Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIV (1919)
- Issue
- Heft 34 (18.5.1919)
- Date
- 1919-05-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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JODBCHE RUNDSCHAU Jaktion u. Verlag W, 15, SfiAai iie Str. 8. Erscheint jeden; nstag.u, Freitag, Abonn.bei d. F־ a. d, Postämtern viertelj. 6, — in Deutschland,« Oesterreich Kr. 12,!.Ausland M.10,— Nummer 34 Berlin. 18. V. 1919 AüKclgen-Verwaltmig; Weh-Verl•» G. m. b. H., Berlin NW. 7, Dorotheenstraße S5. Telephon: Amt Zentrum 4־ u. 4815. Anzeigenpreis für die sechsvesp diene Nonpareillezeile 75 Pf., Teuerungsiuichjag 20%. Telephon: Amt Uhland 845 u. 486. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392. Für Oesterreich: Postsparkassenamt Scfceckkonto Nr. 156030. Redaktionsschluß Sonntag u. Mittwoch nachm. 13. Ijar 5679* | XXIV. Jahrg Umschau Obwohl die Probleme der deutschen Außen und icnpolitik heute in der deutschen Presse den Haupt itz einnehmen, finden sich doch gerade in letzter eit wieder häufiger Stimmen, die im Zusammenhang lit der bevorstehenden endgültigen Lösung des Orientrablems sich mit der zionistischen Frage beschäftigen, unächst sind einige, dem Zionismus wenig günstige ,ufsätze zu erwähnen. Prof. Löffler hat in der O'rmania“ unter dem Titel ״Der Zionismus und die ukunft des Heiligen Landes“ ♦ ine Reihe von Aufsätzen eschrieben, die nach einer Darstellung der Geschichte n-erer Bewegung und ihrer großen Erfolge dann aus er englischen Palästinapolitik zu beweisen sucht, daß ngland mit Rücksicht auf die k stholisdhe Kirche anstelle ines angeblich früher beabsichtigten Judenstaates jetzt ir eine ^internationale Verwa! iing Palästinas eintrete, lesonders interessant ist dann <ier Leitartikel im Abend- (att der ״Frankfurter Zeitung“ vom 26. April, 11 dem uns unser Gg. Dr. Grüneber g-Elberfeld unter er Ueberschrift ״Assimilantenlogik“ folgendes schreibt: ״״Der Leitartikel im Abendblatt der ״F r a n k f u r t e r :eitung" vom 26. April ist dem Zionismus gewidmet, tachdem die ״einzigartige Tatsache, daß ein Volk!ach einer Diaspora von zwei Jahrtausenden seine liätorische Heimat wieder erhalten . soll“, gewürdigt rorden ist, werden die bekannten Einwände der deutdien Juden gegen die nationaljüdische Idee und ijire (onsequenz Palästina erhoben. Daß ein führendes demokratisches Blatt sicfi hierbei 1 diametralen Gegensatz zu den primitivsten demokratidien Grundsätzen und zum demokratischen Verfassung«- ntwurf begibt und, den nationalen Minoritäten das Recht 111׳' die Pflege ihrer Eigenart bestreitend, den konser- ■ativen Staatsgedanken mit s«*:ner Beherrschung der lationalen Minoritäten durch die Mehiheitsnation verntt, daß es den Zionismus dafür verantwortlich macht, laß ״zahlreiche Westjuden, deren ideele Zugehörigkeit ׳um Judentum schon gelockert ist, den Schritt der Treurung tun werden“, daß das Blatt von einem Fünfzehnniilionenvolke verlangt, daß es seine Politik nicht auf e: sie Massen und seine Starken, sondern auf eine '^schwindende^Minorist |0n Baldgetauften einstellen iie^re Existent ״ Houston Statut Chamberlain verianken, nämlich daß den Juden schöpferische Originalität elile, daß sie nur in der Berührung mit den westlichen (ulturen schöpferisch zu werden vermöchten, dies alles st zwar ganz außerordentlich absurd, aber schließlich ioch so wenig originell, daß es uns nicht veranlassen *ürde, «ns mit dem Verfasser des Leitartikels austinanderarsetzen. Bestimmend hierfür war für uns lediglieh die Tatsache, daß sich auf der gleichen Seite me der Leitartikel ein Bericht über neue Judenpogrome n Polen findet, der mit dem Satze des Warschauer Dziennik Nowy“ vom 23. März schließt: ״Es gibt sohl kaum einen nüchtern und ehrlich denkenden Mensehen, der in, den Pogromen, die mit Raub und Mord aber Polen dahingehen, eine vorübergehende und zulällige Erscheinung sähe. Und um das Maß voll zu machen, finden wir auf der nächsten Seite unter der Spitzmarke ״Eine Hetzlüge“ die Feststellung, daß die Aktien der Kriegsleder-Aktiengesellschaft zu 40 Prozent dem Reiche gehören, während sich der Rest von 60 Prozent in den Händen von 42 Gerbereifirmen, deren nhaber fast durchweg nicht jüdisch, auch nicht jüdischer Herkunft sind, befinde und daß die Gesellschaft ihre 0«winne demnach nicht, wie in der Presse behauptet wird, an ihre angeblich fast ausschließlich1 jüdischen Aktionäre verteile. Wer möchte bestreiten, daß ebenso wie der Warschauer ״Dziennik Nowy“ irgendein deut- $£hes Blatt berechtigt wäre, zu schreiben: Es gibt wohl kaum einen nüchtern und ehrlich denkenden Menschen, der die antisemitische Gesinnung und Agitation in Deutschland für eine vorübergehende und zufällige Erscheinung hielte? Nun, wir Zionisten nehmen es für uns in Anspruch, zu den nüchtern und ehrlich denkenden Menschen des ״Dziennik Nowy“ zu gehören, die den Antisemitismus in Polen sowohl wie den in Deutschland nicht für vorübergehende und zufällige Erscheinungen halten, die 8>ch bewußt sind, daß die Tatsache unseres Judeseins, unseres Andersseins der letzte Grund ist für alle Gegen- *ätze zwischen der jüdischen Minorität und den Ijerrsehenden Völkern, daß Unser offenes Bejahen des Anders- *eins diese Gegensätze nicht vergrößert ebenso wie das sinnlose Verneinen sie verkleinern kann, daß es feige und töricht zugleich ist, wenn man eine Problematik Und Konflikte dadurch beseitigen will, daß man sich ihnen gegenüber blind stellt Und einfach ihre Existenz bestreitet Nicht ״der Erfolg d§s Zionismus bringt“, wie die ״Frankfurter Zeitung“ meint, ״die Juden der Diaspora *> eine Lage, die immer nur ein Kompromiß sein könnte“. Der Erfolg des Zionismus klärt lediglich die Situation der Juden in der Diaspora, insofern er, wie der Artikel der ״Frankfurte! Zeitung“ unseres Erachten• zutreffend ״Der Zionismus erstrebt Mir das Jüdische Volk die Schaffung einer Affenüldt-redtilldi gesicherten Heimst&iie fn Palästina. “ Baseler Programm. Palästina-Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland 26. bis 29. Mal 1919,' im Kaisersaal des »Rheingold“, Berlin, Beüevuestraße Tagesordnung: Montag, den 26. Mai, vormittags 9*/t Uhr, präzise: 1. ״Die politische Form des. Gemeinwesens in Palästina.“ Richard L ic n t h e i m. 2. Diskussion. Nachmittags 4' Uhr, präzise: 1. Ausiedlungsmögiichkeiten (allgemeine Landesver- . hältnisse Palästinas, Fragen der öffentlichen Arbeiten, der Landwirtschaft, der Industrie, des Handels, Berufsvorbereiting). Davis Trietach. 2. Diskussion. Dienstag, den 27. Mai, vormittags 9Vs Uhr, präzise: Fortsetzung der Diskussion über da» Referat von Davis T r i e t s c h. Nachmittags 4 Uhr, präzise: Unterreferate: Sanitäre Fragen: a) allgemeine: Dr. Brünn, b) spezielle: Dr. Elias Auerbaeh. Diskussion. Bau- und Unterkunftsfragen. Prof. Baerwald. Diskussion. ״Frauenarbeit in Palästina“. Fr. Sonia Oronemann. Mittwoch, den 28. Mai, vormittags 9V1 Uhr, präzise: 1. ״Nationalisierung des Bodens.“ Dr. Fritz Sternbe rg. 2. Diskussion.;!» .. . , .. ״:V-,״״״• J 2. Diskussion. Donnerstag, den 29. Mai, vormittag» 9y* Uhr, präzise: 1. ״Die Finanzierung der Kolonisation.“ Hans Go•- 1 a r. 2. Diskussion. Nachmittags 4 Uhr, präzise: 1. ״Biidungswesen.“ Professor Dr. Loews 2. Diskussion. Eia tri ttska rten für Gäste sind zum Preise von 3 M. für die ganze Tagung zu haben. Falls briefliehe Zusendung gewünscht wird, sind 0,20 M. für Spesen beizufügen. Zur Uebernahme eines Mandates haben sich bereit erklärt: Dr. Julius Loewenheim, Dr. Albert Baer, Dr. Felix Theilhaber, San.-Rat Dr. Emil Simonsohn, Aron Hermoni, Alfred Berger, sämtlich Berlin, sowie Louis Ma rcus- Rees. bemerkt, durch die Errichtung eines jüdisch-nationalen Gemeinwesens ln Palästina bewirkt, daß auch in den Augen der weniger bewußt lebenden Menschen schon die Zugehörigkeit zur jüdischen Religion ein Merkmal der Nationalität ist, eine Tatsache übrigens, die mtdi vorher schon neben den Nationaljuden allen historisch denkenden Nichtjuden etwas durchaus Selbstverständliches war. Daß die deutschen assimilatorischen Juden erst unter dem Zwang der Tatsachen und nur widerstrebend zu dieser Auffassung kommen würden, konnte nur der mit ihrem Geistesleben nicht genau Vertraute bezweifeln.““ « Unter den Zeitschriften, die ihre Leser in wohlwollender Weise über den Stand unserer Bewegung ortentieren, ist besonders der ״Neue Orient“ und die ״Deutsche Levantezeitung“ zu nennen, auf die hinzuweisen wir bereits wiederholt Gelegenheit hatten. Der ״Neue Orient“ veröffentlicht in seiner Nummer 11/12 einen Aufsatz von Adolph Koch ״Der Zionismus vor seinem Triumph“. Der!Artikel gibt an Hand des Berichte* der ״Jüdischen Rundschau“ Nr. 18 eine genaue Darstellung des Empfanges der zionistischen Delegation vor dem Zehnerausschuß in Paris und zitiert genau die der Friedenskonferenz seinerzeit Unterbreiteten zionistischen Forderungen. Er weist dann auf die überaus bedeutsame Tatsache hin, daß eine der größten Schwierigkeiten, die der zionistischen Bewegung bisher auf ihrer Arbeit im Wege stand, näm- Sch die Araberfrage, durch den bedeutsamen Brief des Emir F aisul beseitigt worden ist. Im weiteren Teil seines Artikels geht der Verfasser in Anlehnung an einen Artikel in der ״Jüdischen Rundschau“ auf die Bedeutung der Londoner zionistischen Konferenz ein und betont die unverbrüchliche Einheit der zionistisehen Organisation. Der Verfasser schließt seine Darstellung mit den Worten, daß ein RücicMick auf die Geschichte des Zionismus vom ersten Basler Kongreß l>is zum 27. Februar 1919 sich in die Worte zu sammenfassen lasse: ״Der Zionismus vor sein e m T r i um ph.“ Dieselbe Nummer des ״Neuen Orient“ beschäftigt sich noch in einer Reihe von weiteren Stellen mit dem jüdischen Palästinaproblem. Es wird über die Konferenz der Agudah und deren Palästinabeschlüsse berichtet, mwie verschiedene Zeitungsstimmen zur Palästinafrage veröffentlicht. Bemerkenswert ist besonders eine längere Abhand hing über das Verhältnis der Juden, Araber und Armenier. Ausgehend von einer Rede Nahum Sokolows über die gemeinsamen Aufgaben dieser drei orientalischen Völker wird ein längerer Artikel aus New Statesman veröffentlicht, der betont, daß die Verhältnisse zwischen Juden und Arabern sich besonders durch die Tätigkeit Dr, W e i z m a n n s in Palästina außerordentlich herzlich und günstig gestaltet haben und daß alle Schwierigkeiten durch die von ihm gepflogenen Unterredungen beseitigt worden sind. Die ״Deutsche Levante-Zeitung“ bringt in ihrer April-Nummer einen Aufsatz des Professors Dr. W. F, Bruck zur Frage der jüdischen Anaedhingen in Pa lästina Prof. Bruck hat während des Krieges eine Studienreise durch die asiatische Türkei gemacht, um besonders die Bedüsungen der BaumwollWirtschaft zu erforschen. Er spricht sich in seiner Arbeit mit großer Anerkennung über die Leistungen der jüdischen Kok> nisten in Palästina aus. ״Mein Eindruck von de■ Leistungen dieser Einwanderer war der, daß ihre Sied• lungen, ebenso wie jene der zugewanderten Templer, wie grüne Oasen in der Steppe erschienen. Demi was sonst in der Nachbarschaft vorhanden war, war ein« herabgekommene Fellachenwirtschaft.“ Bei der Frage der Eignung des Juden zum Bauern unterscheidet Bnufc. beWedipt־fl,. .. . kulturen, *unterseheilet "ir *wn ^1י und den Juden als Arbeiter. In. der ersteren Eigenschaft hat er ganz hervorragende Vertreter kennen gelernt und zwar in Fällen, in denen es sich sowohl ran Etaenbesitz als (um Leitung einer Farm handelt Als Mitarbeiter aber hält er die Menschen, die seit Generationen mehr geistigen Berufen obliegen, für ungeeignet. Er hält es für unmöglich, kritisch veranlagte und geschulte Individuen zu solcher Stufe herabzustoßen. - - Dazu ist zu bemerken, daß es sich, was Prof. Bruck anscheinend übersieht, im wesentlichen nicht nur um Angehörige intellektueller Berufe handelt, die sich in Palästina dar Landwirtschaft widmen wollen, sondern um jene große Schar von Menschen, die aus den Kreisen der Handwerker und Gewerbetreibenden hervorgehen, um kl Palästina Bauern zu werden. Je mehr Verständnis che zionistische Palästinafwde rung in der öffentlichen Meinung findet, um so inehr bleibt es unsere Aufgabe, immer wieder auf den engen Zusammenhang Nnzuweisen, der zwischen der Sicherung der nationalen Rechte in der Diaspora und der Schaffung eines Zentrums .in Palästina besteht. Nur dann wird ein lebensstarkes Palästina entstehen und bestehen können, wenn das ganze jüdische Volk aus seinem gesicherten Leben heraus am Aufbau teilnehmen kann. So gewinnt der Artikel Hugo Bergmanns in der Basler ״N a t i o - nal zeitung“, der diesen Problemen gewidmet ist, besondere Bedeutung. Das jüdische Volk, so führt Bergmann aus, kann ein würdiges nationales Dasein nur erhoffen, wenn Recht und Gerechtigkeit die Welt neu erbaut. Während die Forderung auf eine nationale Heimstätte iri Palästina von der ganzen Welt heute begriffen worden ist, steht man der Forderung auf nationale Minderheitsrechte in den Ländern jüdischer Massensiedlung noch großenteils ablehnend gegenüber. Das jüdische Volk kann nicht hoffen, pich je wieder ganz in Palästina zu vereinen, es wird in Palästina nur das Zentrum, das Rückgrat seines nationalen Lebens sehen können. Ein Zentrum aber ist unsinnig ohne Peripherie. Die Juden wollen keinen Staat im Staate bilden, sondern gute und loyale Staatsbürger sein und ehrlich zum Wohle des Landes beitragen, in dem sie leben. Sie erheben aber Ansprach darauf, ein eigenes völkisches Leben zu führen, ebenso •wie die Tschechen für ihre nationale Minorität in •Wien eine eigene Vertretung im Parlament von Deutsch-Oesterreich verlangt und erhalten haben. Wie die ,Tschechen in Amerika und in Rußland danach strebe«, die Verbindung mit der Heimat aufrecht zu erhalten, so werden auch die Juden ihren Zusammenhang durch