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Jüdische Rundschau · 1919-06-17 · Heft 42 (17.6.1919) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 42 (17.6.1919)
Date
1919-06-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion «. Verlag■ W. 15, Sädwische Str, 8. Erscheint jeden Dienstag u.Freitag. Abonn.bei d Exp. a.d. Postämtern *iertelj. M.6. ~ in Deutschland, in Oesterreich Kr. 12, i. Ausland M 10,— Nummer 42 I Berlin, 17. VI. 1919 An geigen-Verwaltung: Welt-Verlag, Berlin NW. 7, Dorotheenstraße 35. Telephon: Amt Zentrum 4814 11,4815. Anzeigenpreis für die sechsgespaltene Nonpareillezeile 75 Pf., Teuerungszuschlag 20%. Telephon: Amt Uhland 845 u. 486. Postscheckkonto: Berlin Nr, 17392. Für Oesterreich: Postsparkassenamt Sckeckkonto Nr. 156030. Redaktionsschlufi Sonntag u. Mittwoch nachm. 19. Stlwan 5679 | XXIV. JahrgT" Der Zienienane erstrebt für daa jistlsabe Velk die Sehaffug einer iffeetllcb-recbtllcb gesicherten Helniatfttte ln Paliatina. ״Baseler Programm" Zionistensteuer An die Zionistischen Ortsgruppen und Vertrauensmänner. Der Aufbau der jüdischen Zukunft in Palästina hat begonnen. Die ersten Grundlagen des neuen Palästina werden gelegt. Djb Aktions-Komitee fordert für das laufende Jahr 1919 die Aufbringung von 400000 englischen Plund. Der größte Teil dieser Summe wird für Palästina selbst gebraucht wie sich aus folgender Etatsaufstellung ergibt: 100000 £ für das Schul- und Erziehungswesen in Palästina, 84000 £ für das öffentliche Gesundheitswesen in Palästina, 48000 £ für die Aufrechterhaltung der Polizei in den jüdischen Stadtvierteln und Dörfern, für Unterstützung der Soldatenfamilien, für Darlehen und Sabventionen an öffentliche Einrichtungen, 38000 £ für die zionistische Palästinakommission in Jerusalem und Jaffa, 23000 £ für Expertisen und Untersuchungen über Irrigationen, Regelung der Wasserkräfte, Kultivierung von Oedländereien, Immigrationseinrichtungen, für ein allgemeines Kolonisationsschema usw., 50000 £ für Unvorhergesehenes. Die restlichen 50000 £ sind für den Organisationsapparat in der Diaspora, sowie für die Errichtung einer Emwanderungszentrale und von Einwanderangs- Ämtern bestimmt. 1 Von der Zionistischen Vereinigung für Deutschland wird von dieser Summe der Betrag von 350 000 Mk. gefordert. Zu dieser Summe treten weitere 250000 Mk. hinzu, die die Zionistische Vereinigung für Deutschland für ihre eigenen Arbeiten gebraucht. Wir haben daher jährlich insgesamt 600000 Mk. aufzubringen. Das Zentralkomitee der Zionistischen Vereinigung für Deutschland war sich bewußt, daß Beträge wie diese nur aufgebracht werden können bei einer grundsätzlichen Änderung unserer bisherigen Finanzordnung. Demgemäß hat das Zentralkomitee beschlossen, zur Aufbringung dieser Mittel den Weg der Besteuerung aller Zionisten in Deutschland einzuschlagen, indem zugleich alle bisher betriebenen Einzelsammlungen — mit selbstverständlicher Ausnahme des Jüdischen Nationalfonds — aufhören sollen. Laut Beschluß des Zentralkomitee vom 25. Mai 1919 und im Einverständnis mit dem Palästina-Delegiertentag sahreiben wir demgemäß hierdurch eine ::■:ז 5׳, ==ss Zionistensteuer ...־־■־ .— aus, zu deren Aufbringung jeder deutsche Zionist nach Maßgabe seiner Leistungsfähigkeit und seiner OpferwiUigkeit verpflichtet ist. Die Steuer wird erhoben in 5 Stufen, zu M. 60,—, M 120,—, M. 250,—, M. 500,—, M. 1000,— und mehr. In Zukunft also ist jeder deutsche Äonist verpflichtet zur Einbringung einer Zionistensteuer in Höhe von mindestens M. 60,— jährlich, wobei vorausgesetzt wird, daß jeder, der einigermaßen dazu imstande ist, einen den höheren Stufen entsprechenden größeren Beitrag zahlt. Die Steuer soll in der Regel vierteljährlich erhoben werden. Für Jugendliche ist eine Sondersteuerstufe von 30 Mjährlich vorgesehen. Alle anderen Sammlungen — Mischmar, Zentralfonds, Schulwerk, Propagandafond, Kriegsbeitrag — fallen dann fort. Bestehen bleibt neben der Zionistensteuer lediglich der Landesbeitrag und der Beitrag für die Ortsgruppe, die bekanntlich zusammen von den Ortsgruppen eingezogen werden. An alle Ortsgruppen und Vertrauensmänner eigeht hiermit die Aufforderung, sich mit ganzer Kraft der Einziehung der Zionistensteuer zu widmen und damit sofort zu beginnen. Ab das erste fällige Vierteljahr gilt das 3. Quartal 1919. , . . Zionistische Vereinigung für Deutschland ־ ' ■י"'"׳־'■•׳"'■■‘׳....״ *׳ ״*״ 'י' י־ ־'" י־,'״"־ Der Geschiftsführende Ausschuß ' ־: ' " " Hantke Die Steuer Mit der!Ausschreibung der Zionistensteuer beschreitet die Zionistische Vereinigung für Deutschland entschlossen den Weg, der geradeaus zur (Aufrichtung des jüdischen Gemeinwesens in Palästina führt. Nicht mehr auf Beiträgen und Spenden soll der Aufbau Palästinas und die Erhaltung der Zionistischen Organisation beruhen. Indem wir die Zionistensteuer schaffen, proklamieren wir die Pflicht des einzelnen, sich an den Erfordernissen der Gemeinschaft zu beteiligen, zu der er gehört, der er verschuldet ist, und die ihm in dem Schutz, den sie ihm gewährt und in den allgemeinen Kulturgütern, die sie ihm bietet, ihre Gegenleistung gewährt. Daß wir heute dieses Wechselverhältnis festste]leh und daraus die materiellen Konsequenzen ziehen können, beweist mehr als anderes den ungeheuren Fortschritt, den die zionistische Bewegung, den die Politik des jüdischen Volkes in der letzten Zeit gemacht hat. Daß der Zionist seiner Organisation Opfer bringen müsse, war uns immer selbstverständlich, und ■wir haben uns niemals besonnen, hohe und höchste Beiträge zu verlangen. Die Mitgliedschaft der Zionistischen Organisation ist schon seit langem eine kostspielige Sache geworden, und wir waren immer weit entfernt von der kleinen, ärmlichen Angst ׳jener großen Vereine, die sich so gerne als Zentralen des Judentums bezeichnen und die von der Erhöhung ihrer Mitgliedsbeiträge von 2 auf 3 oder gar 4 M. jährlich eine Massenflucht aus dem Vereine befürchten. Der Zionismus war niemals ein Verein; indem man sich zum Zionismus bekannte, stellte man sich unter das Gesetz der Gemeinschaft, •die Opfer, die Entäußerung verlangte. Immerhin konnte bisher das Verhältnis des Mitgliedes zur Organisation, des einzelnen zur Gemeinschaft beim Zionismus, bei der nationalbewußten jüdischen Volksgemeinschaft als im letzten Sinne doch etwas einseitiges aufgefaßt werden, bei dem de* Leistung des einzelnen die Gegenleistung der Gesamtheit noch nicht ersichtlich gegenüberstand Wir arbeiteten, wir spendeten, wir opferten für die Zionistische Organisation, für Palästina. In uns war tief verankert das Bewußtsein» daß ׳wir dadurch reicher wurden oder werden würden. Wir fühlten uns sicherer, wir sahen eine Zukunft vor uns, wir dunkten uns stark im Bewußtsein des Verbundenseins mit der Gesamtheit. Aber wenn wir nicht selbst schon in Palästina sein konnten, ׳war das immerhin nur eine Sache des Glaubens an uns, an Palästina, an die Zukunft des jüdischen Volkes, es war noch nichts, was schon äußerlich in die Erscheinung trat. Diese Zeit ist vorbei. Die Zeit der Ernte ist schon gekommen. Schon genießen jvir die Früchte dessen, was wir in unserer Arbeit für Palästina, in unseren Leistungen für den Zionismus gesät haben. Wir genießen schon heute den Schutz der jüdischen Volksgemeinschaft, und sie gibt uns schon •heute genug Kulturgüter, um uns gegenüber auch die Ansprüche erheben zu können, die ein organisiertes Volk an seine Angehörigen stellt Man spricht und schreibt in diesen Tagen soviel von dem, was dem jüdischen Volke von der Friedenskonferenz gewährt werden wird. Noch steht nicht fest, welche konkreten Formen die Zusage der Mächte an das jüdische Volk annehmen. Aber schon heute ist mit dieser Zusage die Lage des jüdischen Volkes eine andere geworden. Schon heute steht es selbstsicherer, geschützter da als je zuvor. Dies sagen wir in derselben Zeit, in der die Pogrome über den Großteil des jüdischen. Volkes wie ein blutiges Gewitter dahinrollen. Erwägen wir einen Augenblick, was geschehen wäre, wenn wir nicht die Zusagen erlangt hätten, die uns als vöüc anerkennen und uns die Möglichkeit verbürgen, als Volk in einem Lande leben zu dürfen, das dem Schutz des Völkerbundes unterstellt sein wird. So wenig wie wir an dem Kriege etwas ändern konnten, mit dem wir keinen inneren Zusammerehang gehabt haben, so wenig konnten wir gegen die blutige Wut jener halbvertierten Völker aus eigenen Kräften etwas ausrichten, die der Ausgang des Krieges gereizt hat, sich in ihrer unverhüllten Barbarei m zeigen. Es ist nicht auszudenken, was uns noch bevorstände, wenn wir nicht bereits von der־ Welt als nationale Einheit, als ein Volk anerkannt worden wären, das zu erhalten und m schützen Aufgabe der neuen Weltgestaltung ist. Die zionistischen Vertreter bei der Friedenskonferenz haben den Protest des jüdischen Vollkes erhoben gegen das! Gemetzel, dem es ausgeliefert’ schien, konnten ihn dadurch, daß sie zur Friedenskonferenz zugelassen sind, aber bei der Stelle erheben, die heute allein Wirkung ausüben kann. Die Delegierten der Jüdischen Nationalräte sind es, die es durchgesetzt haben, daß in die Friede ns Verträge mit den neuen Oststaaten, mit den überlieferten Heimstätten des Judenhasses und der Judenverfolgung, die Forderung des Schutzes der nationalen jüdischen Minderheit und ihrer Garantie durch den Völkerbund aufgenommen worden ist. Zionistische Berichterstatter konnten nach Polen reisen und können in den Spalten der großen englischen Zeitungen jene wuchtigen Anklagen erheben, die immer erneute Anfragen im englischen Parlament verursachen, — die zionistische Politik ist es, die es fertig gebracht hat, daß in dieser Zeit, wo die gegenseitige Vernichtung der Völker zu einer Angelegenheit der Lokalchronik hinabgesunken zu sein scheint, die Ver- Fügung, die das jüdische Volk erleidet, zu einer Fragt der Weltpolitik geworden ist. Wenn eine Möglichkeit besteht, das jüdische Volk vor seinen wahnwitzigen Verfolgern zu retten, dann liegt sie in der Stellung und der Achtung, die das jüdische Volk dank der zionistischen Politik sich errangen hat. So schwer das Leid des Tages auf uns lastet, niemals noch haben wir uns so sicher gefühlt. Wir wissen heute, daß wir jetzt nichts anderes als das letzte Stadium der Verfolgung durchlaufen, die dem jüdischen Volk zu seiner geschichtlichen Bestimmung geworden zu sein schien, und deren Ende wir heute endlich vor uns sehen in der Anerkennung des jüdischen Volkes durch die Welt und ihrer Verankerung im jüdischen Lande Palästina. Schon ist die Gegenleistung da und wächst mit jedem Tage. Palästina ist kein leerer Begriff mehr, kein Phantom, für das man sammelt und spendet. Es ist eine reale -Tatsache geworden und wächst sich jeden Tag mehr zu einer wahrhaften Heimstätte aus. Wir betrachten den Etat des Zionistischen Actions-Komitees, für den wir steuern sollen, und wir finden, daß wir uns damit anschicken, auf die Verwaltung Palästinas Einfluß zu gewinnen. Das jüdische Schttlwerk Palästinas wird von uns unterhalten, die Assanierung des Landes liegt auf unseren Schultern, wir steuern für die öffentliche Ordnung, t‘ t. :1

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