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Jüdische Rundschau · 1919-06-06 · Heft 40 (6.6.1919) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 40 (6.6.1919)
Date
1919-06-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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n, 1111 edaktion u. Verlag W. 15, Sächsische Str. 8. Erscheint jeden icnstag• u. Freitag, Abonn.bei d.Exp. o. d. Postämtern yiertelj, ,6,— in Deutschland, in Oesterreich Kr.12,!,Ausland M.10,— Welt *Verla An geigen-Verwalt nag: g G. m. b, H., Berlin NW. 7, Dorotheenstrafie 35. Telephon: Amt Zentrum 4814 u. 4815, Telephon: Amt Uhland 845 u. 486. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17 392. Für Oesterreich: Postsparkassenamt Sdbeekkonto Nr. 156030. Redaktionsschluß Sonntag u. Mittwoch nachm. Nummer 40 Berlin, 6. VI. 1919 Die nächste Nummer der ״Jßdisdien Rundschau“ scheint der PHngstfeiertage wegen erst am Freitag tn 13. d. Mts. in verstärktem Umfange. HL & H 1t 1a enrk rt 7 1s Die Palästina-Tagung Die vier Tage, in denen der deutsche Zionis- 1113 unter Ausschaltung aller Gegenwartsfragen er Diaspora sich nur mit dem Aufbau Palästinas eschäftigte, bilden einen Markstein in der Gelichte zionistischer Palästinaarbeit überhaupt. Es ird ein Ruhmestitel der deutschen Zionisten bleiten, daß sie eine Tagung, die in so umfassender ind gründlicher Weise alle Probleme des jüdischen »alästina erörterte, in einem Augenblick einberief, la noch wichtige politische Entscheidungen über »alästina ausstehen und da der Beginn der Aufbaurbeit keineswegs feststeht. Trotz der Erkenntnis, aß die behandelten Fragen •im Augenblick nicht kut sind und daß die endgültige Entscheidung;anz anderen Instanzen zufallen Wird, als dem )elegiertentag der deutschen Zionisten, ist die Tagung in einer ernsten 1und sachlichen Stimmung erlaufen, die nur aus dem unerschütterlichen Villen, Palästinaarbeit zu leisten, erklärt werden ann. Im Mittelpunkt der Verhandlungen stand das teferat von Davis Trietsch und die anschlie- Sende Debatte, die «die Gesamtheit der wirtichaftlichen Aufbaufragen behandelte und die die beiden Gruppen klar erkennen ließ, die mit zwei wenig zutreffenden Scliiagworten als ״Maximalsten“ und ״Minimalisten“ bezeichnet werden. Daß diese Bezeichnungen falsch sind, ist aus dem Verlauf der Aussprache überaus klar geivorden, denn nichts wäre falscher, als anzunehmen, daß Dr. Ruppin, Dr. Auerbach und seine Freunde nicht ein Maximum an, Einwanderern haben!ächten, ,daß nicht afecl!--Ä' einsehen, in möglichst kurzer Zeit eine jüdische Mehrheit im Lande zu schaffen. Der Unterschied egt vielleicht in den Zahlen von Einwanderern, Tfcie von der einen und anderen Seite als vorauslichtlich möglich genannt werden, vielleicht noch nehr in der Frage, ob die Auswanderung eine geregelte sein sojll oder nicht. Wie sehr die beiderseitigen Meinungen sich genähert haben, ging aus dem am Schluß von Trietsch einerseits, von Dr. Auerbach andererseits vorgelegten Resolutionen hervor, die inhaltlich völlig übereinstimmten und die Forderung stellten, daß die Leitung alle Vorbereitungen treffen möge, um eine möglichst große Einwanderung aufzunehmen. In dieser praktischen Forderung liegt die Ueberwindung von Maximalistnus und Minimalismus. Es ist unsere selbstverstündliche Pflicht, einer möglichst großen Zahl von Juden Unterkunft umd Lebensmöglichkeit in Palästina zu schaffen und es ist auf der anderen Seite unsere Pflicht, darauf hinzuweisen, daß überstürzte und planlose Auswanderung nach Palästina für das Land und die Einwanderer eine Katastrophe bedeuten kann. Es war sehr bemerkenswert, daß auch Trietsch am׳ Schluß der Debatte betonte, man dürfe keineswegs zur Einwanderung auffordern, sondern müsse nur die notwendigen Vorbereitungen treffen, diejenigen, die ins Land kommen, auch aufnehmen zu können. Einen ebenso breiten Raum der Verhandlungen nahm die Debatte über den sozialen Aufbau Palästinas ein und die Delegierten und Gäste folgten diesem Teil der Tagung mit besonderem Interesse und besonderer Leidenschaft. Auch hier *st das Ergebnis im Grunde ein überaus erfreuliches. Wohl wurden die Anträge der sozialistischen Arbeitsgemeinschaft durch die angenommenen Abänderungsvorschlage Blumenfelds wesentlich abgeschwächt, so daß der ,Sprecher der sozialistischen Gruppe seinem Bedauern über diese Abänderungen Ausdruck gab. Aber auch das, was übrig geblieben ist, bedeutet einen Schritt zum Aufbau eines sozialgerechten Palästina. Den Beschlüssen der amerikanisdien und galizischen Gesinnungsgenossen, reihen sich würdig die der deutschen Zionisten an, und es ist ein gutes Zeichen für den Geist unserer Gemeinschaft, daß der abgeänderte Antrag fast einstimmig zur Annahme gelangte. Auch die De¬ Anzeigenpreis für die sechsjespaltene Nonpareißezeile 75 Pf., Teuerungszusdilag■ 20%. 8. Satwan 5679 IXXnLJahrgT ״Ser Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffenilteh-reehilidi gesicherten HeiouiSUe fn Palüsüna." Baseler Programm. batte zeigte, daß der Streit viel mehr um das Wor t Sozialismus ging, als um den Inhalt der im Augenblick zu erhebenden praktischen Forderungen. Wenn die gesamte zionistische Organisation beim Aufbau des Landes in den Richtlinien arbeiten wird, die durch die Resolution des Palästina-Delegiertentages gewiesen wird, dann dürfte die Hoffmmg in Erfüllung gehen, daß unserem Lande die Härten des Klassenkampfes erspart bleiben werden, weil von vornherein im Geiste jüdischer Tradition alles getan wird, um einen gerechten Aufbau des Landes herbeizuführen. Die Referate, die über die Frage der Hygiene und des Bauwesens erstattet wurden, dürften ebenso wie das die Finanzfrage behandelnde Referat außerordentlich schätzenswertes Material für die zentralen Instanzen der Bewegung enthalten. Auch Frau Gronemann gab, ergänzt durch die Diskussionsrednerinnen, wesentliche Anregungen auf dem Gebiete der Frauenarbeit in Palästina. Daß die kulturellen Fragen etwas zu kurz kamen, war gewiß bedauerlich, erklärte sich aber unschwer aus der Tatsache, daß das Schwergewicht der Interessen im Augenblick auf dem wirtschaftliehen und sozialen Aufbau ruht. Die Tagung hat in einem positiven Ergebnis geendet. Durch die Einrichtung des Palästina- Amtes in Berlin wird die Arbeit der deutschen Zionisten am Aufbau des Landes feste Gestalt gewinnen. Schon jetzt ist eine Fülle der Vorbereitungsarbeit zu treffen und der Aufgabenbereich des neugeschaffenen Amtes wird wachsen, wenn der Beginn der praktischen Arbeit gekommen sein wird. F. L. Fortschritte der ostjfidischen Frage auf der Friedenskonferenz Wie das Kopenhagener Zionistische Büro meldet, telegraphiert der Korrespondent des Reuterbüros aus Paris: Der Viererrat ernannte ein kleines Komitee, bestehend aus Berthelot (Frankreich), Headlam Morsley (Großbritannien), Mil ln er (Amerika), Martino (Italien) zur Ausarbeitung von Verträgen für den Schutz von Minoritäten sowohl nach Rasse als nach Religion in den neuen Staaten* welche als Ergebnis des Krieges geschaffen wurden, sowie solchen alten Staaten, wie z. B. Rumänien, die viel größere Territorien erworben haben. Der erste dieser Verträge, der bereits fertiggestellt und der polnischen Regierung eingesandt ist, enthält allgemeine Bestimmungen, wonach die polnische Staatsangehörigkeit allen regulär in Polen wohnenden Personen gegeben wird. Verschiedene Bestimmungen sind im Vertrage enthalten, die die Anwendung jeder speziellen Unterscheidung nach Rasse oder Religion verhindern. Auch der Lage der׳ Juden in Polen hat der Viererrat besondere Aufmerksamkeit gewidmet und für diesen Zweck bestimmte Paragraphen eingesetzt. Die Uebung ihrer eigenen Gesetze und eigenen Religionsgebräuche, ferner das eigene Erziehu ngs wesen wird garantiert. Die Abhaltung von Wahlen am Sonnabend sind verboten und der Völkerbund wird die Ausführung der Vertragsbe- Stimmungen garantieröt. Aehnliche Verträge bezüglich ,Tschechostowakien, Jugoslawien w»i Rumänien sind in Vorbereitung. Der ״Times“- Korrespondent meldet aus Paris, daß besondere Verträge zwischen Alliierten und Polen vorgesehen seien, wonach alle ״bona fide Einwohner“ des polnischen Staates die polnischen Bürgerrechte bekommen sollen. Der Schutz an Leben und Freiheit soll ohne Unterscheidung von Geburt, Rasse und Nation, Sprache oder Religion garantiert werden. Der Vertrag bestimmt ferner, daß kein Unterschied bezüglich öffentlicher Beschäftigung, der Ausübung vorn Aemtern, Verteilung von Ehrenämtern und der Freiheit in Berufen Und Gewerben gemacht werden darf. Den jüdischen Schulen und der jüdischen Sprache wird voller Schutz garantiert. Das Einverständnis des Rates des Völkerbundes ist für jede Aenderung dieses Vertrages notwendig. Die vorstehenden Meldungen sind ein erfreuliches Symptom dafür, daß die Friedenskonferenz sich der Einsicht nicht mehr zu verschließen scheint, wie absolut notwendig eine befriedigende Lösung der Ostjudenfrage nicht nur im Interesse des jüdischen .Volkes, sondern auch im Interesse des Weltfriedens und der Ruhe der neugegründeten Staaten Osteuropas ist. Die Pogrome Der Protest der amerikanischen Juden Massenmeeting in New Yorlr. — Scharfe Protestresolution. — Empfang Louis Marshalls durch Präsident Wilson. Das Kopenhagener Zionistische Büro berichtet: Die gewaltigste Demonstration in der Geschichte der amerikanischen Judenheit waren die riesigen Veranstaltungeii, die am 21. Mai in New York als Protest gegen die Pogrome in Polen und. Galizien stattgefunden haben. Dreihunderttausend jüdische Arbeiter verließen an diesem Tage zum schweigenden Protest bereits mittags ihre Werkstätten. Sämtliche jüdischen Läden und Theater wurden in den ersten Nachmittagsstunden geschlossen. Jüdische Soldaten und Veteranen der früheren Kriege Amerikas zogen in feierlichem Aufzug mit Trauerbinden an den Armen durch die Straßen. Eine ungeheure Massenversammlung von Delegierten aller jüdischen Organisationen in Madison Square Garden beschloß die Demonstrationen dieses Tages. ״New York World“ und ״Herald“ schätzen die Zahl der Menschen, die zu dieser Versammlung Einlaß suchten, auf zweihunderttausend, ln der gewaltigen Halle hörten 15 000 Delegierte der Organisationen che Reden von dem Vorsitzenden des amer/kanisch-jüdischcn Kongresses, Nathan Straus, dem früheren amerikanischen Botschafter in der Türkei Abraham Elkus, dem republikanischen Kandidaten bei den letzten Präsidentenwahlen Charles Hugli es, ferner von Rabbi Stephen Wise, Jacob Schiff, dem Bürgermeister von New York, Hyian, und anderen. Die Redner drückten ihren, tiefsten Kummet• über die Ausschreitungen־ gegen die jitMsehe BevöStt- .iaag*...i» I%feo aukI jQiifcjsfc• mum-umd[ fe!Äri1ä«|:dal'>Ä18»ß•: rflea seine Hand erhebe, an diesen• Masalcres »fort eia Ende zu machen. Char!« Hughes erklärte: Die« Ausschreitungen sind ein Verrat an der Sache, für die wir gekämpft haben, ein Verrat an dem Siege, den wir errungen haben. Es ist gut, daß ein gewaltiger Protest von dem unterdrückten V«olc ausgeht, aber ein solcher Protest sollte audv von allen Völkern und von jeder Rasse im Namen der Menschlichkeit erhoben werden. Bürgermeister Hyian protestierte im Namen aller Christen gegen diese Abschlachtungen. Jacob Schi ft sagte: Idi appelliere an die amerikanische Regierung, daß sie sofort handelt und verlange, daß Polen nicht frei wird und nicht in die Liga der Nationen eintritt, bevor es wirksame Garantiendafürgibt, daßesinZukunftJuden und Nichtjuden in gleicher Weise Schutz gewährenwird. Der Schwiegersohn des Präsidenten Wilson, ferner Senator Calder, Gouverneur Smith und viele andere hervorragende Amerikaner drückten in Pfotesttelegrammen an die Versammlung ihren Unwillen über die Judenpogrome aus. Die Versammlung nahm eine Resolution an, die wie folgt endet: ״Diese Massenversammlung von 15000 Delegierten, die eine Million fünfhunderttausend Juden von New York vertritt, drückt ihren tiefsten Unwillen über die vorher erwähnten unsagbaren Grausamkeiten aus und ersucht die amerikanische Regierung, allen ihren Einfluß aufzubieten, um dieselben zu einem sofortigen Ende zu bringen, ihre Wiederkehr in Zukunft zu verhindern und Schritte zu tun, damit diejenigen, die für die Fortdauer dieser Grausamkeit verantwortlich sind, ihrer gerechten Strafe zugeführt werden.“ Ferner wurde beschlossen, den Präsidenten Wilson und die Friedenskonfer e nz aufzufordern, Schritte. zu tun, die der jüdischen Bevölkerung von Polen, Rumänien und anderen osteuropäistihen Ländern unbedingt wirksame Garantien bieten für ihre volle, bürgerliche, religiöse und politische Gleichberechtigung und für die Gewährung solcher Minoritätsrechte, wie sie von den übrigen nationalen Gruppen der betreffenden Länder genossen weiden. Ferner wurde beschlossen, eine Abschrift dieser Resolution durch das Staatsdepartement an den Präsidenten Wilson und die amerikanischen Friedensdelegierten, ferner durch den Präsidenten des Senats und den Sprecher im Abgeordnetenhaus an den Kongreß der Vereinigten Staaten zu übermitteln. AUe großen amerikanischen Tageszeitungen, wie Globe Evening Post, World, Times, Sun, Herald usw. veröffentlichen Leitartikel und ausführliche Berichte und schließen sich mit warmer Sympathie diesen Protesten an. ״Evening Post“ schreibt: ״Es ist klar, daß die Judenverfolgungen dem neuen polnischen Staat nur Schaden bringen können, denn sie rufen die Gefühle alter rechtlich denkenden Menschen in der Welt gegen RoLen auf. Globe“ schreibt im Leitartikel: ״Es sollte die erste Pflicht des Völkerbundes und bis zu seiner Schafhing die erste Pflicht des Viererrates sein, Ereignisse, wie sie jetzt in Polen vorgekomnien sind, zu verliindem. Die gestrige wirkungsvolle Demonstration in

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