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Jüdische Rundschau · 1919-04-18 · Heft 28 (18.4.1919) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 28 (18.4.1919)
Date
1919-04-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion u. Verlag W. 15, Sächsische Str, 8. Erscheint jeden Dienstag n.Freitag. Abonn.bei d.Exp. u.d. Postämtern viertelj. M.6,— in Deutschland, in Oesterreich Kr. 12,!.Ausland M.10,— "״Nummer 28 j Bert Inj' 181' IV. I 919 An zeig en-Verwaltung: Welt-Verlag G. m. b. H., Berlin NW. 7, Dorotheenstraße 35. Telephon: Amt Zentrum 4814 *.4815. Anzeigenpreis für die sechsgespaltene NoapareiDeseOe 75 Pf., Teuerungszuschlag 20%. Telephon: Amt Uhlnnd 845 n. 486. Postscheckkonto: Berfa Nr. 17392. Für Oesterreich: Postsparkassenamt Sdieckkonto Nr. 156030. Redaktionsschluß Sonntag u. Mittwoch nachm. 18 Adar II 5679 XXIV. Jahrg. Der Zionismus •ratrebt fSr die jüdische Volk die Schaffung einer öffoatüoh-rechtliclj gesicherten Heimstätte in Palistiaa. ״Baseler Programm״ Die Palästinawoche des Jüdischen Nationalfonds Die politische Konstellation hinsichtlich Palastinas hat unsere eigene Tatkraft und Opferfreudigkeit in hohem Maße gestärkt. Wir wollen uns jedoch immer wieder in Erinnerung rufen, daß die Anerkennung unseres Endzieles durch die Friedenskonferenz nur den Rahmen für unsere eigene Arbeit, die Voraussetzung unseres eigensten Werkes bilden kann. Was uns die Konferenz verspricht, das müssen wir erst dem Judentum und der Menschheit halten. Diesem unseren Willen u Erez Israel wollen wir jetzt durch eine Palästina-Woche erneut Ausdruck geben. Wir stellen uns in ihr ganz auf Erez Israel ein, beachäftigen uns in dieser Zeit ganz besonders mit unserem Lande und den Problemen seines Wieder- «ufbaus, gestärkt in unserer Stimmung durch den Grundgedanken des Peßachfestes, daß der Auszug aus Mizrajlm zu jeder Zeit der Anfang wahrer Freiheit sei. Als konkreten Ausdruck dieser unserer Stimmung wollen wir unsere Tätigkeit für den Nationalfonds aufnehmen. In dieser Woche wird ein jeder von uns sich noch einmal zu überlegen haben, ob er nach seinen Kräften und nach seinem Vermögen genügend für den Aufbau von Erez Israel geleistet hat; er wird insbesondere seiner Teilnahme an der Entwicklung einer jüdischen Heimstätte in Palästina ist im Wachsen begriffen. Für uns gilt es jetzt, das kleine Feuer durch die Kraft unserer Begeisterung, durch die Stärke unseres Willens — dokumentiert in eigenem Opfermut in der Palästinawoche — zu einer großen Flamme zu entfachen. In der Palästinawoche wollen wir zu unseren deutschen Stammesgenossen von Erez Israel reden, und dem ״Chacham“, der uns fragt, was uns Zion, bedeutet und dem ״Tarn“, der noch nichts von Zion gehört hat und erst jetzt auf unsere Bewegung aufmerksam wird, werden wir klar zu machen haben, wie das jüdische Volk in ewiger Wahlverwandtschaft mit seinem Lande gelebt hat, daß jetzt seine Zeit gekommen ist, und der Wiederaufbau des Landes durchgeführt werden muß. Und dem ״W'schecnu jodea lisch’ol“, dem Unmündigen, der noch nicht zu fragen versteht, ihm werden wir sagen, daß die Utopie keine Utopie mehr ist, daß der Jahrtausende alte Traum Wirklichkeit wird; wir werden ihm erzählen, daß schon vor dem Kriege junge Juden aus Sehnsucht zum Lande der Väter in Palästina blühende Kolonien geschaffen haben, daß Erez Israel schon jetzt über 40 solcher Siedlungen mit jüdischen Kolonisten d landwirtschaftlichen Arbeitern beherbergt und Propaganda ins Werk zu setzen. Wir hoffen, daß unser erster Versuch gelingen wird, und wollen unser Bestes daran setzen, damit diese Woche ״ausgezeichnet sei vor allen anderen Wochen“. Dr. Albert Baer, Berlin. Wert gelegt werden, weil durch sie, die immer wiederkehrende, freiwillige Steuer, erst das Gefühl der Mitarbeit am Aufbau gefestigt und der Aufbau selbst gesichert wird. Denn der Zionist muß mit dem Bewußtsein steter Verbundenheit an der wachsenden praktischen Arbeit des Nationalfonds hängen. Ist daher in diesem Sinne die Palästinawoche nicht nur für die ״anderen“, sondern ebenso für uns eine Gelegenheit, vom Auszug aus Mizrajim zu erzählen, so soll sie doch auch in besonders wirkungsvoller Weise die Nicht Zionisten an ihre Pflicht gegenüber dem Lande unserer Väter erinnern. Wir haben in der ganzen Zeit der zionistischen Bewegung das deutsche Judentum für Palästina zu interessieren versucht. Der ursprünglich beliebte Einwand, das Land sei unfruchtbar und könnte seine ,Bewohner nicht ernähern, ist schon längst verstummt. Der negativen Haltung folgte ein Zustand passiver Resistenz. Man gab wohl zu, es sei etwas schönes, Juden in Palästina anzusiedeln, man sei durchaus nicht dagegen, allein bei diesem Zugeständnis ist es im ganzen bis jetzt geblieben. Wir dagegen wiesen immer wieder darauf hin, daß einst der Tag der Massen ein Wanderung kommen müsse, und daß es unsere Pflicht sei, das Land hierauf vorzubereiten. Man wollte uns nicht hören, ■0 blieben wir allein, und in unserer splendid »solation schufen wir die Grundlagen, auf denen jetzt großzügig weiter gebaut werden kann. Aber «och ist das Land nicht genügend vorbereitet, alle diejenigen Stammesbrüder aufzunehmen, die schon jetzt bereit sind, mit ihrem Schweiße das Land der Väter zu düngen, ״in eiliger Hast den Stab in der Hand“. Hätte uns das kapitalkräftige deutsche Judentum geholfen, «נ wäre die Möglichkeit, sofort »acli Friedensschluß jüdische Einwanderer jLn Masse« nach Palästina zu bringen, weit größer gewesen. Darum beklagen wir es, daß das deutsche Judentum in all der Zeit indifferent geblieben ist, ״nd je länger es zögert, desto stärker wird die Verantwortung auf ihm lasten, wenn tausende unserer im Elend verkommenden Stammesgenossen ■pch Zurückbleiben, noch warten müssen, bis auch für sie die Stunde der Erlösung schlägt. Jetzt endlich scheint es, daß das Interesse der deutschen iüdenhdt zu erwachen beginnt. So ganz spurlos »nd die Ereignisse der letzten Monate auch an <ten deutschen Juden nicht vorübergegangen, die Jahren in den städtischen Siedlungen, ln den be* bräischen Schulen geschaffen sind. So werden wir den bisher indifferenten deutschen Juden den Beweis für die Durchführbarkeit unserer Ideen, erbringen. Insbesondere werden wir immer wieder darauf hinweisen, daß der Jüdische Nationalfonds der stärkste Faktor und das finanzielle Instrument der gesamten Kolonisationstätigkeit bisher war und in noch größerem Maße sein wird. Wir werden über die Tätigkeit des Nationalfonds in der Vergangenheit und׳ über seine gewaltigen Zukunftsaufgaben zu sprechen haben. Wir werden dartun, daß der Nationalfonds sowohl nationale wie auch soziale Arbeit geleistet hat; nationale, indem erden Boden des Landes erwirbt, der Eigentum des gesamten Volkes für ewige Zeiten bleibt; soziale, indem er das Land für das Volk aufforstet, Wälder und Gärten anpflanzt; nationale und zugleich soziale, indem er dem jüdischen Landarbeiter, ohne dessen Existenz eine wirkliche Inbesitznahme des Landes unmöglich ist, auf eigenen Lehrfarmen Ausbildung und jede Unterstützung durch den Bau von Arbeiterhäusem, Ledigenheimen usw. gewährt. Der Nationalfonds hat begonnen, das jüdische Palästina aufzubauen, und es leuchtet ein, daß die materielle Förderung des Nationalfonds die stärkste Anteilnähme am Kolonisationswerke bedeutet. Gewiß, auch jetzt noch, auch in der Palästinawoche, wird der ״Rosche“ gegen uns auftreten mit der höhnischen Frage: ״Was soll euch dieser Dienst am Volke?“ Wir aber wissen ihm zu antworten, er bleibt, 90 lange er so fragt, der ewig Unerlöste. Vielleicht wird ihn die Palästinawoche eines besseren belehren, vielleicht wird ihn die Kraft unserer Werbearbeit veranlassen, sich uns anzuschließen und auch ein ״Diener am Volke“ zu werden. Dem ganzen deutschen Judentum bietet sich in der Palästinawoche die Möglichkeit, am jüdischen Palästina und dadurch an der Arbeit des Judentums der ganzen Welt Anteil zu nehmen. In der Palästinawoche wird sich zeigen, ob der deutsche Jude sich wirklich für Palästina interessiert oder ob das Interesse nur rein platonisch wie bisher bleiben soll. Ueber alle diese Erwägungen hinweg wollen wir jedoch unsere ganze Kraft anyjannen, um der Palästinawoche zu einem vollen Erfolge zu verhelfen. Es ist das erstemal, daß die deutsche Zenträte, ermutigt durch die bisherigen Erfolge im laufenden Jahre, daran geht, eine solch großzügige Oeffnung des Herzl-Wolffsohn-Maseams io der Palästina-Woche des jfidiscben Nationalfonds Selbst den ältesten und besten Zionisten ist es nicht bekannt, daß in Berlin seit einigen Jahren ek H e rz 1 - Wol f f soha-Mu se u m existiert, in der Neuen Bayreuther Str. 36 im dritten Stockwerk sind acht Zimmer vollständig mit Erinnerungen an unsere beiden ersten Führer angefüllt, die unter der kundigen Leitung von Frau Rechtsanwalt Dr. Leszynsky gesammelt wurden. Das Arbeitszimmer H erzls ist voll ständig im Original aus Wien hierher überführt wor den, seine reichhaltige, aus 3000 Bänden bestehende Bibliothek ist in denselben Schränken wie früher auf bewahrt. Ein zweites Zimmer zeigt Wolffsohns Arbeitsraum, genau wie er in Cöln existierte, auch seine große hebräische Bibliothek ist Wer aufgestellt. Ei« anderes Zimmer enthält in großen Glasschränken per-!,י wie4,'Cr"'wn» 'Sultan erhielt, tausenderlei Andenken van zionistischen Vereinen der ganzen Weh in Gold, Silber und Bronze, u. a. die wundervolle Thorarolle, die ihn! Wilnaer Zionisten bei seiner Am Wesenheit in ihrer Stadt geschenkt haben. Auch der Tisch, an den» Herzl in Paris den ״Judenstaat“ geschrieben hat, ist, mit entsprechender Widmung versehen, erhalten, ferner zahlreiche Gemälde von ihm und seiner Familie, die ihm von hervorragenden Kunst lern gewidmet wurden, Teppiche vom Bezahl, hun derte von Diplomen aus aller Welt, Ein weiteres Zimmer zeigt sämtliche Erinnerungen an Wolffsohn: Wunderschön ausgestattete Diplome, besonders' von seiner südafrikanischen Reise, zahlreiche, bisher nicht bekannte, Bilder Wolffsohns, seiner Gattin und seiner Eltern, be sonders auch ״die“ Menorah, tfie Herzl Wol ff 90h» ge schenkt hat, ferner die Boris Sdiatzschen Reliefs, U. a. das große Bild: ״Trauernde Juden bei der Nachricht von Herzls Tode“. Den wertvollsten Teil des Museums jedoch bildet das Archiv. Hier sind in hunderten von Mappen sämtliche Korrespondenzen sowohl von Herzl wie von Wolffsohn untergebracht und von Frau Dr. Leszynsky in jahrelanger, mühevoller Arbeit systematisch registriert und katalogisiert worden; auch die Tagebücher Herzls sind in Abschrift vorhanden. Frau Dr. Leszynsky hat sich in liebenswürdiger Weise bereit erklärt, das Museum in der Palästina-Woche zugunsten des Jüdischen Nationalfondb zu öffnen und die Führung zu übernehmen. Das Museum wird demnach am Sonntag, den 27. April, vormittags von 11 —1 U h r, am Dienstag, den 29. April, und Donners tag, den 1. Mai, nachmittags von 5—7 Uhr, zu besichtigen sein. Kein Zionist sollte die Gelegen heit verabsäumen, das Museum kennen zu lerne«. Der Eintrittspreis wird in das Belieben des Einzelnen• gestellt. Die Einnahmen des Jüdischen Nationalfonds Die im März 1919 an den J. N. F. abgeführte* Spenden haben insgesamt 655 602 Frcs. ergeben und verteilen sich auf die nachgenannten Länder wie folgt: Rußland 505219 Rbl., England 6106 £, Polen 193 340 M., Deutsch 1 and99 485 M., Nordamerika 3243 Doll, Weißrußland 20 534 M., Südslavische Länder 36775 K., Holland 1931 F!., Oesterreich 16563 K., Schweiz 2925 Frcs., Belgien 2500 Frcs., Palästina 6217 P., Norwegen 1003 K., Aegypten 5186 P., Schwede« 351 K., Litauen 613 M., Tunis 319 Frcs., Austr»- lien 9 £. In Deutschland wurden in den erste« 3 Monaten dieses Jahres 231000 M. gespendet

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