern heranzubilden. Dieser Weg erscheint mir viel zu lang. Wir dürfen nicht vergessen, daß zum! Unterricht in einem Fache die Kenntnis des zu vermittelnden Stoffes allein nicht genügt. Man kann unmöglich, was man eben erlernt hat, gleich weiter auf andere übertragen. So müssen auch wir von unseren hebräischen Lehrern eine gründliche Kenntnis der hebräischen Sprache und Literatur verlangen. Dies zu erfüllen: ist aber keine! leichte Sache. Eben darum dürfen wir uns nidfiü auf die Ausbildung von Lehrern, die jetzt in kurzer Zeit Hebräisch erlernt haben, verlassen. Diese würden ihre Zeit viel besser zur weiteren Ausbildung und Vertiefung in die hebräische Sprache gebrauchen können. Ein Ostjude oder Palästinenser mit guten hebräischen Kenntnissen kann sich viel schneller der Eigenart des deutschen Schülers an passe re, als der deutsche Zionist so gut Hebräisch erlernen wird, um unterrichten zu können. Besonders ist es einem Lehrer von Beruf eine Leichtigkeit, in die Denkart seiner Schüler einztidringen und seinen Unterricht danach einzurichten, selbst wenn er auch nicht ״denselben oder ähnlichen Bildungsweg gegangen ist, wie die Schüler“. Man sollte vermeiden, Urteile gegen ausländische Lehrer abzugeben, die ungerechte Vorurteile gegen säe erzeugen könnten. Eher sollte man diesen Lehrern, die jetzt aus Polen, Rußland und Galizien in großer Zahl nach Deutschland kommen, die Möglichkeit geben, von erfahrenen Lehrern über die Schwierigkeiten des Unterrichts zu hören und von ihnen zu lernen. Zu diesem Zwecke muß man zur 0 rganisation der hebräischen Lehrer in Deutschland schreiten und so schnell als möglich eine Zusammenkunft derselben zustande bringen, in der man sich eben über solche pädagogische Fragen gründlich wird auseinanciersetzen können. Eine solche Organisation wind es ermöglichen, daß Neulinge des hebräischen Unterrichts in Deutschland sofort,, von den Erfahrungen ihrer Kollegen belehrt, an ihre Arbeit gehen können, ohne erst lange Zeit mit Versuchen _zu verschwenden. Außerdem wird diese Organisation die Interessen der Lehrerschaft überhaupt fördern können und für die Organisierung der Arbeit im ganzen Lande von großer Bedeutung sein. Unterh&asverhandlungen über die Pogrome .(Drahtmeldung unseres Kopenhag. Zionistischen Büros.) Nach einem Telegramm des ״Daily Herald“ vom 16. Juli 1919 erhielten die jüdischen Komitees in London auf Grund ihrer seinerzeit von uns veröffentlichten Protestresolutionen gegen die Pogrome, vom britischen Auswärtigem Amt eine Antwort, fit dieser wird erklärt, daß die Frage der Behandlung der Juden in Polen die ernsteste Erwägung seitens der britischen Regierung erfährt und weiter erfahren wird. Nachdem vor kurzem Mr. Clement Kinloch Cooks auf seine Anfrage von Unterstaatssekretär Harmsworth in dem Sinne geantwortet worden war, er glaube, ״die polnische Regierung sei entschlossen, jegliche organisierte Angriffe auf Leben oder Eigentum zu verhindern“, richtete am 15 Juli der Abgeordnete Kenworthy wiederum eine Anfrage an den Unterstaatssekretär Herrn Harmswarth, ob die britische Regierung inzwischen einen Bericht ihres Warschauer Gesandten über die Pogrome in Wilna und P i n s k erhalten habe, ob dieser Berieht auf persönlicher Untersuchung des Gesandten oder anderer britischer Beamten beruhe, ob es jüdischen Vertretern in beiden Städten möglich gemacht worden sei, sich über die Ausschreitungen frei zu äußern, oder ob nur von Polen Erklärungen entgegengenommen worden seien, endlich, ob die britische Regierung den vollständigen Text ihres Berichtes publizieren werde. Harmsworth antwortete, der britische Gesandte in Warschau sei mit der Ausarbeitung eines detaillierten Berichtes über die Behandlung der Juden in Polen beauftragt. Bisher seien von ihm nur kurze telegraphische Berichte eingetroff-en; es sei zweckmäßig, den ausführliehen Bericht abasuwarten. Die britische Regierung habe die amerikanische angefragt, ob ein Vertreter der britisehen Regierung, sich an der amerikanischen Spezialkomm iss ion zur Untersuchung der Verhältnisse in Polen beteiligen würde. Dann fragte das Mitglied der Arbeiterpartei Richarjdson an, ob es wahr sei, daß die Regierung Koltschaks die Einziehung aller Juden zur Infanterie angeordnet habe, wobei verboten wurde, daß Juden Offiziersstellen bekleiden, ob der heilige Synod in Omsk eine Propagandaabteilung errichtet habe, die Hetzblätter gegen die Juden verbreite, und ob der britische Vertreter in Sibirien beauftragt sei, Schritte zur Verhinderung van Judenverfolgungen einzuleiten. Harmsworth erwiderte, ohne genaue Information sei eine Beantwortung der ersten beiden Fragen unmöglich. Er halte aber die Koltschak-Regierumg zugeschriebenen Aktion für unwahrscheinlich, was aus dem kürzlich an Ssasonow gerichteten Telegramm hervorgehe, wonach die Regierung in Omsk sich bemühe, allen Völkern Rußlands ohne Unterschied von Religion und Nationalität vollständige Gleichheit vor dem Gosetz zu sichern. Zwar seien dem britischen Vertreter in Archangelsk und Sibirien keine spezielle Instruktionen gegeben worden, da dies nach Koltschaks Telegrammen unnötig erscheine, die britischen Vertreter würden aber ihren Einfluß immer in der angegebenen Richtung anwenden. Bäder•Propaganda! Fräulein Lude Kober gibt uns Nachricht von einer erfolgrdchen Art der Propaganda, die für viele Zionisten leicht durchzuführen ist. Sie hat in den» Badeort, in dem* de sich aufhielt, nachdem sie in dem jüdischen Restaurant einige Zeit verkehrt hatte, einen Vortrag über unsere nächsten Aufgaben in PaJästina gehalten, zu dem alle, die für Palästina Interesse haben, eingeladen wurden. Die Plakate brachte sie an mehreren Stellen, natürlich auch am Kurplatz, am. Vor den Versammelten erzählte Frl. Kober von der Tätigkeit des ״Verbandes jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina“, sprach besonders von den Spitzenschulen der Krankenpflege, der landwirtschaftlichen Mädchenerziehung, von den wirtschaftlichen und sanitären Verhältnissen des Landes, sowie von •den Einwanderung*• aussichten. Nach der Pause las sie aus dem Märzheft des ״Juden“, einiges aus Hadassa bath Mordeebajs ״In Safeth“ vor, und sammelte Beiträge und einmalige Spenden für den Frauenverband. Es ist durchaus zu wünschen, daß recht viele Zionisten und Ziomstinnen ihren Aufenthalt in den Badeorten gleichfalls zu dieser verhältnismäßig leichten Propaganda ausnützen. Nachrichten Berlin. Die Jüdische Lesehalle und Bibliothek ist vom 10. Juli bis 10. August von Uhr geöffnet Breslau. Der . in der Generalversammlung neugewählte Vorstand besteht ans den Herren: Rechtsanwalt Jacobsohn (1. Vorsitzender), Zahnarzt Schachtel (2. Vorsitzender). Dr. Rosenbaum, Isaak PI eine r, Max Walk und Fräulein Lude Kober. München. Dem vor einigen Wochen neu gegründeten jüdischen Jugendverein Hatchija gehören etwa 60 Mitglieder an. Ziel des Vereins ist die Erziehung der Mitglieder zu bewußtem Judentum und Vermittlung von jüdischem Wissen. Eine jüdische Bibliothek wurde angeschafft und mehrere Zeitschriften abonniert; außerdem veranstaltet der Verein im Sommersemester wöchentliehe Vorträge, die bisher immer gut besucht waren. Es sprachen n a. Herr Lichtinger über Zionismus und Sozialismus, Jakobowitz: Jugendbewegiuig. M. B roser üfer Tschernikowski, Jakobowitz über Chassidismus. Für das Wintersemester sind Kurse in Hebräisch, Geschichte und Literatur vorgesehen. Vor kurzem sprach Hjerr Kurt Blumenleid aus Berlin über: Der Antisemitismus und seine Ueberwindimg. _Schluß des redaktionellen Teils._ Das allgemeine jüdische Krankenhaus ״Schaare- Zedek“ in Jerusalem, welches in der heutigen Aus- ___ Ereignisse des Krieges seine segensreiche Wirksamkeit fortgesetzt. Durch die stete Inanspruchnahme und Teuerung hatte die Verwaltung große finanzielle Opfer zu bringen; cs sei deshalb das ״Schaare-Zedek‘‘-Hospital dem Wohlwollen unserer Leser besonders empfohlen. Der heutigen Nummer unseres Blattes liegt ein Aufruf des ״HiMsvereins für jüdische Nerven- und Gemütskranke E. V. Ems" bei, den wir der gefl Beaditung unserer Leser empfehlen. Reichs Dankowiia Leon Dllter Varlobte Frankfurt a-M, Thunum• 667t Hmaa•* L»nd»tr 16. Lotte Hecker Leo Engel Berlin iUebaelldrettste. 26 Lotte Kuhn Georg Liebrecht Varlobt* Mi 1919 Kanaladt H.ft Das allgemeine jüdische Krankenhaus ״Schaare Zedek“ zu Jerusalem bittet für die Kranken des heiligen Landes. Organisation rein europäisch. Isolierhäuser für Ansteckende. Aufnahme unterschiedslos für Allo. Tausende Anerkennungsbriefe der Besucher aus allen Lindern der Erde, die dieses Liebeswerk besucht haben. Man fordere die Bedingungen der Betten-, Zimmer-, Jahrzeff-, Gedenktafel-Stiftungen. Geschäftsleitung: Frankfurt a. M., Röderbergweg 63. Postscheck-Konto 7786 Frankfurt a. M. Das Wirken dos Schaare-Zedek-Hospitals ehrt die Juden aller Nationen.

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