Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIV (1919)
- Issue
- Heft 38 (27.5.1919)
- Date
- 1919-05-27
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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8 Nr. 38 ]UEDlSGHE RUNDSCHAU Seite 2Q0 jflo (dir ung igei! der des 8״» Auf :•UM Oien nun den lucf! den träg Cui fuhe?neu E&- sehr Zu rung öllig zog. leilv servi da So streben wir heute an der Sdnveile der nouen Zeit bettelarm, obdachlos, ohne Kapital und Produktionsmittel, nur daß mit dem Fortschreiten dieser neuen Zeit neue Opfer und neue Schaden infolge der chronisch c word eilen Pogrome hmzukommen. (In Lemberg :•.'trägt der materielle Pogromschnden nach den biserigen unzulänglichen Heredinungen über 103 Mil-;onien Kronen. Diesem unerträglichen Zustand muß ein Ende macht werden. Ein Volk von fast 1 Million Seelen arf nicht zu Parias degradiert werden, und es darf m nicht Jede Erwerbs- und Arbeitsmöglichkeit genomicn werden. ' Es handelt sich übrigens nicht nur um alizischie Juden, sondern auch um unsere Brüder in er Bukowina, in Polen lind fast im ganzen Osten Hin Friiedensvertrag, der nicht irgend eine Lösung dieser rage enthalten würde, wäre ungenügend, ungerecht, unmenschlich. Das Judentum des Ostens ist am Kriege unschuldig id wurde von Regierungen in den Krieg hincingepeitscht, de am wenigsten die jüdische Meinung einzuholen pflegten. Der österreichisch-ungarische Staat liegt nun m Boden, und der einzige verantwortliche Faktor, an!1 sieh das Judentum mit Seinen Forderungen wenden Kann, ist das internationale Forum. Dieses Forum, ‘er Friedenskongreß, darf sich seinen moralischen flichten nicht entziehen. Es muß aus dem internatioalen Wiederaufbaufonds der jüdischen Volksvertretung die ganze notwendige Entschädigungsquote überwiesen;,׳erden; denn nur ein jüdisches Wirtschaftsamt, aus-!ges, itten iege 1 zu von Als die» inte nach hge- 1Kfn. men eute icht dha Uzen und!ben tau de iben rcig rdra *tig ttau Qali eg« rieh und das :acht Ver Veraden swil chea 1 is* der Vahr uide! t die Inah IZenn sert ihre» :ha t gestattet mit allen nötigen Mitteln, ist imstande, den üdischen Wiederaufbau in die Hand zu nehmen und die iidisdnen Siedlungs- und Wirtschaftseinheiten nicht nur uf-, sondern umzubauen. Mach unseren bisherigen Erfahrungen verwahren ir uns dagegen, daß‘ man uns im Zusammenhang mit der allgemeinen Entschädigungsfrage des Landes abfertigt. Wir haben kein Vertrauen "mehr zu einer derrtigen Erledigung. Nur ein jüdisches Amt im Rahmen der nationalen Selbstverwaltung wird imstande sein, die nötige berufliche und soziale Wiedergeburt und Um- Schichtung reibungslos durchzuführen, zum Segen des Volkes, des Landes und der Menschheit. Die Juden verlangen die Wiedergutmachung ihrer urch die Kriegsereignisse erlittenen Schäden, wobei ur die Pogromschäden die einzelnen Pogromländer mter internationaler Kontrolle und Bürgschaft aufzu- :ommen hätten. Si i de Mil Dod sein '»1; ־ gtea dies* 1 dit st irde« idtet nk<* Gegen die Pogrome Englische Unterhausdebatte über die Pogrome Wie das ״Kopenhagener Zionistische Büro“ mitteilt,;itervenierten am 19. und 20. Mai 1919 im Englischen interhaus James K i 1 e y, der Abgeordnete von W h i te - hapcl, Colonel Wedgwood und der Abgeordnete ir Kilmarnock, Shaw, wegen der Pogrome״ in Vien und Galizien, insbesondere wegen der Mordtaten Pinsk, L i d a und Wilna. Die Abgeordneten tagten, ob die englische Regierung bereit sei, eherisehe Vorstellungen bei der polnischen Regierung zu rheben und darauf hinzuweisen, daß die Pogrome auflören müßten oder daß jede britische Hilfe für Polen ln Ende haben werde. Wedgwood beantragte, anläßlich er Vorfälle in Pinsk der polnischen Regierung mitzu- :ihm, daß England mit äußerstem Bedauern die gegenartige Aktion der Polen der Aufreizung zu Judenmorden!:trachte. Der Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt Ce eil ia ms worth ergriff wiederholt im Laufe der Debatte äs Wort. Er teilte mit, daß der Vertreter der nglischen Regierung in Warschau In- *ruktionen erhalten habe, nach denen er drinende Vorstellungen bei der polnischen! e g i e r u n g e r 11 e b e n s o 11 e, falls sich die betreffenen Nachrichten als wahr erwiesen. Bezüglich Pinsk litten die polnischen Behörden mitgeteilt, daß die erchosseneu Juden in ein Komplott verwickelt waren, as bezweckte, sich der polnischen Vorposten an er polnischen Ostfront zu bemächtigen und sie zu Jen. Was die Pogrome in Wilna anbetrifft, so habe;r englische Vertreter in Warschau berichtet, daß er ariiber noch keine Informationen habe. Die polnischen Angaben über Pinsk sind deshalb T essant, weil sie zeigen, daß die Polen schon wieder mlere Version erfunden haben, um die Ermordung L « unschuldigen Juden zu rechtfertigen. Nachdem die. ,chricht von einer bolschewistischen Verschwörung iffeubar nicht länger halten läßt, behauptet man nk daß die Juden an einem Komplott zur Tötung der sehen Vorposten beteiligt gewesen seien. Diese ersion ist ebensowenig glaubwürdig, wie die frühere, ,obei der Hinweis genügen mag, daß die Getöteten Mitglieder der Zionistischen Organisation waren, die 1m Zwecke der Lebensmittelverteilung zusammengemimen waren. Daß diese von jüdischer Seite vom ersten age an gegebene Darstellung richtig gewesen ist, hat r Bericht der jüdischen Teilnehmer der parlamentariheu Untersuchungskommission Grünbaum und P r i - tzki klar bewiesen. Im übrigen ist für die polnische otsclnveigetaktik charakteristisch, daß es ihnen gengen ist, die furchtbaren Vorkommnisse in Wilna vor dem englischen Vertreter in Warschau völlig geheim zu halten. Wir sind überzeugt, daß die Wahrheit auf die Dauer nicht verborgen bleiben kann und hoffen, daß die Instruktionen, die der englische Vertreter in Warschau von seiner Regierung erhalten hat, ihn voranlassen werden, mit aller Energie auf die polnischen Behörden einzuwirken. * Ergebnislose Besprechung S o k o 1 o w s. Im Aufträge der Nationalrätedelegation in Paris hatte S o k o I 0 vv eine U nterre d 11 n g in i t d e 11 p o 1-!lisch en Delegierten. Auf seinen Appell, die Pogrome sofort einzustelien, erwiderte, wie das ״Stockliolmer Jüdische Pressebüro“ meldet, ein Mitglied der polnischen Delegation: ״Sie wünschten Krieg und haben ihn •nun. Sie suchten unsere natioriale Einheit durch Ihre nationalen Forderungen zu stören: jetzt haben Sie das Resultat. Wir werden unser Mögliebstes tun, um Unruhen vorzubeugen, aber unglöcklicherweise ist das;flicht leicht. Die Ausschreitungen sind das u n v e r m e i d 1 i c h c Resultat Ihrer antipolnischen P o 1 i t i k.“ D i e s e F t k 1 1 rung überzeugte die jüdische D e I e g a - t i •o n von der Hoffnungslosigkeit aller Verhandlunge n. Die vorstehende Meldung zeigt klar, daß die Polen noch in keiner Weise zur Einsicht gekommen und daß die primitivsten Anschauungen über das Miteinanderleben zweier Völker, die einem Staate angeboren, ihnen verloren gegangen sind. Wenn sie es wagen, den Kampf der Juden um Anerkennung als Nation in einem Atem zu nennen mit den Mordtaten und Plütiderungen, die sie als berechtigten Krieg gegen das jüdische Volk empfinden, so wird in der Tat jede weitere Debatte unmöglich und es gibt für das bedrängte jüdische Volk nur die Hoffnung auf Einschreiten der Entente, das nicht schnell genug erfolgen kann. * Anläßlich der Pogrome berief der Schrift s t c I 1 e r v e׳ r e i 11 Perez in New York eine Kon ferenz ein, bei der 150 Delegierte verschiedener Organisationen anwesend waren. Es wurde beschlossen, die jüdische Delegation in Paris anzufragen, welche Schritte sie getan habe, um die Aufmerksamkeit der Friedenskonferenz, insbesondere Wilsons und der anderen amerikanischen Delegierten, auf die Pogrome zu lenken. Es wurde ferner beschlossen, ein Preßbüro zu gründen, das die allgemeine Presse informieren soll und ein Riesen protestmeeting in New York abzuhalten. Als Exekutive des Verbandes wurde ein aus den Herren Schriftsteller Scliomer als Vorsitzenden, Halperin als steüvertretenden Vorsitzenden und Dr. Moskovitsch als Sekretär bestehendes Komitee eingesetzt. Die Palästina-Woche des Jüdischen Nationalfonds 4> Trotzdem bisher nur von einigen Städten genaue Berichte über das Ergebnis der P a 1 ä s t i n aw o c h e vorliegen, kann •schon jetzt nach oberflächlicher Schätzung gesagt werden, daß das üesamtresultat dieser Veranstaltung recht günstig ist. Mehr als 60 deutsche Städte haben durch Volksversammlungen, Konzerte, Lichtbildervorträge, jüdische Aut-oren-Abende, hebräische Liederabende und besonders durch Haussammlungcn zum Gelingen der Aktion!beigetragen. Schon jetzt können wir die Einnahmen auf ungefähr 150 000 M. schätzen; größer aber noch ist der moralische Erfolg. Es ist gar keine Frage, daß durch die Patästinawoclie weite nichtzionistische Kreise auf den N.-F. aufmerksam gemacht wurden und ihm ihr Interesse zugewendet haben. Wenn wir dies Interesse einigermaßen wachzuhalten verstehen, so werden die Ergebnisse des Jahres 1919 die von unserem Hauptbüro festgesetzte Million gewiß noch überschreiten. Wir bringen in folgendem die bis jetzt vorliegenden genaueren Berichte über die einzelnen Veranstaltungen: Berlin: Die fünf in Berlin vorgesehenen Veranstaltungen waren überfüllt. Die Eröffnungsfeier wurde von etwa 2000 Personen •besucht und fand begeisterte Zu- Stimmung. Den größten Erfolg aber hatte das Konzert, an dem Josef Schwarz, Jascha und Cläre Spiwakowsky und Elisabeth Lesser-Cohn mitwirkten. Auch die Lichtbildervorträge, von Prof. Dr. L ö w e und Dr. Au urbach fanden re/chen Beifall. — Da diese Veranstaltung der« ersten derartigen Versuch in Berlin darstellt, so ist das finanzielle Ergebnis von insgesamt zirka 27 000 M. als recht befriedigend anzusehen. — Audi die Agud&s Misrachi Tifereth-Zion veranstattete arn 28. April einen Vortragsabend. Die Herren Dr. Löb und Lazarus Barth referierten über den N.-F., woran sich eine erfolgreiche Sammlung anschloß. Breslau: Die Palästinawoelie begann hier am 28. 4. mit einem sehr instruktiven Vortrag. Am 3. Mai hielt D. Trietsch einen Lichtbildervortrag, der sehr zahlreich besucht war lind das größte Interesse fand. Auch eine Ausstellung moderner jüdischer Literatur wurde verunstaltet, deren Material teils vom Jüdischen Verlag, teils aus Privatbesitz zur Verfügung gestellt wurde und die einen sehr guten Erfolg hatte, so daß sie Voraussichtlieh in großem Rahmen im Winter wiederholt werden wird Der finanzielle Erfolg, der zurzeit noch nicht zu übersehen ist, wurde durch Halissammlungen und Verkauf von Büchern und Wertzeichen wesentlich gefördert. Emden: Anläßlich der Palästina«oche hielt Dr. Kretschmer einen Vortrag über die jüdische Heim stiitte in Palästina. Ferner trug Fräulein Gossels Gesänge jüdischen Inhalts vor und Frau Eisfelder rezitierte jüdische Gedichte. Der Besuch war sehr zahlreich. Es wurden auch in Massen jüdische Broschüren und N.-F.-Wertzeichen verkauft. Hamburg: Die hier veranstaltete Paläsknawoche hat trotz erheblicher Störung durch den Belagerungszustand einen befriedigenden Verlauf genommen. Eröffnet wurde die Woche am 27. April mit einer Vorlesiuig Max Montors vom Deutschen Schauspielhaus aus Richard Beer-Hofmanns ״Jaakobs Traum“. Sodann sprachen am (). Mai vor einer zahlreichen Zuhörerschaft die Herren Rabbiner Dr. Sonderling und Dr. B1 o e d e. Am 8. Mai sprach Herr Dr. Soskin in einem ebenfalls sehr interessierenden Vortrag über ״Die Landwirtschaft Palästinas“. Ferner fanden in H a iri bürg־, Alton a und W a n d s b e k Haussammlungen zugunsten des N.-F. statt, die einen recht guten Ertrag •brachten. Königsberg: Die Palästinawoche hat liier einen vollen Erfolg gehabt. An ein Konzert des hiesigen Opernsängers Schorr schloß sich ein Vortrag von Dr. Theodor Zlocisti, Berlin, der in wirkungsvoller Weise den altjüdischen Charakter des NationalfonUs betonte, an dessen Ausbau auch die Nichtzionisten regen Anteil nehmen müßten. Ferner referierten die Herren Levinsohn und Daugilaicky auf einem Abend, der durch einen von Herrn Oberkantor Birnbaum einstudierten Psalmgesang eingeleitet wurde. Es folgten dann mehrere Veranstaltungen der Zionistischen Föderation ״Misrachi“, 11. a. zwei Vorträge von Dr. A. Bart 11, Berlin. Eine sehr schöne Veranstaltung war das Kinderfest, dem als würdiger Abschluß ein Konzert der Damen Ernster-Barangay und Lipsky vom hiesigen Stndttheater mit Unterstützung der Herren Prof. Rudolf Cohn und Brtmo Gl ade folgte. Während der ganzen Woche fand eine reichhaltige Ausstellung des Jüdischen Verlages statt. - Auch in der Provinz sind ähnliche Veranstaltungen von gutem Erfolge begleitet gewesen, namentlich in A 11 e 11 s t e i n , wo ein Vortrag des Herrn Ref. SchlofLberg, sowie ein Konzert von Frl. Lipsky und Herrn Bruno G I a d e stattfand. Ferner sind in Insterburg und E y d t k u h n e n e rfolgreiclie Veranstaltungcn zu verzeichnen. Oldenburg: Anläßlich der Palästinawoche hielt am 26. April Herr Redakteur Klötzel aus Berlin einen Vortrag über ״Nationalfonds ,und Palästinawoelie“. der in einer auf Wunsch des Publikums einberufenen zweiten Versammlung fortgesetzt wurde. Die Vorträge veranlallten die Gründung eines zionistischen Jugendvereins. Rogowo (Bez. Bromberg): Der erst vor einigen Wochen gegründete Zweigverein der Ortsgruppe Posen veranstaltete am, 27. April zugunsten der Palästinawoche einen zionistischen Abend mit Vortrag und anschließendem Gesellschaftsabend, der von fast allen Gemeindemitgliedern besucht war. Der Vortrag des Vorsitzenden Herrn W. L ö w e ti t h a I fand allgemeinen Beifall und veranlaßte viele Beitrittserklärungen. Fast sämtliche üemeindemitglieder sind jetzt Mitglieder der Ortsgruppe. Schönlanke: ln der Palästinawoche veranstaltete unsere Ortsgruppe einen geselligen Abend, zu dem die größte Zahl der Mitglieder unserer Gemeinde erschien. Nach einem sehr wirkungsvollen Referat von Frau Reditsamvalt Ascher folgten eine Reihe von Vorträgen; in dem geselligen Teil des Abends wurde unter den Anwesenden die Selbstbesteuerung durchgeführt, die mit den übrigen Einnahmen zusammen den außerordentlich erfreulichen Reinertrag von 2200 Mark ergab. Zwickau: Mittwoch, den 23, April, sprach hier in einer gut besuchten Versammlung Herr Dr. Albert Baer, Berlin, über ״Das Wesen und die Aufgaben des Jüdischen Nationalfonds“. Sein Referat und seine Ausführungen in der Debatte machten einen starken Eindruck und bildeten einen vorzüglichen Auftakt für die Palästinawoche. Von den Besuchern der Versammlung wurden ca, 6000 M. für den Jüdischen Nationalfonds gezeichnet. Vor kurzem erschien: Oep Rulbau des jüdischen Palästina von Richard Lichtheim Entwickelt an Hand des besten vorhandenen Materials das Programm des Aufbaus, wie ihn sich die Mehrzahl der Zionisten denkt. Preis 1 Exp!. 60 Pf, 100 Expl. 59.— M., 500 Expl 215.— M., 1000Expl. 360.— M. Die Maasenpreise ohn« Zuschlag — Porto nach Tarif. Jüdischer Verlag, Berlin ur die Selbstbesteuerung schafft ,den Millionenfonds des Jüdischen Nationalfonds!